Hallo Fillipina,
hast Du Dir den Geschäftsbericht von Nestle mal angeschaut?
Mein Eindruck ist folgender:
Beim Umsatz hat Nestle um 5% zulegen können, was beim langfristigen und mittelfristigen Durchschnitt liegt. Das ist meines Erachtens eine gute Leistung und spricht für Nestle. Laut Analysten hätte sich Nestle dieses Wachstum erkauft. Natürlich, wodurch sonst wächst Nestle denn seit Jahrzehnten? Durch Zukäufe oder habe ich da was verpasst? Aber natürlich spielt auch das organische Wachstum keine geringe Rolle. Ein rückläufiges organisches Wachstum wäre ja geradezu eine tickende Zeitbombe für einen Aufkäufer wie Nestle. Nun die Vorgabe lag bei 4%. 2002 waren es aber real 3,4%. Analysten machen einen Riesentheater draus. Von wegen Schätzungen verfehlt und Erwartungen nicht erfüllt so - kannst Du das verstehen? Ein Glück, dass wir unsere eigenen Erwartungen haben.
Beim Gewinn sieht es natürlich schon etwas geschönt aus. Es fielen hohe Restrukturierungskosten und Goodwill-Abschreibungen im Zusammenhang mit Ralston Purina an. Ohne den Erträgen aus dem Börsengang von Alcon hätte Nestle wohl alt ausgesehen. Meiner Meinung nach ist das OK. Restrukturierungen und Goodwillabschreibungen in diesem Maße sind auch kein Dauerzustand, ebenso wie Erträge aus Börsengängen. Aber wenn man nicht zahlungswirksame Effekte oder Restrukturierungskosten als Misserfolg wertet, so muss man doch einen erfolgreichen Gang an die Börse ebenso als Erfolg werten. Insofern hat es für mich noch ein versöhnliches Ende, was ich akzeptieren kann.
Es fragt sich nur, wie viel Restrukturierungskosten oder Goodwillabschreibungen noch in diesem Jahr auf uns zu kommen. Weißt Du näheres dazu? Zu den *Restrukturierungen soll Nestle noch auf der nächsten Conference Call Auskunft geben. Ein weiterer Faktor ist der starke Franken, der für ein Allerweltsunternehmen wie Nestle auch nicht gerade hilfreich ist. Und Verbraucher scheinen zudem auch bei Markenprodukten zu sparen. An der Geiz-ist-Geil-Welle ist Nestle auch nicht spurlos vorbeigekommen. Und von Rohstoffpreisen brauch ich Rohstoff-Flippi ja nichts erzählen.
Was mich im Allgemeinen stört, ist, dass Analystenerwartungen in Berichten als Messlatte für Unternehmungen angesehen werden. Das finde ich irgendwie nicht angemessen. Dass Kurse darauf reagieren ist verständlich, aber nicht dass Unternehmensleistungen daran gemessen werden. Wie siehst Du das? Zum Unmut der Börsianer ist jetzt auch noch die Übernahme von Dreyer’s gescheitert. Die Aktie gab heute noch mal nach. Und wäre die Übernahme genehmigt worden hätte die Börse vermutlich einen anderen Grund gefunden.
Na ja, mein Fazit lautet, dass es bei Nestle nicht rund läuft. Der Manager sprach auch von „einem herausforderungsreichen Jahr 2003“. *Für meinen Geschmack und als Langfristinvestor finde ich die Geschäftsentwicklung aber noch zufriedenstellend. Bezogen auf die Frage, was noch an Abschreibungen und Restrukturierungskosten auf uns zukommt sei noch gesagt, dass Brabeck damit rechnet, den Reingewinn in diesem Geschäftsjahr noch mal zu steigern. So schlimm kann es also nicht aussehen, oder plant Nestle etwa einen weiteren Börsengang?
Liebe Grüße




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