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Valueist
Hallo,
in einigen Datenbankblättern findet sich statt der langfristigen Schulden eines Unternehmens die Bilanzsumme. Kann man für diese Blätter die Schulden aus den gegebenen Zahlen errechnen? Wenn ja, würde mich interessieren, wie man das macht. Für wahr, ich bin ganz offensichtlich kein Betriebswirt.
Dank im Voraus für jede Hilfe,
Jörg.
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Erfahrener Valueist
Hallo Jörg,
das Problem ist erkannt und hat nichts mit betriebswirtschaftlichen Kenntnissen zu tun.
Es ganz einfach so, dass 1. Valueline die Schulden ausweist und die 2. die Aktienanalyse die Bilanzsumme.
O.K. ?
Nun rechnen wir.
Mit 1. :
Langzeitverschuldung in % vom Eigenkapital soll < 30% sein
und mit 2.:
Eigenkapitalquote = EK / Bilanzsumme soll > 30%
Aber aus den Geschäftsberichten oder bei der SEC erhälst Du beide Werte. Market Guide bietet das sehr komfortabel für die letzten 5 Jahre an.
Gruß
Dieter
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Moderator
Hallo Hyperion,
nein das geht nicht.
Die Bilanzsumme ist das Fremdkapital + Eigenkapital.
Die langfristigen Verbindlichkeiten sind ein Teil des Fremdkapitals.
Aus dem Börsenlexikon:
Die Passivseite in einer Bilanz besteht aus dem Fremdkapital und dem Eigenkapital.
Das Fremdkapital ist in den meisten Fällen aufgeteilt in kurzfristiges- und langfristiges Kapital. Diese zwei Unterpunkte werden weiter aufgespalten in:
- die Verbindlichkeiten
- die Rückstellungen
Dieses Fremdkapital
in Form der Verbindlichkeiten, bezeichnen beispielsweise die bezogenen Bankkredite einer Firma, die abbezahlt werden müssen.
Die Rückstellungen unterscheiden sich von den Verbindlichkeiten durch ihre Entstehungsweise. Rückstellungen entstehen durch einen buchtechnischen Vorgang im Unternehmen. Das heißt, dass die Unternehmung für eigene Verpflichtungen, denen es irgendwann nachgehen muss, eine gewisse Vorsorge betreibt.
Die langfristigen Verbindlichkeiten
finden ihren Platz in der Bilanz unter dem Gliederungspunkt Verbindlichkeiten. Verbindlichkeiten bestehen aus den ausgeliehenen Geldern und werden dementsprechend als Fremdkapital ausgewiesen. Die langfristigen Verbindlichkeiten haben den wesentlichen Vorteil gegenüber den kurzfristigen, dass das Geld länger im Unternehmen verbleiben darf. Die Kredite können somit in einem längeren Zeitraum für Investitionen genutzt werden.
Dieter hatte zu diesem Thema auch einmal unter:
http://www.value-analyse.de/cgi-bin/...rum=2&topic=22
etwas geschrieben.
Herzliche Grüsse
Volker
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Valueist
Hallo Dieter & Volker,
vielen Dank für eure prompte Antwort. Ich hatte schon geahnt, dass die Unterschiede auf verschiedene Quellen hinweisen.
Kann man dann aber Firmen (gleicher Branche) bzgl. ihrer Schulden oder ihrer EK-Quote vergleichen, wenn man von der einen Firma nur Langzeitverschuldung in % vom Eigenkapital und von der anderen nur EK / Bilanzsumme besitzt? Dass es Sinn macht, Firmen gleicher Branche bzgl. ihres Wertes Schuld/EK zu vergleichen, zeigt Vick in seinem Buch (ca. S. 167). Doch kann man diesen Wert mit der EK-Quote sinnvoll vergleichen?
Um sich sich ein Bild über die Schulden eines Unternehmens zu machen, muss man ja zum Glück nicht unbedingt 10 Jahre zurückgehen, auch 5 Jahre sind da schon recht aufschlussreich. Aber wenn man sich (wie Dieter filippina schreibt), nur auf schuldenfreie Unternehmen konzentriert (beschränkt?), schränkt man sich doch ganz schön ein, oder? Langfristige Schulden müssen doch nicht ausschließlich einen negativen Beigeschmack haben, solange sie nicht maßlos sind und die Firma dank eines gewissen Hebeleffekts gutes Kapital daraus schlägt. Eine Firma, die ihre Schulden im Griff hat ist doch ähnlich gut wie eine, die gar keine hat.
Viele Grüße,
Jörg.
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Valueist
Hallo,
in diesem Zusammenhang habe ich noch ein Frage an die "Datenbankmacher": Ich gucke mir gerade Nokia an und da Nokia ein euopäischer Wert ist, steht in der Datenbank wieder statt den Langzeitschulden eine Bilanzsumme. Da ich zum Glück auch ein solches Datenblatt zu Nokia von Value Line habe, wo die Schulden mit aufgeführt sind, kann ich diese ja bequem nachtragen. Value Line listet alles in US-$ auf, aber wie sieht es mit dem Value-Analyse-Datenblatt für Nokia aus? "Zahlenangaben in Landeswährung", was heißt das zu Nokia? Finnische Mark, Euro, oder doch US-$? Irgendwie so einfach vergleichbar sind die Zahlen beider Datenblätter nicht, d.h. für die letzten zwei Jahre schon eher. Liegt es daran, dass der Euro zum Dollar seit zwei Jahren ca. paritätisch ist und sind die Value-Analyse-Zahlen in Euro? Wenn ja, muss ich dann, um die Schulden in Euro zu bekommen, die Value-Line-Zahlen mit dem mittleren Wechselkurs des jeweiligen Jahres in Euro umrechnen? Wenn ja, wo finde ich die Wechselkurse Euro/Dollar von vor 1998? Alles ziemlich kompiziert, aber ich nehme mal an, dass die hiesigen Datenbankmacher schon mal auf ähnliche Fragen gestoßen sind und mir vielleicht weiterhelfen können.
Hier für alle, die auch die Zahlen benötigen, die langfristigen Schulden von Nokia in Mill. US-$:
1994: 647,40
1995: 488,00
1996: 455,20
1997: 252,00
1998: 303,00
1999: 272,00
2000: 165,00
2001: 165,00
Egal in welcher Währung, wichtig und gut ist, dass sie nicht zunehmen.
Übrigens, soweit ich das schon anhand meiner Zahlen einschätzen kann, ist Nokia auch (oder gerade) nach einem Jahr der Gewinnstagnation ein klarer Kauf, solange man an die Handystory glaubt ...
Danke und viele Grüße,
Jörg.
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Erfahrener Valueist
Hallo Jörg,
die Daten von Nokia sind in Euro, aber warum schaust Du nicht mal selber in einen Geschäftsbericht oder verläßt Du Dich 100%ig auf die Datenbank?
Ich beschränke mich nicht nur auf schuldenfreie Unternehmen, aber ich muß verstehen, wozu diese Schulden gut sind und wenn ich das nicht eindeutig klären kann und eine Nachfrage bei Investor Relation auch keine befriedigenden Antworten parat hat, dann laß ich eben die Finger davon.
Auch schaue ich mir noch ein Ratio an:
Times interest earned = EBIT / Interest expense
Manchmal will ich es sogar ganz genau wissen und berechne "EVA" (Economic Value Added)
EVA = NOPAT - (WACC X IC)
NOPAT=Net Operating Profits After Tax
WACC= Weigheted Average Cost of Capital
IC = Invested Capital
Ist EVA positiv handelt es sich um einen Value creator, andernfalls um einen Value destroyer.
Jau, das wars.
Dieter
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Valueist
Hallo Dieter,
hab vielen Dank für deine Antwort. Momentan verschaffe ich mir einen Überblick über eventuelle Value-Investments. Dafür ist mir die Datenbank fürs erste ausreichend. Bei Boss habe ich mal in den Bericht geschaut und versucht, daraus die (langfristigen) Schulden zu eruieren, bin aber nicht weit gekommen. Ich muss mich wohl erst an einem Unternehmen richtig festfressen, ehe ich Zeile für Zeile einen Geschäftsbericht lese. Und selbst dann dürfte es für mich nicht einfach sein, dass zu finden, was ich suche. Obwohl, der Geschäftsbericht von Nokia liest sich für mich besser als der von Boss. Da finde ich zumindest etwas zum Thema "long-term liabilties", auch wenn mir die dortigen Unterpunkte noch nicht ganz klar sind. Zumindest kann ich mit den Zahlen von Value-Line vergleichen und erkennen, dass die Langzeitschulden gerade die "Long-term interest-bearing liabilities", aber offensichtlich nicht "Deferred tax liabilities" oder "Other long-term liabilities".
Vielleicht kann man ja auch es als Hinweis nehmen, dass wenn man schwer die Schulden aus einem Bericht lesen kann, diese wohl nicht zu vernachlässigen sind. Sind sie dagegen weniger versteckt aufgeführt ist das ein eher gutes Zeichen.
Deine beiden Formeln muss ich mir erst einmal genauer angucken, um zu sehen, was sie bedeuten. Ich hoffe, in einem meiner Bücher finde ich was dazu, weil mir z.B. WACC wenig sagt.
Viele Grüße,
Jörg.
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Erfahrener Valueist
Hallo Jörg,
Du schreibst:
>Momentan verschaffe ich mir einen Überblick über eventuelle Value-Investments.
Glaubst Du wirklich das Nokia und Boss reinrassige Valueinvestments sind?
Vielleicht wäre es für Dich einfacher, erstmal den Fokus auf die Verbrauchermonopole zu
richten.
Der Nokia Geschäftsbericht wurde ins englische übersetzt und da haben die Finnen nicht immer ein glückliches Händchen gehabt. Dazu habe ich aber auch schon mal was gesagt, ich weiß bloß nicht mehr wo, bei Nokia war es jedenfalls nicht, aber da hat Jovel einen tollen Vergleich zwischen Nokia und Ericsson gebracht.
Gruß
Dieter
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Valueist
Hallo Dieter,
> Glaubst Du wirklich das Nokia und Boss reinrassige Valueinvestments sind?
Nein, genau genommen kenne ich kein reinrassiges Valueinvestment. Mir ist klar, dass in der Datenbank viele Unternehmen drinne sind, die gut, aber keine echten Valueunternehmen sind. Einige hätte ich erst gar nicht in den näheren Kreis mit aufgenommen, wie z.B. AT&T.
Aber deine Frage ist, allgemeiner gestellt, hoch interessant: Was macht ein Valueinvestment aus? Dass alleine die Kriterien, wie sie Volker in seinem Buch auflistet, erfüllt sind, dürfte wohl nicht ausreichen. Bis auf wenige Abstriche wäre Nokia nach meinem Dafürhalten eines, dagegen sprechen würden nur die hohen Kosten eines Handys und die Tatsache, dass man sein Handy nicht ständig durch ein neues ersetzen muss. Dass ich momentan über die Schulden von Nokia oder Boss sinniert habe, liegt vor allem daran, dass diese in den Datenblättern nicht aufgelistet waren. Wie ich schon mal erwähnt habe, ich versuche zurzeit, mir jede Firma aus der Datenbank ein bisschen anzugucken, um mir einen kleineren Kreis von Firmen herauszusuchen, die ich dann näher betrachten möchte. D.h., ich versuche soviel wie möglich an Kriterien für die Firmen zu berechnen und dort, wo ich denke, da stimmt das meiste, werde ich genauer und fange auch an, in Geschäftsberichte zu gucken. Eine bessere Vorgehensweise fällt mir nicht ein, ich habe auch keinen großen Zwang, in einer bestimmten Zeit irgend etwas zu kaufen oder zu verkaufen.
>Vielleicht wäre es für Dich einfacher, erstmal den Fokus auf die Verbrauchermonopole zu richten.
Die lasse ich nicht außen vor, aber ein so richtig interessantes Verbrauchermonopol sehe ich im Moment nicht. Zumindest die großen US-Firmen wie KO oder MO sind mir im Moment zu teuer und MCD ... hm, bei der neg. NCF-Entwicklung? Andere habe ich noch nicht näher angesehen.
Sicherlich brauche ich auch noch etwas Erfahrung mit den Zahlen und Formeln, d.h., ein gewisses Vertrauen darin. Ausgerechnet sind sie schnell, doch wie dann alles richtig einschätzen? Tja, hier fehlt mir noch viel Erfahrung. Aber irgendow muss man ja anfangen ...
Viele Grüße und besten Dank für die Denkanstöße,
Jörg.
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Moderator
Hallo,
ja, es ist eine sehr interessante Frage!
„Mir ist klar, dass in der Datenbank viele Unternehmen drinne sind, die gut, aber keine echten Valueunternehmen sind.“
Natürlich sind nicht alle Unternehmen in unserer Datenbank „Value-Unternehmen“ - andere fehlen hingegen.
Zu Vergleichszwecken ist es aber durchaus sinnvoll auch „schlechte“ bzw. „schlechtere“ Unternehmen anzuschauen. Auch wenn sie dann nur als schlechtes Beispiel dienen.
In der Datenbank sind einige sehr bekannte Unternehmen enthalten die aus unserer Sicht nicht den Namen „Value“ verdient haben.
“Was macht ein Valueinvestment aus? Dass alleine die Kriterien, wie sie Volker in seinem Buch auflistet, erfüllt sind, dürfte wohl nicht ausreichen.“
Bei allen Rechnererien kommt mir oftmals die allgemeine Unternehmensbeurteilung viel zu kurz. Aus meiner Sicht sollten hier viel mehr Gedanken aufgewendet werden. Erst im zweiten Schritt sind die messbaren Qualitätskriterien von Bedeutung. Die allg. Unternehmensbeurteilung ist für mich der Dreh- und Angelpunkt bei der Zuordnung zu den reinen „Value-Unternehmen“. Nicht umsonst haben wir die anderen Unternehmen „weitere“ Qualitätswerte getauft.
Dieter hat es auf den Punkt gebracht wenn er sagt, man sollte sich zunächst mit den Verbrauchermonopolen beschäftigen.
Wenn die Fragen zur allgemeinen Unternehmensbeurteilung ganz streng gestellt werden, bleiben nur ganz wenige, vielleicht 20-30 Unternehmen, übrig. Nahezu die gesamte Technik gehört nicht dazu. Bei allen derzeit führenden Technologieunternehmen bin ich mir eben nicht 100% sicher, ob sie Ihre beherrschende Stellung in 10, 15 oder 25 Jahren auch noch haben.
Microsoft ist für mich eines der wenigen, die eventuell hinzugezählt werden könnten.
Nokia stufe ich eindeutig zu den „weiteren“ *Qualitätswerten. (EMC, Cisco etc. auch.) Also den Unternehmen, bei denen ich die allgemeinen Fragen nicht mit „Ja“ beantworten kann, die messbaren Kriterien aber erfüllt sind.
Jeder muss für sich selbst entscheiden, zu welcher Gewichtung er in die jeweiligen Bereiche investieren möchte. Der angestellte Vergleich „Old – New- Value“ ist dabei immer wieder hochinteressant. (vgl. Historie)
In diesem Zusammenhang, und auch gut in die Jahreszeit passend, fällt mir immer wieder der Nicolaus bzw. Weihnachtsmann ein. Wusstet Ihr warum der Nicolaus die Farben Rot - Weiß trägt? …. ist doch irre, oder!?
Herzliche Grüße
Volker
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