Hallo, zusammen,
passend zum heutigen Adventskaffee fand ich heute folgenden Artikel in unserer Zeitung:
"Götterspeise
Eine dunkle Leidenschaft: Die Deutschen entdecken ihre Liebe zu hochwertiger Schokolade
Von Dany Schrader
Zerstrittene Nachbarn vertragen sich nach dem Genuss handgeschöpfter Pralinen, Verzweifelte bekommen Mut von einer Tasse heißem Kakao, und ein altes Ehepaar erlebt nach dem Genuss aphrodisischer Schokoladentaler seinen zweiten Frühling. Fünf Jahre ist es her, dass Juliette Binoche in dem Film „Chocolat“ diese süßen Wunder vollbrachte und damit ein ganzes Dorf in Versuchung führte.
In der Zwischenzeit sind auch die Deutschen in Versuchung geraten – und essen so viel hochwertige Schokolade wie nie. Allein im vergangenen Jahr wurden 8,5 Kilogramm pro Kopf verzehrt. Zwar bleibt der Sieger unangefochten die meist sehr zuckrige Vollmilchtafel, doch eine zwölfprozentige Absatzsteigerung bei zartbitteren bis herben Sorten ist für die Branche Anlass genug, um von einem neuen Trend zu sprechen – von feinwürziger dunkler Schokolade, die früher bestenfalls zum Backen verwendet wurde. Dabei ist gerade sie zu empfehlen: Ihr Geschmack wirkt intensiv und haftet lange auf der Zunge.
Die Faszination für den Kinofilm von Lasse Halström ist aber nicht der einzige Auslöser für die neue Lust an Schokolade. Beim Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie wird vermutet, dass auch die Reisefreude der Schokoladenkonsumenten zu der veränderten Nachfrage geführt hat. In typischen Schokoladen-Ländern wie Belgien oder Frankreich liegt die Bitterschokolade mit Kakaoanteilen von bis zu 80 Prozent seit Jahrzehnten und anders als bei uns ganz selbstverständlich im Supermarktregal – trotz ihres höheren Preises.
Endlich greifen nun auch immer mehr Deutsche zu hochwertigen Produkten und immer ausgefalleneren Kreationen. „Es gab Zeiten, da war die Schokolade bei uns fast ein Billigprodukt. Inzwischen wird wieder Qualität geschätzt, und die darf ruhig etwas mehr kosten“, sagt Thomas Pape vom Informationszentrum Schokolade in Leverkusen.
Die Ideen meisterhafter Chocolatiers scheinen grenzenlos. Während französische Hersteller vor wenigen Monaten auf der Produktmesse „Salon du Chocolat“ in Paris herzhafte Ziegenkäse-Pralinés mit Bitterschokoladeüberzug zum Aperitif und getrocknete Tomaten im Schokomantel als Dessert zum Portwein priesen, zaubern kleine Manufakturen eine immer mannigfaltigere Sortenvielfalt auf den Markt. Die Kollektion des als mutigen Trüffelvirtuosen bekannten Österreichers Josef Zotter etwa bringt es auf mehr als 80 Sorten. Variationen wie Mocca-Hanf oder Bergkäse-Walnuss-Rosine sind populäre Raritäten, deren harmonisches Aroma positiv überrascht. Da kommt es vor, dass die Kunden in hannoverschen Läden wie der „Esplanade“ in der Geibelstraße sogar Vorbestellungen aufgeben, damit die Wunschtafel nicht vergriffen ist. Im Fachhandel „Choco l’Art“ in der Voßstraße achten die Kunden auf die Herkunft des Kakaos – mit Emulgatoren versetzte Mischungen gelten als unrein, Jahrgangsschokoladen bestimmter Kakaopflanzen hingegen sind besonders gefragt.
Doch auch größere Hersteller fordert die neue Schokoladenliebe zu ausgefallenen Experimenten heraus. Firmen wie Leysieffer stellten ihr Angebot schon früh auf dunkle Tafeln um und verzeichneten damit nach eigenen Angaben Zuwächse. Das Aachener Unternehmen Lindt bietet in diesem Jahr erfreulicherweise erstmals einen Schokoladenweihnachtsmann aus dunkler Schokolade an. Außerdem hat sich die zuvor eher helle Produktpalette deutscher Schokoladenhersteller erweitert: Neben Vollmilchnuss gibt es nun auch ganze Kollektionen dunkler Schokolade mit wunderbar abgestimmten Zutaten wie Erdbeermus und Pfeffer oder Chili und Sauerkirsche.
Die Idee ist nicht neu: Schon die Ureinwohner Mexikos verfeinerten den herben Geschmack der Kakaobohne im 9. Jahrhundert mit Chili, Pfeffer und Vanille und bereiteten daraus eine Art „Heißer Schokolade“: Die hieß damals „Xocoatl“ und galt als gesandte Speise des Gottes „Quetzalcoatl“. Auch die Azteken glaubten im 12. Jahrhundert an die Schokolade als Quelle von Weisheit, Gesundheit und Kraft.
Die heilende Wirkung von Kakao haben Wissenschaftler inzwischen tatsächlich bestätigt: Die Inhaltsstoffe der Kakaobohne sollen vor Krebs schützen, den Blutdruck senken und die Ausschüttung des Glückshormons Serotonin im Körper anregen. Dass Bitterschokolade in Verbindung mit Chilischoten tatsächlich wieder Leidenschaft in ein allzu ruhiges Eheleben bringt, bleibt ein Gerücht. „Man kann es ausprobieren. Wer sich aber von der Schokolade so viel erhofft, stört nur den Genuss. Und deshalb essen wir sie doch, oder?“, sagt Pape."
Interessant finde ich, daß auch auf diesem Gebiet der Geiz-ist-geil-Trend zumindest rückläufig ist. Lindt & Sprüngli würde als hochwertiger Anbieter davon mit Sicherheit profitieren. Gerade in der Weihnachtszeit macht das Unternehmen ja sein Hauptgeschäft, da kommt so ein Trend genau zur richtigen Zeit.
Warten wir ab, was die Zahlen bringen.
Einen schönen 4. Advent wüunscht Euch
JuliaPapa




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