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Thema: Rohstoffaktien

  1. #11
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    Rohstoff-Bullen glauben an Superzyklus

    Von Ingo Narat, Udo Rettberg; Handelsblatt

    Trotz der jüngsten Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten ist der Glaube an einen Superzyklus bei den Rohstoff-Optimisten nicht erschüttert. Die jüngsten Zahlen belegen zumindest, dass Rohstoffe im ersten Quartal des Jahres 2005 Aktien als attraktivste Anlageform den Rang abgelaufen haben.

    Händler an der Warenterminbörse Chicago. Foto: dpa

    FRANKFURT/M. "Die schwachen Preise bieten Anlegern möglicherweise die letzte Chance auf den Einstieg in diese lange Zeit vernachlässigte Anlageklasse", sagt der wohl populärste Vertreter dieser Gruppe, Jim Rogers, der vor vielen Jahren Partner des weltbekannten Hedge-Fonds-Managers George Soros war. Solche Preiskorrekturen seien die "letzte Chance, auf den fahrenden Zug aufzuspringen", sagte Rogers gegenüber dieser Zeitung.

    Die jüngsten Zahlen belegen zumindest, dass Rohstoffe im ersten Quartal des Jahres 2005 Aktien als attraktivste Anlageform den Rang abgelaufen haben. In den ersten drei Monaten gewann der CRB-Rohstoffindex 10,8 Prozent. Aktien veränderten sich - gemessen am MSCI-Weltaktienindex - praktisch nicht, wobei es vor allem den Rohstofftiteln zuzurechnen ist, dass die wichtigsten Indizes nicht im Minus landeten. Mit gerade einmal 0,9 Prozent fiel auch das Plus von Staatsanleihen sehr mager aus.

    Ungeachtet der Statistik scheiden sich die Geister der Experten, wenn es um die weiteren Perspektiven von Rohstoffinvestments geht. Pessimisten wie die Strategen des Finanzhauses Canaccord Capital zweifeln an der Nachhaltigkeit des Preisaufschwungs. Sie verweisen wie viele andere auf den in der Vergangenheit stark zyklischen Charakter der Rohstoffmärkte. In früheren Zyklen hatten hohe Rohstoffpreise steigende Investitionen, ein höheres Angebot und in der Folge wieder rückläufige Preise zur Folge.

    Ein Blick auf die Asset-Allocation bekannter Investmentbanken wie beispielsweise von Morgan Stanley und JP Morgan zeigt dabei, dass diese Adressen nicht an die Beständigkeit der Hausse glauben. Dort spielen Rohstoffanlagen in den Musterdepots kaum eine Rolle.

    Vertreter des Bullenlagers wie die Fondsmanager von Merrill Lynch Investment Managers sprechen indes weiter vom Rohstoff-Superzyklus. Sie argumentieren, die Lage habe sich durch das Auftauchen einen Faktors auf der Nachfrageseite - die Volksrepublik China - zugespitzt. Daher seien rückläufige Preise nur eine Korrektur im Haussetrend.

    Auch Goldman Sachs setzt auf diese Entwicklung. Die Analysten des US-Hauses hatten die Finanzmärkte zuletzt mit der Prognose einer "Super-Spitze" des Rohölpreises von 105 Dollar je Barrel aufgeschreckt. Auch Klaus Martini, Global Chief Investment Officer für das Privatkundengeschäft der Deutschen Bank, sieht die Rohstoffpreise wegen der starken Nachfrage Chinas weiter gut unterstützt.

    Hans-Peter Loosli - Vermögensverwalter beim weltgrößten Vermögensverwalter UBS und mitverantwortlich für rund 1 000 Mrd. Euro an Geldern gehobener Privat- und Firmenkunden - schließt sich den Rohstoff-Optimisten an. Er sieht diese Anlageklasse "am Anfang eines langfristigen Bullenmarktes". Kurzfristig seien diese Märkte zwar überhitzt. "Aber", so seine Empfehlung, "fünf bis zehn Prozent eines internationalen Portfolios sollte man in diesen Sektor investieren."

    Wenn es an die konkreten Entscheidungen geht, zieht Loosli Terminkontrakte den Rohstoffaktien vor, "weil die allgemeine Börsenverfassung auch die Rohstofftitel beeinflusst". Der Energie- und Metallbereich bleibe besonders gefragt. Bisher scheinen nur wenige Anleger investiert zu sein. Das gilt insbesondere für die wichtigste - weil finanzstärkste - Investorengruppe. Zwei von drei großen institutionellen Anlegern sind in Rohstoffen noch gar nicht vertreten. Das ergab eine Konferenz von Barclays Capital.

    Die spannendste Nachricht dieser Veranstaltung aber war: Zwei Drittel der Institute wollen in den nächsten zwei Jahren Engagements von fünf Prozent oder mehr ihres Vermögens in Rohstoffen aufbauen. Das wäre ein Motor für zukünftige Preissteigerungen.

    Vertreter der Minenbranche äußern sich - wie kaum anders zu erwarten - zustimmend zum optimistischen Ausblick. "Der Syperzyklus für Commodities ist erst am Anfang", sagt beispielsweise Rick van Nieuwenhuyse, Chef der Minengesellschaft Novagold Resources. Er kann sich dabei auf die Rückendeckung der größten unabhängigen Fondsgesellschaft berufen: "Fidelity ist unser größter Aktionär."

  2. #12
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    Hallo zusammen,

    so langsam fühle ich mich zu einer kritischeren Stimme hingezogen. Bei allem Respekt vor Jim Rogers und seiner guten Spürnase für Rohstoffe, gefallen mir seine Aussagen nicht.

    Zunnächst einmal zur Aussage von Rogers, die uns boersenjaeger bei "Rohstoffe, eine Anlage wert?" zu lesen gab:

    "... Wenn sie ihre Hausaufgaben machen und vernünftig und verantwortungsbewusst bleiben, dann können Sie vielleicht mit weniger Risiko in Rohstoffe investieren, als wenn sie am Aktienmarkt mitspielten. Ich muss Sie nicht daran erinnern, dass jedes Investieren ein Risiko birgt. Lassen Sie mich aber auf etwas hinweisen, was sie vielleicht noch nicht bemerkt haben. Es gab in den letzten Jahren mehr Sprunghaftigkeit im NASDAQ als auf irgendeinem Rohstoffindex. Verglichen mit den Risiken der meisten Technologieaktien, machen die Rohstoffe einen so sicheren Eindruck, dass sie in keinem "Witwen und Waisen Fond" eines Unternehmens fehlen sollten."

    Wenn der Eindruck da mal nicht täuscht. Hier wird Sicherheit mit Volatilität gleichgesetzt. Entscheidend ist doch vielmehr in was man investiert und welchen intrinsischen Wert das hat. Sonst könnte man ja irgendwelche Zockerpapiere als völlig risiklos und für MDT-Stammkunden geeignete Investition betrachten, wenn sie ohne größere Schwankungen nach oben schießen. Dass der Vergleich der Rohstoffaktien mit Hightechtiteln erfolgt, das ist indes gar nicht so abwegig, auch wenn das in dieser Form sicher nicht die Absicht von von Jim Rogers war.

    Und dann die Aussage aus dem Beitrag von Sigip:

    "Die schwachen Preise bieten Anlegern möglicherweise die letzte Chance auf den Einstieg in diese lange Zeit vernachlässigte Anlageklasse", sagt der wohl populärste Vertreter dieser Gruppe, Jim Rogers, der vor vielen Jahren Partner des weltbekannten Hedge-Fonds-Managers George Soros war. Solche Preiskorrekturen seien die "letzte Chance, auf den fahrenden Zug aufzuspringen", sagte Rogers gegenüber dieser Zeitung."

    Das ist genau diese Art von Denken, die die Anleger immer in die Irre führen wird. "Bloß noch schnell rein, sonst verpasse ich etwas." Mit Investieren aus rationalen Erwägungen hat das nichts mehr zu tun.

    Nochmal zu Rohstoffen allgemein: Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die Preise für z.B. Kuper und Stahl zunächst weiter haussieren. Ich kann mir aber genausogut vorstellen, dass sie 2006 spätestens 2007 wieder auf dem Rückzug sind. Ob das dann nur eine Korrektur in einer langanhaltenden Hausse ist, wie im obigen Bericht zu lesen war? Wer weiß, schließlich ist da auch noch Indien, die langfristig für Nachfrage Sorgen werden. Aber Fakt ist doch: Dass die Preise derzeit so haussieren, wussten die Minengeselleschaften vor ein paar Jahren selbst nicht. Und wie der Markt in ein paar Jahren aussehen wird - das wissen sie auch nicht. Schließlich dreht jeder Zyklus, sonst wäre es ja keiner. Gut, im besten Fall dauert so eine Hausse vielleicht 10 bis 20 Jahre. Aber mal ehrlich, wäre denn ein KGV von sagen wir 8 oder 9 billig für ein Investment, das optimistisch betrachtet auf Sicht von 10 bis 20 Jahren nachhaltig für Gewinne sorgt? Nicht wirklich, oder? Für mich kommen Rohstoffe als Value-Investment nach wie vor nicht in Frage und mit Witwen- und Waisenanlagen haben sie sicher auch nichts zu tun.

    Grüße
    PoP
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  3. #13
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    Hallo zusammen,

    nun muss ich auch mal meinen Senf dazu geben.

    @Arman,

    also, ich sehe das einfach anders.

    Ein Rohstoffunternehmen kann eine Überbewertung aufbauen oder es kann eine Unterbewertung aufweisen. Weist es eine Unterbewertung auf und handelt es sich um ein qualitativ gutes Unternehmen, dann ist das für mich Value.

    Rohstoffunternehmen sind so alt wie es den Abbau von Rohstoffen gibt. Rohstoffe sind lebensnotwendig und auch die Basis für Industrieunternehmen. Sie gehören zum Wirtschaftskreislauf und es geht nicht ohne sie.

    Dass Rohstoffunternehmen einem Zyklus unterliegen, liegt einfach in der Natur dieser Unternehmen. Maschinenbauer sind auch einem Zyklus unterworfen.

    Es gibt halt zyklische Aktien und nicht-zyklische. Ich habe damit kein Problem.

    Buffett hat nur einen Teil seiner Investitionen in klassische Buffett-Unternehmen gesteckt. Er guckt sich sowohl im Rohstoff- als auch im Baubereich um. Mit Versicherungen hat er sich einen Hebel für seine Investitionen geschaffen. Das ist genial gewesen. Mit Optionen und Junk-Bonds hat er weitere Möglichkeiten genutzt.

    Für mich geht es darum, das Bestmöglichste aus einer Investition herauszuholen. Das versuche ich aber nicht durch Spekulation, sondern durch ganz gezieltes Vorgehen, Analysieren. Auch ein Hedgen gegen eventuelle Marktstürme gehört für mich dazu. Investieren ist etwas Umfassendes und ich finde, dass man seine Möglichkeiten ausschöpfen sollte.


    @Boersenjaeger,

    Kohleaktien sind interessant. Yanzhou Coal muss ich mir mal vom Zahlenwerk genauer anschauen. Über die Bewertung kann ich momentan nix sagen.

    @JuliaPapa

    ich finde das Zertifikat von Jim Rogers eine ausgezeichnete Möglichkeit in Rohstoffe zu investieren, auch wenn man sich nicht genügend auskennt. Denn es ist nicht so einfach, in einzelne Rohstoffe zu investieren. Man muss das Verhalten des Rohstoffes kennen, die Marktwirtschaft verfolgen, die jeweiligen Währungsverhältnisse beachten und nicht zuletzt die einzelnen Kartelle kennen. Sie beherrschen den Rohstoffmarkt und manipulieren diesen entsprechend.

    Rogers kennt sich da sicher aus und sein Index hat bisher alle anderen Rohstoff-Indizes geschlagen. Das Zertifikat hat einen etwas höheren Spread, aber sollte durch eine erwartete Performance rentieren.

    @Zecke

    Beim meinen Rohstoffinvestitionen und auch bei anderen gehe ich nach einer Art Pyramide vor.

    Als Basis habe ich mir ein qualitativ gutes, breit diversifiziertes Unternehmen genommen. Hier gefällt mir einfach BHP Billiton am besten. Mit dieser Grundlage habe ich dann ein besseres Gefühl und kann dann beruhigter in Gesellschaften investieren, die nicht so breit diversifiziert sind oder auch nur einen Rohstoff fördern. Öl und Gold gehört da für mich dazu. Explorationsgesellschaften liegen dann oben innerhalb der Pyramide.

    Eine weitere Möglichkeit, wie Du und alle Vorredner erwähnt haben, ist der Handel von Rohstoffen direkt mittels Zertifikaten. Diese Möglichkeit sollte man auch ausschöpfen. Wenn man sich auskennt, ist das eine gute Möglichkeit den eigenen Depotwert zu erhöhen. Voraussetzung – meine ich – ist die Kenntnis über den Rohstoff, usw. Nur nach irgendwelchen Empfehlungen allein sollte man nicht kaufen. Die Volatilität ist hoch und man kann schnell Geld verlieren.

    Als Basis nehme ich hier auch den Index. Öl, Gold, Silber und kurzfristig mal einen Agrarrohstoff – als Call oder Put, je nach Marktsituation.

    Grüße
    flippi

  4. #14
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    Hallo Flippi,

    @also, ich sehe das einfach anders.

    Dann hast Du mich noch nicht richtig verstanden. Zunächst einmals widerspreche ich Dir nicht in den Punkten, dass ein Rohstoff ein echter Wert ist und dass Du gezielt und analytisch investierst. Meine Aussage war also nicht, dass Rohstoffe Schrott sind und pure Spekulation. Aber in einer Sache kommen wir nicht überein. Du schreibst "Ein Rohstoffunternehmen kann eine Überbewertung aufbauen oder es kann eine Unterbewertung aufweisen. Weist es eine Unterbewertung auf und handelt es sich um ein qualitativ gutes Unternehmen, dann ist das für mich Value." Das ist schlüssig. Nur, meine Meinung ist doch die, dass man keine seriöse Bewertung machen kann! Insofern ist es kein Value-Investment. Was ich nicht bewerten kann, kann ich ja auch nicht unter oder über Wert kaufen. Eine andere Sache ist es für mich, wenn man sich z.B. die Angebot- und Nachfragesituation auf den Märkten anschaut und anhand dessen einen fairen Wert für einen Rohstoff herleiten will. Gut, das mag sein, aber dieser fairer Wert orientiert sich am Kurs. D. H. wenn wir z.B. 5 Jahre zurückdenken und mitten im Börsenhype stecken, könnten wir ja annehmen, dass die Nachfrage der Investoren unwahrscheinlich hoch ist und das Angebot niedrig. Alle wollen kaufen, keiner will verkaufen. Dann können wir nur noch gewinnen. Oder 8 von 10 Highteckaktien steigen. Das ist ne tolle Quote, also kann eine Aktie schon ziemlich unterbewertet sein, wenn Sie sich mit einer Wahrscheinlichkeit von 80% deutlich im Preis verteuert. *Verstehe mich nicht falsch, ich will Deine Rohstoffinvestments nicht als Schrott darstellen, aber eines haben diese Beispiele doch gemeinsam. Der faire Wert richtet sich nach einer Prognose des Preises. Für mich ist ein fairer Wert jedoch ein Ertragswert, der sich nach der erzielbaren Rendite richtet, die sich aus den Ausschüttungen eines Investments in % von der Investitionssumme ergibt, also der Barwert der FCFs.

    Grüße
    PoP
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  5. #15
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    Hallo Arman,

    das weiss ich doch, dass Du nicht meinst, dass Rohstoffe Schrott sind und ich in Schrott investiere. Nur im allgemeinen fehlt das Verständnis für Rohstoffe. Das resultiert sicher aus der zwanzigjährigen Baisse.

    <Der faire Wert richtet sich nach einer Prognose des Preises>

    Wie meinst Du denn das?

    Der Preis wird am Spotmarkt erzielt. Daraus kann ich auch keinen fairen Wert des Unternehmens errechnen.

    Der Gewinn setzt sich aus dem erzielten Preis und den Förderkosten zusammen. Dazu muss man noch die Währungsdifferenzen berücksichtigen, da Rohstoffe vorwiegend in US-Dollar abgerechnet werden, die Förderkosten dagegen in Landeswährung. Das ist dringend mit einzuberechnen. Nun gibt es natürlich Unterschiede zwischen den einzelnen Förderern und hier suche ich die besten raus. Selbstverständlich sind die Investitionen hoch und nur wenige schaffen einen hohen positiven FCF. Das liegt aber am Geschäft und muss berücksichtigt werden. Wichtiger ist der Wert des vorhandenen abbaubaren oder förderbaren Rohstoffs.

    Die geschätzten Reserven zusammen mit den Förderkosten, den aktuellen Rohstoffpreis unter Berücksichtigung der Schwankungen (oder einfacher: den durchschnittlich erzielten Rohstoffpreis) kannst Du berrechnen und damit auch eine Prognose treffen.

    <Gut, das mag sein, aber dieser fairer Wert orientiert sich am Kurs.>

    Eben das ist nicht so. Das wäre doch unmöglich und ist doch kein fairer Wert. Jetzt verstehe ich auch Deine Schlussfolgerung. Ich würde auch in sowas nicht investieren.

    Grüsse
    flippi

  6. #16
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    @Nur im allgemeinen fehlt das Verständnis für Rohstoffe. Das resultiert sicher aus der zwanzigjährigen Baisse.

    Das würde ich so nicht sagen.
    20 Jahre Baisse gab es übrigens bei Coke z.B. nicht und wird es wohl auch nie geben. Bei Rohstoffen sieht das eben anders aus.

    @Selbstverständlich sind die Investitionen hoch und nur wenige schaffen einen hohen positiven FCF. Das liegt aber am Geschäft und muss berücksichtigt werden. Wichtiger ist der Wert des vorhandenen abbaubaren oder förderbaren Rohstoffs.

    Für mich als Aktionär hat doch nur Das einen Wert, was an mich ausgeschüttet wird. Von mir aus kann ein Unternehmen auch einen FCF von 0 haben, aber dann dürfen die Investitionen nicht geringer rentieren als meine Opportunitätskosten. Wenn ich hiervon ausgehen kann, also Wachstum finanziert wird, ist das OK, da die FCFs in Zukunft umso höher sein werden. Wie ist das bei den Rohstoffunternehmen? Welche Renditen werden diese auf ihre Investitionen erzielen?

    @Die geschätzten Reserven zusammen mit den Förderkosten, den aktuellen Rohstoffpreis unter Berücksichtigung der Schwankungen (oder einfacher: den durchschnittlich erzielten Rohstoffpreis) kannst Du berrechnen und damit auch eine Prognose treffen.

    Sicher kannst Du das berechnen, doch mit welcher Sicherheit? Die geschätzten Reserven zusammen mit dem Förderkosten zum aktuellen Preis scheitert doch schon gravierend an der Prognoseunsicherheit bezüglich des Preises. Welchen Preis wird das Unternehmen in 5, welches in 10, welches in 20 und welches in 50 Jahren erzielen? Das kann doch kein Mensch sagen. Gut, man könnte einen Durchschnittspreis wählen, aber dieser würde wohl wiederum so stark von den tatsächlich erzielten Preisen abweichen, dass die Prognose auf sehr dünnem Boden steht. Außerdem hatte doch jeder in der Vergangenheit erzielte Preis bestimmte fundamentale Zusammenhänge. Insofern ist ein Fortschreiben problematisch. Das ist als würde ich sagen, vorgestern regnete es und gestern schien die Sonne, also muss es heute irgendwo dazwischen liegen. Na gut, angenommen man würde dennoch mit langfristigen Durchschnitsswerten rechnen. Dann müsste man ja konsequenterweise auch zwei Zyklen betrachten. Wenn man den Durchschnittswert aus den jetzigen Preisen mit den Preisen am Tief des Zyklus ausrechnet, dürfte man auf deutlich niedrigere Preise kommen. Für Dich wäre es ein leichtes unter Berücksichtigung der Förder- und Gemeinkosten die erzielbare Ertragskraft auszurechnen. Sie dürfte deutlich unter der jetzigen liegen. Wie kann man daraus noch Kaufkurse ableiten?

    <Gut, das mag sein, aber dieser fairer Wert orientiert sich am Kurs.>
    @Das wäre doch unmöglich und ist doch kein fairer Wert. Jetzt verstehe ich auch Deine Schlussfolgerung. Ich würde auch in sowas nicht investieren.

    Ich meinte an dieser Stelle den fairen Wert eines Rohstoffs und nicht eines Rohstoffunternehmens. Da der Wert eines Rohstoffunternehmens wiederum vom Preis des Rohstoffs abhängt habe ich keinen Unterschied daraus gemacht.

    Grüße
    PoP
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  7. #17
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    Hallo Arman,

    <20 Jahre Baisse gab es übrigens bei Coke z.B. nicht und wird es wohl auch nie geben. Bei Rohstoffen sieht das eben anders aus>

    Ja, natürlich. KO ist ein nichtzyklisches Unternehmen. Rohstoffunternehmen sind zyklisch, das kann man nicht vergleichen.

    <dann dürfen die Investitionen nicht geringer rentieren als meine Opportunitätskosten>

    Ich habe nicht verstanden, was Du hier meinst.

    <Welchen Preis wird das Unternehmen in 5, welches in 10, welches in 20 und welches in 50 Jahren erzielen>

    Kannst Du sagen, welchen Preis KO in 10, 20 oder 50 Jahren erzielt? Wir rechnen doch immer mit Annahmen. Je weiter sie in der Zukunft liegen, desto unsicherer werden sie.

    Wenn ich eine Gewinnprognose für einen Zykliker treffe, nehme ich durchschnittliche Wachstumsraten, die dem Zyklus entsprechen. In der Sonderausgabe Rohstoffe habe ich doch BHP Billiton nach der VA analysiert.

    <Ich meinte an dieser Stelle den fairen Wert eines Rohstoffs und nicht eines Rohstoffunternehmens. Da der Wert eines Rohstoffunternehmens wiederum vom Preis des Rohstoffs abhängt habe ich keinen Unterschied daraus gemacht.>

    Rohstoff und ein Rohstoffunternehmen haben keine Vergleichsbasis. Das eine ist ein Unternehmen, das andere ein Produkt.

    <Sie dürfte deutlich unter der jetzigen liegen. Wie kann man daraus noch Kaufkurse ableiten?>

    Das wird auf das Unternehmen ankommen. Aber ich denke, dass wir unterschiedliche Wachstumsraten annehmen und Du vielleicht auf andere Zahlen kommst. Rohstoffunternehmen können in der Hausse sogar Wachstumsraten von mehreren 100% aufweisen.

    BHP andererseits hat sehr kontinuierliche Wachstumsraten. Gewinnwachstum der letzten Jahre: 1,5% - 10,5% - 12,5% -77,7%. Deswegen finde ich diesen Konzern ja so ideal als Basisinvestment.

    Grüsse
    flippi

  8. #18
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    Hallo Flippi,

    @Ja, natürlich. KO ist ein nichtzyklisches Unternehmen. Rohstoffunternehmen sind zyklisch, das kann man nicht vergleichen.

    Wieso, an der Börse kann ich alle Aktien miteinander vergleichen und mir anhand des Geschäftsmodells und der Zyklik aussuchen, welches sich gut prognostizieren lässt und von welchen ich lieber die Finger lasse.

    @Kannst Du sagen, welchen Preis KO in 10, 20 oder 50 Jahren erzielt?

    Ja, natürlich. Zunächst einmal kann ich sagen, dass Preisstabilität gegeben ist und dass KO die Preismacht hat, preismäßig zumindestens mit der Inflation zu wachsen. Welche Preismacht hat ein Rohstoffunternehmen, wenn ein paar Tonnen zu viel auf Markt sind? Kann man da noch von langfristiger Preisstabilität sprechen?

    @Wenn ich eine Gewinnprognose für einen Zykliker treffe, nehme ich durchschnittliche Wachstumsraten, die dem Zyklus entsprechen.

    Ein Fortschreiben von Wachstumsraten halte ich grundsätzlich für problematisch, besonders jedoch bei Rohstoffunternehmen. Die Wachstumsraten hängen zu einem Großteil von den Preisen ab, damit nimmst Du also näherungsweise an, dass die Preise im gleichem Tempo weiter haussieren. Das ist, wie ich finde, eine sehr mutige Prognose.

    Du sprichst von einem Zyklus. Wie lange hält dieser Zyklus Deiner Meinung nach an? Und was passiert danach? Schreibst Du auch den folgenden Gewinneinbruch fort?

    @Rohstoff und ein Rohstoffunternehmen haben keine Vergleichsbasis. Das eine ist ein Unternehmen, das andere ein Produkt.

    Was ich meinte war doch, dass wenn die Bewertung eines Unternehmens erheblich von den langfristigen Preisen seines Produkts abhängt und der langfristige Preis seines Produkts in den Sternen steht, dann steht auch die Bewertung des Unternehmens in den Sternen.

    <dann dürfen die Investitionen nicht geringer rentieren als meine Opportunitätskosten>
    @Ich habe nicht verstanden, was Du hier meinst.

    Ich meinte, dass nur der FCF einen Wert für mich hat. Wenn der FCF deutlich niedriger als der Gewinn ist, z.B. weil das Unternehmen in Wachstum investiert, dann müssen die Investitionen eine Rendite bringen, die meinem Abzinsungsfaktor entspricht. Dann macht es keinen Unterschied *ob sie z.B. 1 Eur ausschütten und ich damit eine Rendite von 9% mache oder ob sie 1 Euro einbehalten, damit eine Rendite von 9% machen und es X Jahre später ausschütten.

    Grüße
    PoP
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  9. #19
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    Hallo Arman,

    <Wieso, an der Börse kann ich alle Aktien miteinander vergleichen und mir anhand des Geschäftsmodells und der Zyklik aussuchen, welches sich gut prognostizieren lässt und von welchen ich lieber die Finger lasse.>

    Ja, jeder kann sich die Aktien raussuchen, wo er seine Kompetenzen sieht.

    Nur ein Unternehmensvergleich zwischen KO und BHP hat keinen Sinn.

    <Kann man da noch von langfristiger Preisstabilität sprechen?>

    Da Du einen Vergleich KO und BHP anstrebst, kommen wir hier zu keinem Ergebnis. Ein Zykliker wird, wenn das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage dreht, wieder weniger wachsen - wenn er nur einen Rohstoff fördert - kann das sogar sehr viel weniger sein.

    Wer in Rohstoffunternehmen investiert, wird das beachten.

    Preismacht hat BHP im momentanen Zyklus eine ausgezeichnete. Die letzte Preiserhöhung bei Eisenerz konnte die Gesellschaft trotz heftigster Proteste der chinesischen Regierung problemlos durchsetzen. Das wird sich sicher einmal ändern, wenn der Nachfrageboom vorbei ist.

    Ich glaube, Dich stört einfach die Zyklik. Dann würde ich auch nicht investieren. Aber ich habe keine Probleme damit. Ich tätige meine Investitionen nicht auf Sicht von 20 Jahren. Ich gehe da ganz pragmatisch vor und will auch heute Renditen erzielen. Und über die, die ich aus dem Rohstoffbereich seit mehr als zwei Jahren erwirtschafte, kann ich mich wahrlich nicht beklagen.

    Grüsse
    flipp

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