Hallo Dieter,
na dann mal nichts wie her mit den Excel-Sheets ('kann zur Zeit keine Mails versenden).
So, hier nun meine ersten Auswertungen zu Fielmann:
Profil:
Fielmann ist Marktführer der deutschen Augenoptik. Mit 519 Niederlassungen ist Fielmann inzwischen größter Optiker Europas und drittgrößter Optiker weltweit. (Fielmann macht gerade einmal 15% Umsatz im Ausland). Mit Brillen zum Discount wächst Fielmann seit Jahren schneller als die Branche und konnte seine Marktanteile stetig ausbauen. In der Schweiz, in Österreich und Holland ist Fielmann bereits mit stark steigenden Marktanteilen vertreten. Nach eigenen Erhebungen liegen die Fielmann-Einstiegspreislagen für die Brille unter den Einstiegspreislagen aller Discounter in Europa. In der Schweiz beträgt der durchschnittliche Preis pro Brille ca. 280 Euro, in Holland 270 Euro, in Belgien 250 Euro und in Frankreich 200 Euro. Bei Fielmann kostet die Brille im Durchschnitt 115 Euro. In Deutschland hält Fielmann einen Marktanteil von 22%. Rund 40 Mio Menschen in Deutschland tragen eine Brille; pro Jahr werden etwa 10 Mio Brillen verkauft. Gemessen an Stückzahlen hält Fielmann einen Anteil von 42%; Fielmann verkauft beinahe jede zweite Brille. Fielmann strebt einen Marktanteil von 30% in ganz Europa an. In der EU leben rund 400 Mio Menschen, die jährlich etwa 50 Mio Brillen kaufen.
Wettbewerbsvorteile:
In einer repräsentativen Emnid-Meinungsumfrage (1997) bezeichneten 70% der Befragten Brillen generell als zu teuer. In der Augenoptik sind die Produktionskosten nicht der maßgebliche Faktor für den Endverbraucherpreis. Brillen werden häufig mit wohlklingenden Namen versehen und so per Print preisveredelt. Optiker kaufen beispielsweise Fassungen, die in der Herstellung 10 Euro kosten, vom Zulieferanten für 25 bis 45 Euro. Der Augenoptiker ist kein Fassungsproduzent, er kauft in der Regel Gestelle und rohrunde Gläser und fügt sie in seiner Werkstatt zum Endprodukt zusammen. Fielmann ist Produzent und Augenoptiker.
Fielmann kauft bei den selben Herstellern, die für bekannte Marken und Cotour-Linien produzieren. Mit einem Unterschied: Fielmann bezieht pro Modell erheblich größere Mengen. Da der Optikmarkt so stark zersplittert bzw. heterogen ist, benötigen Großhändler und Optiker bei den niedrigen Mengendimensionen einzelner Optiker jeweils Aufschläge von mehreren 100%. Im Durchschnitt verkauft der traditionelle Optiker am Tag weniger als 5 Brillen, weniger als 1000 im Jahr. Fielmann gibt am Tag über 15.000 Brillen und Sonnenbrillen ab, pro Jahr ca. 5 Mio. Deshalb kann Fielmann zu entsprechenden Konditionen einkaufen. Und durch die Eigenproduktion von Fielmann kauft der Kunde quasi zum Einkaufspreis der Augenoptiker. P.S.: Die eigenen Werke beschichten Fassungen auch für die übrige Industrie. Markenfassung bietet Fielmann bis zu 50% günstiger an als Wettbewerber. *
Die deutschen Augenoptiker sind als Handwerker über Innungen organisiert. Jedes augenoptische Fachgeschäft muss von einem Augenoptikermeister geleitet werden. Das deutsche Handwerksrecht und die Verträge mit den Krankenkassen implizieren also Markteintrittsbarrieren für Outsider. * *
Geschäftsbereiche:
Korrektionsbrillen:
Brillenträger gibt es in jeder Altersklasse. Mit dem Alter steigt jedoch der Bedarf. In der Gruppe der 40-49-Jährigen benötigen 14% eine Brille. Für alle Altersklassen ü49 liegt der Anteil schon bei 60%. Im Jahr 2000 waren rund 50% der deutschen Bevölkerung 30 – 50 Jahre alt, der Anteil der ü50-jährigen betrug zu diesem Zeitpunkt rund 30%. Bis zum Jahr 2020 wird der Anteil der 30 – 50-jährigen in Deutschland auf rund 40% fallen, natürlich zu Gunsten der ü50-Bevölckerung.
Die Gruppe der jugendlichen Brillenträger ist überwiegend kurzsichtig oder weitsichtig, man benötigt sogenannte Einstärkengläser, um in allen Entfernungen scharf zu sehen. Ab 45 verliert das Auge mehr und mehr die Fähigkeit, sich auf Nähe einzustellen. In der zweiten Lebenshälfte tragen praktisch alle eine Brille: die Lesebrille.
Fehlsichtige, die schon in jungen Jahren Brillenträger waren, sind im reiferen Alter auf Fern- und Nahbrillen angewiesen. Mehrstärkenbrillen bieten größeren Komfort, ersparen sie doch das lästige Auf- und Absetzen. Die Zeiten der Rentnerfenster in Doppelgläsern ist vorbei. Heute gibt es Gleitsichtgläser, denen man ihre stufenweise Progression nicht ansehen kann. Im Aussehen unterscheiden sie sich praktisch nicht von den Einstärkengläsern der Jugend. Gleitsichtgläser erfordern in der Produktion einen erheblich höheren Aufwand, kosten deshalb im Mittel etwa vielmal so viel!
Die Kunden von Fielmann sind jünger als die Durchschnittskunden der Branche. Der Gleitsichtanteil steigt stetig. Aufgrund seiner Kundenstruktur verfügt Fielmann ein deutlich höheres Umsatzpotenzial als die Branche. Selbst ohne Neukunden wird sich der Gleitsichtanteil in den kommenden 5 Jahren um mehr als 50% erhöhen. (Emnid 1997).
Im Mittel kauft der deutsche Brillenträger etwa alle vier Jahre eine neue Brille Jüngere öfter als Ältere. Das Wiederbeschaffungsintervall der Fielmannkunden liegt bei 3,3 Jahren. Wichtigste Kaufgründe sind eine veränderte Sehstärke oder defekte Brillen. In der Hierarchie der Kaufmotive folgen Preis und Mode (Emnid 1997). *
Etwa 70% aller Brillenträger entscheiden sich für Veredelungen, wie z.B. Entspiegelungen.
Kontaktlinsen:
Während in Deutschland 3,5 % der Bevölkerung Kontaktlinsen tragen, liegt der Anteil in der Schweiz bei 6% und in den USA bei 10%. Hier besteht also noch Nachholbedarf. Frauen tragen sie häufiger als Männer, Jüngere häufiger als Ältere. Fielmann wächst mit Kontaktlinsen stetig mit 20%. *
Neue Entwicklungen im Bereich der weichen Kontaktlinsen, wie die problemlos zu behandelnden weichen Eintageslinsen führen auch in Deutschland zu größerer Nachfrage.
Bildschirmarbeitsplatzbrillen:
Nach § 6 der Bildschirmarbeitsverordnung von 1996 hat der Arbeitgeber den Beschäftigten vor Aufnahme ihrer Tätigkeit an Bildschirmgeräten sowie anschließend in regelmäßigen Zeitabständen eine angemessene Untersuchung der Augen und des Sehvermögens durch eine fachkundige Person anzubieten.
In allen Altersgruppen lässt sich nachweisen, dass am Computer Tätige in höherem Anteil eine Brille benötigen. Besonders deutlich ist der Abstand in den unteren Altersgruppen. Von den 20- bis 29-jährigen, die einen Computer nutzen, sind 32% Brillenträger, ohne Bildschirmarbeit dagegen nur 20%.
In Deutschland arbeiten täglich rund 12 Mio Menschen am Bildschirm. Bildschirmarbeitsplatzbrillen bezahlt der Arbeitgeber.
Sonnenbrillen:
In Deutschland werden je nach Wetterlage 13 bis 17 Mio Sonnenbrillen jährlich ausgegeben. Der Stückzahlen-Marktanteil der Optiker liegt bei rund 20%. Die Diskussion über das Ozonloch und schädliche UV-Strahlung verstärkt die Nachfrage nach guten Brillen, die der Verbraucher beim Augenoptiker sucht. Hier findet der Verbraucher auch zunehmend Statusmarken. Hinzu kommen Sonnenschutz-Brillen mit Korrektionswirkung. Erst 45 % aller Brillenträger tragen Sonnenbrillen in ihrer Korrektivstärke.
Industrie:
Das fällt aus.
Also, wenn ihr Euer Leben noch einmal Leben könntet, würdet Ihr Alles so tun wie gehabt oder würdet ihr Eure Aktien gleich bei Fielmann kaufen?




Zitieren

Lesezeichen