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Thema: Freddie Mac

  1. #1
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    Unglücklich

    Gewinne geringer auszuweisen als sie tatsächlich sind ist auch eine Variante des Betruges - aber immerhin sympathischer als andersherum.

    Dieter

    Der US-Immobilienfinanzierer Freddie Mac hat nach einem Bilanzskandal seine gesamte Führungsspitze ausgewechselt. Der bisher für das operative Geschäft zuständige Präsident David Glenn sei wegen "ernsthafter Zweifel an der Pünktlichkeit und Vollständigkeit seiner Kooperation und Aufrichtigkeit" entlassen worden, teilte Freddie Mac am Montagabend in McLean (US-Bundesstaat Virginia) mit. Auch Firmenchef Leland Brendsel und Finanzchef Vaughn Clarke mussten gehen. Die Aktie brach um 16 Prozent auf 50,26 Dollar ein.
    Der Austausch des Top-Managements folgte den bereits bekannt gegebenen Unregelmäßigkeiten in den Bilanzen der Jahre 2000 bis 2002. Dabei sollen die Gewinne geringer ausgewiesen worden sein, als sie tatsächlich waren, um zukünftige Ergebnisse glätten zu können. Auch die Kapitalreserven sollen in Wirklichkeit höher als berichtet gewesen sein. Die US-Börsenaufsicht SEC wird nach einem Zeitungsbericht prüfen, ob das Unternehmen gegen Börsengesetze verstoßen habe. Die neu aufgestellten Bilanzen dürften wohl erst im dritten Quartal vorgelegt werden, hieß es nun. Freddie Mac und das Schwesterunternehmen Fannie Mae verwalten Hypothekenkredite über 3,3 Billionen Dollar und kontrollieren damit etwa 40 Prozent dieses Marktes in den USA. Wie stark dieser neue Bilanzskandal den Dollarkurs belasten wird, ist noch nicht sicher.

  2. #2
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    Hallo, Dieter,

    >>Dabei sollen die Gewinne geringer ausgewiesen worden sein, als sie tatsächlich waren, um zukünftige Ergebnisse glätten zu können.<<

    Ich habe mich nicht näher mit Freddie Mac beschäftigt, aber das machen doch (zumindest in Deutschland) fast alle Banken. Vielleicht nicht in diesem Ausmaß - aber über Wertberichtigungen und Abschreibungen auf Anlagegüter und ähnlichen Schickschnack kann ich doch jede Bankbilanz in einem gewissen Rahmen frisieren - in die eine wie in die andere Richtung.

    Ich kann da deswegen nichts wirklich Dramatisches erkennen. Da allerdings die Bilanzen in den USA eher Inhaberorientiert sind, d.h. Bewertungen realistischer sind als in Deutschland, kann das natürlich einen Verstoß gegen Gesetze darstellen.

    Gruß,
    JuliaPapa
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  3. #3
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    Hallo,

    hier liegen die Gründe woanders. Das eigentliche Problem dürfte im Ausmaß der Derivate liegen. Sie explodierten von 1993 bis 2001 von 72 auf über 1.600 Mrd $. Heute haben wir 2003 und die Summe dürfte sich wesentlich erhöht haben.

    Nur wegen zu gering ausgewiesener Gewinne werden doch nicht gleich drei Top-Leute entlassen, das glaube ich nicht. Gab es überhaupt schon mal einen solchen Fall mit drei entlassenen Top-Leuten auf einmal? Allein diese Tatsache sagt mir, dass da was nicht stimmt.

    Der CEO hat ein Abfindungspaket von 24 Mio. $ plus Aktienoptionen von 14,2 Mio. $ erhalten.

    WEB hat bis 2000 (glaube ich, muss nochmals nachsehen) alle Aktien von FRE verkauft. WEB spricht doch nicht zum Spaß über das Ausmaß der Derivate.

    Aber irgendwie scheint das noch nicht bei den Anlegern angekommen zu sein. Die Aktie ist ein Short-Kandidat.

    Grüße
    flippi

  4. #4
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    Hallo Flippi,

    <Die US-Börsenaufsicht SEC wird nach einem Zeitungsbericht prüfen, ob das Unternehmen gegen Börsengesetze verstoßen habe.>

    Noch ist nichts bewiesen. Im Zusammenhang mit FRE habe ich nichts über Derivate gelesen.

    Wenn 3 Topleute Bilanzverschönerung dulden, sind es vielleicht keine Topleute und für das Unternehmen nicht mehr tragbar.

    WEB hat unter anderen auch Aktien von C, OSI und JNY verkauft. Wo ist das Problem? Interessanter ist die Frage nach dem Warum.

    Ich finde meistens nur Infos über Kauf und Verkauf, nicht jedoch immer über die wahren Hintergründe.

    Gruß
    Dieter

  5. #5
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    Hi Dieter,

    dieser Artikel schreibt über das Derivateproblem von FRE:

    http://www.usnews.com/usnews/issue/0.../23freddie.htm

    -----
    Does this sound familiar? A much-admired corporate giant with impenetrable finances makes a cryptic announcement of accounting irregularities and sends its top executives packing (some with multimillion-dollar payouts). Criminal and securities investigations are launched, and Congress plans a hearing.

    And the risk is clearly substantial. Freddie Mac owns or guarantees $1.3 trillion worth of mortgages and has hedged against interest-rate and repayment risk by investing millions of dollars more in intricate financial instruments known as derivatives. Fannie Mae, which has been considered the more aggressive of the two, owns or backs nearly $2 trillion in loans.

    ------
    Kurzübersetzung:

    FRE besitzt oder garantiert Hypotheken im Werte von 1,3 Billionen $ und hat sich gegen Zinsraten und das Rückzahlungsrisiko abgesichert mit Millionen von Dollars - bekannt als Derivate.

    Die Geschichte hat ja erst begonnen. Wir werden sehen, was rauskommt.

    Grüße
    flippi

  6. #6
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    Noch ein Artikel:

    http://www.chron.com/cs/CDA/ssistory...siness/1952433

    --------
    As the two have grown and maneuvered the markets as sophisticated financial institutions, an increasing part of their business has been in derivatives, which are complex financial instruments used to hedge interest-rate risks.

    Sound familiar? Derivatives played a role in the stunning collapse of Enron in late 2001, were behind the near-demise of hedge fund Long-Term Capital Management in 1998 and have popped up in other financial scandals.

    Kurzübersetzung:

    ein zunehmender Teil ihres Geschäftes wurde in Derivaten, komplexe Finanzinstrument, die gegen die Zinsrisiken absichern, getätigt.

    Klingt das nicht bekannt?! Derivate spielten eine Rolle beim Kollaps von Enron 2001 - auch beim Hedge-Fonds Long-Term Capital Management 1998 - und bei anderen Finanzskandalen.

  7. #7
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    Hallo Flippi,

    ich kann die Art und Weise der Absicherung gegen Zahlungsausfälle nicht beurteilen. Nur weil das Wort "Derivate " darin vorkommt gleich in Panik zu verfallen, halte ich für übertrieben. Ich sehe das eher so wie JuliaPapa. Übrigens machen das nicht nur Banken, sondern auch große industrieunternehmen - in die eine sowie in die andere Richtung. Was in der Vor-Enron-Zeit normal war, ist jetzt völlig tabu. Das verstehe ich auch, weil darauf jetzt fast jeder sensibilisiert ist. Die gesamten Zusammenhänge verstehen die wenigsten Anleger, aber Unregelmäßigkeiten wird erstmal verkauft. Vielleicht eine weise Entscheidung, es gibt ja genügend alternative Investmentmöglichkeiten.
    Die Short Rate liegt derzeit bei 0,8%. Bin gespannt ob die demnächst nach oben schnellt.

    Gruß
    Dieter


    "Smoothing."
    Freddie Mac's troubles date back to January, when the company announced that its new accounting firm, PricewaterhouseCoopers, believed that its prior accountant, Arthur Andersen of Enron fame, had misclassified some of its derivatives. As a result, the company said it would restate earnings for the past several years. Investors shrugged off the announcement because Freddie Mac said the move would actually result in higher profits. Enron and WorldCom, of course, had done just the opposite--inflated their profits to keep their stock prices high.

    Low-balling profits is a technique that has been used (though generally denied) to achieve the art of earnings "smoothing." Throughout the 1990s, many companies, including the bluest of the blue chips, occasionally set aside a little extra profit in good quarters so they could goose earnings in troubled periods. That kept reported profits steadily marching upward. But in the new, zero-tolerance investing era, even well-intentioned smoothing has become suspect.

  8. #8
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    Hallo Dieter,

    <Nur weil das Wort "Derivate " darin vorkommt gleich in Panik zu verfallen, halte ich für übertrieben.>

    Es geht nicht um das Wort Derivate, sondern um die Höhe des Wertes. Ein Wert von rund 700 Mrd $ ist bestimmt nicht wenig.

    Fannie Mae mit einem ähnlichen Wert - und wir sind schon bei rund 1,350 Billionen $ bei nur zwei Hypothekenbanken.


    http://reuters.com/finance....ndsNews

    ------Anfang

    Freddie Mac derivative position grew to $700 bln-report
    Fri June 20, 2003 12:00 AM ET

    NEW YORK, June 19 (Reuters) - Freddie Mac FRE.N , the U.S. government-sponsored mortgage financier under investigation for its accounting, grew its derivatives-trading positions at the end of September to nearly $700 billion, up 46 percent from 2000, The Wall Street Journal Online reported late on Thursday.
    Citing company documents, the newspaper said the magnitude of Freddie Mac's derivatives position -- financial contracts that protect it against changes such as interest rate swings -- is even greater than that of its larger rival, Fannie Mae, whose position is valued at $657 billion.

    A representative of Freddie Mac did not immediately return a call seeking comment.

    Earlier, The Journal reported that Freddie Mac may restate earnings for the past few years higher by between $1 billion and $3 billion, with a corresponding drop in future years, citing unnamed people familiar with the matter. The company declined to comment on the report, saying it would be speculative to give an estimate of its restatement.

    Freddie Mac said in January it planned a three-year restatement of earnings in part because of its use of derivatives.

    --------Ende

    Grüße
    flippi

  9. #9
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    Das Neueste von FRE:

    FRE wird nach einem Zeitungsbericht im Rahmen der Neuerstellung seiner Bilanzen für die vergangenen drei Jahre den Gewinn um vier Milliarden Dollar höher ausweisen.

    http://www.boerse-online.de/special....DIE-MAC

    http://www.ftd.de/ub/fi/1056459051357.html?nv=cpm

    Hier noch ein Artikel von gestern, der etwas detaillierter berichtet:

    http://www.faz.net/s....nt.html

    --------------Ausschnitt Anfang:

    In Frage steht die Bilanzierung von Derivaten, also von Finanzinstrumenten, die zum Beispiel von herkömmlichen Wertpapieren, Rohstoffen oder Zinsen abgeleitet werden. Freddie Mac nutzt Derivate, um sich gegen Zinsschwankungen abzusichern. Freddie Mac und sein größerer Konkurrent Fannie Mae kaufen Hypotheken von Banken, bündeln sie in neue Wertpapiere und emittieren sie am Kapitalmarkt. Zudem geben sie selbst Anleihen aus, um mit den Emissionserlösen auf eigene Rechnung Hypotheken und hypothekenbesicherte Wertpapiere kaufen zu können. Freddie Mac ist wie Fannie Mae ein gewinnorientiertes Unternehmen, das aber den staatlichen Auftrag hat, Amerikaner beim Bau von Eigenheimen zu unterstützen.

    Das Risiko für die Gesellschaften: Die Hypothekenschuldner können ihre Hypotheken bei fallenden Zinsen vorzeitig zurückzahlen und anschließend zu günstigeren Konditionen refinanzieren. Für die Anleihen ist das in den meisten Fällen aber nicht möglich. Freddie Mac und Fannie Mae emittieren nach Angaben von Analyst Hughes zwar große Summen vorzeitig kündbarer Anleihen, um dieses Risiko zu minimieren. Wenn die Zinsen fallen, kaufen die Gesellschaften die höherverzinsten Anleihen zurück und geben neue zu niedrigeren Zinsen aus, um ihr Ergebnis nicht mit zu hohen Zinszahlungen zu belasten. Dennoch bleibe immer noch genug Potential für Zinsschwankungen, deren Auswirkungen die Gesellschaften mit Derivaten minimieren wollen. Der Kurs dieser Papiere steigt beispielsweise, wenn die Zinsen fallen und sichert so das Risiko teilweise ab.

    Die Derivatepositionen bei Freddie Mac waren Berichten zufolge bis Ende September 2002 auf fast 700 Milliarden Dollar gestiegen. Das ist ein Anstieg um 46 Prozent gegenüber 2000, aber eine deutlicher Rückgang gegenüber den über 1 Billion Dollar im Jahr 2001. Es gibt aber keine Hinweise darauf, daß wegen der hohen Positionen, wie zunächst befürchtet, dem gesamten Finanzsystem Gefahr drohe oder das Freddie Mac signifikante Verluste gemacht hat. Große Positionen in Derivaten sind nach Ansicht von Händlern allerdings ein Risiko, wenn die Zinsen stärker schwanken sollten.

    Unterdessen wird auch Fannie Mae kritisiert. Die "New York Times" zitierte am Montag einen unabhängigen Wirtschaftsprüfungsfachmann und einen Risikofondsmanager, die vermuten, daß Fannie Mae im vergangenen Jahr große Verluste mit einer komplexen Bilanzierung legal verschleiert habe. Beide Informanten wetten auf fallende Kurse von Fannie Mae. Der Risikofonds-Manager argumentierte, daß Fannie Mae Milliardenverluste gemacht hat, als die Zinsen im vergangenen Sommer fielen. Hausbesitzer refinanzierten ihre Hypotheken und Fannie Mae sicherte sich nicht dagegen ab, weil sie den rapiden Fall der Zinsen nicht richtig prognostiziert hatte.

    Fannie Mae dementierte die Vorwürfe. Der Aktienkurs der Gesellschaft fiel nach Veröffentlichung am Montag aber trotzdem um 2,7 Prozent und sorgte für vereinzelten Verkaufsdruck auf Anleihen von Fannie Mae.

    -----------Ausschnitt Ende

    Grüße
    flippi

  10. #10
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    Hallo,

    jetzt geht es auch noch um die Rückstellungen:

    SEC Looking at Freddie Reserves - Report
    Tue July 8, 2003 01:19 AM ET

    NEW YORK (Reuters) - The U.S. Securities and Exchange Commission's investigation of Freddie Mac FRE.N , the No. 2 U.S. housing company, has widened to include its reserve accounts, The Wall Street Journal said on Tuesday.

    Freddie Mac has acknowledged that it managed its accounting to deliver steady earnings growth, and swept out its top management after an internal audit. It said a lack of accounting expertise and weak controls led to accounting errors by its staff.

    U.S. regulators are now looking at whether Freddie Mac used its reserve accounts, which are kept to cover potential losses, to control profits and smooth out earnings, The Wall Street Journal said, citing unnamed sources.

    Freddie Mac said two weeks ago it knowingly made some adjustments to its reserve accounts that did not comply with generally accepted accounting principles, the newspaper reported.

    Freddie Mac's explanation for the way it handled reserve accounts will probably be closely analyzed by the SEC, The Journal said.

    Regulators' investigations to this point have focused on Freddie Mac's accounting for hedge instruments, such as derivatives.

    Grüße
    flippi

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