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Thema: Masterflex AG

  1. #1
    Erfahrener Valueist JuliaPapa
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    Guten Abend,

    trotz der laufenden Europameisterschaft habe ich es geschafft, in der letzten Woche meine erste Analyse seit langem fertigzustellen.

    Es geht dabei um ein vergleichsweise kleines Unternehmen aus dem Ruhrgebiet, das mit seinen Produkten zum Teil Weltmarktführer ist. Leider habe das nicht nur ich, sondern auch schon viele andere Anleger entdeckt, so daß die Aktie reichlich teuer ist. Die Gesellschaft jedoch halte ich für gut.

    Aber lest selbst:


    Value-Analyse Masterflex AG


    1.) Profil
    Die Masterflex AG beschäftigt sich hauptsächlich mit der Entwicklung und Verarbeitung des vielseitigen Kunststoffes Polyurethan (PUR). In den letzten Jahren hat dieser Werkstoff in vielen Bereichen seinen Siegeszug angetreten, da er entscheidende Vorteile gegenüber herkömmlichen Werkstoffen wie PVC, Gummi und sogar Stahl besitzt. Ein wichtiges Unternehmensziel ist es, die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten von PUR zu erforschen und in innovative Produkte umzusetzen. Die Basis des mehr als fünfzehnjährigen Erfolges ist dabei das erfahrene Forschungs- und Entwicklungsteam der Masterflex AG sowie die Beherrschung der gesamten Wertschöpfungskette vom Material über die Prozesstechnologie bis zum eigenen Außendienst. Mit diesem Know-how konzentriert sich die Masterflex AG auf drei zukunftsträchtige Geschäftsfelder: High-Tech-Schlauchsysteme, Medizintechnik und Brennstoffzellentechnologie.


    2.) Allgemeine Unternehmensbeurteilung („Weiche“ Kriterien)

    Ist das Unternehmen einfach zu verstehen, hat es eine beständige Firmengeschichte?
    Die Masterflex AG aus Gelsenkirchen wurde 1987 als GmbH gegründet, und im Jahre 2000 in eine AG umgewandelt und an die Börse gebracht. Damit existiert das Unternehmen bereits seit 17 Jahren. Die Produkte, die Masterflex herstellt, sind High-Tech-Produkte, die natürlich nur Experten verständlich sind. Jedoch bietet insbesondere das wachstumsträchtige Feld der Brennstoffzelle einfache Anwendungsmöglichkeiten: Mobile Versorgung elektrischer Geräte mit Energie, etwa Laptops, aber auch Fahrräder oder Rollstühle.
    Die beständige Firmengeschichte ist da, das Merkmal der Einfachheit der Produkte ist nur bedingt erfüllt.

    Werden die Produkte dringend benötigt, gibt es keinen direkten Ersatz?
    Die Produkte der Masterflex AG sind selbst Ersatz für andere Werkstoffe, z.B. PUR für herkömmliche Materialien wie PVC, Metall oder Gummi. Auch die Brennstoffzelle ist Ersatz für klassische Energieträger. Die vergleichsweise hohen Preise der Produkte mögen zunächst abschreckend sein, aber die verbesserten Produkteigenschaften sprechen im langfristigen Vergleich für Masterflex-Produkte.
    Dieses Kriterium ist aus meiner Sicht nur sehr bedingt erfüllt.

    Gibt es wenig Restriktionen, so daß das Unternehmen expandieren kann? Ist die Produktion einfach auszudehnen?
    Durch Forschung und Entwicklung werden immer weitere Anwendungsmöglichkeiten von PUR geschaffen. Die Entwicklung der Brennstoffzelle ist energiepolitisch wünschenswert. Hier besteht jedoch die Problematik der flächendeckenden Versorgung mit Wasserstoff. Die AG denkt deswegen über eigene Lösungen nach.
    Dieses Kriterium ist absolut erfüllt.

    Sind die Produkte eindeutig von Konkurrenzprodukten zu unterscheiden? Verfügt das Unternehmen über eine monopolartige Stellung?
    Masterflex entwickelt eigene Verfahren, um PUR entsprechend den Vorgaben der Kunden zu verändern. Viele dieser Verfahren und der entwickelten Eigenschaften von PUR sind z.G. der Masterflex AG durch Patente geschützt, so daß sich zum Teil Alleinstellungen im Markt ergeben.
    Diese Kriterien sind absolut erfüllt.

    Hat das Unternehmen noch Wachstumspotential? Wird die Nachfrage noch genügend wachsen?
    Bis heute sind etwa 15 % der Einsatzmöglichkeiten für PUR ausgeschöpft. Von daher gibt es in jedem Fall noch Möglichkeiten für weiteres Wachstum. Auch die Brennstoffzelle steht erst am Anfang ihrer Entwicklung.
    Dieses Kriterium ist absolut erfüllt.

    Hat das Unternehmen weitgehende Freiheit in der Preisgestaltung?
    Zum Teil arbeitet die Masterflex AG als alleiniger Anbieter bei bestimmten Produkten. Von daher kann man durchaus von einem Monopol sprechen. Allerdings konkurriert der Werkstoff PUR mit traditionellen Werkstoffen. Die Masterflex AG möchte diese Materialien durch PUR ersetzen und kann von daher keine zu hohen Preise ansetzen.
    Dieses Kriterium ist aus meiner Sicht nur sehr bedingt erfüllt.

    Ist das Management gut und aktionärsfreundlich?
    Der Vorstand des Unternehmens besteht aus zwei Personen, die seit 2000 unverändert im Amt sind. Die Gesamtbezüge des Vorstands betrugen im Jahr 2003 EUR 702.000, was ich als angemessen betrachte. Die Familien jeweils eines Vorstands- und eines Aufsichtsratsmitgliedes besitzen zusammen etwa 40 % der Masterflex-Aktien. Auf der letzten Hauptversammlung zeigte sich der Vorstand sehr aktionärsorientiert.
    Dieses Kriterium ist aus meiner Sicht erfüllt.


    3.) Meßbare Qualitätskriterien („Harte“ Kriterien)

    Eigenkapitalquote
    Die Eigenkapitalquote betrug 2003 48,2 % und damit nur knapp unter meiner Anforderung von 50 %.

    Eigenkapitalrendite
    Die Eigenkapitalrendite lag von 2000 bis 2002 um 8 %. 2003 waren es 12,8 %. Das Ziel von 15 % wird damit verfehlt, aber die Tendenz ist seit 2001 steigend.

    Gewinnwachstum
    Das geometrische Gewinnwachstum lag 2003 erstmals über 10 % p.a., nämlich bei 13 %.

    „Echte“ Gewinne
    Die sonstigen betrieblichen Erträge bzw. Aufwendungen haben sich im Vergleich zum Vorjahr nur unwesentlich verändert. Mit 2,5 % bzw. 18,5 % der Umsatzerlöse liegen diese Zahlen auch im Rahmen. Von daher sind die Gewinne der Gesellschaft echte Gewinne aus der geschäftlichen Tätigkeit.

    Dividenden und einbehaltene Gewinne
    In den beiden letzten Jahren schüttete das Unternehmen rund 70 % seiner Gewinne aus, davor waren es sogar 90 %. Hier wird der Wert von 50 % nicht erreicht.

    Umsatzentwicklung im Vergleich zum Lager
    2003 stieg der Umsatz um 17,76 %. Die Vorräte legten um 11 % zu. Das bedeutet, daß das Lager weniger zulegte als der Umsatz. Der Gewinn stieg um 48,8 % und damit deutlich stärker als der Umsatz. Grund dafür ist, daß die Aufwendungen durchgehend geringer stiegen als die Umsätze. Auch die relative Steuerbelastung sank. Es handelt sich hierbei also nicht um außerordentliche Gewinne, die sich nicht wiederholen lassen.

    Umsatzrendite
    In 2003 stieg die Umsatzrendite von 4,4 % auf 5,6 %. Der angestrebte Wert von 10 % wird also nicht erreicht.

    Verzinsung der einbehaltenen Gewinne
    Gewinn pro Aktie 2000: EUR 0,52 - Gewinn pro Aktie 2003: EUR 0,83 - Gesamter Gewinn pro Aktie 2000-2003: EUR 2,36 - Gesamte Dividende pro Aktie 2000-2003: EUR 1,65 ==> Hinzufügung zum Eigenkapital: EUR 0,71
    Differenz Gewinn 2003 zu Gewinn 2000: EUR 0,31
    Daraus ergibt sich eine Verzinsung der einbehaltenen Gewinne von 43,66 %. Das ist ein hervorragender Wert, allerdings ist dabei zu beachten, daß diese Berechnung nur einen kleinen Zeitraum von vier Jahren umfaßt.

    Cash-Flow-Marge
    Von -0,3 % in 2001 stieg dieser Wert auf 8,3 % in 2003. Damit ist die Vorgabe von 15 % nicht erfüllt.

    Sachinvestitionen
    2000 und 2001 war dieser Wert aufgrund des niedrigen CF nicht aussagekräftig. 2002 waren es 89,7 %, 2003 54,8 %. Die Richtung stimmt, aber das Ziel von 40 % liegt noch in der Ferne.

    Grad der Anlagendeckung
    Das Eigenkapital von 29 M€ deckt das Anlagevermögen von 35 M€ nicht vollständig. Der Grad von 82 % ist aber noch im Rahmen des „Erträglichen“.

    Immaterielle Vermögensgegenstände
    Der ausgewiesene Goodwill von 15 M€ beträgt die Hälfte des Eigenkapitals von 30 M€. Wünschenswert sind maximal 40 % des Eigenkapitals. Müßte der komplette Goodwill auf einmal abgeschrieben werden, läge das Eigenkapital bei 15 M€ und die Bilanzsumme bei 45 M€. Die EK-Quote läge dann bei einem Drittel, was eindeutig zu wenig ist. Hier ist Vorsicht geboten.

    Pensionsrückstellungen
    Die Pensionsrückstellungen betragen nur 188.000 €, sind damit zu vernachlässigen und stellen kein Risiko dar.

    Aktienoptionen
    Da nur wenige Aktienoptionen ausgegeben sind, gibt es eine wesentliche Verwässerung des Ergebnisses je Aktie.


    4.) Kriterien nach Benjamin Graham

    • Mindestumsatz für ein Industrieunternehmen 100 Millionen US-Dollar: nicht erreicht

    • Das Umlaufvermögen sollte mindestens doppelt so groß wie die kurzfristigen Verbindlichkeiten sein. Außerdem sollten die langfristigen Verbindlichkeiten nicht größer als das Nettoumlaufvermögen sein: ganz knapp nicht erreicht

    • Innerhalb der letzten 10 Jahre sollte kein Verlustabschluß vorgekommen sein: Zahlen liegen erst seit 1999 vor. In diesem Zeitraum gab es keinen Verlustabschluß.

    • Gewinnverbesserung in den letzten 10 Jahren um mindestens 1/3 pro Aktie, wobei zu Beginn und am Ende ein Dreijahresdurchschnitt verwendet werden sollte: Zahlen liegen erst seit 1999 vor. Von 1999 bis 2003 stieg der Gewinn um 64 %.

    • Das KGV sollte nicht über 15 liegen (auf Basis der Durchschnittswerte der letzten drei Jahre): Klar nicht erreicht (32)

    • Der Börsenkurs sollte nicht mehr als 50 % über dem Buchwert liegen. Allerdings kann der Börsenkurs mehr als 50 % über dem Buchwert liegen bzw. mehr als dem 1,5-fachen des Buchwertes entsprechen, sofern nur das KGV niedriger ist. Wir empfehlen, daß KGV und der Buchwertmultiplikator miteinander multipliziert nicht mehr als 22,5 ergeben sollten: Klar nicht erreicht.

    5.) Bilanz-Quicktest nach Peter Kralicek

    1) Eigenkapitalquote
    EK-Quote: (Eigenkapital/Bilanzsumme)*100
    Liegt bei 48 %, damit Note 1 (sehr gut)

    2) Schuldentilgungsdauer in Jahren
    Schuldentilgungsdauer: (Fremdkapital - flüssige Mittel) / Jahres-CF
    Liegt bei 3,47 Jahren, damit Note 2 (gut)

    3) Gesamtkapitalrentabilität
    GK-Rentabilität: (Ergebnis d. gew. Gesch.Tät. + FK-Zinsen)/GK * 100
    Liegt bei 12,9 %, damit Note 2 (gut)

    4) Cash-Flow-Leistungsrate
    CF-Leistungsrate: (Cash-Flow/Umsatz)*100
    Liegt bei 8,3 %, damit Note 2 (gut)


    6.) Bewertung der Aktie

    Signal 1
    DCF-Methode
    Die DCF-Methode ist nicht sinnvoll anzuwenden, da der NCF der Masterflex AG zu sehr schwankt. Zudem liegen nur die Zahlen von 5 Jahren vor. Bei einem Diskontierungszinssatz von 5 % und einem angenommenen NCF-Wachstum von 5 % ergibt sich ein innerer Wert von etwa 17 €, was deutlich unter dem aktuellen Kurs von 27 € liegt.

    Signal 2
    Zukünftiger Unternehmenswert auf der Basis der Gewinne pro Aktie und des Kurs-Gewinn-Verhältnisses
    Bei einer angenommenen Gewinnsteigerung von 20 % jährlich (das Management selbst rechnet mit 30 % jährlich) und einem KGV von 30 errechnet sich ein Kurs von 154 €. Das entspricht einer jährlichen Steigerung von rund 19 %.

    Signal 3
    Unternehmenswert auf der Basis der Eigenkapitalrendite und des Kurs-Gewinn-Verhältnisses
    Diese Rechnung ergibt in 10 Jahren einen Kurs von 24 € - und der liegt unter dem heutigen Kurs.




    Fazit:

    Benjamin Graham hätte diese Aktie vermutlich verschmäht. Und in der Tat handelt es sich bei der Masterflex AG nicht um ein astreines Value-Unternehmen. Ich finde jedoch die Kombination aus „Value“ und „Wachstum“ interessant.

    Value durch das stark wachsende Kerngeschäft mit den PUR-Schläuchen, wo die AG absolute Weltspitze ist. Wachstum kommt durch die Einführung der Brennstoffzelle sowie durch Medizinprodukte aus PUR hinzu. So wird z.B. in diesem Jahr die Beatmungsmaske LaryVent im Markt eingeführt. Mit LaryVent können Stimmbandverletzungen vermieden werden, die heute noch teure Nachbehandlungen erforderlich machen.

    Tatsache ist natürlich, daß die Aktie bei einem Kurs von 27 € für den risikoscheuen Value-Anleger zu teuer ist.


    So, geschafft. Ich würde gerne Eure Meinungen hören, sowohl zur Analyse selbst als auch zum Unternehmen. Bei der Analyse nutze ich weiterhin das Grundschema aus "Investieren statt spekulieren", habe es aber um viele Punkte ergänzt, die ich im Forum oder in der Literatur aufgenommen habe und für wichtig halte.


    Bis dann,
    JuliaPapa
    "Beware the investment activity that produces applause; the great moves are usually greeted by yawns" -- Warren Buffett

  2. #2
    Erfahrener Valueist diwi
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    Hallo JuliaPapa,

    leider kann zu Masterflex nicht viel sagen, da ich mich bisher nicht mit diesem Unternehmen beschäftigt habe. Trotzdem vielen Dank für diesen detaillierten Einblick in das Unternehmen.

    Ich habe eine ähnliche Herangehensweise bei meinen Analysen wie Du gewählt und verschiedene Analyse-Methoden/Aspekte meistenteils aus Büchern (Volker, Buffett, Graham, Lynch, etc) in mein Analyseschema einfliessen lassen.

    Es sieht so aus, als ob Du dich bei der Beurteilung des Managements primär auf die Vergütung und die Beteiligungsverhältnisse konzentrierst.
    a) Wie steht es mit Prognosesicherheit, Ehrlichkeit, Widerstand gegen den institutiellen Imperativ
    b) Welche Massstäbe legst Du bei Management-Vergütungen an? Absolute Werte (z.B. abhängig von Gewinnen) oder eher relative Werte (z.B. im Vergleich zu Konkurrenten)?

    Bei der Durchsicht Deiner Analyse-Punkte sind mir verschiedene "harte" Kriterien aufgefallen, die ich bisher bei meinen Analysen nicht oder nur "weich" berücksichtigt habe:
    - „Echte“ Gewinne
    - Grad der Anlagendeckung
    - Immaterielle Vermögensgegenstände
    - Pensionsrückstellungen

    Kannst Du mir bitte genauer darstellen, wie Du die vier Punkte errechnest, ab wann bei Dir "Alarmglocken" angehen bzw. ab welchem Wert ein Unternehmen in Deinen Augen gut ist (z.B. Schulnotensystem). Oder kannst Du mir bitte Quellen angeben, in denen ich mich hier tiefer zu den vier Punkten einlesen kann.

    Meines Erachtens kommen bei deinen harten Kriterien die langfristigen Schulden ein wenig zu kurz (z.B. im Verhältnis zum EK, zur Bilanz, zum Wettbewerb, Trend, etc)? Oder liegt es einfach nur daran, dass Masterflex keine/wenig Schulden hat?

    Bei der EK-Rendite sind 15% von Dir gefordert. Normalerweise legt man bei "Value" min. 25% an. Gibt es einen besonderen Grund, dass Du hier weniger forderst bzw. Abstriche machst.

    Gruß
    Diwi

  3. #3
    Erfahrener Valueist JuliaPapa
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    Hallo, Diwi,

    die Beurteilung des Managements ist in der Tat sehr schwierig. Ehrlichkeit und Widerstand gegen „den Markt“ kann ich so zunächst einmal nicht beurteilen. Es liegt für mich allerdings auf der Hand, daß ein bedeutender Aktienanteil des Managements mit einem größeren Widerstand einhergeht - wenn mir 50 % gehören, kann ich eher auf Analysten pfeifen, wenn mir keine Aktie gehört.

    Ich habe mich daher eher auf bestimmte Zahlen konzentriert, die ich aus dem Jahresabschluß entnehmen kann. In meinem persönlichen Leitfaden heißt es zu diesem Thema: „Indizien für schlechtes Management können sein: Übermäßig hohe Bezüge, übermäßige Gehaltserhöhungen trotz schlechter Zahlen, Entlassungen von Mitarbeitern usw., übermäßige Gewährung von Aktienoptionen, häufiger Wechsel der agierenden Personen im Vorstand. Für ein aktionärsfreundliches Management spricht eine bedeutende Beteiligung der handelnden Personen an der Gesellschaft.“

    Die Vergütung des Managements würde ich zunächst nur auf die Gesellschaft beschränken. Was hilft es mir, wenn „mein“ Management nur 50 % der Konkurrenz verdient, aber selbst dieser Wert noch zu hoch ist? Und natürlich ist auch die absolute Größe immer diskutabel. Deswegen habe ich in meinem Leitfaden auch auf Veränderungen der Vergütung im Vergleich zum Gewinn abgestellt.

    Zum Thema aktionärsfreundliches Management noch eine kleine Geschichte zu Masterflex. Ich war ja am 9. Juni auf der Hauptversammlung. Nach der HV gab es ein leckeres kalt-warmes Buffet. Ich lud mir also meinen Teller voll und stellte mich an einen Tisch zum Essen. Zwei Minuten später kam jemand anders dazu - es handelte sich um Hiltrud Mütherich, Finanzvorstand der AG. Wir haben dann ein bißchen geschnackt, und als sie sich dann verabschiedete, bedankte ich mich für die nette HV und das leckere Buffet. Daraufhin sagte sie zu mir: „Na ja, das haben ja sowieso Sie bezahlt“.

    Muß man vielleicht nicht überbewerten, aber so etwas hört man doch gerne.


    „Weiche“ Kriterien sind für mich solche, die nicht unbedingt aus Zahlen hervorgehen. Hier muß im Internet recherchiert werden, usw. „Harte“ Kriterien kann ich aber aus Bilanz und G+V ablesen (u.U. nach entsprechender Aufbereitung). Und das sind die vier von Dir genannten Punkte in jedem Fall.

    Ich darf mal wieder aus meinem Leitfaden zitieren:

    „Echte“ Gewinne
    Stammen die Gewinne aus dem operativen Geschäft? Hohe sonstige Erträge oder stark zurückgehende sonstige Aufwendungen deuten darauf hin, daß dies nicht so ist. Steigt der Gewinn deutlich stärker als die Umsätze, so ist dies mit großer Wahrscheinlichkeit auf außerordentliche Faktoren zurückzuführen.

    Grad der Anlagendeckung
    Das Eigenkapital sollte zumindest dem Anlagevermögen entsprechen. Noch besser wäre es, wenn das Eigenkapital zusätzlich Teile des Umlaufvermögens finanziert.

    Immaterielle Vermögensgegenstände
    Immaterielle Vermögensgegenstände sind latent abschreibungsgefährdet. Daher sollte der ausgewiesene Goodwill maximal 40 % des Eigenkapitals ausmachen. Immaterielle Vermögensgegenstände insgesamt sollen maximal 60 % des Eigenkapitals ausmachen. Wie sieht die Eigenkapitalquote aus, wenn der Goodwill mit dem Eigenkapital verrechnet wird?

    Pensionsrückstellungen
    Die Pensionsrückstellungen sollen nicht zu hoch sein, da die Pensionszahlungen später aus laufenden Umsätzen erbracht werden müssen. Eine Quote von 20 % des Eigenkapitals sollte nicht überschritten werden.
    Wird der Zinssatz zur Berechnung der Pensionsrückstellungen erhöht, so sind weniger Rückstellungen nötig (d.h. der ausgewiesene Gewinn steigt). Dies kann ein Hinweis auf eine künstliche Erhöhung des Gewinns sein.

    Diese Sachen stammen alle aus dem ganz hervorragenden Buch „Die Bilanztrickser“ von Christof Schürmann, das schon mal im Forum vorgestellt worden ist.

    Deine Fragen zu „Schulnoten“ zu den obigen Punkten oder auch bei der EK-Rendite machen deutlich, daß die Value-Analyse kein festes System ist, bei dem der Wert X gut ist und der Wert Y schlecht. Das muß jeder für sich selbst entscheiden. Während der eine vielleicht mit 30 % Eigenkapital zufrieden ist, müssen es bei mir mindestens 50 % sein. Dafür bin ich mit 15 % EK-Rendite zufrieden, wo andere 25 % fordern. Ich habe mich mal auf 15 % festgelegt, um ein größeres Angebot an möglichen Unternehmen zu haben. Außerdem geht ja (nicht immer, aber doch fast zwangsläufig) eine hohe EK-Quote mit einer niedrigen EK-Rendite einher - siehe Colgate.

    Und selbst wenn die Kriterien stehen, sind sie keine „Showstopper“ (das Wort habe ich letztens von einem der hochwichtigen Unternehmensberater gelernt, die immer bei uns rumrennen ). Wenn andere Dinge stimmen, können auch 45 % EK-Quote in Ordnung sein.

    Deswegen tue ich mich mit Noten oder so für einzelne Bewertungspunkte schwer. Der Gesamteindruck muß beim Unternehmen stimmen. Die Noten beim Bilanz-Quicktest stammen übrigens vom Autoren selbst, die habe ich mir nicht ausgedacht.


    Bei meinen Analysen unterscheide ich nicht so sehr zwischen kurz- und langfristigen Schulden. Da ich ja grundsätzlich 50 % EK-Quote fordere und die Unternehmen immer noch Rückstellungen haben, sind alle Verbindlichkeiten nicht so sehr hoch. Dann noch die Unterteilung in kurz, mittel, lang - da bleibt dann für die langfristigen Schulden nicht mehr so viel übrig, daß ich das noch großartig in Kennzahlen verarbeiten möchte.


    Vielen Dank für Deine Fragen. Vielleicht ergibt sich ja wieder eine interessante Diskussion. Aber darüber bitte Masterflex nicht vergessen...


    Schönen Tag noch,
    JuliaPapa
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  4. #4
    Erfahrener Valueist JuliaPapa
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    Äh, warum habe ich den Thread Masterflex eigentlich im Bereich P-T eröffnet?

    Man weiß es nicht...

    Volker oder Andreas, könnt Ihr den Thread verschieben?
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  5. #5
    Erfahrener Valueist JanHendrik
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    @ all:

    Ich hatte mir masterflex bisher noch nicht angschaut und fand JuliaPapas Analyse sehr gut.

    Mich stört jedoch eines: Die GKR von 6,17%.
    Klar, die Kapitalkosten werden knapp erfüllt, aber dennoch halten mich niedrige RoIC von 95% der Aktien ab.
    M.E. ist das RoIC DIE Kennzahl schlechthin und ein Unternehmen darf sich hier keine Fehler erlauben.
    Wenn man einmal das RoIC "aufdröselt" wird sehr deutlich, dass man RoIC im abstrakten Sinne mit Flexibilität des Unternehmens gleichsetzen kann.

    Masterflex scheint (typisch für dt. Unternehmen...) mit geringer RoIC gesegnet zu sein.
    Da ich das Geschäft nicht kenne, kann ich nicht urteilen, ob die Produktion besonders aufwendig ist. Die Sachinvestitionen sprechen dafür.
    Ich persönlich werde mir anschauen, in wie weit Masterflex Kapital für Wachstum braucht bzw. Geld für maintenance zurücklegen muss.

    Ein weiterer Punkt ist die ziemlich hohe Ausschüttung.
    Warum investiert das Unternehmen nicht in Wachstum, wenn es es so stark wachsen möchte?

    cya,
    jan

  6. #6
    Erfahrener Valueist prince of persia
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    Moin,

    lange ist's her, dass ich eine Value-Analyse las. Dafür ein Dankeschön an JuliaPapa! Die Analyse fand' ich gelungen. Ich habe sie auch um viele Aspekte erweitert, aber bislang fehlt mir die Zeit das systematisch durchzugehen und schriftlich festzuhalten, doch es klappt auch so. Anders als bei JuliaPapa sind es bei mir v.a. die weichen Kriterien, die ich erweitert habe. Bei den harten Kriterien eigentlich weniger, außer dass ich genau wie JandHendrik RoI-fokussierter bewerte. Ansonsten sehe ich es auch wie JuliaPapa, also nicht dogamtisch, sondern das Gesamtbild muss stimmen. Und natürlich der Preis muss stimmen und hier erwarte ich
    (mittlerweile) 40% Sicherheitsmarge auf eine konservative Schätzung des inneren Unternehmenswertes. Und da macht es bei Masterflex auch schon halt. Ich gehe seit einiger Zeit so vor, dass ich eine Schätzung des inneren Wertes vornehme, das RoIC-Model eignet sich dafür hervorragend,
    und erst wenn der Kurs sich gen 40% Sicherheitsmarge bewegt schaue ich mir Die Lage genauer an. Bis dahin ist bei Masterflex wohl noch ein weiter Weg. Ich werde mir die Aktie daher auf meiner Watchlist vormerken.
    P.S. Die hohe Ausschüttungsquote finde ich angesichts der niedrigeren RoIs absolut angemessen, zeigt es doch, dass das Management was von Valuation versteht. Es gibt da andere Manager, z.B. die von PC-Spezialist, die verstehen nicht viel davon. Da wird das Geld für fragwürdige Projekte a la Marktführerschaft zurückgehalten und der Wert dadurch künstlich niedrig gehalten. Das Unternehmen macht RoIs von 90%, aber es kann seine Gewinne nicht zu diesen RoIs ins Kerngeschäft reinvestieren, stattdessen werden Bankkontorenditen eingefahren. Was kann es da angemesseneres geben, als sie auszuschütten oder Aktien zurückzukaufen. Also ich finde, entweder macht das Unternehmen überdurchschnittliche oder zumindestens durchschnittliche Renditen, dann sollen die Gewinne einbehalten werden, oder die Gewinne lassen sich nicht rentierlich investieren, dann sollten sie aber auch bitte ausgeschüttet werden.

    Viele Grüße
    PoP
    \"Price is what you pay, Value is what you get\"

    (Warren Buffett)

  7. #7
    Erfahrener Valueist diwi
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    Hallo JuliaPapa

    vielen Dank für Deine ausführlichen Antworten.
    Das Buch "Die Bilanztrickser" habe ich mir bereits kürzlich bestellt und es wird meine nächste ausführliche Urlaubslektüre.

    Zum Thema Management:

    Zur Prognosesicherheit

    *Bei einer Unternehmensanalyse sammel ich alle News über die vergangenen Jahre, die ich aus dem Internet zusammen bekomme und durchforste Sie nach Stichwörtern wie z.B.:
    "Prognose, Warnung, estimate, etc". So komme ich zu einer "neutralen" Aussage zum Thema Prognosesicherheit. Dabei interessieren mich aber immer nur die Prognosen des Managements und nicht die von Finanzanalysten.

    Zur Vergütung

    *Ich sehe mich derzeit nicht im Stande die Vergütung einzuschätzen, daher lasse ich diese unberücksichtigt. Noch :-)

    Andere Untersuchungskriterien aus meiner Managementliste
    - Welchen Anteil besitzt das Management am Unternehmen
    - Wie lange macht der CEO bereits seinen Job
    - In welchen Bereichen und bei welchen Firmen war der CEO vorher tätig
    - Besetzung des Aussichtsrat
    - Veröffentlichung laufender für das Business wichtiger Kennzahlen (z.B. Auftragseingang, mtl Umsätze, Kundenzahlen, ..)
    - Geschäftsberichte
    *- Lesbarkeit (Persönlicher Eindruck)
    *- Zyklen der Berichtserstattung
    *- Veröffentlichung auch kritischer Zahlen (z.B. bei Pharma die Patentlaufzeiten, Risiken, Gerichtsverfahren)
    *- Vision / Mission Statement (Werden hier die "shareholder" aufgeführt)
    *- *Segment und Regional Berichterstattung
    - Letzte Kapitalerhöhung
    - Ausschüttungspolitik der Vergangenheit (Dividende trotz Verluste, Dividende trotz hoher Investitionen, etc...)
    - Aktienrückkäufe
    - Ausgabe von Aktienoptionen

    Hallo prince of persia

    Den ROIC kann ich mittlerweile berechnen. Dank der Formel, die hier vor einiger Zeit gepostet wurde. Kannst Du mir bitte
    bei einem ROIC-Bewertungsmodell, mit dem ich den inneren Wert eines Unternehmes berechnen kann, auf die Sprünge helfen. Ist das hier schon mal im Forum diskutiert worden oder gibt es weiterführende Links?

    Gruß
    Diwi

  8. #8
    Erfahrener Valueist JanHendrik
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    @ Pop:

    Klar, wenn das Management nicht rentabel zu investierende Cashflows ausschüttet, dann ist das sehr gut.
    Jedoch sollen sie dann nicht von großem organischem Wachstum reden.

    cya,
    jan

  9. #9
    Erfahrener Valueist prince of persia
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    Hallo,

    @JanHendrik

    OK, ich weiß jetzt nicht genau, was das Management gesagt hat, aber wie es aussieht, hat doch das wenige Kapital, das reinvestiert wurde für zweistelliges, organisches Wachstum ausgereicht, die Kapitalrenditen sind eher schlecht und das Management schüttet einen Großteil seiner Gewinne aus, anstatt damit auf teufel komm raus schlechte Renditen zu erwirtschaften, also sieht doch nicht schlecht aus. Für mich macht das den Eindruck nach einer Shareholder-Value orientierten Geschäftspolitik.

    @diwi

    Schau mal im Thread von Rhoen Klinikum, es dürften dort die letzte Postings von mir sein, ich hatte anhand dieses Beispiels eine Schätzung des innere Wertes vorgenommen. Ansonsten wurde es auch im Thread von JanHandrik besprochen, in der Rubrik Value-Wissen, Threadname: Bedeutung von Sachinvestitionen. Wenn ich Zeit habe, komme ich gerne nochmal von selbst darauf zu sprechen.

    Grüße
    PoP
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    (Warren Buffett)

  10. #10
    Erfahrener Valueist diwi
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    Hallo prince of persia

    vielen Dank für die Erinnerung an die beiden Threads mit den ROIC Modell (FCF & Co).

    Ich habe die Threads in der Vergangenheit gelesen, aber nicht wirklich begriffen. Für mich ist das teilweise noch sehr schwere Kost. Die muss ich erst mal für mich im stillen Kämmerlein anhand einer Modellrechnung durchrechnen.

    Ich kann nur immer wieder über das Wissen vieler Teilnehmer hier im Forum staunen und möchte mal an dieser Stelle ein Riesenlob für das gesamte Forum aussprechen. DANKE

    Gruß
    Diwi

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