Aus der FTD vom 5.11.2001
Unilever

Nur die permanente Revolution führt zum Sieg. Wer es Leo Trotzki nicht
geglaubt hat, wird durch Unilever eines Besseren belehrt. Bei dem Seifen-
und Lebensmittelgiganten währt nichts ewig, außer der Umstrukturierung.
Unilever-Chef Niall FitzGerald verfolgt zielstrebig den jüngsten
Fünfjahresplan - schließlich war er in seiner Jugend überzeugter Kommunist.
Das ist teuer. Der Vorsteuergewinn ist im dritten Quartal um ein Drittel
gesunken. Schuld waren vor allem Abschreibungen und Zinsbelastungen nach
Übernahmen wie Bestfood und Slim-Fast.

Dagegen hat sich das operative Geschäft gut gehalten. Die Erwartungen waren
nach einer Gewinnwarnung im September gedämpft. Unilever hat sie
übertroffen. Von diversen, hoffentlich außergewöhnlichen Kosten abgesehen,
sind die zu Grunde liegenden Gewinne um sechs Prozent gestiegen. Der Sprung
der operativen Marge um 1,6 Punkte auf 15,7 Prozent war besonders
erfreulich. Die Integration von Bestfood schreitet zügig voran. Auch
Luxusartikel, wie Valentino und Calvin-Klein-Parfüms, dürfte es nicht so
schlimm wie befürchtet erwischt zu haben. Die Strategie, sich auf die 400
Topmarken zu konzentrieren, hat sich als richtig herausgestellt. Deren
Umsätze sind trotz Konsumschwäche um 5,4 Prozent gewachsen. Unilever
scheint den selbst gewählten Wachstumspfad wacker zu verfolgen.

Zuletzt haben Nahrungsmittelwerte gegenüber zyklischeren Branchen an Boden
verloren. Unilever hat es besonders getroffen. Nach den skeptischen
Schätzungen von CSFB liegt der Unternehmenswert nur noch beim 9,2fachen des
Gewinns vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen. Nestlé ist mit dem
Zehnfachen bewertet, Danone dem 9,3fachen, obwohl beide zuletzt wenig
appetitanregende Ergebnisse vorgelegt haben. Unilever könnte bald einen
Aufschlag verdienen. Aber ein gutes Quartal macht noch kein Seifenparadies.
Das Unternehmen muss erst zeigen, dass die Margenverbesserungen nicht nur
aus Kürzungen in den Marketingausgaben stammen. Das würde sich langfristig
rächen. Schon so manche Revolution hat bekanntlich ihre Väter gefressen.