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Thema: Börsencrash

  1. #1
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    Hallo,

    ich weiß nicht aus welcher Quelle dieser Text kommt, hoffe aber er stimmt.

    Nach dem Boom und unweigerlichen Fall der High Techs fragen sich viele, wie es eigentlich dazu kommen konnte. IPO-Boom, Fortschrittsglaube und anschließende Ent-Täuschung der Marktteilnehmer sind wahrlich nichts Neues. Ein Blick zurück offenbart Erstaunliches.
    Wie alles geschah: Die Unternehmen waren reichlich mit Liquidität ausgestattet, was zu erheblichen Kursaufschwüngen führte. Es kam zu einer Art Gründungsfieber. Innerhalb von nur zwei Jahren drängten knapp 800 Unternehmen an die Börse. Sogenannte Finanzierungsbanken hatten Hochkonjunktur. Eine "neue Wirtschaft" wurde ausgerufen und blendete mit ihren Prognosen vom exponentiellen Wachstum das Publikum. Die losgetretene Gründungslawine nahm immer mehr Fahrt auf, während Liquidität vom Mehrfachen des Geldumlaufs in die Wirtschaft gepumpt wurde. Eine der Emissionen war mehr als 300fach überzeichnet. Der Aktienindex stieg in einem Jahr um 85 %.
    Irgendwann schließlich warnten kritische Stimmen. Bedingt durch Kreditkündigungen, Wertpapierverkäufen von Institutionellen und ersten Zusammenbrüchen von Börsengesellschaften brach das Kartenhaus in sich zusammen. Von den letzten 400 Neuemissionen notierten kurze Zeit später nur noch 75 über ihrem Ausgabepreis.
    Wer jetzt glaubt, mit dem obigen Szenario wäre die Börsenhausse 1999/2000 beschrieben worden, irrt gewaltig. Es handelt sich um die sogenannten Gründerjahre 1870 bis 1872 in Deutschland (damals hauptsächlich Preußen, ab Ende 1871 dann Kaiserreich). Der Blitzsieg gegen Frankreich, das zu einer absurd hohen Reparationszahlung verdonnert wurde, führte noch zu einer Beschleunigung der Hausse. Die Wirtschaft befand sich zwar in einem neuen Zeitalter, aber zugrundeliegende Gesetzmäßigkeiten verloren auch in der Hochphase der Industrialisierung nicht zwangsläufig ihre Gültigkeit. Die Ursachen kommen einem irgendwie vertraut vor: Unternehmensgründer ohne richtige Kenntnisse der Geschäftsmodelle und natürlich auch ohne Erfahrung mit den neuen Geschäftsformen scheiterten schnell und vor allem schmerzlich - und rissen dann alle in den Strudel. Im Mai 1873 musste die Wiener Börse ihren Bankrott bekanntgeben. Kurze Zeit später kam es an der Wall Street zu einem der heute legendären "Schwarzen Freitage".
    Es ist also alles, aber auch wirklich alles schon einmal irgendwie dagewesen. Frappierend sind vor allem die Parallelen beim Indexanstieg - auch die Nasdaq stieg 1999 um knapp 85 % -, bei der blinden Überzeichnung von Neuemissionen, bei der Finanzierung der hochspekulativen Unternehmen und schließlich bei den Ursachen für das unvermeidliche Scheitern der neuen Wirtschaftsordnung. Denn eines ist in all den Jahren gleichgeblieben: die Menschen. Sie ändern sich nicht und unterliegen immer wieder Irrungen und Wirrungen. Erst im nachhinein stellt man sich dann die Frage nach dem Warum und Wieso? Meist zu spät.

  2. #2
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    Hallo, Dieter,

    ich finde Deinen Beitrag gerade deshalb interessant, weil heute in der Börsen-Zeitung über die Gontard & MetallBank berichtet wurde. In der heißen Phase war (die zu Gold-Zack gehörende) diese Bank eines der heißestens Emissionshäuser. Heute war zu lesen, daß sich der Wirtschaftsprüfer ziert, ein Testat zu erteilen und daß der Laden in akuten Schwierigkeiten schwebt.

    Ansonsten hat sich dieses Szenario seit 130 Jahren mehrfach wiederholt. Und ich bin mir sicher, daß es in eingen Monaten oder Jahren erneut so laufen wird.


    Gruß,

    JuliaPapa

  3. #3
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    Hallo Dieter,

    auch mir gefällt der Beitrag sehr gut, insbesondere der Satz:

    "Es ist also alles, aber auch wirklich alles schon einmal irgendwie dagewesen. ...Denn eines ist in all den Jahren gleichgeblieben: die Menschen. Sie ändern sich nicht und unterliegen immer wieder Irrungen und Wirrungen. "

  4. #4
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    Hallo Dieter,

    Auch wenn ich mich nur wenig *mit der Value-Analyse befasse, so erstaunt mich doch Dein Beitrag zum Thema "Börsengeschichte".

    Genau diese Denk und Arbeitsweise *von Börsen und Werte-Analyse hat für mich 1. Prorität wenn ich über Börse ,Geld und Werte *nachdenke.

    Der Inhalt deines Beitrag ist für mich deshalb *nichts neues, aber es verwundert, dies in einem Value-Analyse-Bord-und von einem Value-Analysten, verfasst zu finden.
    Auch die Börsenpsychologie ist angesprochen, wenn auch nicht tiefer hinterfragt.

    ein tief erstaunt und verwunderter
    Helmut * *

  5. #5
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    Hallo an alle & ein spezielles Hallo an Helmut,

    für mich als relativen Börsenneuling war die Internetblase und ihr Platzen zu Beginn auch was besonderes und ich ich dachte, dass die bis dahin gültigen Börsenregeln außer Kraft gesetzt sind. Aber langsam reifte in mir die Erkenntnis, dass es nicht wirklich was neues passiert war, nur etwas, was nicht aller paar Monate an der Börse geschieht. Mittlerweile bin ich überzeugt, dass der Internetboom nicht der letzte Boom an der Börse war und es nur eine Frage der Zeit ist, bis eine neue Blase entsteht. Der von Dieter zitierte Text wird also immer wieder "zur Anwendung" kommen und man wird sich jedes Mal im Nachhinein über die Ähnlichkeiten der Situationen nur wundern.

    @Helmut: So weit ich den Value-Ansatz einschätzen kann ist er nicht nur reines Jonglieren von Zahlen. Mir fällt immer wieder auf, dass man mittels einer eingehenden Analyse von Firmen-Daten zu Einschätzungen kommt, die auch ein Kosto so oder ähnlich getroffen hätte. Ich habe zumindest schon öfters bei Value-lastiger Literatur gestutzt und gedacht, man, genauso hätte es wohl Kosto (oder koester?) auch formuliert. Ich denke, man kann von unterschiedlichen Ansätzen und Ausgangssituationen her zu ganz ähnlichen Einschätzungen kommen und was zählt, ist wohl vor allem die Erfahrung (die ich noch nicht habe). Mir ist zumindest noch keine Valuebewertung ins Auge gesprungen, wo ich sofort hätte "Kaufen" rufen können. Ich glaube, auch der härteste Valueist wird, wenn er erfolgreich ist, automatisch Aspekte in eine Kauf- oder Verkaufentscheidung mit einfließen lassen, die sich nicht klar in Zahlen ausdrücken lassen. Mich würde es zumindest sehr wundern, wenn es anders ist.

    Viele Grüße,
    Jörg.

  6. #6
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    Hallo an alle u. ein spezielles Hallo an Jörg,

    Natürlich gibt es grundlegende Unterschiede zwischen der Value-Analyse wie Sie hier im Board gepflegt wird, und meiner Betrachtungsweise über Geld und Börse.

    Ich kann mich zb. nicht erinnern, das ich je einen Wert gekauft-oder (seltener) verkauft habe, deren konkrete Unternehmensdaten ich mir angesehen habe. Zahlenmaterial habe ich mir erst hier und im village angesehen. Und, um bei der Wahrheit zu bleiben, sie haben bei mir bisher noch nie eine Rolle gespielt.

    Ich müßte warscheinlich sofort 90 % meiner Depotwerte veräußern, denn wenn ich mir dann vorstelle, ich wäre Bruchteilseigentümer und müßte alleinig von den Dividenden und den erhofften zukünftigen Gewinnen meine Rendite bestreiten und dann noch teilweise den 20-40 fachen (oder noch höher) Jahresgewinn als Investment zahlen. - undenkbar - aber es gibt ja noch die Börse - und somit bin ich in erster Linie kein Bruchteilseigentümer sondern Börsianer.

    Man könnte es auch wie folgt formulieren : Bei meiner Betrachtung über Geld und Börse nutze ich in erster Priorität mein Weitwinkelobjektiv-während meiner Meinung die Value-Analysten sich bevorzugt dem Teleobjektiv und der Mikroskopie zuwenden. - meine Form der "Value"-Analyse hast Du sicherlich noch in Erinnerung (..diese noble Modemarke).

    Auch wenn dies Board hier eine Rubrik "andere Strategien" enthält, so ist doch der Leitgedanke dieses Boards

    Die Value-Analyse.

    Darum werde ich auch hier mit meinen Beiträgen nicht in Konfrontation zu den Value-Analysten treten.

    Letztendlich zählt doch nur der Erfolg oder Mißerfolg.
    Egal mit welcher Strategie.
    Solltest Du deshalb die Börsenjahre 2000 und 2001 voll durchlebt haben, so hast Du meiner Meinung nach eine gute Chance festzustellen, wo Du dich bereits jetzt einordnen kannst. Normalersweise benötigt man dafür mindestes vier bis fünf Jahre. (remember :der 10000 m Lauf)
    Da die letzten beiden Jahre, im Vergleich zu den zurückliegenden (8) Jahren die "schwersten Börsenjahre" waren, zählen diese nach meiner Auffassung doppelt, und man kann bereits jetzt die Tendenz seiner eigenen "Performance"
    und seiner handlungsweise auch für die kommenden Jahre erahnen.-Börse ist kein Glücksspiel - sollte man dann feststellen, das man unter den Indizes (< 10%) liegt in denen man investiert ist, sollte man sich über sein teures Luxus Hobby ernsthaft Gedanken machen.
    Indexscheine und ausgesuchte Fonds wären die bessere Alternative.

    Mein Rundumblick auch in anderen Boards nähren den Eindruck, das die überwiegende Mehrheit sich diesen Luxus leistet.

    Helmut

  7. #7
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    Hallo Helmut,

    vermutlich bin ich genauso erstaunt Dich hier anzutreffen, wie Du über den Beitrag.

    Und gerade weil wir alles schon mal hatten, sollten wir noch vorsichtiger sein und uns noch intensiver mit den Unternehmen auseinandersetzen.

    Das wäre so meine Botschaft dazu gewesen, mehr nicht.

    Kleines Zitat von Graham, "Wall Street people learn nothing and forget everything."

    Gruß

    Dieter

  8. #8
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    Hallo Dieter,

    Wie Du siehst lebe ich immer noch und bin weiterhin eifriger Börsianer, seit jetzt über 30 Jahren, wenn auch kein Valuist ; sondern bin eben mein eigener Marktanalyst geblieben .

    Einige meiner Werte sind nun schon über 20 Jahre im Depot. Wie ich hier gelesen habe, hat sich Dein Depot ja stark verändert. -Schade-

    Meine Meinung zu Geld und Börse ist dabei immer noch die gleiche geblieben, meine Werte zu 99% auch, leider aber meine Gesundheit nicht mehr. Just, in dem Moment, als ich dabei war etwas über die "Aktienanalyse" zu schreiben, hat es mich am Herzen (Infarkt) erwischt, wovon ich mich noch immer nicht ganz erholt habe, obwohl dies schon über 2 Jahre her ist. -dies soll keine Schuldzuweisung an die Aktienanalyse darstellen, sondern lediglich den Zeitpunkt 08-2003 dokumentieren. Mein Board konnte ich deshalb auch nicht weiter führen - aber in Kürze ist eine Wiedereröffnung geplant, und dann werden wir mal mal sehen was aus den damaligen Analysen, Meinungen und Prognosen und der " inzwischen geworden ist. (Ebay-MD-Starbucks-PMorris- dt. Bauwerte -Bilfinger-Hochtief-Schrottdepot -Amazon etc. und und...

    Vielleicht hört oder sieht man sich ja mal wieder, vielleicht wie damals jetzt mit dem NEU 3-Sat Börsenexperten Prof ..Dr.. Otto

    Helmut

  9. #9
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    Helmut go home!

    Und wie Du siehst, gibt´s mich auch noch.Übrigens bin Ich mit den Werten auf denen Du so rumgehackt hast, allen voran Bijou mehr als gut gefahren.Letztes Jahr habe Ich alles verkauft und damit mein eigenes Restaurant hier in Mülheim/Ruhr eröffnet.

    Jetzt fange Ich peu a peu wieder an alles zurückzukaufen,allen voran natürlich Bijou.Leider ist in der Zwischenzeit alles deutlich teurer geworden.

    Bernd

  10. #10
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    Wie wahr. Wir haben immer das Gefühl, dass wir die Welt neu erfinden. Wir sollten uns aber eingestehen, dass wir uns oft einfach in den gleichen Kreisen drehen.

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