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Thema: Freddie Mac

  1. #11
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    Hallo zusammen,

    wen es interessiert: Der amerikanische Hypotheken-Markt und wie das Geschäft von Fannie und Freddie funktioniert. Das Geschäft mit MBS (durch Hypotheken unterlegte Schuldtitel), REMIC (Real Estate Mortgage Investment Conduit - eine sogenannte umgeschuldete MBS oder ein CBO = Hypothekenschuldtitel, die durch einen Pool gleich gearteter Hypothekenforderungen unterlegt sind).

    Ich habe mich danach gefragt, was um Himmelswillen hat das Finanzsystem da eigentlich aufgebaut. Jetzt habe ich verstanden, warum WEB bei Derivaten von Massenvernichtungswaffen im Finanzbereich spricht.

    Hier der Link. Ich hoffe, er funktioniert:

    http://larouchein2004.net/pdfs/economics/020621ref.pdf

    Grüsse
    flippi

  2. #12
    Erfahrener Valueist
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    Mein Eindruck von dem Text war sehr zwiespältig. Hier einige Beispiele:

    Aneinanderreihung von unüberprüfbaren "Fakten" ohne Begründung:

    "The housing bubble has been developing for two decades,
    and it has been undergoing accelerated growth since 1995. It
    is under the control of Fed Chairman Greenspan, acting on
    behalf of the Wall Street-City of London oligarchical financiers.
    Greenspan depends upon the huge sums of liquidity
    pumped in by the Federal National Mortgage Association
    (Fannie Mae) and the FederalHomeMortgage Loan Corpora-
    tion (Freddie Mac), through the secondary home real estate
    market, which they control. Fannie Mae and Freddie Mac—
    which are private corporations, not government agencies—
    are the linchpin of the housing bubble; without them, it could
    not exist. The City of London-Wall Street financiers’ objective,
    and also that of Fannie Mae, is to inflate housing prices
    through increases of “fictitious value,” thereby increasing ..."

    Teilweise hat man den Eindruck, hier wird eine Verschwörung unterstellt:

    "Fed Chairman Greenspan, acting on
    behalf of the Wall Street-City of London oligarchical financiers"

    oder

    "A crucial bank that has shaped the agenda of Fannie Mae
    is Lazard Freres investment bank, a powerful cog in the inter-
    national Wall Street-City of London oligarchy. Fannie Mae
    Chairman Franklin Raines spent ten years working at Lazard.
    Lazard counts in its network the Graham family that owns the
    Washington Post. (In 1995, Franklin Raines, working with the
    Post’s Katharine Graham, established the Financial Control
    Board, which destroyed Washington, D.C.)"

    Es hat keine Bedeutung für die Weiterführung seines Arguments, daß Franklin Raines früher bei Lazard gearbeitet hat und noch weniger, daß eine Verbindung zur Graham Familie gab.

    Zahlreiche Fehlinterpretationen:

    "Figures 4 and 4A document, since 1950, the increase
    the volume of U.S. household home mortgage debt outstand-
    ing. This grew steadily up to 1980, and then afterward, at
    faster rate. Starting 1995, the banks, collaborating closely
    with Greenspan and the money-pumping of Fannie Mae and
    Freddie Mac, caused the level of mortgage debt outstanding
    to grow at an accelerating rate: Just between 1999 and 2001,
    it jumped by nearly $1 trillion, to reach $5.757 trillion."

    Figure 4 belegt diese Interpretation jedoch nicht. Der Graph stellt ein exponentielles Wachstum dar (kein "hyperbolisches", wie die Bildüberschrift sagt), was auch zu erwarten ist, da auch die Wirtschaft und die Einwohnerzahl exponentiell gewachsen sind. Aus dem Graph lese ich ungefähr ab, daß wir 1981 1,1 Mrd. $ Mortgage debt, in 1991 ca. 2,9 Mrd. $ und in 2001 5,7 Mrd. $ hatten. Damit ist belegt, daß es im letzten Jahrzehnt langsamer wuchs (ca. 100%) als im vorletzten Jahrzehnt (ca. 160%). Es sieht also eher so aus, als ob das schnellere Wachstum ab 1995 zwei Ursachen hätte: 1. die lineare (nicht logarithmische) Darstellung des Charts und 2. ein Aufholeffekt, nachdem die Jahre 1990 bis 1995 ungewöhnlich schwach waren. Auch daß sich das Wachstum ab dem Jahr 1980 beschleunigt hätte ist falsch, denn soweit man das aus dem Diagramm ablesen kann, betrug das Mortgage debt im Jahr 1970 etwa 0,4 Mrd. $ (es ist ersichtlich, daß es weniger als 0,5 Mrd. $ sind), 1980 hingegen etwa 1,0 Mrd. $. Die (schlechten) Daten widerlegen also seine Interpretation.

    Auch der Interpretation von Figure 5 möchte ich widersprechen: Dort steht "Total Cost of new Home has soared" tatsächlich zeigt der Graph von 1980 bis 2001 etwa eine Verdoppelung der Gesamtkosten. In derselben Zeit ist aber das nominale BIP pro Einwohner um Faktor 3 gestiegen! Häuser sind heute erschwinglicher als sie es vor 20 Jahren waren. Die anschließende Diskussion geht völlig fehl:

    "According to the U.S. Department of Housing, the total
    monthly “home cost” should not exceed 28% of a household’s
    gross income. The “home cost” consists of the mortgage inter-
    est and principal payment, plus the home insurance payment,
    plus the home property tax due.
    How able are home-purchasers to finance the mortgage?
    Let us utilize a strictly standard arrangement. If a household
    were to buy a new home, at the median price of $174,000 (in
    the above example), on a 30-year mortgage, putting the (now
    standard) 10% of the home purchase price down in a downpayment,
    and financing the rest in a mortgage at the prevailing
    fixed interest rate of 7.04%, then its mortgage payment of
    principal and interest, would be $12,553 per year ($1,046
    per month). On such a home, the home insurance and home
    property tax would be approximately $1,920 per year. Thus, the total “home cost” would be $14,473 on an annual basis.
    If, according to HUD, the “home cost” should be no more
    than 28% of total household income, then $14,473 is 28%
    of $51,689. A household would need an annual income of
    $51,689 to afford the “home costs” of a median priced home
    of $174,000.
    Sixty percent of American households do not have an
    annual income of $51,689. Three-fifths of American house-
    holds could not afford to purchase and live in such a home."

    Drei fünftel der Amerikan konnten es sich also nicht leisten in einem "Median"-Home zu leben. Der Preis eines "Median Home" errechnet sich so, daß 50% aller gebauten Häuser teurer und 50% billiger sind. Und jetzt sagt er, daß sich 60% der Amerikaner nicht leisten können, so ein Haus zu kaufen. Hätte er 50% gesagt, so wäre völlig klar warum. Denn diese 50% kaufen sich ja auch billigere Häuser (wir hatten ja das Median Home als Maßstab genommen). Und die 10% geben halt mehr als 28% ihres Einkommens fürs Wohnen aus (die 28% Empfehlung ist ja auch nur eine Empfehlung&#33 oder wohnen in Miete. Übrigens ist das "Median Home" im Verlauf der Zeit immer luxuriöser und größer geworden.

    Ich gestehe ihm zu, daß Fannie Mae und Freddie Mac vielleicht zu wenige Eigenmittel im Verhältnis zu den von ihnen finanzierten Hypotheken haben, aber die gesamte Blasen-Argumentation geht nicht aus den von ihm vorgelegten Daten hervor.

    Daß die Hauspreise in manchen Regionen (er nennt Washington D.C., Massachusetts, Kalifornien und Florida) stark gestiegen sind, war immer schon so. In anderen Jahrzehnten waren es andere Regionen. Das ist Teil der normalen Zyklik. Demnächst falllen sie vielleicht in Washington wieder und steigen dafür woanders. Der landesweite Durchschnitt steigt jedenfalls nicht besorgniserregend. Eine gewisse Steigerung über dem Wirtschaftswachstum ist durch die strengeren Genehmigungsverfahren bedingt. Historisch waren die Genehmigungsverfahren in den USA sehr lax und man hatte eine extreme Zersiedelung. Diesen Fehler hat man nun erkannt und steuert gegen.

    Andreas

  3. #13
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    Hallo,

    der Artikel ist am 24.06.2002 im EIR (Executive Intelligence Review) erschienen - also nicht mehr ganz taufrisch und die Blase ist auch noch nicht geplatzt.

    http://www.larouchepub.com/eirtoc/2002/eirtoc_2924.html

    Warum schreibt ganz offensichtlich jemand an der Wahrheit vorbei? Wer ist der Adressat? Was soll tatsächlich damit erwirkt werden?

    Dieter

  4. #14
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    Hallo Andreas und Dieter,

    ich habe bis jetzt keine bessere Informationsquelle gefunden, die mir eine Erklärung über das Geschäft von Freddie und Fannie geben könnten. Anscheinend habt Ihr aber ein umfangreiches Wissen darüber.

    Es würde mich deshalb freuen, wenn Ihr mich über die Strategie von Freddie und Fannie sowie die verschiedenen Derivate im Hypothekengeschäft aufklären könnt.

    Wenn der Aktienkurs nur aufgrund negativer Medienmeldungen oder negativer Autorenkommentare eingebrochen ist, ansonsten aber alles in Ordnung ist, wäre das doch ein Grund zu investieren.

    flippi

  5. #15
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    ich habe bis jetzt keine bessere Informationsquelle gefunden, die mir eine Erklärung über das Geschäft von Freddie und Fannie geben könnten. Anscheinend habt Ihr aber ein umfangreiches Wissen darüber.

    Ich habe kein umfangreiches Wissen darüber. Wie kommst Du darauf?

    Wenn der Aktienkurs nur aufgrund negativer Medienmeldungen oder negativer Autorenkommentare eingebrochen ist, ansonsten aber alles in Ordnung ist, wäre das doch ein Grund zu investieren.

    Die Aktienkurse sind bei weitem nicht wegen negativer Kommentare eingebrochen. Wie in dem von Dir verlinkten Artikel geschrieben wird, besichern Fannie Mae und Freddie Mac mit wenig Eigenkapital (2% bei FNM, 3% bei FRE) riesige Kreditvolumina. Ob das auf Dauer gut geht, ist fraglich. Zum anderen gab es speziell bei FRE in kurzer Zeit zwei Managementwechsel und Unregelmäßigkeiten bei der Buchführung. Ich würde aber selbst bei auskömmlicher EK-Quote und kontinuierlichen Management in diese Unternehmen nicht investieren, weil ich denke, daß das Geschäft von einem Außenstehenden nicht eingeschätzt werden kann, egal wie gut er das Geschäft kennt. Das Problem ist immer, daß bei der geringen EK-Quote bereits geringe Fehleinschätzungen (die auch mit optimalem Kenntnisstand nicht zu vermeiden sind) zu großen Veränderungen beim Unternehmenswert führen.

    @Dieter:
    Warum schreibt ganz offensichtlich jemand an der Wahrheit vorbei?

    Ich würde nicht sagen, daß er an der Wahrheit vorbei schreibt. Ich würde nur sagen, daß er im Text Schlußfolgerungen zieht, ohne sie durch entsprechende Daten zu untermauern. (Vielleicht scheint das auch nur so, weil die Darstellung verkürzt wurde und bei detailierterer Untersuchung könnte man diese Schlußfolgerungen ziehen.) *Daher kann ich den Schluß, daß es US-weit eine Blase bei den Immobilienpreisen gibt, nicht nachvollziehen, vor allem nicht in der beschriebenen Größenordnung (5% oder 10% Rückgang sind immer möglich, aber 50% kann ich nicht erkennen). Der zweite Teil des Berichts, in dem er das Geschäft von Freddie Mac und Fannie Mae beschreibt, ist deskriptiver und enthält weniger Interpretation und ist daher in weiten Teilen nachvollziehbar.

    Wer ist der Adressat? Was soll tatsächlich damit erwirkt werden?

    Das Ganze wurde auf der Webseite des Präsidentschaftsanwärters LaRouche publiziert. Es gibt in den USA immer wieder Bestrebungen, die faktische Garantie der FNM und FRE Schulden durch den amerikanischen Staat aufzuheben oder zumindest sie besser zu regulieren. Ich halte letzteres für längst überfällig. Vielleicht ist es im Rahmen der politischen Kampagne opportun, die Lage schwärzer zu malen als sie ist, um dieses Ziel zu erreichen. Wenn man nur sagt, "FNM und FRE sind riskant für den Staat, weil sie zu geringe EK-Quoten haben" wirkt das nicht so überzeugend als wenn ich sage "FNM und FRE sind riskant für den Staat, weil sie zu geringe EK-Quoten haben, was sich beim Platzen der bereits existierenden Immobilienblase rächen wird". Vielleicht kann man die Existenz einer Blase tatsächlich überzeugend darlegen, Freemans Paper tat es m. E. aus den unten genannten Gründen jedenfalls nicht. Ich vermute, daß es ihm auch nicht darum ging, es widerspruchsfrei darzustellen, denn sonst hätte er zum Beispiel nicht einfach nur Charts gezeigt, die die absolute Entwicklung der Schulden und der Finanzierungskosten darstellt, sondern hätte das ins Verhältnis zur relevanten Vergleichsgröße (meist das BIP) gesetzt. Außerdem hätte er logarithmische Charts verwenden sollen, dann hätte man besser erkennen können, ob Wachstumstrends sich beschleunigt haben, wie er das im Text behauptet. So wie es dargestellt ist, scheint es, als will er mehr an das Gefühl des Lesers appellieren. Der Leser soll sagen "Ja wenn das alles so stark steigt, dann muß ja wohl eine Blase vorhanden sein", nachrechnen ist offenbar nicht erwünscht.

    Andreas

  6. #16
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    Hallo Flippi,

    du weißt doch, dass ich von Banken und Versicherungen immer noch nichts verstehe. Wie Andreas sehr richtig bemerkte, kann ein Außenstehender FRE's Geschäft nicht richtig einschätzen. Mir geht das bei allen Finanzdienstleistern so.

    @Andreas

    Ich habe ein wenig im EIR geblättert. Da verkündet ja fast jede Ausgabe ein Desaster. Das muß ein Blatt für Schwarzseher und Pessimisten sein.

    Dieter

  7. #17
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    Hallo Andreas und Dieter,

    herzlichen Dank für Eure Bemerkungen.

    @Andreas

    <Ich habe kein umfangreiches Wissen darüber. Wie kommst Du darauf? >

    Das habe ich dann falsch interpretiert. Ich nahm wohl an, dass sich die Kritik zum 1. Teil auch auf den 2. Teil beziehen wird.

    Nein, ich würde aufgrund der Risiken und nicht überschaubaren Geschäftspraktiken natürlich auch nicht in FRE oder FNM investieren. Auf dem Markt gibt es bessere Investitionsmöglichkeiten, ohne derartige Risiken eingehen zu müssen.

    Grüsse
    flippi

  8. #18
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    Freddie Mac hat überraschend einen Nettogewinn von 768 Mio. Dollar für das zweite Quartal ausgewiesen, nachdem man im Vorjahreszeitraum noch einen Nettoverlust von 821 Mio. Dollar verzeichnet hatte. Nach Abzug der Dividendenzahlungen an die zuständigen US-Behörden in Zusammenhang mit den von Freddie Mac in Anspruch genommenen staatlichen Finanzhilfen hatte der Hypothekenanbieter im Berichtszeitraum einen Nettoverlust von 374 Mio. Dollar bzw. 11 Cents je Aktie verbucht. Bei den Zinseinnahmen verzeichnete Freddie Mac im zweiten Quartal einen Anstieg von 1,53 Mrd. Dollar im Vorjahreszeitraum auf 4,26 Mrd. Dollar. Daneben konnte Freddie Mac von veränderten Bilanzierungsvorschriften profitieren. CEO John Koskinen zeigte sich trotz der positiven Entwicklung eher zurückhaltend, was die weitere Geschäftsentwicklung angeht.
    Weiss jemand genau warum das so ist.
    Im ersten Quartal des laufenden Fiskaljahres hatte Freddie Mac noch einen Nettoverlust von 9,85 Mrd. Dollar bzw. 3,41 Dollar je Aktie verzeichnet.

    Die Aktie von Freddie Mac gewinnt aktuell 78,83 Prozent auf 1,34 Dollar. Sieht ja eigentlich alles sehr gut aus. Mich würde eure Meinung interessieren wie ihr denkt, dass es weiter geht.

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