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Thema: Workshop: Bilanzen

  1. #11
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    Zitat Zitat von prince of persia Beitrag anzeigen
    Aus einer Investitionstheoretischen Sicht - wie du meintest - hast du vollkommen Recht: Da muss man das EK zum Bilanzstichtag des Vorjahres nehmen.
    Das hätte ich jetzt auch eher vermutet, denn das EK t, ist das eingesetzte Kapital, um den Gewinn im Jahr t+1 zu erzielen. Schließlich wollen wir ja die Kapitalrendite und die ist Definiert mit: Kapital / Gewinn x 100
    Des weiteren ist der Gewinn allein doch auch noch kein Maßstab für den Erfolg des Unternehmens. Hätte ich ein gut laufendes Unternehmen, würde ich so gut wie keinen Gewinn ausweisen und je besser das Geschäft liefe, desto weniger wäre ich bereit Gewinn auszuweisen.
    Warum?
    Würde ich Gewinne ausweisen, müsste ich als erstes Steuern auf diesen Gewinn zahlen und zweitens wollen einige Aktionäre eine Dividende. Denn es gibt leider Aktionäre, die der kurzfristige Gewinn mehr interessiert als der langfristige, da Sie beabsichtigen Ihre Anteile bald zu verkaufen. Durch diese beiden Faktoren, kann ich also weniger Kapital reinvestieren, als es mir ohne Gewinnausweisung möglich gewesen wäre.
    Was mache ich als Unternehmen dann mit dem versteuerten Gewinn?
    Wenn das Geschäft schlecht läuft, schütte ich ihn zu 100% an die Eigentümer aus, damit diese das Geld besser anlegen können als ich, im eigenen Unternehmen.
    Wenn ich meine, damit einen hohen zusätzlichen Gewinn erwirtschaften zu können, wird dieses Geld zu 100% einbehalten und ins Unternehmen reinvestiert. Ein dazwischen, wie ja meisten praktiziert, ergibt für mich keinen Sinn, da ein Vorstand die langfristige Entwicklung abschätzen kann.
    Mein Beispiel ist ein sehr erfolgreiches und auf lange Sicht wachstumsstarkes Unternehmen. Eines, das wir alle hier im Forum suchen und evt. auch schon gefunden haben.
    Wie soll diese Unternehmen jetzt keinen Gewinn ausweisen, wenn doch auf der Ertragsseite der GuV solch tolle Einnahmen stehen, die in keinem Verhältnis zu den Ausgaben stehen und so, unweigerlich zu einem hohen Gewinn führen?
    Da ich schon im laufe des Jahres und auch bestimmt schon seit Jahren vorher weiß, wie attraktiv meine Gewinnaussichten sind, werde ich versuchen meine Investitionen zu erhöhen um noch höhere Einnahmen zu erzielen. Ich werde zum Beispiel für mein Unternehmen neue Maschinen kaufen, den Führpark erweitern, mehr Geld in die Forschung stecken, meine Mitarbeiter auf Schulung schicken usw. Was auch immer dem jeweiligen Unternehmen langfristig höhere Renditen ermöglicht, als es auf dem Geld und Kapitalmarkt möglich wäre. Jedoch, sobald ich mich so verhalten, würden auch meine diesjährigen Ausgaben steigen. Maschinen, Fahrzeuge, Forscher und Schulungen kosten viel Geld. Anschaffung, die einer glänzenden Zukunft dienen, werden meinen diesjährigen Erfolg verdecken. Hätte ich nicht in die Zukunft des Unternehmens investiert, wären die Gewinne gewaltig gewesen. Im Gegenzug, ist die Bilanz um Maschinen und Fahrzeuge angewachsen.
    Damit ergibt sich ein ganz anderes Bild über den Erfolg eines Unternehmens.

    Es gilt also, dass EKt ins Verhältnis zu setzen ist zum (EKt+1 - EKt) + ausgewiesenem Gewinn. Nur so kann der Erfolg erfasst werden.

    Da ich in ReWe leider nur eine 4+ hatte, lade ich dazu ein, diese Aussage zu kritisieren. Vielleicht liege ich aufgrund meiner schlechten Ausbildung ganz falsch oder ich hab als Laie einen Geniestreich begangen und das Ausweisen von Gewinnen als eine nichts aussagende Zahl in der Buchhaltung enttarnt. Letzteres wäre mir für mein Ego lieb. Über ersteres wäre ich aufgrund, des dann entstehenden Lerneffektes auch erfreut.
    Bitte helft mir bei meinen Überlegungen und erklärt mir bitte eure Sicht.
    Die Börse ist wie ein Verschiebebahnhof, auf dem das Geld von den Ungeduldigen zu den Geduldigen wandert. - Charlie Munger -
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  2. #12
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    Es gilt also, dass EKt ins Verhältnis zu setzen ist zum (EKt+1 - EKt) + ausgewiesenem Gewinn. Nur so kann der Erfolg erfasst werden.


    Kannst du die Formel noch mal erklären, entweder habe ich sie nicht verstanden oder ich sehe den Mehrwert nicht.
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  3. #13
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    Wenn du nur den ausgewiesenen Gewinn betrachtest, hast du keine Aussage zum Erfolg oder Misserfolg des Unternehmens.
    Ein Beispiel:
    Eine AG macht EUR 1.000.000 Umsatz/Erlöse
    bei entstehen EUR 800.000 Kosten/Aufwendungen (du siehst hier eine aktaktive AG, da die Gewinnspanne sehr hoch ist)
    Der Ausgewiesene Gewinn der AG beträgt damit EUR 200.000 vor Steuern.

    Diese AG wird jedoch die Ausgaben und damit die Aufwendungen erhöhen, denn die Geschäftstätigkeit ist in diesem Beispiel sehr profitabel. Es werden z.B. neue Maschinen gekauft, die Lagerbestände erhöht, neue Mitarbeiter eingestellt und erstmal auf Schulungen geschickt. Alles Aufwendungen, die erst in der Zukunft auch den Umsatz und damit Gewinn erhöhen werden. Das Unternehmen wird vielleicht sogar Verlust ausweisen, da es seine Ausgaben um z.B. EUR 250.000 erhöht.
    Wir würden mit reinem Blick auf den Gewinn, dieses Unternehmen als schlechte Investition bewerten und die Gewinn-Marge (Verhältnis von Gewinn zu Kosten) würde uns bestätigen.
    Wenn wir jedoch neben der GuV die Bilanz betrachten, werden wir feststellen, dass diese AG eine Bilanzverlängerung erfahren hat. Die neuen Maschinen und Rohstoffe sind jetzt auf der Aktivseite aufgeführt. Wenn sich das Fremdkapital nicht verändert hat (so soll es hier sein), ist das Eigenkapital gestiegen.

    Wenn ich also das neue Eigenkapital (EKt+1) vom Eigenkapital des letzen Jahres (EKt) subtrahiere (EKt+1 - EKt) und mit dem ausgewiesenem Gewinn addiere, nähere ich mich deutlich stärker des tatsächlichen letzt jährigen Unternehmensergebnis.
    Beispiel:

    Das EK ist um EUR 250.000 gestiegen (EKt+1 - EKt), da die Maschinen und Rohstoffe jetzt in der Bilanz stehen.
    Der Verlust beträgt EUR 50.000, da dieser Betrag mehr ausgegeben würde als durch die Geschäftstätigkeit eingenommen. Der Unternehmenswert ist also um EUR 200.000 gestiegen.
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  4. #14
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    Diese AG wird jedoch die Ausgaben und damit die Aufwendungen erhöhen. Es werden z.B. neue Maschinen gekauft, die Lagerbestände erhöht, neue Mitarbeiter eingestellt und erstmal auf Schulungen geschickt. Das Unternehmen wird vielleicht sogar Verlust ausweisen, da es seine Ausgaben um z.B. EUR 250.000 erhöht.
    Wir würden mit reinem Blick auf den Gewinn, dieses Unternehmen als schlechte Investition bewerten. Wenn wir jedoch neben der GuV die Bilanz betrachten, werden wir feststellen, dass diese AG eine Bilanzverlängerung erfahren hat.


    Wenn die Ausgaben um 250.000 Eur steigen, hast du aber eine Bilanzverkürzung, da dann ein Verlust geschrieben wird.

    Das EK ist um EUR 250.000 gestiegen (EKt+1 - EKt), da die Maschinen und Rohstoffe jetzt in der Bilanz stehen. Der Verlust beträgt EUR 50.000, da dieser Betrag mehr ausgegeben würde als durch die Geschäftstätigkeit eingenommen. Der Unternehmenswert ist also um EUR 200.000 gestiegen.

    Aufwendungen fließen vom Unternehmen ab. Eine Bilanzverlängerung findet also nicht statt. Wenn du 250.000 in Sachanlagen etc. investiert, hast du auch keine Bilanzverlängerung, sondern einen Aktivtausch.

    Richtig ist die Rechnung nur, wenn die 250.000 keine Aufwendungen sind, sondern der Gewinn des Vorjahres.

    Wenn ich also das neue Eigenkapital (EKt+1) vom Eigenkapital des letzen Jahres (EKt) subtrahiere (EKt+1 - EKt) und mit dem ausgewiesenem Gewinn addiere, nähere ich mich deutlich stärker des tatsächlichen letzt jährigen Unternehmensergebnis.

    Wenn du das Eigenkapital vom Eigenkapital des Vorjahres abziehst, hast du den Gewinn (= Eigenkapitalmehrung).

    Ich glaube, was du meinst, ist es, den Erfolg mit den einbehaltenen Gewinnen gleichzusetzen.
    Geändert von prince of persia (04.05.2009 um 20:23 Uhr)
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  5. #15
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    Wenn die Ausgaben um 250.000 Eur steigen, hast du aber eine Bilanzverkürzung, da dann ein Verlust geschrieben wird.

    Nein, da hier ein Aktivtausch stattfindet. 250.000 Euro aus der Kasse gegen neue Maschienen und Rohstoffe.

    Aufwendungen fließen vom Unternehmen ab. Eine Bilanzverlängerung findet also nicht statt. Wenn du 250.000 in Sachanlagen etc. investiert, hast du auch keine Bilanzverlängerung, sondern einen Aktivtausch.
    Nein, die 250.000 Euro setzen sich zusammen aus EUR 1.000.000 Umsatz/Erlöse minus EUR 800.000 Kosten/Aufwendungen + EUR 50.000 die in der Kasse liegen. Die Bilanz verlängert sich um EUR 200.000, da dieses Geld in die Kasse geht. Dieser Betrag wird dann gegen Maschienen und Rohstoffe im Wert von EUR 250.000 aktiv getausch.

    Ich glaube, was du meinst, ist es, den Erfolg mit den einbehaltenen Gewinnen gleichzusetzen.
    Ja, denn eine Mehrung des EK ist für mich gleichwertig mit dem ausgewiesenden Gewinn. Denn das zusätzliche EK ist ein Gewinn unter anderem Namen.
    Deshalb ist die EK-Mehrung + dem ausgewiesenen Gewinnen = der Erfolg des Unternehmens
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  6. #16
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    Das passt aber nicht zu deinem Beispiel. Ausgaben für Maschinen können aktiviert werden, aber wenn die "Ausgaben 250.000 steigen und dadurch ein Verlust von 50.000" geschrieben wird, handelt es sich um Aufwendungen, die nicht aktiviert wurden. Insofern findet in der Regel eine Bilanzverkürzung statt, in jedem Fall keine Bilanzverlängerung. Es kommt aber hin, wenn du die Ausgaben als Gewinn des Vorjahres betrachtest und so gegenüber dem Vorjahr eine Bilanzverlängerung hattest. Dann fehlt aber der Verlust von 50.000, den du vorher einkalkuiert hattest.

    @Deshalb ist die EK-Mehrung + dem ausgewiesenen Gewinnen = der Erfolg des Unternehmens.

    Demnach würden Ausschüttungen und Aktienrückkäufe als Misserfolg gewertet, obwohl die in der Regel auch verdient worden sind und ggf. die bessere Alternative ggü. einer Einbehaltung darstellen. Ob sich die einbehaltenen Gewinne rentiert haben, ist mit einer Eigenkapitalmehrung zudem nicht gesagt.
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  7. #17
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    Du hast vollkommen recht! Mein großer Denkfehler war, dass ich den Kauf von Maschienen als Aufwendung betrachtet habe. Wie du genau richtig sagts, ist dies jedoch nur ein Aktivtausch. So kann eine Ausgabe von Geld gegen MAschienen nicht als Aufwand betrachtet werden. Das hatte ich aber gedacht. Der Aufwand entsteht erst, wenn die MAschiene abgeschreien wird. Danke das du am Ball geblieben bist und weiter mit mir diskutierst hast! Nur so hab ich letzt endlich meinen Fehler verstanden.
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