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Thema: Rhön Klinikum Vz.

  1. #1
    Erfahrener Valueist
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    Hallo, zusammen!

    Durch einen Beitrag in der TELEBÖRSE bin ich wieder auf ein Unternehmen aufmerksam geworden, das mir vor ein paar Monaten schon einmal aufgefallen ist: Rhön Klinikum Vz.

    Rhön-Klinikum errichtet und betreibt Krankenhäuser (Akut- und Rehabilitationskliniken) in allen Versorgungsstufen und besitzt ab 1.1.2002 25 davon in sieben Bundesländern.
    Laut TELEBÖRSE wird "sich der Anteil privat geführter Kliniken bis zum Jahr 2007 von sechs auf 19 Prozent erhöhen", da der Staat alleine die rund 15 Milliarden Euro für notwendige Investitionen nicht aufbringen kann. "Hinzu kommt: Spätestens im Jahr 2004 ändert sich das Vergütungssystem der Krankenhäuser. Dann wollen die Krankenkassen nicht mehr täglich einen festen Pflegesatz zahlen, sondern nur noch feste Behandlungspreise je Krankheitstyp. Kostenbewusste Anbieter werden dann klar im Vorteil sein."

    Rhön-Klinikum verfügt laut Geschäftsbericht 2000 über beeindruckende Kennzahlen:

    Umsatzrendite (netto): 9,2 %
    Eigenkapitalrendite: 21,2 %
    Eigenkapitalquote: 41,1 %
    Cash-Flow-Marge: 15,7 %

    Wachstum laut Aktien-Analyse (Stand leider nur 1/2001):
    Umsatz: 90-00: 24,6 %, 95-00: 16,1 %
    Gewinn: 90-00: 33,6 %, 95-00: 24,8 %
    Cash-Flow: 90-00: 22,6 %, 95-00: 17,5 %

    Insgesamt also ein durchaus interessantes Unternehmen, das in einer nichtzyklischen Branche tätig ist und zudem gute Wachstumsaussichten besitzt.

    Wenn es nur nicht einen großen Haken gäbe: Das Netto-Cashflow ist aufgrund der teuren Investitionen in neue Krankenhäuser in den meisten der vergangenen Jahren negativ gewesen, z.T. wurden die Cash-Flow-Beträge von den Investitionen sogar um ein Vielfaches überschritten.

    Fällt Rhön-Klinikum als Value-Investment damit weg? Oder ist dieses Unternehmen mit anderen wie McDonalds oder Starbucks zu vergleichen, die ja auch viel Geld für die Neueröffnung von Filialen ausgeben, damit dann aber auch Werte besitzen, die relativ beständig sind und nicht ständig von Verlusten bedroht sind?

    Gibt es eventuell erfahrenere Value-Investor/inn/en, die mir zu diesem Wert und zu meinen Fragen etwas sagen können?

    Mit bestem Dank

    Fabule

  2. #2
    Erfahrener Valueist
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    Hallo Fabule,

    zu Rhön-Klinikum kann ich nicht viel sagen, aber ich füge Dir mal die aktuellen Daten der AA ein, Stand 08/01, Basis Schätzwerte '01:

    Umsatzrendite (netto): 9,2 %; * *9,3
    Eigenkapitalrendite: * *21,2 %, * 19,3
    Eigenkapitalquote: * * *41,1 %, * 38,7
    Cash-Flow-Marge: * * * 15,7 %, * 18,8

    Wachstum laut Aktien-Analyse (Stand leider nur 1/2001):
    Umsatz: 90-00: * * *24,6 %; 24,6 - 95-00: 16,1 %; 16,1
    Gewinn: 90-00: * * *33,6 %; 35,4 - 95-00: 24,8 %; 28,1
    Cash-Flow: 90-00: 22,6 %; *20,3 - 95-00: 17,5 %; 13,0

    Das Fremdkapital in % vom Eigenkapital beträgt satte 142%, da dürfte sich ein Blick hinter die Kulissen lohnen.

    Es ist nicht zu ersehen, ob es über die Jahre steigend ist.

    Woher kommt das Fremdkapital (Banken oder ??) und könnte der Betrieb aufrecht erhalten werden, wenn die Geldgeber den Hahn zudrehen?

    Wird das Kapital ausschließlich zur Expansion benötigt oder auch, um das Unternehmen betreiben zu können? Hohe Betriebskosten.

    Die anderen Qualitätskriterien sind ja soweit o.k., aber wenn es mal nicht so läuft, wie es laufen sollte, müssen die Zinsen trotzdem bezahlt werden.

    Du müßtest Dir also unbedingt die Geschäftsberichte der letzten Jahre anschauen und Dich mit der Finanzierung und dem Geschäftsmodell vertraut machen.

    Viele Grüße

    Dieter

  3. #3
    Erfahrener Valueist
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    Hallo, zusammen!

    Nach längerer Zeit habe ich mal wieder ein Unternehmen analysiert. Es handelt sich um einen deutschen Wert, die Rhön-Klinikum-AG, der zwar nicht alle Value-Kriterien erfüllt, in meinen Augen aber ein interessantes Investment ist.

    Da ich morgen in einen Kurzurlaub fahre, ist die Analyse sicher ein wenig "mit heißer Nadel gestrickt". Ich hoffe, ich habe nicht zu viel vergessen oder zu viele Fehler gemacht und freue mich auf eure kritischen Anmerkungen.

    Value-Analyse Rhön-Klinikum

    Zum Unternehmen
    Rhön-Klinikum ist mit einem Umsatzvolumen von 695 Millionen Euro in 2001 und einem Marktwert von ca. 1,5 Milliarden Euro der größte börsennotierte private Klinikbetreiber Deutschlands. Im Konzern sind in 23 Kliniken (hauptsächlich in Bayern, Sachsen, Niedersachsen und Thüringen) mehr als 9300 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen beschäftigt, die über eine im Haustarifvertrag enthaltene Ergebnisbeteiligung zu wirtschaftlichem Handeln motiviert werden. Im Jahr 2000 wurden über 300 000 Patienten und Patientinnen in Kliniken des Konzerns behandelt. *Die Umsatzerlöse wurden zu ca. 95% mit Akutkliniken und zu ca. 5% mit Rehabilitationskliniken erwirtschaftet (Zahlen von 2000). Da die im SDAX notierten Maternus Kliniken und Marseille Kliniken schwerpunktmäßig im Bereich der Rehakliniken und Pflegeheimen präsent sind, ist die ebenfalls im SDAX notierte MediClin mit einem Umsatzvolumen von 314 Millionen Euro (2001) als größter börsennotierter Konkurrent anzusehen.
    Die Rhön-Klinikum AG feierte 1998 ihr 25jähriges Bestehen am Standort Bad Neustadt/Saale, dem Stammsitz des Konzerns. Der Konzern selbst wird wegen der engen Verzahnung der Krankenhausbetriebe mit dem politischen und wirtschaftlichen Umfeld dezentral geführt, was für die einzelnen Kliniken den Status einer voll funktionsfähigen, rechtlich selbständigen Betriebsgesellschaft mit sich bringt. Alle Kliniken stehen im kontinuierlichen Kontakt und tauschen untereinander Erfahrungen, Kenntnisse und Fähigkeiten aus.
    Nach Ansicht des Konzerns wird es in den kommenden Jahren „eine kontinuierlich steigende Nachfrage nach Krankenhausleistungen – gespeist von einem immer höheren Anteil älterer Menschen in unserer Gesellschaft und medizinisch-technischem Fortschritt – und in der Konsequenz erheblich steigende Krankenhauskosten“ geben. Ziel des Konzerns ist es, „die vielfältigen Gesundheitsdienstleistungen qualitativ hochwertig und rationell, d. h. preisgünstig zu erzeugen. So wird die steigende Nachfrage (...) durch Bezahlbarkeit in der Breite gesichert (...) (und zu einer) Versorgung für jedermann zu jeder Zeit“. Um dies zu erreichen, werden „erhebliche Investitionen in Baumaßnahmen, Modernisierungen, Erweiterungen und technische Upgradings in den älteren Einrichtungen und in struktur-verbessernde Maßnahmen bei neu akquirierten Kliniktöchtern getätigt“. Dadurch ergeben sich Preisvorteile „von bis zu 20 Prozent und bei den reinen Betriebskosten 40 Prozent und mehr.“
    Während in den Jahren 1993-1999 in Deutschland 5,1% aller Krankenhäuser geschlossen und 10,1% der Betten abgebaut wurden, hat der Anteil der Krankenhäuser in privater Trägerschaft um 23,3% und die der privat geführten Betten um 35,4% zugenommen. Trotzdem betrug der Marktanteil der privaten Krankenhausträger gemessen an Krankenhausbetten lediglich 6,7%. Nach eigenen Schätzungen betrieb Rhön-Klinikum 1999 ca. 10% der privat bewirtschafteten Krankenhausbetten und betreute ca. 12% aller Patienten und Patientinnen, die ein Krankenhaus eines privaten Trägers aufsuchten.



    Value-Analyse

    Allgemeine Unternehmensbeurteilung

    Ist das Unternehmen einfach zu verstehen, hat es eine beständige Betriebsgeschichte?
    Rhön-Klinikum betreibt Akutkrankenhäuser (und zu einem geringen Anteil Rehabilitationskliniken) und macht dies seit 28 Jahren. Bis vor kurzem war die Familie Guttenberg mit 26,52% des Stammkapitals am Konzern beteiligt (wurde Anfang März 2002 an die HVB Group veräußert). Der Vorstandsvorsitzende Eugen Münch ist seit Jahren in dieser Position tätig und besitzt mit seiner Familie 24% des Stammkapitals.
    Dieses Kriterium ist für mich erfüllt.

    Werden die Produkte dringend benötigt, gibt es für sie keinen direkten Ersatz?
    Krankenhausleistungen werden trotz einer Tendenz zur Erhöhung des Anteils an ambulanten Behandlungen (die aber größtenteils auch in Krankenhäusern durchgeführt werden) immer in Anspruch genommen und können nur bedingt durch andere Dienstleistungen ersetzt werden.
    Dieses Kriterium ist ebenfalls erfüllt.


    Gibt es wenig Restriktionen, damit das Unternehmen multiplizierbar ist?
    Die Übernahme eines bislang öffentlich betriebenen Krankenhauses ist oftmals mit langwierigen Verhandlungen verbunden, bei denen sowohl Konkurrenten als auch unrealistische Erwartungen der aktuellen Krankenhausbetreiber den erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen erschweren wenn nicht gar verhindern können und zudem die Rhön-Klinikum AG strikt auf die Durchführung ihres Privatisierungskonzeptes achtet. Allerdings wird der Druck auf die öffentliche Hand, die von ihnen betriebenen Krankenhäuser aufgrund fehlender Investitionsmöglichkeiten zu privatisieren, immer größer. Mit den bereits erfolgreich durchgeführten Privatisierungen wächst zudem die Einsicht, dass Krankenhausmanagement nicht unbedingt eine öffentliche Aufgabe sein muss. Es somit eher zu vermuten, dass bestehende Übernahmeschwierigkeiten geringer als größer werden.
    Dieses Kriterium ist für mich bedingt erfüllt.

    Sind die Produkte eindeutig von Konkurrenzprodukten zu unterscheiden?
    Die Masse der Kunden des Rhön-Klinikum-Konzerns besteht je nach Kliniktyp zu 70 bis 85 Prozent aus Patienten und Patientinnen, die als Notfall oder aus traditioneller Verbundenheit zu ihrem regionalen Krankenhaus kommen. Die anderen 15 bis 30 Prozent entscheiden sich jedoch bewusst für die Krankenhäuser des Konzerns und nehmen dafür z. T. längere Anfahrtswege in Kauf. Dieses Verhalten wird sich mit einer in Zukunft eventuell höheren Selbstbeteiligung der Patienten und Patientinnen vermutlich eher verstärken als abschwächen.
    Dieses Kriterium ist für mich bedingt erfüllt.

    Verfügt das Unternehmen über eine monopolartige Stellung?
    Rhön-Klinikum ist zwar der größte börsennotierte private Krankenhausbetreiber und besitzt auf dem Gebiet der Privatisierung öffentlicher Kliniken eine große und langjährige Erfahrung, doch kann von einer Monopolstellung keine Rede sein. Vielmehr ist zu erwarten, dass der sich verstärkende Privatisierungsprozess vermehrt Mitbewerber entstehen lässt.
    Dieses Kriterium ist für damit nicht erfüllt.

    Kann das Unternehmen noch genügend wachsen, hat es noch Wachstumsraum?
    Angesichts der bislang geringen Prozentzahl der privat betriebenen Krankenhäuser (2000: 6,7%), der Marktstellung des Unternehmens, den finanziellen Möglichkeiten und dem sich verstärkenden Privatisierungsdruck für öffentliche Krankenhäuser ist
    dieses Kriterium eindeutig erfüllt.

    Hat das Unternehmen eine Gestaltungsfreiheit der Preise?
    „Die Bundesregierung hat (...) (den) Grundsatz der Betragsstabilität (...) faktisch zur obersten Maxime erhoben. Die Erlöse der Krankenhäuser werden bei einer Zunahme der Behandlungsfälle kurz- und mittelfristig mit der Veränderungsrate der beitragspflichtigen Einnahmen der gesetzlichen Krankenkassen fortgeschrieben. Vor diesem Hintergrund ist der Spielraum für Preiserhöhungen im Krankenhausmarkt sehr begrenzt.“ (Geschäftsbericht 2000, s. 28)
    Dieses Kriterium ist nicht erfüllt.


    Qualitätskriterien

    Eigenkapitalquote
    Die Eigenkapitalquote betrug 2000 ca. 41% und konnte seit 1995 von 19,6% kontinuierlich auf diesen Wert gesteigert werden.
    Dieses Kriterium ist erfüllt.

    Eigenkapitalrendite
    Die Eigenkapitalrendite betrug 2000 knapp 20%. Die durchschnittliche Eigenkapitalrendite für die Jahre 1991 – 2000 beträgt allerdings lediglich 16%. Im Vergleich mit dem Mitbewerber MediClin, der 2000 erstmals eine positive EKR und die nur in einer Höhe von 5,3% erwirtschaften konnte, sind die Zahlen von Rhön-Klinikum als sehr positiv zu bewerten.
    Dieses Kriterium ist nach den Valuekriterien trotzdem nicht erfüllt.

    Gewinnwachstum
    Das geometrische Gewinnwachstum beträgt für die letzten 5 Jahre 24,6% und für die letzten 10 Jahre 32,4% ( bis 2001). Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass Rhön-Klinikum die Rechnungslegung ab 2000 den International Accounting Standards (IAS) angepasst hat und sich somit sowohl für den Gewinn als auch für das Eigenkapital wesentlich höhere Werte ergeben.
    Dieses Kriterium ist trotz dieser Einschränkung jedoch mehr als erfüllt.

    Dividenden und einbehaltenen Gewinne
    Das Unternehmen zahlt regelmäßig eine Dividende, die seit 1994 weniger als 50% des Gewinns ausmacht.
    Dieses Kriterium ist erfüllt.

    Umsatzrendite
    Die Umsatzrendite wuchs seit 1992 kontinuierlich an, betrug 2001 9,5% und wird in 2002 vermutlich erstmals wieder leicht abfallen. Die Stärke von Rhön-Klinikum zeigt sich wiederum im Branchenvergleich. Der Mitbewerber MediClin erreichte 2000 lediglich eine Umsatzrendite von 2,2%, wobei dieser Wert erstmals ein positives Vorzeichen aufwies.
    Dieses Kriterium ist trotzdem knapp nicht erfüllt.

    Verzinsung der einbehaltenen Gewinne
    Die einbehaltenen Gewinne erbrachten sowohl über einen Zeitraum von 5 Jahren als auch über 10 Jahre eine Rendite von über 27%.
    Dieses Kriterium ist erfüllt.

    Cash Flow Marge
    Die Cash Flow Marge schwankte in den letzten 10 Jahren immer um 15% *(zwischen 14 und 18 Prozent) und befand sich 8 mal über und 2 mal unter 15%. Ein einheitlicher Trend ist nicht zu erkennen.
    Dieses Kriterium ist knapp erfüllt.

    Sachinvestitionen
    Der Anteil der Sachinvestitionen schwankte in den letzten 10 Jahren zwischen 53 und 300% und betrug mit stark abnehmender Tendenz im Durchschnitt über 150%.
    Dieses Kriterium ist eindeutig nicht erfüllt.

    Diskontmodell
    Aufgrund der hohen Investitionskosten, die bei der Aquisition neuer Krankenhäuser und der notwendigen Modernisierungsinvestitionen anfallen, macht es meiner Ansicht nach wenig Sinn, diesen Wert zu berechnen, da er in fast allen Jahren negativ ist und somit keine Sicherheitsmarge ergibt. Im historischen Vergleich liegt dieser negative Wert jedoch bei einem momentanen Kurs von 57 € am oberen Ende der Werte und ergäbe somit ein *Kaufsignal.

    Unternehmenswert auf Basis der Gewinne pro Aktie und KGV
    Ausgehend von einem jährlichen Gewinnwachstum von 15 %, einem geschätzten Gewinn von 2,82 € *für das Jahr 2002 und einem durchschnittlichen KGV von 20 ergibt sich für das Jahr 2002 eine zu erwartende Rendite von knapp 15 %.
    Dieser Wert ist im historischen Vergleich an der Spitze und ergibt somit ein Kaufsignal.

    Unternehmenswert auf Basis der Eigenkapitalrendite, der einbehaltenen Gewinne *und des KGV
    Ausgehend von einer EKR von 17 % und Anteil an einbehaltenen Gewinnen von 80 % ergibt sich eine zu erwartende Rendite von gut 11%.
    Dieser Wert liegt im historischen Vergleich ebenfalls am oberen Ende der Renditeerwartungen und ergibt somit ein Kaufsignal.

    Viele Grüße

    Fabule

  4. #4
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    Kleiner Nachtrag:

    Rhön-Klinikum geht davon aus, dass öffentlich geführte Krankenhäuser häufig nicht in der Lage sein werden, die notwendigen Investitionen durchzuführen, um das erhöhte Patient/inn/envolumen zu einem wirtschaftlich vertretbaren Preis zu bewältigen. Eine zunehmende Privatisierung öffentlicher Kliniken ist deshalb für die Zukunft wahrscheinlich. Vor diesem Hintergrund erwartet der Konzern für die nächsten Jahre ein zweistelliges jährliches Wachstum für Umsatz und Ergebnis.

    Hier noch die Antworten auf einige Fragen, die ich dem Konzern per Mail gestellt habe (Dieter, wie du siehst, folge ich deinem Beispiel ):

    "Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich bin ein privater Investor und beschäftige mich momentan intensiv mit
    einer möglichen Investition in Ihr Unternehmen, lese dazu gerade Ihre
    Geschäftsberichte sowie Ihre Pressemitteilungen und habe ein paar Fragen an
    Sie:

    1. Sie schreiben im Geschäftsbericht 1999, dass Sie ca. 10% der privaten
    Krankenhausbetten bewirtschaften und 12% der Behandlungen durchführen. Sind
    Sie mit diesem Marktanteil marktführend oder gibt es noch größere
    Klinikbetreiber? Bislang bekannt sind mir als börsennotierte Unternehmen im
    Bereich der Akutkliniken die MediClin und die Eifelhöhen-Kliniken, die aber
    beide nicht Ihr Umsatzvolumen und Ihre Kennzahlen erreichen. Wenn es noch
    weitere nennenswerte Mitbewerber geben sollte, welche sind dies?
    2. Partizipieren Sie am Gesamtwachstum des privaten Krankenhausmarktes
    über-, unter- oder in etwa proportional? Welchen Anteil am Gesamtmarkt
    streben Sie für die Zukunft an?
    3. Wie schätzen Sie die Gefahr ein, dass ausländische Betreiber mit Ihnen
    auf dem Krankenhausmarkt konkurrieren könnten?
    4. Welche Auswirkungen werden die vom Bundestag beschlossenen Fallpauschalen
    auf die Rentabilität und die Wettbewerbsposition Ihres Unternehmens haben?

    Für eine Beantwortung dieser Fragen wäre ich Ihnen sehr dankbar."

    Antworten:

    "zu 1.: Wenn man den bilanzierungsfähigen Umsatz nimmt, sind wir vermutlich
    die Größten. Es gibt jedoch Träger, die nicht offenlegen, aber behaupten,
    dass sie über 1,6 Mrd. Euro Umsatz machen. *Wir nehmen an, es werden
    gemanagte Trendumsätze als eigene ausgegeben.

    zu 2.: überproportional

    zu 3.: gering

    zu 4.: vermutlich günstig


    Mit freundlichen Grüßen

    Rhön-Klinikum AG
    gez. Münch"

    Die Frage ist also die, die ich schon bei meinem Anfangsposting gestellt habe: Ist die Rhön-Klinikum AG trotz der hohen jährlichen Investitionskosten (die ähnlich auch bei McDonalds auftreten) und des teilweise negativen NCF eine Investition wert?

    Ich bin gespannt auf eure Antworten!

    Viele Grüße

    Fabule

  5. #5
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    Hallo Fabule,

    die Analyse hast Du wieder klasse gemacht und so lerne ich auch einheimische Unternehmen kennen.

    Wie man sieht werden die Investoren (in spe ?) bei Rhön Klinikum ernst genommen, das ist doch als ein positives Zeichen zu werten.

    Die hohen Sachinvestitionen sehe ich nicht ganz so kritisch, denn denen stehen ja entsprechend hohe Immobilienwerte gegenüber.

    RK hat keine Gestaltungsfreiheit der Preise und ist für weiteres Wachstum auf Akquisitionen angewiesen. Mir ist nicht klar, ob das das so ohne weiteres möglich ist?

    Aber ich komme auch wieder auf meine Frage vom Dezember zurück:

    < Woher kommt das Fremdkapital und könnte der Betrieb auch ohne aufrecht erhalten werden? >

    Gewinne sind eine gute und erforderliche Sache, aber mir persönlich sind schuldenfreie Unternehmen mit hohen “Free Cash Flow“ einfach *angenehmer.

    Da bei RK die DNCF-Methode kein aussagekräftiges Ergebnis *liefern kann, diskontiere ich in solchen Fällen den Gewinn, um wenigstens ein Gefühl für die Sicherheitsmarge zu bekommen. Das Modell sieht allerdings etwas anders aus. *

    Annahmen:

    Kurs: 57 €
    Anzahl Aktien: 25,92
    Gewinn: 79‘ €
    Diskontsatz Jahr 1 bis 10: 15%, danach 12% und konstantes Wachstum um 6%

    Wachstumsrate *Jahr 1 bis 10 innerer Wert in €
    10% 58
    11% 63
    12% 67
    13% 72
    14% 78
    15% 84

    Bei 15% Wachstum wird also eine ausreichende Sicherheitsmarge von knapp 50% erreicht.

    Viele Grüße

    Dieter

  6. #6
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    Hallo, Fabule,

    ein paar Anmerkungen zum Thema Rhön-Klinikum hätte ich noch. Auch ich habe mich vor einigen Monaten mit der Gesellschaft beschäftigt. Das war allerdings, bevor ich zur Value-Analyse kam, daher haben Value-Kriterien noch keine Rolle gespielt.

    Zunächst einmal erscheinen mir die Antworten der Investor Relations-Abteilung nicht wirklich gut. Ein einzelnes Wort wie "gering" oder "überproportional" ist für mich keine ausreichende Antwort auf die Frage eines Aktionärs. Da würde ich gerne schon etwas mehr als Begründung oder Einschätzung hören.

    Mir ging das damals ähnlich. Ich hatte nach der Abschaffung der Vorzugsaktien gefragt. Auch dort gab es nur ein lapidares „Der Finanzmarkt findet das in Ordnung“. Darüber hinaus hatte ich nach der Arbeitsbelastung des Personals mit entsprechenden Motivationsproblemen gefragt. Gerade zur Zeit ist das Thema Arbeitszeit der Ärzte ja wieder aktuell. Und beim Pflegepersonal sieht das ja auch nicht anders aus. Dazu die doch eher maue Bezahlung. Die Antwort lautete dann "Die Leute sollen sich nicht so anstellen", wenn auch etwas netter und verklausuliert ausgedrückt.

    Ich finde diese Art der Kommunikation mit (potentiellen) Aktionären nicht sehr gut, und mich hat das dann auch dazu gebracht, mich nicht weiter mit der Aktie zu beschäftigen.


    JuliaPapa
    "Beware the investment activity that produces applause; the great moves are usually greeted by yawns" -- Warren Buffett

  7. #7
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    Hallo, Dieter, hallo, JuliaPapa!

    Zuerst einmal ein Dankeschön für eure Antworten!

    @ Dieter:
    >RK hat keine Gestaltungsfreiheit der Preise und ist für weiteres Wachstum auf Akquisitionen angewiesen. Mir ist nicht klar, ob das das so ohne weiteres möglich ist?<

    Ich glaube schon, dass RK immer wieder die Möglichkeit für Aquisitionen erhalten wird, denn wie schon in der Analyse erwähnt, sieht es so aus, als ob im Laufe der nächsten Jahre aufgrund der bekannten Liquiditätsprobleme der öffentlichen Träger immer mehr Krankenhäuser privatisiert werden müssen. Und da scheint RK ein funktionierendes Konzept zu besitzen, dass zwar gravierende Umstrukturierungen mit sich bringt, letztendlich - zumindest zeigen das die Erfahrungen - aber erfolgreich ist (und zudem erfolgreicher als das der börsennotierten Konkurrenten, s. EKR und Umsatzrendite).

    Die Tatsache, dass RK momentan keine Preise gestalten kann, finde ich nicht wirklich bedenklich, da sie meiner Meinung nach auf der anderen Seite auch keine sinkenden Preise zu befürchten haben (dann würden nämlich die öffentlichen Krankenhäuser noch schlechter aussehen) und die Aussichten hinsichtlich der freien Preisgestaltung in Zukunft nur noch besser werden können.

    >Woher kommt das Fremdkapital und könnte der Betrieb auch ohne aufrecht erhalten werden?<
    Alle langfristigen Finanzschulden (in Höhe von 209 Millionen €) stammen laut Geschäftsbericht aus Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten. Aus dem laufenden Geschäft wurden 2000 ein Zufluss von 86 Millionen € generiert. Das laufende Geschäft wird auch ohne die Investitionen in neue Grundstücke, Klinikbauten, Aquisitionen, Sachmittel etc. einen ähnlichen Cash-Flow abwerfen, oder sehe ich das falsch? Die Investitionen sind also größtenteils dazu da, um die Rentabilität der bestehenden Kliniken zu steigern und neue Krankenhäuser zu bauen oder zu erwerben und damit zukünftiges Wachstum zu ermöglichen.

    @ JuliaPapa:
    Du hast Recht, wenn du schreibst, dass die Antwort des Konzerns auf meine Fragen etwas dürftig war. Andererseits kam sie aber innerhalb von zwei Tagen und war durch Herrn Münch, den Vorstandsvorsitzenden gezeichnet. Er hat sie sicherlich nicht selbst geschrieben, aber wahrscheinlich zumindest etwas dazu gesagt. Ob das klug, das der CEO die Fragen der potentiellen Aktionäre selbst bearbeitet mag dahingestellt sein, eine ausführlichere Antwort von seiner Seite aus wäre aber in meinen Augen Zeitverschwendung gewesen. Ich weiß aber nicht einmal, ob RK überhaupt eine IV-Abteilung besitzt, die solche Dinge bearbeitet. Weißt du etwas darüber?
    Auf jeden Fall wird die Kürze der Antwort für mich nicht den Ausschlag über ein Engagement in dieses Unternehmen geben, dafür sind meiner Ansicht nach andere Dinge ausschlaggebender.

    Viele Grüße

    Fabule

  8. #8
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    Hallo, zusammen!

    Im investor-village wurde Rhön-Klinikum zur Aktie der Woche erklärt:

    http://www.investor-village.de/cms....noSIS=&

    Und außerdem fand ich in einer Lokalzeitung noch folgenden Artikel über ein Thema, das sicherlich Auswirkungen auf die GuV-Rechnung von RK haben dürfte:

    "Kliniken droht der Kollaps


    10.04.2002 / LOKALAUSGABE / DüSSELDORF


    Werden Nachtdienste bald als volle Arbeitszeit angerechnet? 170 000 Überstunden in der Uni-Klinik.
    Düsseldorfs Krankenhäusern droht der Personal-Kollaps. Der Europäische Gerichtshof hat entschieden, dass Nachtdienste in Zukunft voll als Arbeitszeit angerechnet werden. Um dieses Gesetz umzusetzen, müssten allein im Klinikum der Uni über 130 zusätzliche Stellen geschaffen werden. Professor Rolf Ackermann, ärztlicher Direktor: "Grob geschätzt wären das Mehrkosten von sieben bis zehn Millionen Euro. Davon abgesehen: Wie sollen wir die Leute finden?" Schon jetzt schieben Ärzte und Schwestern einen Berg von 170 000 Überstunden vor sich her.

    "Die Unzufriedenheit wächst jeden Tag," so bezeichnet auch Professor Theodor Königshausen, Chef der Inneren Abteilung, die Situation am Gerresheimer Krankenhaus. Denn die neuen Zeiten haben für Krankenhaus-Ärzte bereits begonnen. Sie erproben zurzeit, wonach nächstes Jahr abgerechnet wird: nach dem neuen Entgeltsystem. Das bedeutet, dass jede ärztliche Leistung in einen komplizierten Schlüssel umgewandelt und in einen Computer eingegeben werden muss.

    Der Marburger Bund errechnete, dass diese Prozedur pro Tag für jeden Patienten 20 Minuten dauert. Horst Imdahl, Verwaltungschef der beiden städtischen Krankenhäuser Gerresheim und Benrath, hat auf dieser Basis weiter gerechnet: "Bei 22 000 Patienten in beiden Häusern pro Jahr summiert sich diese Mehrarbeit auf 7 000 Stunden. Das entspricht vier bis fünf Arztstellen."

    Schon ab fünf Uhr früh operieren?


    Und das ist nur der Anfang. Denn wenn Nachtdienste künftig wie normale Arbeitszeiten bezahlt werden müssen, denken die Krankenhäuser über Schichtdienste nach - um die Mehrkosten durch mehr Leistung auszugleichen. Dann könnten Ärzte bereits ab 5 Uhr früh und bis in den späten Abend operieren. Imdahl: "Um Schichtdienst zu ermöglichen, müssten wir in Benrath und Gerresheim 32 Ärzte mehr einstellen. Wer bezahlt das?"

    Ein unlösbares Dilemma. Auch deshalb: "Wir würden nicht genug Ärzte finden, denn der Beruf ist längst unattraktiver geworden", bestätigt Professor Königshausen. Immer mehr Jung-Mediziner gehen lieber in die Pharmazeutische Industrie, zu Krankenkassen oder in Verwaltungen.

    Ein Problem, das auch der ärztliche Direktor des Uni-Klinikums sieht. "Es rumort in der Belegschaft." Denn die, die im Krankenhaus bleiben, fühlen sich immer stärker belastet, leisten zwangsläufig Überstunden "Hier geht niemand pünktlich nach Hause." 130 000 Überstunden sind bereits bezahlt worden, 170 000 sollen mit Freizeit vergütet werden. Aussichtslos. Nach einer Berechnung des Personalrates entspreche dies der Jahresarbeitszeit von 100 Mitarbeitern.

    UTE RASCH"

    Ich werde die Tage mal bei RK nachfragen, was sie dazu sagen ...

    Viele Grüße

    Fabule

  9. #9
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    Hallo Fabule,
    da bin ich mal gespannt, wie das mit dem ganzen Gesundheitswesen weitergeht.
    Ein Bekannter macht gerade sein Arzt-im-Praktikum-Jahr. Es sagt, dass man sich, nachdem bisher kaum eine Stelle und nur zu miesen Bedingungen zu finden war, inzwischen eine aussuchen kann. In absehbarer Zeit werden Krankenhäuser, selbst wenn sie wollen oder können ihre Stellen nicht mehr besetzt kriegen.
    Auch wenn ich mich bei RK nicht auskenne, vermute ich, dass die damit steigenden Personalkosten eine Daumenschraube sind.
    Gruß
    Wolfgang

  10. #10
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    Hallo Fabule,

    vielleicht ist diese Nachricht Balsam für Deine Anlegerseele.

    Gruß

    Dieter

    22.04.2002
    Rhön Klinikum Rekordkurs erwartet

    Das Unternehmen strebe in diesem Jahr einen Umsatz von 855 Mio. Euro an. Es könnten aber auch 1 Mrd. Euro werden, da mehrere Kreiskrankenhäuser und Fachkliniken vor dem Erwerb stünden. Dies sei eine Frage der Abschlüsse. Da die eigenen Kapazitäten ausgelastet seien, expandiere Rhön Klinikum besonders über den Erwerb solcher Häuser.

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