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Valueist
Hallo flippi,
auf Deine Ausführungen über Graham bin ich schon gespannt.
Du hattest geschrieben: "Im momentanen Währungsdebakel bekomme ich nun mal WWY günstiger als vor Monaten." Wrigley ist für uns Valueisten ein nahezu ideales Unternehmen, aber das "günstig" kann ich nicht nachvollziehen. Nach der DCF-Methode ist das Unternehmen bestenfalls fair bewertet, wenn ich von einer geschätzen zukünftigen Wachstumsrate von 11% und beim Diskontzins von der aktuell niedrigen Rendite 30jähriger US-Bonds von rund 4,5% ausgehe. Das finde ich aber eher schöngerechnet. Die Einstandrendite liegt derzeit bei rund 3,5%, die Dividendenrendite bei 1,5%. Das hat mit günstig nicht viel gemeinsam, auch nicht bei einem Top-Unternehmen. Und wie stellt sich das Investment dar, wenn der Dollar zuerst auf 1,40 gegenüber dem Euro geht? Also ich bin nach wie vor der Meinung, daß der Blick auf die Wechselkursentwicklungen uns vom Wesentlichen ablenkt, bin aber dankbar für hilfreiche Erläuterungen, wie man damit umzugehen hat.
Viele Grüße
Borsheim´s
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Erfahrener Valueist
Hallo Borsheim's,
mit "günstig" meine ich, dass ich das Unternehmen mit einem Abschlag bekomme, wenn ich in Euro zahle.
Wenn für mich ein Einstandspreis von 50 $ in Ordnung ist, dann könnte ich jetzt zugreifen. In Dollar-Währung müsste ich 59 $ zahlen, in Euro-Währung ist es halt nun mal 50 Euro - seit der Dollarabwertung. Erholt sich die US-Wirtschaft habe ich doch billig mit 20% Rabatt eingekauft. Fällt der Dollar weiter auf 1,40 Euro. Dann steigen die Gewinne bei WWY höher infolge eines größeren Umsatzvolumens beim Export. Schlägt sich das auf den Aktienkurs nieder, dann würde ich sogar bei einem Kurs von 63 $ mit 45 Euro einkaufen.
Das lenkt mich doch nicht vom Wesentlichen ab. Das läuft doch nebenbei. Diese Wechselkursübung habe ich tagtäglich beim Einkaufen, da ich ja an der Grenze Deutschland / Schweiz wohne. Hier kaufen wir auch mit dem Währungsabschlag ein. In Konstanz existieren die Geschäfte zum größten Teil von der Schweizer Kundschaft. Vor dreißig Jahren war es genau umgekehrt.
Zu Graham:
Hast du denn das Buch "Die Geheimnisse der Wertpapieranalyse"?
Wenn ja, dann findest du auf Seit 270 einen Arbeitsbogen: Angenäherte Gewinn- und Verlustrechnung auf der Basis von Zahlungsmittelflüssen. S. 269 bis 289 aus dem Kapitel 15, Analyse der Finanzbewegungsrechnung, Eine direkte Methode zur Schätzung einer Gewinn- und Verlustrechnung auf der Basis flüssiger Mittel - Analyse von Finanzbewegungsrechnungen nach Methode 3.
Das ist ein Ansatz, der Währungsverluste oder -gewinne einbezieht.
Ich glaube nicht, dass man die Währungseffekte einfach beiseite schieben sollte. Eine so gravierende Änderung einer Währungswechselbeziehung wie zurzeit hat auch Einfluss auf die Gewinne der Unternehmen. Was vor ein oder zwei Jahren noch negativ für KO, usw. war, hat sich jetzt umgekehrt und schlägt sich im Umsatz des Unternehmens nieder, was wiederum höhere Gewinne mit sich bringt. Oder bei deutschen Exportunternehmen Verlust mit sich bringt.
Nestlé z.B. leidet unter dem starken Franken. Das macht sich beim Umsatz und damit wiederum beim Gewinn bemerkbar.
< Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé hat Umsatzzahlen für das erste Quartal 2003 veröffentlicht. Aufgrund der negativen Wechselkurseinflüsse in der Grössenordnung von 13.8% resultierte ein Umsatzrückgang gegenüber der Vorjahresperiode von 7.5% auf 19'713 Mio CHF.
Wechselkursbereinigt stieg der Umsatz um 6.3%. Das interne
Realwachstum betrug 2.5%. Nestlé gibt sich zuversichtlich, die bisherige Prognose für das laufende Jahr, die Performance der Gruppe in Lokalwährungen zu steigern, zu erreichen.>
Grüße
flippi
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Erfahrener Valueist
Hallo Borsheim's,
<Das hat mit günstig nicht viel gemeinsam, auch nicht bei einem Top-Unternehmen.>
Bei einem Rückblick auf die vergangenen 12 Jahre, war WWY noch nie wirklich günstig. 1990 betrug die Einstandrendite 5,5% und schwankte danach zwischen 3 und 3,7%. Die Dividendenrendite lag bei knapp 3%. Signal 1 war in diesem Zeitraum nur 1 x positiv.
Dennoch wäre WWY die ganze Zeit über ein gutes und relativ sicheres Investment gewesen. Da gibt es also noch etwas, das sich mit Zahlen nicht erfassen läßt. Genau das ist es, was mich sehr stark interessiert.
Gruß
Dieter
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Valueist
Hallo Flippi,
das Buch hab ich natürlich, bin aber bei dem schönen Wetter zu faul hineinzuschauen. Beim Einkaufen im Ausland, und was die Gewinne amerikanischer Unternehmen durch Verkäufe im Euroraum betrifft, stimme ich Dir zu. Doch was passiert beim Investieren? Ich erwerbe mit meiner Heitmatwährung Euro am Beispiel Wrigley amerikanische Vermögenswerte auf Dollarbasis. Mit Vermögenswerte meine ich sowohl die bilanziellen, wie beispielsweise auch den wirtschaftlichen Goodwill, den Wrigley aufgrund seines Markennamens besitzt. Alles Dollar! Betrachte ich nun den Euro/Dollar Wechselkurs von vor zwei Jahren mit heute, so hat mein Euro gegenüber dem Dollar mehr Wert, was wiederum heißt, daß ich die Dollar-Vermögenswerte preiswerter einkaufen kann. Die Betrachtung der Währung würde ja durchaus Sinn machen, wenn ich das richtige Umrechnungsverhältnis, ähnlich dem Inneren Wert eines Unternehmens, bestimmen könnte. Dann bin ich aber sehr schnell bei den Volkswirten. Und wenn ich erst einmal anfange darauf zu hören, was sie über Währungen sagen, höre ich wahrscheinlich auch die ganzen anderen Sachen und kann meine Value-Analyse einpacken. Dann bin ich wieder da angekommen, wo ich angefangen habe. Wenn ich also keinen blassen Schimmer habe, wie ich unter den gegebenen Umständen den Euro/Dollar Wechselkurs bewerten soll, was kann ich dann machen? Das wollte ich zum Ausdruck bringen. Für mich zählt die Unternehmensanalyse.
<Wenn für mich ein Einstandspreis von 50 $ in Ordnung ist, dann könnte ich jetzt zugreifen. In Dollar-Währung müsste ich 59 $ zahlen, in Euro-Währung ist es halt nun mal 50 Euro - seit der Dollarabwertung. Erholt sich die US-Wirtschaft habe ich doch billig mit 20% Rabatt eingekauft.>
Und genau das verstehe ich nicht. Wenn 50 $ ok sind, dann sind 50 Euro doch nicht das Gleiche. Die Aktie kostet 59 $ und zu den 50 Euro gelangt man durch den aktuellen Umrechnungskurs. Ich habe doch dadurch nicht mit Rabatt gekauft. Also ich laß mir das nochmals in Ruhe durch den Kopf gehen.
Hallo Dieter,
alles richtig was Du sagst und die unterschiedlichen Bewertungen, die der Markt verschiedenen Unternehmen zubilligt, sind wirklich interessant. Was mich allerdings stört ist die fehlende Garantie, daß es in der Zukunft ebenso sein wird. Mir fehlt einfach die von Graham geforderte Sicherheitsmarge.
Grüße
Borsheim´s
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Erfahrener Valueist
Hallo Borsheim's,
jetzt habe ich verstanden, was du meinst.
<Und genau das verstehe ich nicht. Wenn 50 $ ok sind, dann sind 50 Euro doch nicht das Gleiche. Die Aktie kostet 59 $ und zu den 50 Euro gelangt man durch den aktuellen Umrechnungskurs. Ich habe doch dadurch nicht mit Rabatt gekauft.>
Ja, deine Logik ist natürlich richtig. Aus dieser Sicht habe ich es noch gar nicht betrachtet. Ich bin einfach aus meinen persönlichen Währungserfahrungen ausgegangen. Also so, wie du auch sagst, du kaufst einen amerikanischen Vermögenswert und der ist durch den schwachen Dollar einfach auf Eurobasis günstiger.
Komisch, gibt es zwei verschiedene Logiken?
Also, ich kann meine Logik immer noch nachvollziehen und verstehe deine auch. Ich denke gerade daran, dass wir vor Jahren einmal ein Haus in Teheran verkauft haben und obwohl wir nach monatelangen Verhandlungen einen höheren Verkaufspreis erzielt hatten, trotzdem einen Verlust eingefahren haben - wegen einer starken Abwertung der iranischen Währung, die im Verlaufe der Verhandlungen stattgefunden hat.
Grüße
flippi
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Erfahrener Valueist
Hallo Borsheim's
<Mir fehlt einfach die von Graham geforderte Sicherheitsmarge.>
Wenn das für dich eine zwingende Vorschrift darstellt, hast du natürlich recht und liegst damit etwas mehr auf der sicheren Seite.
Rein theoretisch müßte dich doch aber auch die Ungewißheit stören, dass ein eindeutig unter dem inneren Wert notierendes Unternehmen über einen längeren Zeitraum vom Markt ignoriert werden könnte - oder sogar nie als solches erkannt wird. Wie viele Jahre würdest du warten?
Gruß
Dieter
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Erfahrener Valueist
Hallo,
zufälligerweise habe ich vor kurzem auch nochmal über WWY nachgedacht mit der folgenden Schlußfolgerung:
Unternehmen A: durch Wechselkursverhältnis mit x % Vorteil zu bekommen
Unternehmen B: durch Wechselkursverhältnis mit x % Vorteil plus y % Sicherheitsmarge zu bekommen
Bei y > 0 würde ich Unternehmen B kaufen. Das scheint mir lohnender zu sein. Das gilt natürlich nur, wenn die Unternehmen A und B im selben Land beheimatet sind. Für mich ist WWY also solange kein Kauf, solange es günstigere Gelegenheiten gibt.
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Erfahrener Valueist
Hallo
Wen ich mir den $/€ Historisch ansehe http://www.bundesbank.de/stat/zeitre...tml/wj5009.htm dann könnte man den schwachen Doller als zusätzliches Bonnbon sehen. Vom grundsatz hat aber hat Borsheim's recht.
Grüsse Jo
Borsheim's wo st eigentlich Deine HP hin?
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Erfahrener Valueist
Hallo Ben
<Für mich ist WWY also solange kein Kauf, solange es günstigere Gelegenheiten gibt.>
Es gibt meistens eine günstigere Gelegenheit, aber verfügt diese dann auch über vergleichbare Qualitäten?
Welches Unternehmen wäre deiner Meinung nach mit WWY vergleichbar und günstiger?
Gruß
Dieter
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Erfahrener Valueist
Hallo Dieter,
mir fällt momentan kein mit WWY vergleichbares Unternehmen ein, was die Unternehmensqualität angeht. Trotzdem finde ich den Preis immer noch zu hoch. Ich warte lieber auf einen günstigeren Zeitpunkt. Wenn der nicht kommt, habe ich Pech gehabt.
Meine Favouriten sind in den vergangenen Tagen meist sehr stark gestiegen und da ich nicht sicher bin, ob der Boden schon erreicht war, warte ich lieber erstmal wieder ein wenig ab, bevor ich nochmals nachkaufe oder Empfehlungen ausspreche. Prinzipiell bevorzuge ich US-Unternehmen. Ich halte z.B. Pfizer, Schering-Plough oder United Technologies noch für beachtenswert, wenn der Preis der Aktie sich in bestimmten Regionen bewegt. Die haben aus meiner Sicht reichlich Sicherheitsmarge. Es gibt noch ein paar mehr, aber ich möchte nicht alle hier nennen (dazu gehören auch kleinere bis mittlere Unternehmen in technologischen Wachstumsbranchen, die in Deutschland wenig oder gar nicht gehandelt werden).
Du siehst daran also, dass mir eine ausreichende Sicherheitsmarge gerade lieber ist, als ein perfektes Unternehmen zu einem hohen Preis. Jemand anderes hat wahrscheinlich andere Ziele als ich und würde es umgekehrt machen.
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