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Thema: Lindt & Sprüngli

  1. #11
    Erfahrener Valueist JuliaPapa
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    Hallo, zusammen,

    passend zum heutigen Adventskaffee fand ich heute folgenden Artikel in unserer Zeitung:


    "Götterspeise

    Eine dunkle Leidenschaft: Die Deutschen entdecken ihre Liebe zu hochwertiger Schokolade

    Von Dany Schrader
    Zerstrittene Nachbarn vertragen sich nach dem Genuss handgeschöpfter Pralinen, Verzweifelte bekommen Mut von einer Tasse heißem Kakao, und ein altes Ehepaar erlebt nach dem Genuss aphrodisischer Schokoladentaler seinen zweiten Frühling. Fünf Jahre ist es her, dass Juliette Binoche in dem Film „Chocolat“ diese süßen Wunder vollbrachte und damit ein ganzes Dorf in Versuchung führte.
    In der Zwischenzeit sind auch die Deutschen in Versuchung geraten – und essen so viel hochwertige Schokolade wie nie. Allein im vergangenen Jahr wurden 8,5 Kilogramm pro Kopf verzehrt. Zwar bleibt der Sieger unangefochten die meist sehr zuckrige Vollmilchtafel, doch eine zwölfprozentige Absatzsteigerung bei zartbitteren bis herben Sorten ist für die Branche Anlass genug, um von einem neuen Trend zu sprechen – von feinwürziger dunkler Schokolade, die früher bestenfalls zum Backen verwendet wurde. Dabei ist gerade sie zu empfehlen: Ihr Geschmack wirkt intensiv und haftet lange auf der Zunge.
    Die Faszination für den Kinofilm von Lasse Halström ist aber nicht der einzige Auslöser für die neue Lust an Schokolade. Beim Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie wird vermutet, dass auch die Reisefreude der Schokoladenkonsumenten zu der veränderten Nachfrage geführt hat. In typischen Schokoladen-Ländern wie Belgien oder Frankreich liegt die Bitterschokolade mit Kakaoanteilen von bis zu 80 Prozent seit Jahrzehnten und anders als bei uns ganz selbstverständlich im Supermarktregal – trotz ihres höheren Preises.
    Endlich greifen nun auch immer mehr Deutsche zu hochwertigen Produkten und immer ausgefalleneren Kreationen. „Es gab Zeiten, da war die Schokolade bei uns fast ein Billigprodukt. Inzwischen wird wieder Qualität geschätzt, und die darf ruhig etwas mehr kosten“, sagt Thomas Pape vom Informationszentrum Schokolade in Leverkusen.
    Die Ideen meisterhafter Chocolatiers scheinen grenzenlos. Während französische Hersteller vor wenigen Monaten auf der Produktmesse „Salon du Chocolat“ in Paris herzhafte Ziegenkäse-Pralinés mit Bitterschokoladeüberzug zum Aperitif und getrocknete Tomaten im Schokomantel als Dessert zum Portwein priesen, zaubern kleine Manufakturen eine immer mannigfaltigere Sortenvielfalt auf den Markt. Die Kollektion des als mutigen Trüffelvirtuosen bekannten Österreichers Josef Zotter etwa bringt es auf mehr als 80 Sorten. Variationen wie Mocca-Hanf oder Bergkäse-Walnuss-Rosine sind populäre Raritäten, deren harmonisches Aroma positiv überrascht. Da kommt es vor, dass die Kunden in hannoverschen Läden wie der „Esplanade“ in der Geibelstraße sogar Vorbestellungen aufgeben, damit die Wunschtafel nicht vergriffen ist. Im Fachhandel „Choco l’Art“ in der Voßstraße achten die Kunden auf die Herkunft des Kakaos – mit Emulgatoren versetzte Mischungen gelten als unrein, Jahrgangsschokoladen bestimmter Kakaopflanzen hingegen sind besonders gefragt.
    Doch auch größere Hersteller fordert die neue Schokoladenliebe zu ausgefallenen Experimenten heraus. Firmen wie Leysieffer stellten ihr Angebot schon früh auf dunkle Tafeln um und verzeichneten damit nach eigenen Angaben Zuwächse. Das Aachener Unternehmen Lindt bietet in diesem Jahr erfreulicherweise erstmals einen Schokoladenweihnachtsmann aus dunkler Schokolade an. Außerdem hat sich die zuvor eher helle Produktpalette deutscher Schokoladenhersteller erweitert: Neben Vollmilchnuss gibt es nun auch ganze Kollektionen dunkler Schokolade mit wunderbar abgestimmten Zutaten wie Erdbeermus und Pfeffer oder Chili und Sauerkirsche.
    Die Idee ist nicht neu: Schon die Ureinwohner Mexikos verfeinerten den herben Geschmack der Kakaobohne im 9. Jahrhundert mit Chili, Pfeffer und Vanille und bereiteten daraus eine Art „Heißer Schokolade“: Die hieß damals „Xocoatl“ und galt als gesandte Speise des Gottes „Quetzalcoatl“. Auch die Azteken glaubten im 12. Jahrhundert an die Schokolade als Quelle von Weisheit, Gesundheit und Kraft.
    Die heilende Wirkung von Kakao haben Wissenschaftler inzwischen tatsächlich bestätigt: Die Inhaltsstoffe der Kakaobohne sollen vor Krebs schützen, den Blutdruck senken und die Ausschüttung des Glückshormons Serotonin im Körper anregen. Dass Bitterschokolade in Verbindung mit Chilischoten tatsächlich wieder Leidenschaft in ein allzu ruhiges Eheleben bringt, bleibt ein Gerücht. „Man kann es ausprobieren. Wer sich aber von der Schokolade so viel erhofft, stört nur den Genuss. Und deshalb essen wir sie doch, oder?“, sagt Pape."


    Interessant finde ich, daß auch auf diesem Gebiet der Geiz-ist-geil-Trend zumindest rückläufig ist. Lindt & Sprüngli würde als hochwertiger Anbieter davon mit Sicherheit profitieren. Gerade in der Weihnachtszeit macht das Unternehmen ja sein Hauptgeschäft, da kommt so ein Trend genau zur richtigen Zeit.

    Warten wir ab, was die Zahlen bringen.


    Einen schönen 4. Advent wüunscht Euch
    JuliaPapa
    "Beware the investment activity that produces applause; the great moves are usually greeted by yawns" -- Warren Buffett

  2. #12
    Erfahrener Valueist filippina
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    Hallo Papa von Julia,

    hier noch ein Interview mit Ernst Tanner (CEO & VR-Präsident):

    http://www.bilanz.ch/edition....ID=2773

    «Man muss wie ein Patron führen»

    Ernst Tanner über seine Machtkonzentration bei Lindt & Sprüngli, den Kampf gegen belgische Schokolade und darüber, was Karrieren und Premiummarken gemeinsam haben.

    Text: René Lüchinger, Marc Kowalsky
    Bild: Vincent von Ballmoos

    BILANZ: Herr Tanner, Sie empfangen uns für das Interview hier im Peninsula Hotel in New York, nicht am Hauptsitz in Kilchberg. Ist Lindt & Sprüngli inzwischen ein amerikanisches Unternehmen?

    Ernst Tanner: Natürlich nicht. Unser Hauptsitz in Kilchberg ist eine Baustelle, da können wir momentan keine grösseren Meetings abhalten. Aber Tatsache ist, dass die USA für uns inzwischen der wichtigste Markt sind. Letztes Jahr haben wir hier nahezu 300 Millionen Dollar Umsatz gemacht, in den nächsten paar Jahren wird es eine halbe Milliarde sein. Und wenn man ein Global Player sein will – und das wollen wir –, muss man hier, im grössten Schokoladenmarkt der Welt, stark sein. Wir haben mit Lindt und unserer US-Tochter Ghirardelli die zwei am schnellsten wachsenden Premiummarken in Amerika überhaupt.

    Ist die Konkurrenz so schlecht?

    Schauen Sie, der Schokoladenmarkt war jahrzehntelang so träge wie fast kein anderer Markt. Bis Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre gab es überall nur eine Hand voll Schokoladensorten: Milch, Milch und Nuss, weisse Schokolade, vielleicht noch mit Mandeln, Praliné- und Fruchtfüllung, dazu zwei, drei andere Sorten. Wir haben seit 1995 den Schokoladenmarkt total revolutioniert. Wir bringen jedes Jahr 20, 30 neue Geschmacksrichtungen auf den Markt. In den USA führte man im Tafelbereich bisher das genau gleiche Sortiment wie in den siebziger und achtziger Jahren. Das ändern wir jetzt. Wir lancieren zum Beispiel hochprozentige Schokoladen – etwas, das man in den USA noch nicht kennt. Diese Revolution ist weltweit, und davon profitieren Konsumenten wie auch Konkurrenten.

    Auch Ihre Mitbewerber bringen ständig neue Geschmacksrichtungen auf den Markt.

    Das müssen sie. Unsere Konkurrenten brauchten früher zwei Jahre, bis sie uns kopiert hatten, jetzt brauchen sie noch sechs Monate. In Sachen Marktforschung und Erkennen von Konsumtrends sind wir unserer Konkurrenz Lichtjahre voraus. Wir arbeiten sehr viel mit Marktforschungsinstituten zusammen, um Trends rechtzeitig zu erkennen.

    Haben Sie diese Marktforschungsmethoden von Ihrem früheren Arbeitgeber Johnson & Johnson (J&J) mitgebracht?

    Ja. Die Amerikaner sind, was Marktforschung anbelangt, den Europäern immer noch weit voraus. J&J hat das schon in den sechziger Jahren akribisch betrieben. Ich bin da durch eine gründliche Schule gegangen, habe zehn Jahre lang alles en détail lernen müssen. Für mich sind die Nielsen-Marktanteilzahlen heute so wichtig wie die Gewinn- und Verlustrechnung. Wenn Sie anfangen, Marktanteile zu verlieren, ist es nur eine Frage der Zeit, bis es auf Ihre Erfolgsrechnung durchschlägt.

    Ist es heute – Stichwort: transatlantische Spannungen – schwieriger für ein europäisches Unternehmen, in Amerika Erfolg zu haben, als noch vor ein paar Jahren?

    Abgesehen davon, dass Amerika willkürlich Strafzölle gegen französische Produkte wie Käse und Schokoladetruffes eingeführt hat und unsere Chocoletti ebenfalls in diese Kategorie hineinfielen, hat sich eigentlich nichts geändert. Es ist nicht nur in Amerika, sondern überall schwieriger geworden, mit neuen Produkten Erfolg zu haben. Der ganze Handel ist inzwischen so konzentriert, dass Sie bei der Einführung von neuen Produkten extrem professionell vorgehen müssen. Die Einkäufer sind heute andere Kaliber als noch vor 20, 30 Jahren.

    Nach den Skandalen bei Enron und WorldCom hat sich mit der Sarbanes-Oxley Act in den USA eine ganze Kontrollmaschinerie aufgebaut. Dieser US- Managementstil ist nun nach Europa übergeschwappt. Halten Sie das für positiv?
    Wenn man ständig Diskussionen darüber führen muss, ob jetzt beispielsweise ein bestimmter Verwaltungsrat unabhängig ist oder nicht, finde ich das mühsam. Aber solange das dem Geschäft und den Aktionären dient, ist es in Ordnung. Etwa dass die Audit Committees das Recht haben, über alles Auskunft zu erhalten, was sie interessiert. Das hatten wir bei J&J schon vor 25 Jahren, und es hat uns nicht geschadet. Als ich mit 32 Jahren Managing Director von J&J Schweiz war, standen eines Morgens vier interne Buchprüfer aus der Konzernzentrale in New Brunswick bei mir vor der Tür. Das finde ich richtig. Ich sage meinen Leuten immer: Wir machen nichts, was die Öffentlichkeit nicht wissen dürfte. So haben wir ein reines Gewissen.

    Die Corporate-Governance-Welle hat zu intensiven Diskussionen über die Ämtertrennung von CEO und Chairman geführt. Nestlé-Chef Peter Brabeck ist deswegen stark in die Kritik gekommen. Wie stehen Sie dazu?

    Das kommt auf den Einzelfall an. Brabeck kann beide Jobs offensichtlich gut bekleiden. In den USA gibt es diese Ämterkumulation schon lange, und sie ist erfolgreich.

    Sie selber besitzen eine noch höhere Machtkonzentration in Ihrem Unternehmen, die vermutlich einmalig ist in der Schweiz.
    Jesses, Macht! Ich habe doch keine Machtkonzentration – ich habe höchstens eine Arbeitskonzentration.

    Das glauben wir Ihnen gerne. Dennoch sind auch Sie CEO und Verwaltungsratspräsident in Personalunion, und zudem stehen Sie dem mit Abstand grössten Lindt-&-Sprüngli-Aktionär vor, dem patronalen Fonds.

    Schauen Sie, ich bespreche alles mit meinen Leuten. Wir reisen gemeinsam in die Märkte, wir diskutieren gemeinsam die Budgets für nächstes Jahr. Und ich bespreche alles mit dem VR …

    … dessen Präsident Sie ja sind.

    Schon. Aber das sind doch keine Entscheidungen, die man im stillen Kämmerlein trifft. Wir haben ein Informationssystem aufgebaut für den VR, das etwas vom Professionellsten ist, was es gibt. Die Verwaltungsräte bekommen vor jeder Sitzung zwei Dossiers, in denen jedes Detail steht. Diese werden im Finanzdepartement erstellt, von mir redigiert, und in der Sitzung schauen wir sie gemeinsam durch. Auch das habe ich von meinem früheren Arbeitgeber übernommen. Manchmal glaubt die Presse wirklich, es gebe irgendwo ein Machtzentrum, wo alles entschieden wird. Das ist aber nicht der Fall. Und abgesehen davon: Selbst wenn ich Macht hätte, ich würde nie etwas entscheiden, das schlecht wäre für das Unternehmen, die Aktionäre oder die Angestellten. Das Wichtigste für mich sind Ehrlichkeit und ein guter Ruf. Deswegen würde ich bei Lindt & Sprüngli überhaupt keinen Vorteil sehen, wenn der Chairman- und der CEO-Job getrennt wären. Denn am Schluss muss einer entscheiden und die Verantwortung tragen.

    Sie führen den Laden wie ein Patron.

    Das muss man auch! Wir, das Topmanagement, kümmern uns um jedes Detail. Dies ist ein Teil unseres Erfolges. Ich kenne genug Unternehmen, da ist der CEO nicht detailliert darüber im Bild, was in seiner Firma läuft. Alles wird delegiert – ich glaube nicht, dass dies gut kommen kann. Das heisst ja nicht, dass ich den Länderchefs sage, was sie machen müssen, aber es heisst, dass ich mit ihnen eine Diskussion aufnehmen kann. Das wird geschätzt.

    Haben Sie keine Angst, dass das System der Checks and Balances …

    … ich wüsste nicht, wie und wo, wirklich nicht! Wie gesagt: Für mich ist der Ruf das Wichtigste. Ich habe mir über die letzten 40 Jahre einen Ruf aufgebaut, und den mache ich mir im dritten Teil meiner Karriere sicher nicht noch kaputt.

    Trotzdem machen Sie sich angreifbar. Sobald Sie eines Tages aus irgendeinem Grund keinen Erfolg mehr haben sollten, würde es heissen: Der Tanner hat den Laden geführt, als ob er ihm gehören würde, das konnte ja nicht gut gehen!

    Sie haben Recht: Da draussen gibt es Leute, die warten nur darauf, dass der Tanner ausrutscht. Und es kann in der Tat sein, dass mich der Erfolg eines Tages verlässt. Aber ich kenne unser Geschäft à fond und glaube deshalb, dass ich dann fundiert begründen könnte, warum wir jetzt halt mal ein Jahr unsere Ziele nicht erreicht hätten. Ich glaube nicht, dass ich mich zu sehr exponiere und angreifbar bin.

    Sie haben einmal gesagt, der Aufbau einer Karriere gleiche dem Aufbau einer Premiummarke.

    Das stimmt.

    Was meinen Sie damit?

    Ich bin vielleicht ein bisschen alte Schule. Ich habe die ersten zehn Jahre damit verbracht, überall mal hingeschickt zu werden, um mir die Basis anzueignen und für verschiedene Chefs zu arbeiten. Eine Karriere braucht Zeit und Geduld, man darf nicht ständig auf der Überholspur sein. In den achtziger Jahren wurden die Harvard-Absolventen frisch ab der Uni von den Consultingfirmen angeheuert für 140 000 Dollar. Diese Leute sind aufgestiegen wie Raketen, um dann schnell wieder zu verschwinden. Wir zahlten einem Produktmanager damals in den USA zwischen 40 000 und 45 000 Dollar. Aber die Leute, die sich die Zeit genommen haben, zu lernen und sich eine breite Basis anzueignen, wurden gefördert und sind heute noch bei uns. Auch eine Premiummarke braucht eine gute Basis und sehr viel Zeit, um aufgebaut zu werden, Sie können sie nicht einfach aus dem Boden stampfen. Deshalb nehmen wir uns, wenn wir in einen neuen Markt gehen, mehr Zeit als andere. Es gibt immer wieder Konkurrenten, die sich mit einem Kraftakt in unseren Markt drücken wollen. Sie zahlen dem Handel hohe Listing-Fees, nehmen unverkaufte Produkte zurück usw. Aber wir wissen genau: Nach zwei, drei Jahren verschwinden sie wieder.

    Seit Ihrem Amtsantritt 1993 hat sich der Umsatz bei Lindt & Sprüngli von 821 Millionen auf über 2 Milliarden Franken erhöht, der Aktienkurs hat sich mehr als verzehnfacht. Was kann die Schweiz aus dieser Erfolgsstory lernen?

    Wir können nur die beste Qualität verkaufen, Masse geht nicht! Und die Qualität muss kontinuierlich hoch sein. Dann brauchen wir eine gute Grundausbildung und stetige Weiterbildung. Ausbildung und on the job erworbenes Know-how sind unser wichtigster Trumpf. Wir müssen unsere Unternehmen so führen, dass grosse Restrukturierungen zum Ausnahmefall werden, und die volle Konzentration unserer Managementkapazitäten auf den weiteren Auf- und Ausbau unserer Unternehmen konzentrieren. Und wir müssen stolz darauf sein, Teil der Schweizer Kultur zu sein. Viele scheuen sich zu sagen: «Ich bin Schweizer und bin stolz darauf.» Aber ich bin Schweizer und bin stolz darauf.

    Als Sie bei Lindt & Sprüngli angefangen haben, gab es zahlreiche andere Unternehmen, die mit ihren Produkten die Schweiz in der Welt vertraten, etwa Swissair, Bally oder auch Mövenpick. Sie sind verschwunden oder haben stark an Bedeutung verloren. Fühlen Sie sich heute allein gelassen in der Funktion des Schweizer Botschafters?

    Allein gelassen nicht. Aber es gibt grössere Firmen als unsere. Die ABB zum Beispiel ist grösser, aber sie kreiert unter der Bevölkerung kein Schweizer Qualitätsimage. Wenn der Strom kommt, sieht man nicht, dass er von der ABB Schweiz kommt. Wir hingegen kreieren jedes Jahr gegen eine Milliarde Kaufentscheidungen zu Gunsten von Schweizer Schokolade und Schweizer Qualität. Insofern machen wir schon einiges für das Land.

    Zurzeit sucht die halbe Schweizer Wirtschaft ihr Heil in China. Sie auch?

    Ich war mit Bundesrat Joseph Deiss neulich auf einer Reise nach China. Wir haben den dortigen Handelsminister getroffen. Ich habe ihm eine Schachtel Lindt-Schokolade überreicht. Da hat er gesagt: «Swiss chocolate is the best – Swiss and Belgian chocolate.» Das mit Belgien hat mich geärgert. Dann bin ich in die Geschäfte gegangen und habe gesehen, warum er das gesagt hat: weil alle chinesischen Schokoladenprodukte gross mit «Belgium» angeschrieben sind. Belgische Truffes, belgische Pralinés, belgische Was-auch-immer. Auch wenn es gar keine Marke ist, so hat die belgische Schokolade dort dieses Qualitätsimage. Aber das werden wir noch korrigieren.

    Das heisst, nachdem Sie die USA erobert haben, nehmen Sie jetzt China in Angriff?

    In den letzten sechs, sieben Jahren habe ich gesagt: Zuerst müssen wir es in den USA schaffen. Ich will mich nicht verzetteln. Wenn wir es dort nicht schaffen, schaffen wir es auch im Fernen Osten nicht. Und Asien ist ein eher langfristiges Projekt, weil der Schokoladenkonsum noch ziemlich niedrig ist. Wir können deshalb nicht sagen, wir erobern China. Wir lancieren Lindt in Peking und Shanghai, mittelfristig vielleicht noch in zwei weiteren Städten. Wir machen erst ein paar Millionen Umsatz in China – aber von etlichen Firmen, die es versuchen, sind wir die einzige, die kein Geld verloren hat. Denn China ist wirklich der wilde Osten. Distributoren zahlen nicht, dann verschwinden sie einfach, tauchen später unter neuem Namen wieder auf usw. Wenn ich etwas hasse, dann ist es, Geld zu verlieren!

    Sie sind jetzt 59. Werden Sie bei Lindt pensioniert werden?

    So Gott will.

    Gibt es nichts, was Sie noch reizen könnte nach dem Motto «Jetzt will ich es noch mal wissen!»?

    Jetzt will ich es hier noch mal wissen!

    Was möchten Sie noch erreichen?

    Die USA liegen mir sehr am Herzen, da möchte ich wirklich, dass Lindt & Sprüngli ein Powerhouse ist. Eine halbe Milliarde Umsatz will ich hier erreichen, langfristig auch eine Milliarde. Und dann reizt mich der Ferne Osten schon. Dann wären wir wirklich ein globales Unternehmen.

    ---------------

    Hört sich das nicht gut an?

    Grüsse, flippi

  3. #13
    Erfahrener Valueist JuliaPapa
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    Guten Morgen,

    zuckersüße Nachrichten gibt es heute aus Kilchberg:

    "Lindt & Sprüngli legt 2005 beim Umsatz deutlich zu

    Die schweizerische Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli AG (ISIN CH0010570767/ WKN 870503) konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr aufgrund eines deutlich gesteigerten Absatzes bei Schokolade und Süßwaren einen kräftigen Umsatzanstieg vorweisen.
    Wie der Konzern am Dienstag bekannt gab, lag der Konzernumsatz im Gesamtjahr 2005 bei 2,247 Mrd. Schweizer Franken (CHF), nach 1,995 Mrd. CHF im Vorjahr. Dies entspricht einem Anstieg von 12,6 Prozent. Bereinigt um Wechselkurseffekte verzeichnete der schweizerische Traditionskonzern einen Erlösanstieg um 11,4 Prozent.

    Für das Gesamtjahr 2005 erwartet Lindt & Sprüngli im Vergleich zum prozentualen Umsatzwachstum leicht höhere Wachstumsraten beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) sowie beim Nettogewinn und geht damit von einer Erfüllung der langfristigen strategischen Konzernziele aus.

    Die Aktie von Lindt & Sprüngli notierte zuletzt an der Heimatbörse mit einem Plus von 2,17 Prozent bei 2.350,00 CHF."

    Das schmeckt die leckere Schokolade mit 70 % Kakao-Anteil gleich doppelt so gut...

    Gruß,
    JuliaPapa
    "Beware the investment activity that produces applause; the great moves are usually greeted by yawns" -- Warren Buffett

  4. #14
    Erfahrener Valueist JuliaPapa
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    Hallo,

    heute wurden Zahlen zum Gewinn gemeldet:

    "Die schweizerische Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli AG (ISIN CH0010570767/ WKN 870503) verbuchte im abgelaufenen Fiskaljahr aufgrund eines deutlich verbesserten Kostenmanagements trotz gestiegener Material- Transport- und Energiekosten ein Rekordergebnis.
    Wie der Süßwarenhersteller am Dienstag erklärte, lag der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) im Gesamtjahr bei 248,6 Mio. Schweizer Franken (CHF), was im Vergleich zum Vorjahr einem Anstieg von 15,2 Prozent entspricht. Der Nettogewinn verbesserte sich im Vorjahresvergleich um 15,9 Prozent auf 172,7 Mio. CHF. Beim Konzernumsatz verbuchte Lindt & Sprüngli ein Plus von 12,6 Prozent auf 2,25 Mrd. CHF.

    Für das abgelaufene Fiskaljahr wird die Gesellschaft der Hauptversammlung die Anhebung der Dividende von 180 CHF auf 225 CHF je Aktie vorschlagen.

    Die Aktie von Lindt & Sprüngli notierte an der Heimatbörse zuletzt bei 2.526 CHF."


    Mal abgesehen davon, daß in der Meldung Aktien und Part.-Scheine durcheinander geworfen wurden, sind das doch nette Meldungen...

    Gruß,
    JuliaPapa
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  5. #15
    Erfahrener Valueist prince of persia
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    Im Handelsblatt gibt es heute Report über den Schoki-Chef:

    Der Premium-Mann

    Ernst Tanner hat den altehrwürdigen Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli mächtig durchgewirbelt. Der Lohn: schwarze Zahlen und ein stetig steigender Aktienkurs.

    OLIVER STOCK | ZÜRICH
    Sollten Sie beim Lesen dieser Zeilen ein Stück Schokolade kauen - macht nichts. Ihre Figur wird nicht leiden. "Schokolade macht nicht dick, sondern glücklich." Das behauptet zumindest Ernst Tanner. Und der muss es wissen. Obwohl: So richtig neutral ist er in dieser Frage auch nicht, als Chef und Verwaltungsratspräsident von Lindt & Sprüngli, einem der weltgrößten Anbieter edler Schokolade.

    Doch immerhin: Er wiegt, wie er so dasteht in seinem gedeckt blauen Anzug, kein Gramm zu viel. Und das, obwohl er gerade wieder eine von diesen rot eingepackten nougatgefüllten Kugeln verzehrt. Und noch eine.

    Managern der Schokoladenindustrie begegnen die Menschen offener als Kollegen aus, sagen wir mal, der Maschinenindustrie. Es ist schon das Produkt, das Herzen öffnet. Dass es auch die Portemonnaies öffnet, daran hat Tanner hart gearbeitet.

    Gestern wurde wieder abgerechnet: Umgerechnet 620 Millionen Euro Umsatz haben die Chocolatiers von Lindt im traditionell schwachen ersten Halbjahr erzielt, eine Steigerung von über 17 Prozent. Als Tanner vor mehr als zehn Jahren in die Führungsetage des Schokoladenherstellers vom Kilchberg bei Zürich einzog, waren es keine 250 Millionen.

    Der Reingewinn beträgt aktuell 6,3 Millionen Euro. Damit hat die Schokoladenfabrik erstmals in der 160-jährigen Firmengeschichte innerhalb der ersten sechs Monate, in denen kein Weihnachtsgeschäft das Ergebnis nach oben treibt, überhaupt schwarze Zahlen geschrieben.

    Aktionäre, die von der jährlichen Hauptversammlung in Zürich kommen, schleppen nicht nur regelmäßig einen blauen Koffer voller Schokolade nach Hause, sondern tragen seit Tanners Amtsantritt auch ein Strahlen im Gesicht, weil sich der Aktienkurs mal wieder vervielfacht hat.

    Wie machen Sie das, Herr Tanner? "Der Aufbau einer Karriere gleicht dem Aufbau einer Premiummarke", sagt Tanner in solchen Fällen und deutet damit an, wie sehr der Chef und sein Produkt miteinander verschmolzen sind.

    Rudolph Sprüngli ist es, der letzte Firmenchef aus der Gründerfamilie, der 1993 sein Amt in die Hände des weit gereisten Bauernsohns aus dem Schaffhausischen legt. Tanner hatte es zuvor im Salben- und Putzmittelimperium des amerikanischen Konsumgüterkonzerns Johnson & Johnson zum Europa-Chef gebracht.

    Der neue Mann lässt es rundgehen im betagten Schoggi-Zentrum: Er feuert innerhalb von sechs Monaten elf der 13 Chefs der Tochterfirmen. Die freien Posten besetzt er mit Vertrauten, überwiegend mit Managern, mit denen er bei Johnson & Johnson zusammengearbeitet hatte.

    Der Auftrag für die neue Führungsmannschaft heißt: profitabel wachsen. Tanner verabschiedet sich vom Massenmarkt, erklärt die deutschen Discounter zur Tabuzone. Er konzentriert sich auf Edelschokolade, forciert die internationale Expansion, etwa nach Amerika, und tritt nebenbei eine kleine Revolution los, in den schokoladenduftgeschwängerten Produktionshallen in Kilchberg ebenso wie in der ganzen Branche: "Bis Anfang der neunziger Jahre gab es überall nur eine Hand voll Schokoladensorten", stellt er fest. "Milch, Milch und Nuss, weiße Schokolade, vielleicht noch mit Mandeln, Praliné- und Fruchtfüllung. Wir aber bringen jedes Jahr 20 bis 30 neue Geschmacksrichtungen auf den Markt."

    Grundlage für die Schokoladenkreationen der Schweizer bildet jene fein schmelzende Schokolade, die der andere Namensgeber des Unternehmen, Rodolphe Lindt, 1879 erfunden hat. In einer Zeit, in der Schokolade vor allem flüssig konsumiert wurde, erfand er die "Conge", eine Reibe in einem muschelförmigen Trog, die die Schokoladenmasse innerhalb von 76 Stunden veredelt. Die Aromen breiten sich aus, säuerliche oder bittere Geschmacksstoffe verflüchtigen sich. Das macht glücklich. In Deutschland gibt es seit 1986 die Tochterfirma Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli GmbH in Aachen.

    Von hier kommt der legendäre goldene Osterhase mit dem roten Halsband und der kleinen Glocke daran. Er ist so beliebt, dass er sogar gefälscht wird - eine Tatsache, die Tanner genauso wie alle anderen Hersteller von Originalen ärgert und gleichzeitig schmeichelt: "Viele Konkurrenten", sagt er, "haben gar keine Entwicklungsabteilung mehr. Die schauen einfach, was wir machen, und machen es nach."

    Zu diesem Weihnachtsfest, für das die Vorbereitungen in der Schokoladenfabrik schon beinahe abgeschlossen sind, will Tanner seine erfolgreiche Tierfamilie vergrößern: Es soll ein ebenso goldig eingepacktes Rentier aus Schokolade geben. "Wir werden dieses Tier zu Weihnachten ähnlich gut wie den Goldhasen zu Ostern großziehen", versichert der Schoggi-König und lacht sein breites Lachen.

    Solche Sprüche machen eben Marketingprofis. Und Tanner ist einer, der sein Handwerk gründlich gelernt hat. "In Sachen Marktforschung und Erkennen von Konsumtrends sind wir unserer Konkurrenz Lichtjahre voraus", behauptet er. Wenn er so redet und dazu Schokolade isst, erinnert er an Nicolas Hayek, der sich mit mindestens fünf Edeluhren gleichzeitig schmückt und mit seiner Swatch-Gruppe ebenso verschmolzen zu sein scheint wie Tanner mit Lindt & Sprüngli. "Lichtgestalten der Schweizer Unternehmerzunft" werden beide in der Schweiz betitelt. Zufällig sitzt Tanner im Verwaltungsrat der Swatch-Gruppe, genauso übrigens wie im Kontrollgremium der Credit Suisse.

    Damit laufen bei dem glücklichen Manager einige Fäden zusammen, an denen er ziehen kann, um in der Schweiz, wo Uhren, Banken und Schokolade ein Viertel der Wirtschaftskraft ausmachen, etwas zu bewegen.

    So viele Ämter könnten anderen Misstrauen einbringen. Peter Brabeck, Chef und Verwaltungsratspräsident von Nestlé und ein ähnliches Multitalent in Kontrollgremien wie Tanner, hat das vergangenes Jahr erfahren. Er segelte, als es bei der Generalversammlung um seine Wahl zum Präsidenten ging, ziemlich knapp an einer Niederlage vorbei. Nicht so Tanner. Weil die meisten Menschen Süßes mögen, mögen die meisten eben auch Tanner. Und auf Kapriolen wie Brabeck, der mit Nestlé Schokolade anbietet und gleichzeitig ein Diät-Unternehmen dazukauft, lässt sich Tanner nicht ein. Bei Begriffen wie "Nutrition" oder "Functional Food", die Brabeck problemlos über die Lippen gehen, erstirbt Tanners Lächeln. "Wer unsere Produkte isst", sagt er und hält nach einer weiteren roten Kugel Ausschau, "soll genießen können, ohne an Gesundheit, Kalorien oder andere Nebenwirkungen zu denken."
    \"Price is what you pay, Value is what you get\"

    (Warren Buffett)

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