Zusammenhang zwischen Anleihenrendite *und Aktien Gewinn Rendite:
Bisher bin einfach davon ausgegangen, dass steigende Anleihenzinse fallende Aktienkurse bedeuten, da der Diskontierungzins steigt und damit die Aktiengewinne höher diskontiert werden und somit weniger wert werden. Inzwischen habe ich da so meine Zweifel.
Man kann vernüftigerweise davon ausgehen, dass Aktien Investitionen in Konkurrenz mit Anleihen stehen, da die Masse der Anleger immer auf der Suche nach den günstigsten Investitionen ist.
Beispiel Anleihen:
Marktzins 5%
Anleihecoupon 1€
AnleihePreis: 1/0,05 = 20€
Zinsniveau steigt, Anleihenpreise fallen.
Marktzins 10%
Anleihecoupon 1€
AnleihePreis: 1/0,10 = 10 €
Nun zu Aktien, zuvor aber, warum steigen Zinssätze bei Anleihen (gleiches Risiko)?
Weil die Inflationrate steigt, oder gestiegen ist, oder man erwartet dass sie steigt.
Interessant ist, dass bei den Einschätzungen zur Auswirkung der Inflation auf die Aktienpreise sich im Laufe der Zeit verschiedene Modelle entwickelt haben. In den 50er , 60er Jahren war wohl eher die Meinung verbreitet, dass Aktien einen guten Inflationsschutz darstellen - bis heute sagt man dies auch von Immobilien.
Dafür gab es auch gute Gründe. Aktien sind Anteile an Firmen, und wenn die Aktienpreise hauptsächlich das Firmenvermögen widerspiegeln, so sollte dieses durch steigende Inflation nicht beeinflusst werden. Selbst wenn der Aktienpreis eher die Ertragskraft des Unternehmens widerspiegelt, sollte diese mit der Inflation steigen, denn die Unternehmen können mit der Inflation die Produktpreise anheben, was mehr Umsatz in Geldeinheiten bedeutet und bei gleichbleibender Marge höhere Gewinne.
Interessanterweise ist man in den 90er Jahren (oder schon früher?) davon wieder abgekommen. Die FED hat das sogenannte Fed Modell geboren, wobei Gewinnrenditen von Aktien mit den Anleiherenditen langlaufender Anleihen verglichen werden und der Aktienmarkt als hoch bewertet gilt, wenn die Gewinnrenditen der Aktien auf das Niveau der Anleiherendite fallen.
Noch zwei Annahmen dazu:
Anleihe- und Aktienrenditen stehen dabei in Konkurrenz, wovon man vernünftigerweise ausgehen kann.
Steigende Zinsen bedeutet steigende Inflation, oder anders gesagt der Realzins bleibt recht stabil.
Auf den ersten Blick scheint das Fed Modell einleuchtend, die Betrachtungsweise der 50er Jahre ist aber auch nicht ganz von der Hand zu weisen. Wie passt das zusammen?
Wenn man vom häufigsten Fall einer Aktienbewertung, dem Ertragswert (ähnlich auch Diskontierter Free Cash Flow etc.) ausgeht sieht die Sache so aus:
Ertragswert = FCF / (Z - W); FCF = Free Cash Flow ;Z = Diskontierungszins = Kapitalkosten , W= "ewige" Wachstumsrate
* Nichtwachsendes Unternehmen Fed Modell: *
1. Fall
Marktzins = Diskontsatz = 5% (Riskozuschlag nicht berücksichtigt, daher gleich ! )
Gewinn oder besser FreeCashFlow = 1€
Preis: 1/0,05 = 20€
2. Fall
Marktzins = Diskontsatz = 10%
Anleihecoupon 1€
Preis: 1/0,10 = 10 €
Wenn man aber ein Unternehmen hat das ewig die gleiche Stückzahl produziert und immer den gleichen Gewinn erwirtschaftet - auch bei Inflation - stimmt da etwas nicht, entweder das Unternehmen wird immer ineffizienter oder hat keine Preismacht um die Produktpreise der Inflation anzugleichen.
Bei einem guten Unternehmen müsste man eher von einem Gewinnwachstum gleich der Inflationsrate ausgehen, also
1. Z= 5%, W=2% = Inflationsrate
Preis = 1€ / (5% - 2%) = 33€
2. Z = 10%, W =7% = Inflationsrate
Preis = 1€ / (10% - 7%) = 33€
Beziehungsweise man rechnet mit dem Realzins , dieser ist in den Beispielen immer = 3%.
Dadurch wird der Ertargswert eines Unternehmens unabhängig vom aktuellen Zinsniveau, welches in Hochzinsphasen eben durch hohe Inflationsraten hervorgerufen ist, und wird nur vom Realzins abhängig, also 1/Realzins 1/3% = 33 , was llerdings zu recht hohen Multipels führt.
Für ewig langsam wachsende Unternehmen funktioniert es ähnlich, man nimmt den Realzins 3% - diesen Wert sollte man aber genauer abschätzen habe ich hier nur grob so angenommen, da er das Ergebnis stark beeinflusst, und subtrahiert dann die ewige Wachstumsrate z.B. 1% und kommt dann schon auf Preise (oder FCF Multiple) von 50 was doch sehr hoch erscheint.
Es sollte aber theoretisch doch so sein, dass man bei einem KGV von ca. 40 und einer Firma die ein Mengenmäßiges (Produktstückzahl) Wachstum von 1% über sehr lange Zeit, z.B. > 30 Jahre, hat, und die Produktpreise der Inflation anpassen kann, noch eine Realrendite von 3% per anno einfährt- bei einem Kaufpreis von 40 (KGV)
KGV 40 und nicht 50 deshalb:
0,80 * ausgewiesener Gewinn sei = Free Cash Flow (an die Aktionäre verteilbares Geld)
0,80 / (3% - 1%) = 40
gilt es im Einzelfall immer neu abzuschätzen.
Fazit:
entsprechende Unternehmen mit Preismacht (bei Inflation) sind immer recht hohe Multiples wert *unabhängig* vom aktuellen Zinsniveau, und fallende Kurse durch steigende Zinsen bieten gute Gelegenheiten.
und Aktien sind tendenziell eher zu niedrig bewertet, oder ?
zur Diskussion ....
P.S: hat jemand die JahreGewinne der ZwackUnicum über einen längeren Zeitraum > 7,8 Jahre in HUF ?
scheinen mir ideal zur Überprüfung:
- hohe Inflation in Ungarn 6 - 8% per anno
- Zwack sollte genug Preismacht / MArkenmacht besitzen um die Preise entsprechend anzupassen
- recht überschauliches Unternehmen
Gruß
dak




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