Sixt wäre in Deutschland nicht lebensfähig"

Erich Sixt im Interview»
Im Zuge der Reform will die Koalition die Verlagerung von Gewinnen ins Ausland verhindern und denkt darüber nach, auf Schuldzinsen künftig Körperschaftsteuer zu erheben, über Hinzurechnung oder eine Zinsschranke. Welche Folgen ergäben sich für Sixt?

Sixt ist ein dynamisches Unternehmen und ist bei der Expansion auf Fremdmittel angewiesen. Wir zahlen derzeit rund 260 Millionen Euro an Zinsen, Mieten, Pachten und Leasingraten. Müssten wir 50 Prozent davon versteuern, wie es der Bundesfinanzminister vorschlägt, kämen auf unseren Vor-Steuer-Gewinn von 90 Millionen Euro noch 130 Millionen Euro drauf, so- dass selbst bei einem Unternehmenssteuersatz von knapp 30 Prozent über 70 Millionen Euro Steuern fällig würden. Das entspricht einem Steuersatz von über 80 Prozent statt bisher knapp 40 Prozent. Sixt wäre damit in Deutschland nicht mehr lebensfähig.

Trotzdem bleiben Sie ruhig.

Das täuscht. Ich nutze jede Gelegenheit und weise auf die verheerenden Konsequenzen hin. Das Ganze ist beunruhigend genug. Wir gehen aber nicht davon aus, dass die derzeit diskutierten Überlegungen in dieser Form umgesetzt werden. Wenn die Regierung tatsächlich eine solche Unternehmenssteuerreform durchsetzt, müsste der Finanzminister zusätzlich eine Fülle von Ausnahmen für den Mittelstand beschließen.

Wie müsste die Steuerreform denn Ihrer Meinung nach aussehen?

Eine Flat Tax wäre das Beste. Aber leider ist die Idee von Paul Kirchhof nicht vermittelbar. Entlastung und Entbürokratisierung – das scheint nicht zum deutschen Wesen zu passen. Wenigstens aber hätte die große Koalition nun die systemwidrige Gewerbeertragsteuer auf Dauerschuldzinsen abschaffen sollen – ein Ungetüm aus den Dreißigerjahren, das man bis heute nicht ins Englische übersetzen kann, auch weil niemand im Ausland auf die Idee käme, Schuldzinsen zum Ertrag zu rechnen.