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Thema: Stock Options

  1. #31
    Valueist
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    Hallo DimStar,

    auch dir vielen Dank für die hilfreichen Erklärungen. Dein Vorschlag, nur in Firmen mit einfach erkennbaren und bescheidenen Optionsprogrammen zu investieren, ist zweifellos ratsam, so lange man mit diesem Thema noch unsicher ist.

    Jörg.

  2. #32
    Erfahrener Valueist
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    Hallo Joerg,

    "Wann fallen die Kosten für das Unternehmen an? Doch wohl dann, wenn die Option ausgeübt wird (also nach den 5 Jahren), oder schon eher?"

    Ich wuerde die Kosten direkt bei Ausgabe der Optionen abziehen. Natuerlich kann man die exakten Kosten erst spaeter bei der Ausuebung ermitteln, aber das spielt eigentlich keine Rolle. Das Unternehmen haette auch Lottoscheine ausgeben koennen und es fallen dabei Kosten an, egal ob die Mitarbeiter letztenendes gewinnen oder nicht. Entscheidend ist, dass die Option den Mitarbeitern die Chance gibt zu gewinnen und genau den Wert dieser Chance bewertet man mit Black Scholes oder aehnlichen Modellen. Wenn die Bewertung korrekt war, werden die wahren Kosten der Optionen im lfr. Mittel genau den berechneten Kosten entsprechen.

    "Je länger die Laufzeit, desto höher die Kosten für das Unternehmen (bei sonst gleichbleibenden Zahlen)."

    Ja, natuerlich. Besonders offensichtlich ist das bei Optionen amerikanischen Typs, die man jederzeit ausueben kann. Eine 5-jaehrige Option, die ich jederzeit ausueben kann, ist natuerlich mehr wert als eine 4-jaehrige Option, da sie mir alle Rechte der 4-jaehrigen Option einraeumt und zusaetzlich das Recht gibt, noch ein Jahr mit der Ausuebung zu warten, wenn ich das moechte. Hinzu kommt natuerlich, dass mit laengerer Laufzeit auch mehr Zeit fuer potentielle Kurssteigerungen besteht.

    "Wenn es dann tatsächlich zur Ausübung der Option kommt, wird dann immer die Zahl ausstehender Aktien erhöht?"

    In der Regel wird von der HV ein bedingtes Kapital zur Optionsausgabe Verfuegung gestellt, d. h. es werden bei Ausuebung der Option vom Unternehmen neue Aktien ausgegeben. Manchmal werden die Optionsprogramme allerdings auch aus zurueckgekauften Aktien bedient, was an den Kosten aber nichts aendert, da ja Cash fuer den Rueckkauf aufgewendet werden muss, das dann nicht mehr zur Verfuegung steht. Aber voellig egal, auf welche Art die Aktien beschafft werden, die Kosten des Optionsprogramms sind immer dieselben. Zum Beispiel koennte eine Firma ja auch an dem Tag, an dem die Optionen an die Mitarbeiter ausgegeben werden, Call Optionen auf ihre eigene Aktie kaufen, um sich den aktuellen Kurs langfristig zu sichern. Dadurch kann sie die Aktie in 5 Jahren zu dem Kurs kaufen, der zum Zeitpunkt der Optionsgewaehrung bestand. Allerdings muss auch hier Cash aufgewendet werden, um die Call-Optionen zu kaufen.

    "Letztendlich müsste eine Bewertung von Optionen doch auch berücksichtigen, ob eine Firma noch Geld ausgeben muss, oder nur verschenkt, oder?"

    Den Satz verstehe ich nicht. Vielleicht kannst Du noch etwas erklaeren, wie Du das meinst.

    "Bei deiner Beispielrechnung ist mir noch nicht klar, was die $9 bedeuten."

    Die $9 ist der Betrag, um den die Mitarbeiter die Aktien aufgrund der erhaltenen Option in einigen Jahren billiger als der Marktpreis kaufen koennen. Er entspricht auch genau dem Betrag, den das Unternehmen aufwenden muesste, um das Optionsprogramm zu hedgen, d. h. durch den Kauf von Call-Optionen unschaedlich zu machen. Es entspricht daher auch genau dem Schaden, der den Aktionaeren entsteht. Der Schaden der Aktionaere entsteht daraus, dass das Unternehmen in 5 Jahren eine Kapitalerhoehung macht, d. h. neue Aktien ausgibt, dafuer aber nicht den Marktpreis von, sagen wir, 60$ erhaelt, sondern nur den Basispreis der Option, vielleicht 40$. Bei einer herkoemmlichen Kapitalerhoehung haette das Unternehmen bei gleicher ausgegebenener Aktienzahl 60$ erhalten. Die Differenz von 20$ steht nicht mehr zur Verfuegung und muss daher irgendwie in der GuV verbucht werden. In der Cash Flow Rechnung taucht sowas nicht auf. Dort steht lediglich, dass neue Aktien zum Preis von $40 ausgegeben wurden. Dass dieser Preis aber suboptimal ist, steht nirgends.

    "Wenn ich im Jahre 2001 bei der Bewertung z.B. 1 neue Option (mit Laufzeit 5 Jahre) berücksichtigt und den Preis vom Gewinn abgezogen habe, muss ich dann im Jahre 2002 die Option mit Laufzeit 4 Jahre erneut berücksichtigen?"

    Nein, natuerlich nicht. Es sei denn im Jahr 2002 werden erneut Optionen ausgegeben, dann muessen natuerlich diese wiederum bewertet werden. Aber das hat mit dem 2001er Optionsprogramm nichts zu tun. Wie gesagt, Du solltest ueber Optionen so denken, dass das Unternehmen statt sie einfach so aus dem Nichts zu erschaffen, ja auch an der Boerse haette kaufen koennen, um sie anschliessend an die Mitarbeiter weiterzureichen. Dann waeren auch nur einmal Kosten entstanden. Optionen werden natuerlich nicht aus "dem Nichts" erschaffen, sondern faktisch den Aktionaeren weggenommen, ohne dass die was davon merken. Es ist wie Inflation: Wenn die EZB neues Geld druckt, wird das bestehende Geld weniger wert, ohne dass dazu jemand zu Dir nach Hause kommen muesste, um Dir was wegzunehmen.


    Dimstar's Vorschlag, nur in Firmen mit bescheidenen Optionsprogrammen zu investieren, ist m. E. nicht nur dann ratsam, wenn man noch unsicher ist, sondern grundsaetzlich. Denn ein Management, das grosse Zahlen von Optionen ausgibt, ohne sie in der GuV zu beruecksichtigen, kann man bestimmt nicht als besonders ehrlich gegenueber den Aktionaeren bezeichnen.

    Andreas

  3. #33
    Valueist
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    Hallo Andreas,

    ich danke dir auch für diese klärende Antwort.
    Den von dir nicht verstandenen Satz meinte ich so, dass es vielleicht einen Unterschied machen könnte, wann eine Firma sich die Aktien besorgt, die sie im Optionsprogramm ausgeben will. Hat sie diese sofort (z.B. durch einen Rückkauf) ist doch Kapital der Firma gebunden, was nicht weiter investiert werden kann. Die Firma bekommt vielleicht noch auf diese von ihr gehaltenen Aktien Dividende, aber sie kann das gebundene Geld nicht weiter für sich arbeiten lassen, auch wenn vielleicht erst in 5 Jahren die Aktien ausgegeben werden. Zumindest für Firmen mit einem hohen ROIC könnte dies weitere Verluste bedeuten.
    Aber ich nehme an, dass die meisten Firmen erst bei Ausgabe der Aktien diese als junge Aktien generieren und die von mir aufgeworfene Frage von geringer Bedeutung ist.

    Jörg.

  4. #34
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    Hallo Jörg,

    wie ich zu erklären versuchte, macht es keinen Unterschied ob und wann die Firma die Aktien kauft und an die Optionsinhaber weitergibt oder ob sie neue Aktien ausgibt. Der Wert der Option ist davon nicht berührt. Es entstehen ja immer Opportunitätskosten. Wenn zurückgekaufte Aktien weitergegeben werden, hätte man diese Aktien ja stattdessen auch am Markt verkaufen können und anschließend zum aktuellen Kurs wieder kaufen können und weiterreichen können. Ebenso ist es mit neu "gedruckten" Aktien. Auch diese hätte man alternativ am Markt verkaufen können und für die Optionen extra wieder Aktien zurückkaufen können.

    Andreas

  5. #35
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    Als Andreas betont hatte, daß amerikanische Optionen jederzeit ausübbar sind, bin ich wieder nachdenklich geworden. Dazu habe ich mal die Geschäftsberichts-Passagen bei 10 beliebigen großen Firmen rausgesucht.

    Mc Donalds
    Substantially all of the options become exercisable in four equal
    installments, beginning a year from the date of the grant, and expire 10 years
    from the grant date.

    Emerson Electric
    Options are granted at 100 percent of the market value of the Company's common stock on the date of grant, generally vest one-third each year and expire ten years from the date of grant.

    Kimberly Clark
    Under these plans, all stock options are granted *at *not *less than market value at the date of grant, expire 10 years after *the *date *of *grant and generally become exercisable over three years.

    Verizon
    The options generally vest over three years and have
    a maximum term of ten years.

    Wal-Mart
    The options granted under the stock option plans generally expire ten years from the date of grant. Options granted prior to November 17, 1995, may be exercised in nine annual installments. Generally, options granted on or after November 17, 1995 and before fiscal 2001 may be exercised in seven annual installments. Options granted after fiscal 2001 may be exercised in five annual installments.

    Oracle
    Under the
    terms of this plan, options to purchase 1,412,500,000 shares of Common Stock
    were reserved for issuance, generally are granted at not less than fair market
    value, become exercisable as established by the Board of Directors (generally
    ratably over four years), and generally expire ten years from the date of
    grant.
    Under the terms of the 2000 plan, options to purchase Common
    Stock generally are granted at not less than fair market value, become
    exercisable as established by the Board of Directors (generally ratably over
    four years), and generally expire ten years from the date of grant.

    Anheuser-Busch
    Options generally vest over three years and have a maximum
    term of 10 years.

    Pfizer
    Options are exercisable after five years or less, subject to continuous employment and certain other conditions, and expire 10 years after the grant date. Once exercisable, the employee can purchase shares of our common stock at the market price on the date we granted the option. The 1996 Stock Plan, a former Warner-Lambert plan, provided that, in the event of a change in control of Warner-Lambert, stock options already granted became exercisable immediately.

    Bristol Myers Squibb
    Options generally become exercisable in installments of 25% per year on each of the first through the fourth anniversaries of the grant date and have a maximum term of 10 years.

    Ford
    Under the 1998 LTIP, 33% of the options are generally exercisable after
    the first anniversary of the date of grant, 66% after the second anniversary,
    and 100% after the third anniversary. Stock options expire 10 years from the
    grant date.

    Es ist also offensichtlich so, daß Optionen meist innerhalb einer Zeitspanne von 3 bis 10 Jahren nach der Gewährung oder in jährlichen Tranchen ausübbar sind. Deshalb werden auch im Anhang tlw. Optionen als ausübbar dargestellt, obwohl der Basispreis am Jahresabschlusstag höher war als der Kurs. Sie sind dann auch ausübbar, aber kein Mitarbeiter würde sie ausüben, weil er an der Börse billiger kaufen könnte. Deshalb ist die im Allgemeinen gewählte Berechnung der diluted shares falsch, die behauptet, dass Optionen, deren Basispreis über dem Stichtagskurs liegt keine Verwässerung bewirken würde. Zwar wird die niemand ausüben, aber sie wären gewinnverwässernd, weil man zusätzliche Aktien an Mitarbeiter geben müsste. Die Angelegenheit ist noch viel ernster zu nehmen als ich dachte. Wenn ich mich für eine Aktie interessiere, muß sie billig sein. Wenn sie billig ist, wird der Kurs mittel-langfristig ansteigen. Konservativerweise muß ich deshalb damit rechnen, dass in spätestens 3 Jahren alle offenen Optionen ausgeübt wurden, weil die Optionen zu den vormals gegebenen „market values“, also den tieferen Kursen, vergeben wurden. Dies ließe sich nur dadurch begrenzen, indem Mitarbeiter ausscheiden oder ihre Optionen erst später ausüben oder verstreichen lassen, aber damit würden sie bares Geld verschenken. Bei recht gleichmäßiger Optionsprogrammausführung kann ich daher mit einer Zeit von 1,5 Jahren bis zur Ausübung rechnen. Wenn der Anteil der offenen Optionen an der Aktienzahl z.b. 1,5 % beträgt, wird das Aktienkapital daher jedes Jahr um 1 % verwässert. Wenn ich künftige Cash Flows mit gewöhnlich 10 % abdiskontiere, muß ich somit mit 11 % Diskont rechnen, wodurch der Unternehmenswert um 10 % niedriger liegt als bei einem Diskont von 10 %. Aus meiner Erfahrung liegt der durchschnittliche Optionsanteil bei US-Firmen bei 6-7 %, der Anteil derjenigen mit Optionsanteilen über 1,5 % liegt bei über 90 %. Man könnte nun hergehen und den Unternehmenswert um oft 40 % niedriger ansetzen (6/1,5*10). Hinzu kommt aber, dass man die Gewinne der Mitarbeiter als Personalkosten berücksichtigen müsste und die sind bei größeren Programmen saftig. Das bedeutet, dass man den Unternehmensgewinn und den Unternehmenswert bei einer augenscheinlich günstigen Aktie und einem Optionsanteil ab 1,5 % nicht mehr seriös bestimmen kann, es sei denn die Aktien wären teuer, aber dann wären sie für mich schließlich eh uninteressant. Bei vielen Firmen sehen wir auch nicht derartige regelmäßige Steigerungen in der Aktienzahl, aber nur weil sie wieder Aktien zurückkaufen. Die denken sich, wir wollen Verwässerungen der EPS vermeiden und kaufen oft Aktien zurück, die man seinen Mitarbeitern vor 3 Jahren viel billiger über Optionen gegeben hat. Jedenfalls stehen die Gewinne, die man dann zum Rückkauf benötigt, damit die Aktienzahl nicht steigt, nicht für Dividenden zur Verfügung. Aktionäre bekommen in den allerseltensten Fällen eine 100 %-Ausschüttung, der freien Gewinne, die weder zum Schuldenabbau noch für Wachstum benötigt werden.

    Fazit: 90 % der US-Aktien sind zu teuer oder der Firmenwert lässt sich nicht einigermaßen genau bestimmen. Hat jemand Einwände ?

  6. #36
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    Aktienoptionen, mit denen Manager entlohnt werden, sollen künftig als Kostenfaktor in den Gewinn- und Verlustrechnungen auftauchen - auch wenn dies die ausgewiesenen Gewinne der Unternehmen deutlich schmälert. Sir David Tweedie, Präsident des International Accounting Standards Board (IASB), zeigte sich auf einer Konferenz in Berlin entschlossen, die geplante internationale Bilanzregel gegen Kritik der US-amerikanischen Wirtschaft durchzusetzen. "Der US-Kongress hat zwar eine Reihe von Abgeordneten geschickt, um uns von unseren Plänen abzubringen", sagte Tweedie: "Aber wir können auf deren Sichtweise einfach keine Rücksicht nehmen."

    weiter........

    http://www.welt.de/daten/2002/06/20/0620un339355.htx

  7. #37
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    Hi Filippina,
    bleibt abzuwarten, ob die US-Firmen weiterhin nach US-GAAP bilanzieren oder sich IAS anpassen. Ich denke, es wird vor allem auf die Anleger ankommen. Wenn sie Firmen links liegen lassen, die nur nach US-GAAP bilanzieren, dann ist der Druck für diese sehr groß, auf IAS umzustellen. Ansonsten wird ihre Lobby-Arbeit erfolgreich bleiben. Aber noch ist nach IAS die Berücksichtigung von Optionsplänen auch nur im Anhang vorgesehen.

    Grüße,
    Jörg.

  8. #38
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    Die Serie der Bilanzskandale am amerikanischen Kapitalmarkt reißt nicht ab: Enron, Tyco und jetzt Worldcom. Die Manager der einstigen Wall-Street-Lieblinge haben frisiert und betrogen, was das Zeug hält, um ordentliche Gewinne vorweisen zu können. Worldcom ist der bislang krasseste Fall: Vier Milliarden Dollar Kosten wurden einfach als Investition gebucht. So machte man aus den roten Zahlen für 2001 noch schwarze. Verirrte Missetäter, schlimme Ausnahmen? Nein, die Methode hat System. Und es ist gar nicht so schwer, ihr auf die Schliche zu kommen. Die Manager der großen Konzerne werden mit Aktienoptionen bezahlt. Der Aktienkurs ist ihnen alles, er allein macht sie satt. 20 Millionen, 100 Millionen, ja sogar bis zu 700 Millionen Dollar haben die Stars der Wall Street in den Boomjahren eingestrichen.

    Wofür? Bestimmt nicht für exzellente Managementleistung. Heute kollabieren ihre überschuldeten Unternehmen. Nein, sie haben sich als Showmaster geriert und der gierigen Masse der Aktionäre erzählt, was sie hören wollte. Märchen vom unendlichen Wachstum der Unternehmensgewinne, Märchen von Synergien bei Übernahmen, Märchen von einer schönen neuen Welt. Sie haben die Blase am Aktienmarkt aufgeblasen, sie haben geholfen, die Kurse weit über das fundamental gerechtfertigte Niveau hinauszutreiben, und sie haben dann und wann mit "kreativer Buchführung" zur Erfüllung der unhaltbaren Prognosen beigetragen. Es lag in ihrem Interesse. Am Ende der neunziger Jahre wurden den Vorständen dreimal so viele Aktienoptionen zugeteilt wie zu Beginn des Jahrzehnts. Und der Abstand zum Durchschnittsverdienst explodierte binnen 20 Jahren vom 80fachen auf das 500fache - Verhältnisse wie sie zuletzt um 1900 gemessen wurden.

    Es ist diese unter "amerikanische Krankheit" firmierende Perversität, die Firmenkulturen zerstört und die allmählich ans Licht tretenden Skandale verschuldet. Leider ist die Krankheit ansteckend. Und so gibt es seit 1996 auch in deutschen Unternehmen Aktienoptionen. Von Jahr zu Jahr lassen sich die Manager von Telekom, Deutscher Bank und DaimlerChrysler mehr davon genehmigen. Als gäbe es die Erfahrungen aus den USA nicht, verbrämen Vorstandschefs wie Ron Sommer, Joe Ackermann und Jürgen Schrempp diese Form der Entlohnung noch immer als "wichtigen Leistungsanreiz".

    Doch Sommer ist ein Fehler unterlaufen. Er und seine Vorstandskollegen verzichten ein Jahr auf Aktienoptionen als Teil ihrer Vergütung. Warum, könnte man fragen, beraubt sich das Management gerade jetzt, in der Krise, der Motivation? Warum verzichten die Vorstände auf den so wichtigen Leistungsanreiz Aktienoptionen? Muss man damit rechnen, dass die Führungskräfte jetzt weniger arbeiten, eher mal fünfe gerade sein lassen und ihr Talent lieber auf dem Golfplatz zeigen? Wohl kaum. Der Fehler liegt im impliziten Eingeständnis des Verzichtes: Aktienoptionen sind vor allem ein Instrument der schamlosen Bereicherung.

    Die Rechtfertigung für diese Form der Vergütung war von Anfang an fadenscheinig: Den Managern sollten die Interessen der Aktionäre eingeimpft werden. Sie sollten wie die Besitzer des Unternehmens das Ziel hoher Aktienkurse verfolgen. Doch während die Aktionäre Kursverluste erleiden, entgeht den Vorständen bei fallenden Kursen nur potenzieller Gewinn. Das macht riskantere Strategien des Managements wahrscheinlich.

    Aktienoptionen verleiten zu schlechter Geschäftspolitik. Die massive Schuldenaufnahme vieler amerikanischer High-Tech-Unternehmen, die am Rande des Abgrundes stehen oder schon pleite sind, lassen sich auch auf die falsche Vergütungsform zurückführen. Manager, die den Aktienkurs nicht durch Kapitalerhöhungen verwässern wollen, bevorzugen Schulden. Damit werden Übernahmen finanziert und eigene Aktien zurückgekauft, damit der Kurs der übrigen Aktien weiter steigt - zum Wohle der Manager. Fallen die Aktien, senken einige Chefs die Ausübungshürde ihrer Optionen, damit dennoch etwas für sie abfällt. Als erstes deutsches Unternehmen passte sich im vergangenen Jahr die Deutsche Bank der beliebten Unsitte in Amerika an.

    Kritiker der Stock Options wie US-Notenbankpräsident Alan Greenspan oder der erfolgreiche Investor Warren Buffet machen sich für Transparenz stark. Sie verlangen, dass die Kosten der Optionen in der Gewinn- und Verlustrechnung der Unternehmen auftauchen. Das hätte Folgen: Um satte 13 Prozent wären die ausgewiesenen Gewinne der 500 größten US-Unternehmen im vergangenen Jahr niedriger ausgefallen. Der Chiphersteller Intel zum Beispiel hätte anstelle von 1,3 Milliarden tatsächlich nur 250 Millionen Dollar verdient.

    Noch sträuben sich die Lobbys der Unternehmen in Europa wie den USA gegen neue Vorschriften. Die Chefs haben Angst, dass die Aktionäre auf die Barrikaden gehen, wenn sie merken, wie sehr die Optionsprogramme die Ertragskraft schmälern. In Deutschland treibt die Angst vor zu viel Offenheit seltsame Blüten: Die Unternehmenschef müssen den Aktionären noch nicht einmal den in Geld gemessenen Optionswert angeben. Sie dürfen - gerichtlich abgesichert - verheimlichen, was ihnen der Aufsichtsrat zugeschustert hat.

    Das zeigt: Die Vorstände wissen genau um ihre Maßlosigkeit. Der Verzicht des Telekom-Vorstands auf Aktienoptionen ist ein Fanal. Jetzt sind die Fondsmanager und Aktionäre an der Reihe. Sie können den Unersättlichen das Handwerk legen. Sie müssen schlicht ihr Geld aus den Unternehmen abziehen, die sich der Transparenz verweigern. Noch besser wäre es, sie investierten nur noch in Firmen, die Aktienoptionen abschwören.

  9. #39
    Erfahrener Valueist
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    More Is Less--for Investors
    Mehr ist weniger - für Investoren

    At some companies options could result in a sharp dilution of equity.
    Though tech outfits are the most profligate, others are on their heels.

    Bei einigen Unternehmen könnten Optionen eine starke Verwässerung bei den Aktien zur Folge haben.
    Zwar sind die Tech-Unternehmen am verschwenderischsten, doch andere Unternehmen sind ihnen auf der Ferse.

    Annual option grants as % of shares outstanding *
    Jährliche Gewährung von Optionen im Verhältnis zu den ausstehenden Aktien *

    SIEBEL SYSTEMS * * * * * * * *16.5%
    BROADCOM * * * * * * * * * * * *15.0
    PEOPLESOFT * * * * * * * * * * *10.1
    APPLE COMPUTER * * * * * * * * 9.4
    RATIONAL SOFTWARE * * * * * *9.0
    NATIONAL SEMICONDUCTOR * *9.0
    NOVELL * * * * * * * * * * * * * * * *8.8
    QUINTILES TRANSNATIONAL * *9.4
    LEHMAN BROTHERS * * * * * * * *9.4
    TMP WORLDWIDE * * * * * * * * * 7.5
    MCKESSON * * * * * * * * * * * * * *6.8
    MERRILL LYNCH * * * * * * * * * * *5.8
    PEPSI BOTTLING GROUP * * * * * 5.8
    S&P 500 AVERAGE * * * * * * * * * 1.9

    * Three-year average
    * Drei-Jahres-Durchschnitt


    Data: Lehman Brothers Inc., BusinessWeek

  10. #40
    Erfahrener Valueist
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    Sunday July 14, 11:19 am Eastern Time
    Reuters Business Report
    Coke to Expense Stock Option Costs
    By Paul Simao

    ATLANTA (Reuters) - In the wake of a series of accounting scandals that have prompted demands for greater financial transparency in corporate America, Coca-Cola Co. (NYSE:KO - News) announced on Sunday that it would begin expensing the cost of all stock options later this year.
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    The change, which will go into effect in the fourth quarter of 2002, would put the world's No. 1 soft drink maker in the forefront of U.S. companies that have decided to count the options granted to executives as a normal business expense.

    Atlanta-based Coca-Cola noted that the change would have a minimal impact on its results this year, costing the company only about 1 cent per share if options are granted at the same levels as last year.

    Prior to the policy shift, analysts had expected Coca-Cola to earn $1.79 per share in 2002, according to research firm Thomson First Call. Coca-Cola is scheduled to report its second-quarter results next week.

    "Management has concluded that stock options are a form of employee compensation expense and, therefore, it is appropriate that these costs be reflected in our financial results," Coca-Cola Chief Executive Doug Daft said in a statement.

    The expensing of options, a lucrative corporate perk, has become a flash point in the United States in the wake of the recent accounting scandals at now-collapsed energy trader Enron Corp. and telecommunications firm WorldCom Inc. (NasdaqNM:WCOME - News)

    Many prominent business leaders, politicians and economists, including U.S. Federal Reserve Board Chairman Alan Greenspan, share the view that options should be expensed to better reflect the financial health of corporations.

    Until Coca-Cola's announcement, most of corporate America had resisted changing the status quo, which allows companies to hand out millions of dollars worth of stock options with no impact on the most common measure of profitability.

    In a speech last week, President Bush rejected forcing companies to begin expensing options, seeking instead measures that would ensure shareholders are allowed to vote on all option plans.

    Bush also omitted a call for a federal board to oversee the accounting industry.

    In embracing the shift, Coca-Cola's Daft said expensing options would ensure that the company's future earnings more clearly reflected economic reality.

    Coca-Cola said it would expense all future stock option grants based on the fair value at the date options are granted. That value will be determined from stock prices received from financial institutions that trade Coke shares under terms identical to the options.

    The company said the policy change would effectively place all its options on an equal accounting footing and allow management to better design future compensation packages.

    Shares of Coca-Cola fell $2.06, or 3.9 percent, to close at $51.05 on Friday on the New York Stock Exchange.

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