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Thema: Bijou Brigitte

  1. #1
    Erfahrener Valueist
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    Hallo, zusammen!

    Als vorerst letzte meiner bislang durchgeführten Analysen möchte ich euch heute die eines relativ kleinen Unternehmens vorstellen, dass momentan in keinem der großen Indizes in Deutschland vertreten ist. Es handelt sich also wieder um ein deutsches Unternehmen, von denen es ja in der Valueliste bislang nur sehr wenige gibt. Mal sehen, vielleicht wird dieses ja eines Tages mit aufgenommen.
    Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle bei Volker, Dieter und vor allem andreasl33, die mir bei dieser Analyse mal wieder mit Rat und Tat zur Seite gestanden haben.

    Value-Analyse Bijou-Brigitte

    Zum Unternehmen
    Bijou Brigitte ist in Deutschland mit ca. 15% Marktanteil Marktführer im Bereich „Modische Accessoires“ und verkauft in seinen Filialen hauptsächlich Modeschmuck, Trendartikel wie Power-Armbänder, aufwendige Kopftücher und Indianerschmuck sowie Gold- und Silberschmuck.
    Das Unternehmen wurde 1987 von einer Einzelfirma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und ist seit 1988 börsennotiert. Zwischenzeitlich war man im SMAX notiert, beendete dieses Engagement aber aufgrund im Vergleich zu den positiven Kurserfolgen zu hohen Kosten.
    Seit 1987 stieg die Anzahl der Filialen von damals 50 auf aktuell 322. 1989 wurden die ersten Auslandsfilialen in Holland und Österreich eröffnet, ab 1999 folgten mit dem mittelfristigen Ziel einer europaweiten Expansion Filialen in Spanien und Polen und 2000 in Ungarn.
    1993 verlagerte Bijou Brigitte seine Produktion aus Kostengründen ins Ausland *und gründete zu diesem Zweck ein Handelsbüro in Hongkong. 1996 übernahm man die 40 Filialen des Modeschmuck-Anbieters „rubin GmbH“ und damit nach eigenen Angaben den letzten ernsthaften Mitwettbewerber.
    1999 hat Bijou Brigitte die flächendeckende Ausweitung der automatischen Warennachbelieferung abgeschlossen und verfolgt das Ziel des lagerlosen Filialbetriebs, mit dem weitere Kosten eingespart werden sollen.
    2000 beschäftigte der Konzern 825 Mitarbeiter/innen (davon 96% weiblich!) in 322 Filialen. Nachdem es in der ersten Hälfte der 90er-Jahre zu einem Umsatz- und Gewinneinbruch kam, weist Bijou Brigitte seit 1996 ein kontinuierliches Umsatz- und seit 1997 ein ebensolches Gewinnwachstum auf. Im Jahr 2000 konnte der Konzernumsatz (Aktiengesellschaft plus in- und ausländische Tochtergesellschaften) wiederum um ca. 13,2 % gesteigert werden und betrug 173,5 Mio DM. Der Konzerngewinn stieg in diesem Jahr wie in den meisten Jahren zuvor überproportional um 14,6% auf 21Mio DM.
    Der Vorstandsvorsitzende Friedrich-W. Werner war bis 1987 Alleininhaber von Bijou Brigitte und besitzt zum jetzigen Zeitpunkt ca. 50% der Aktien, die beiden anderen Mitglieder des Vorstandes gehören diesem zumindest seit 1995 an (für die davor liegenden Jahre liegen mir keine Informationen vor).

    Value-Analyse

    Allgemeine Unternehmensbeurteilung

    Ist das Unternehmen einfach zu verstehen, hat es eine beständige Betriebsgeschichte?
    Bijou Brigitte existiert seit 38 Jahren und ist seit diesem Zeitpunkt im Bereich „Modeschmuck“ tätig. Der Unternehmensgründer ist heute Vorstandsvorsitzender, sein Sohn wird ab 2001 in das Unternehmen einsteigen und der Vorstand besteht seit mindestens 6 Jahren aus denselben Personen.
    Dieses Kriterium ist für mich erfüllt.

    Werden die Produkte dringend benötigt, gibt es für sie keinen direkten Ersatz?
    Modeschmuck ist ein Konsumgut, auf das sicherlich in Krisenzeiten verzichtet werden kann. Da Bijou Brigitte hauptsächlich Produkte aus dem Niedrigpreissegment verkauft und die teuersten Schmuckstücke, die im Schaufenster ausgestellt waren (jedenfalls in Mülheim) unter einem Preis von 150 DM lagen, gehe ich davon aus, dass das Unternehmen von einem eventuellen Wirtschaftsabschwung nur bedingt betroffen sein wird. Weiterhin gehe ich davon aus, dass viele Menschen, beeinflusst durch Kino, Fernsehen, Zeitschriften und Werbung, auch in Zukunft Geld zur Verschönerung ihres äußeren Erscheinungsbildes ausgeben werden.
    Dieses Kriterium ist für bedingt erfüllt.


    Gibt es wenig Restriktionen, damit das Unternehmen multiplizierbar ist?
    Da in Bijou Brigitte-Filialen keine Umweltauflagen zu erfüllen sind, neue Filialen mit einem verhältnismäßig geringen Kapitaleinsatz eröffnet werden können, sie meist nur eine äußerst geringe Raumgröße und nur wenige Mitarbeiter/innen erfordern, die zudem keine besondere Ausbildung benötigen und schnell in die Unternehmensphilosophie eingearbeitet werden können, ist
    dieses Kriterium für mich erfüllt.

    Sind die Produkte eindeutig von Konkurrenzprodukten zu unterscheiden?
    Diese Frage ist auf den ersten Blick negativ zu beantworten, da auf den wahrscheinlich auf keinem der Artikel ein Firmennahme prangert und sie auch durch ihr sonstiges Aussehen wohl nicht von Konkurrenzprodukten zu unterscheiden sind. Hier ist aber meines Erachtens nach von Bedeutung, dass Bijou Brigitte bemüht ist, das Einkaufen selbst durch entsprechende Aktionen zum Erlebnis zu machen. Außerdem wissen die Verbraucher/innen, dass sie bei Bijou Brigitte „immer irgendetwas bekommen“ (Zitat meiner Freundin) und so dieses Geschäft auch besuchen, wenn sie nicht etwas Bestimmtes kaufen wollen. Zudem ist Bijou Brigitte das einzige deutschlandweit bekannte Modeschmuckunternehmen und besitzt somit eine Art Markennamen. So kommt das Unternehmen (da die Produkte überall in Deutschland gekauft werden können) z. B. als Schmuckausstatter von Models in Mode- und Jugendzeitschriften in Frage und kann so seinen Bekanntheitsgrad vergrößern.
    Dieses Kriterium ist für mich bedingt erfüllt.

    Verfügt das Unternehmen über eine monopolartige Stellung?
    In Deutschland gibt es laut Angaben des Unternehmens selbst keine nennenswerten Wettbewerber. Zwar ist es sicherlich möglich, auch in Kaufhäusern und kleineren Geschäften Modeschmuck zu erwerben, doch wird kaum jemand zu Karstadt in die Modeschmuckabteilung gehen, um „mal eben zu sehen, was es Neues gibt“. Dies dürfte meiner Ansicht nach in Bijou Brigitte-Filialen häufiger der Fall sein, vor allem, weil der Unternehmensname zumindest in vielen Städten Deutschlands etabliert ist und so Käufer/innen anzieht. Allerdings werden Modeschmuckkäufe in Kaufhausketten wahrscheinlich eher „mal so im Vorbeigehen“ getätigt, was bei Bijou Brigitte seltener der Fall sein dürfte.
    Dieses Kriterium ist für mich bedingt erfüllt.

    Kann das Unternehmen noch genügend wachsen, hat es noch Wachstumsraum?
    Angesichts des Zusammenwachsens Europas, der Euro-Einführung, der Osterweiterung der EU und der begonnen Expansion Bijou Brigittes ins Ausland (Spanien, Polen, Ungarn) und der verhältnismäßig kleinen Unternehmensgröße, besteht für mich ein ausreichend großes Wachstumspotenzial. Berücksichtigt werden muss dabei allerdings, dass der Eintritt in ausländische Märkte nicht immer ohne Probleme möglich ist. So wurde die Zahl der Filialen in den Niederlanden 1997 von 7 auf *4 gesenkt und seitdem nicht weiter ausgebaut, da die geschlossenen Geschäfte auch nach mehreren Jahren noch Verluste erwirtschafteten. Da sich die Umsatzerlöse in Spanien, Polen und Ungarn im Jahr 2000 jedoch außerordentlich positiv entwickelt haben ist
    dieses Kriterium für mich erfüllt.

    Hat das Unternehmen eine Gestaltungsfreiheit der Preise?
    Da es für die einzelnen Produkte kaum Vergleichsmöglichkeiten in anderen Geschäften gibt und das Kopftuch sicherlich auch gekauft wird, wenn es 11 DM statt 10 DM kostet, kann Bijou Brigitte seine Preise in begrenztem Maße selbst bestimmen. Sobald jedoch bestimmte Preisgrenzen durchbrochen werden und die Kund/inn/en in den Filialen nicht mehr den trendigen Modeschmuck finden, der zudem auch noch preiswert ist, dürfte sich das sicherlich auf die Umsatzzahlen des Unternehmens auswirken.
    Dieses Kriterium ist für mich bedingt erfüllt.


    Qualitätskriterien

    Eigenkapitalquote
    Die Eigenkapitalquote betrug 2000 62,4 % und schwankte in den Jahren zuvor zwischen 52 und 71 %.
    Dieses Kriterium ist erfüllt.

    Eigenkapitalrendite
    Die Eigenkapitalrendite betrug 2000 38,9 %. Da der Gewinn in den Jahren 1995 und 1996 jedoch stark eingebrochen war, beträgt die durchschnittliche Eigenkapitalrendite für die Jahre 1991 – 2000 nur 20,9 %.
    Dieses Kriterium ist teilweise erfüllt.

    Gewinnwachstum
    Das Gewinnwachstum verlief in den Jahren 1994 – 1995 negativ und stieg seit 1997 mit hohen Steigerungsraten an. Es ergibt sich daraus ein geometrisches Gewinnwachstum von 17 % für die Jahre 1991 - 2000.
    Dieses Kriterium ist hinsichtlich des durchschnittlichen Gewinnwachstums erfüllt und hinsichtlich der Kontinuität der Gewinnsteigerungen bedingt erfüllt.

    Dividenden und einbehaltenen Gewinne
    Das Unternehmen zahlt regelmäßig eine Dividende, die erst seit 1998 weniger als 55 % des Gewinns ausmacht.
    Dieses Kriterium ist nicht erfüllt.

    Umsatzrendite
    Die Umsatzrendite wuchs seit 1996 kontinuierlich an und betrug 2000 12,1 %
    Dieses Kriterium ist erfüllt.

    Verzinsung der einbehaltenen Gewinne
    Die einbehaltenen Gewinne erbrachten sowohl über einen Zeitraum von 5 Jahren als auch über 10 Jahre eine Rendite von über 50 %.
    Dieses Kriterium ist erfüllt.

    Cash Flow Marge
    Die Cash Flow Marge wuchs zwar seit 1996 ebenfalls kontinuierlich an, betrug aber 2000 lediglich 11,9 %.
    Dieses Kriterium ist nicht erfüllt.

    Sachinvestitionen
    Der Anteil der Sachinvestitionen betrug in 7 von 10 untersuchten Jahren und seit 1997 unter 40 %.
    Dieses Kriterium ist erfüllt.

    Diskontmodell
    Ausgehend von einem jährlichen NCF-Wachstum von 8 % (eine sehr vorsichtige Schätzung) und einer 30jährigen US-Anleihenrendite von 5,4 %, so ergibt sich für einen Aktienkurs von momentan ca. 31,00 Euro eine Sicherheitsmarge von ca. 200 %.
    Dies ist im historischen Vergleich ein Kaufsignal.

    Unternehmenswert auf Basis der Gewinne pro Aktie und KGV
    Ausgehend von einem jährlichen Gewinnwachstum von 11 %, einem geschätzten Gewinn von 4,31 Euro für das Jahr 2001 und einem durchschnittlichen KGV von 10,83 ergibt sich für das Jahr 2000 eine zu erwartende Rendite von knapp 16 %.
    Auch dieser Wert ergibt ein Kaufsignal.

    Unternehmenswert auf Basis der Eigenkapitalrendite, der Sachinvestitionen und des KGV
    Ausgehend von einer EKR von 25 % und Anteil an Sachinvestitionen von 40 % ergibt sich eine zu erwartende Rendite von knapp 14 %.
    Dieser Wert liegt im historischen Vergleich am unteren Ende der Renditeerwartungen und ergibt somit kein Kaufsignal.

    Addiert werden muss zu diesen Renditewerten bei den Signalen 2 und 3 allerdings noch die Dividendenrendite, die in den letzten Jahren unversteuert zwischen 7 und 10 % schwankte und auf Basis einer im Vergleich zu der für das Geschäftsjahr 2000 ausgezahlten Dividende (2,20 Euro) unversteuert ca. 10% und versteuert ca. 7% beträgt.

    Fazit: Für mich ist Bijou Brigitte ein sehr konservativ und solide geführtes Unternehmen, dass exzellente Kennzahlen und momentan eine sehr niedrige Bewertung (KGV 2001: 7,2) aufweist. Somit würde sich meiner Meinung nach auch ein eventuell aufgrund eines gesunkenen Verbrauchervertrauens revidiertes Jahresergebnis nicht katastrophal auf den Kurswert der Aktie auswirken.

    Ein Problem ist bei diesem Unternehmen sicherlich, dass aufgrund der insgesamt nur 2,7 Millionen existierender Aktien die Anzahl der gehandelten Aktien in Frankfurt an manchen Tagen äußerst gering ist (z. T. unter 1000) und somit zumindest größere Käufe limitiert werden sollten.

    Auf wiederum positives und negatives Feedback hofft

    Fabule


  2. #2
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    Hallo Fabule,

    durch Andreasl33 und Dich ist mir ja Bijou schon beinah ans Herz gewachsen.

    Die Analyse sieht ja perfekt aus und über die Dividende würde bei so manchem geprügelten Börsianer richtige Freude aufkommen. Ich finde, es nicht mehr unbedingt als ein Auschlußkriterium, eher das Gegenteil.

    Bijou hat es ja geschafft die EK-Rendite auf 38% zu steigern, vielleicht sogar nachhaltig.

    Wenn ich dann mit diesem Wert das 3. Signal berechne, sieht es auch an dieser Stelle mit knapp 14% richtig gut aus.

    Wie meinst Du das ?
    > Unternehmenswert auf Basis der Eigenkapitalrendite, der Sachinvestitionen und des KGV

    Über das 3. Signal sollten wir noch mal reden oder?

    Herzliche Grüße

    Dieter















  3. #3
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    Hallo Fabule und Value-Analyse Team

    @Fabuel

    Vielen Dank für Deine wirklich gute Analyse. Hat mir sehr gefallen und zugleich den Appetit geweckt. (-;



    @Value Anylse:

    Ich hab gerade mal in euer Datenbank nachgeschaut, aber leider kein Datenblatt über Bijou gefunden.

    Ist bei euch für das Unternehmen ein Datenblatt in Planung?


    Gruß Mitch



  4. #4
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    hallo mitch,


    "Ich hab gerade mal in euer Datenbank nachgeschaut, aber leider kein Datenblatt über Bijou gefunden.

    Ist bei euch für das Unternehmen ein Datenblatt in Planung? "

    - ja!


    volker

  5. #5
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    Hallo, Dieter!

    Mit deinem Einwand bezüglich des 3. Signals hast du natürlich Recht. Den Begriff "Sachinvestitionen" sollte ich dann doch einmal in meinen Formblatt für die Value-Analysen durch "einbehaltene Gewinne" ersetzen. Die BB-Analyse war eigentlich meine erste und da hatte ich anscheinend irgendwo einen Denkfehler.

    Den Renditewert beim 3. Signal habe ich mit deinem "Schnellschuss"-Excelfile ermittelt, da unser Programmierer momentan stark mit anderen Dingen beschäftigt ist und unseren File (heißt es eigentlich der, die oder das File) noch nicht mit einem frei wählbaren Wert für die einbehaltenen Gewinne versehen konnte. In meiner BB-Tabelle muss ich deshalb immer noch mit dem Mittelwert von ca. 12 - 13 % rechnen, der in den letzten Jahren ja nun wirklich nicht mehr zutrifft.


    Hallo, Mitch!

    Ja, BB ist wirklich ein Unternehmen, das, obwohl sicherlich unspektakulär, doch eine ordentliche Rendite möglich erscheinen lässt. Es freut mich, dass ich dein Interesse wecken konnte. Hast du eigentlich inzwischen einen Excelfile oder bist du immer noch an unsere interessiert, der nun hoffentlich bald fertig sein wird? Dann melde dich doch einfach mal per Mail!

    Viele Grüße

    Fabule

  6. #6
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    Hallo, VA-Team!

    Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass mit Bijou Brigitte und Pfeiffer Vacuum nun zwei "meiner Unternehmen" in die neue Datenbank aufgenommen wurden.

    Bei BB ergibt sich für mich bei den Signalen jedoch ein kleines Problem. Ihr habt das 1. und 2. Signal (wie ich auch in meiner Analyse) als Kaufsignale angesehen, das 3. trotz einer jährlichen Rendite von knapp 14% (wie ich bei einer EKR von 30% und einbehaltenen Gewinnen in Höhe von 40% im historischen Vergleich auch) trotz der hinzukommenden Dividendenrendite allerdings nicht.

    Ich habe mir eben meine Berechnungen noch einmal angesehen und dabei festgestellt, dass das 3. Signal erst bei einem Kurs von ca. 15 € im oberen Bereich der historischen Renditeerwartungen liegen würde. Dieser Kurs würde bei nicht reduzierten Gewinnerwartungen für das Jahr 2001 ein KGV von ca. 3,5 bedeuten, was unter eben diesen Voraussetzungen sehr unwahrscheinlich wenn nicht gar unmöglich erscheint. Bei reduzierten Gewinnerwartungen würde sich wiederum für diesen Kurs auch die Renditeerwartung und damit auch die Platzierung im historischen Vergleich absenken. Fazit: Ein Erfüllen des 3. Signals ist unter den momentanen Umständen nicht möglich!

    Was ist also zu tun? Das 3. Signal missachten? Die Geschäftsjahre 1996 bis 1998 im historischen Vergleich nicht beachten, da die vorangegangenen Jahre mit geringem Gewinn und geringer EKR den historischen Vergleich verfälschen? Oder ...?

    Für eine Antwort wäre ich sehr dankbar.

    Viele Grüße

    Fabule

  7. #7
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    Hallo Fabule,

    tja, PV und Bijou, mit den beiden kenne ich mich bald besser aus, als mit meinen eigenen Unternehmen.

    Im Value-Analyse Brief vom Oktober ist das 3. Signal nicht erfüllt und das Rating ist halten.

    Vielleicht wurde die Datenbank noch nicht aktualisiert.

    Wie sieht es denn bei Bijou derzeit mit den Umsätzen aus?

    Bezüglich Schmuck und Juwelen erscheint Tiffany derzeit günstig bewertet, ein Blick lohnt sich.

    Gruß

    Dieter


  8. #8
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    Hallo, Dieter!

    Ich glaube schon, dass im aktuellen Value-Brief auch die aktuellen Zahlen verwendet wurden (die Bewertung stammt von Oktober). Das Problem, dass ich ansprach, scheint bei Bijou Brigitte ein generelles zu sein: Das 3. Signal kann trotz einer jährlichen Rendite von ca. 14% im historischen Vergleich kein Kaufsignal darstellen (aus den genannten Gründen). Was ist also zu tun?

    Zu den Umsätzen von BB ist zu sagen, dass sie im Sommer auf der Jahreshauptversammlung ihre Prognosen nicht korrigiert haben und im ersten Halbjahr ein Umsatzwachstum von ca. 10% erreicht haben. Ob dies unter den gegebenen wirtschaftlichen Umständen immer noch so ist, bleibt abzuwarten. In diesen Tagen soll so eine Art "Zwischenbericht" veröffentlicht werden, aus dem dann sicherlich genaueres zu erfahren sein wird.

    Tiffany scheint mir auf den ersten Blick auch sehr interessant zu sein, nur haben wir mit Fossil und BB schon zwei Konsumgüterunternehmen im Depot und damit soll es für uns genug sein. Außerdem glaube ich, dass die weitere Entwicklung des amerikanischen Verbrauchervertrauens im Moment nur schwer abzuschätzen und somit Vorsicht geboten ist.

    Viele Grüße

    Fabule

  9. #9
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    Hallo Fabule,

    das dritte Signal habe ich wie folgt berechnet:

    EK (2000) pro Aktie: 10,22 &#36
    KGV Durchschnitt: 10
    einbehaltene Gewinne : 13%
    EK-Rendite: 35%

    Das dritte Signal erreicht somit ca. 5%. Wenn ich mit den Schätzzahlen des Jahres 2001 rechne ca. 7%.

    Historisch betrachtet ist das 1. Signal ein durchschnittlicher Wert, das zweite ein leicht unterdurchschnittlicher Wert und das dritte (trotz der geringen Größe) ein überdurchschnittlicher Wert. Alles in allem würde ich BB daher halten und nicht kaufen.

    „Dieser Kurs würde bei nicht reduzierten Gewinnerwartungen für das Jahr 2001 ein KGV von ca. 3,5 bedeuten, was unter eben diesen Voraussetzungen sehr unwahrscheinlich wenn nicht gar unmöglich erscheint“

    Das mittlere KGV lag bei BB im Jahre 1998 in der Tat bei ca. 4


    Herzliche Grüsse
    Volker

  10. #10
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    Hallo

    Ich habe das 2. Signal ebenfalls einmal untersucht. Hier noch mal die Maßgabe:
    2. Signal: Unternehmenswert auf Basis der Gewinne pro Aktie und KGV:
    Hierbei werden die aktuellen Unternehmensgewinne mit der durchschnittlichen Wachstumsrate der Vergangenheit über einen Zeitraum der kommenden 10 Jahren versehen. Als Ergebnis erhalten Sie eine Gewinnprognose für das zehnte Jahr.
    Bei der Kursermittlung im 10. Jahr sollten Sie äußerst zurückhaltend vorgehen.
    Multiplizieren wir den prognostizierten Gewinn im zehnten Jahr mit dem Kurs-Gewinn-Verhältnis, erhalten wir eine begründete Annahme über den zukünftigen Unternehmenswert bzw. den Wert einer Aktie in zehn Jahren.
    Value-Analyse.de verwendet hier lediglich das durchschnittliche KGV der letzten 10 Jahre. Bezogen auf den heutigen Marktwert kann unter Berücksichtigung des Zinseszins eine zu erwartende durchschnittliche Kursrendite ermittelt werden.

    Der Gewinn lag 1991 bei 5,226 Mio DM, in 2000 bei 21,019 Mio DM. Das entspricht einer durchschnittlichen Wachstumsrate von 16,7 %. Wenn wir nun dieses Wachstum fortschreiben, landen wir in 2010 bei einem Gewinn von 98,3 Mio DM, sprich bei 2,605 Mio Aktien 19,29 Euro pro Aktie.

    Lt. Den Geschäftsberichten gab es folgende Gewinne pro Aktie nach DVFA und Kurse in Euro und dementsprechende KGVs in den letzten 10 Jahren:

    Jahr EPS T-Kurs H-Kurs Mittelkurs KGV
    1991 1,13 13,50 16,00 14,75 13,05
    1992 1,19 12,00 14,70 13,35 11,22
    1993 1,09 14,80 17,90 16,35 15,00
    1994 1,06 13,50 17,10 15,30 14,43
    1995 0,46 10,50 15,60 13,05 28,37
    1996 0,40 7,12 12,78 9,95 24,88
    1997 1,16 7,36 11,21 9,29 8,01
    1998 2,00 9,20 17,38 13,29 6,65
    1999 3,52 14,66 27,00 20,83 5,92
    2000 4,01 21,60 35,75 28,68 7,15
    Durchschnitt: 13,47
    Die Tiefstkurse von 1991-1995 habe ich nach Ansicht eines Langfristcharts geschätzt, da über die Aktie in den älteren Geschäftsberichten nicht berichtet wurde.

    Bei EPS von 19,29 Euro in 10 Jahren und einem durchschnittlichen KGV von 13,47 haben wir dann einen Kurs von 260 Euro, womit wir mit einem Kauf zum heutigen Kurs von 32,50 Euro eine Rendite von 23,1 % p.a. erzielen würden. Ob das nun über- oder unterdurchschnittlich ist, weiß ich nicht, denn ich kann mir vorstellen, daß es Beispiele gibt, in denen die vergangene Gewinnwachstumsrate aufgrund von Basiseffekten noch weniger Aussagekraft hat. Bei Nokia z.b. sind die Gewinne in den letzten 10 Jahren mit über 58 % p.a. gewachsen. Ich verwette aber Haus und Hof dafür, daß diese Rate in den nächsten 10 Jahren nicht annähernd so hoch sein wird, weil auch die Chinesen nicht jede Woche ein neues Handy kaufen wollen. Konkret rechne ich damit, daß Bijous Gewinne in 10 Jahren ähnlich hoch sein werden wie heute (evtl. 1 % Wachstum p.a.), weil die Umsatzrendite auf ein historisches Maß zurückkehren könnte. In diesem Jahr werden die Gewinne aller Voraussicht nach fallen, weil die flächenbereinigten Umsätze zurückgehen (-2 % im 1. HJ). Trotzdem rechne ich auch damit, daß mit Bijou eine Rendite über 20 % möglich ist. Bei einem KGV von 8 erziele ich eine Einstandsrendite von 12,5 %. Bei Annahme stabiler Gewinne und Rückkehr zum historischen KGV haben ich in 10 Jahren einen Kurs von 54 und damit eine zusätzliche Rendite von 6 %. Den wahren Renditekick bekommt die Aktie, wenn das Management beschließt Aktien zurückzukaufen, sie könnten aufgrund ihrer Kapitalausstattung jedes Jahr problemlos 3 % der Aktien zurückkaufen. Damit läge meine Rendite bei über 20 % p.a., den Zinseszinseffekt durch Rückkäufe mal nicht mitgerechnet. Auf Basis meines DCF-Modells wäre ein Kurs von 46 Euro fair, d.h. daß ich mir bei Erreichen des Ziels etwas Interessanteres suchen würde, denn bei allem Glanz der EK-Rendite sind doch die Volatilitäten am Markt so hoch, daß man nicht unbedingt 10 Jahre lang Aktionär sein muß sondern immer mal wieder auch noch Vielversprechenderes findet.

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