Value-Brief anfordern
Ergebnis 1 bis 4 von 4

Thema: Economic Moats

  1. #1
    Erfahrener Valueist
    Registriert seit
    05.09.2001
    Ort
    Hannover
    Beiträge
    792

    Standard

    Guten Tag,

    in der neuesten Ausgabe von Value Investor Insight gab es ein Interview mit Mark Sellers, einem Fonds-Manager. Seine Spezialität ist das Auffinden von Moats, also "Burggräben", die dem Unternehmen Wettbewerbsvorteile verschaffen.

    Eine Passage aus dem Interview fand ich hochinteressant. Ich habe sie für mich übersetzt und möchte sie Euch nicht vorenthalten:

    "Frage: Im Mittelpunkt Ihrer Anlagephilosophie steht nunmehr das Erkennen von dem, was Warren Buffett „economic moats“ (wirtschaftliche Burggräben) nennt. Wie erkennen Sie Unternehmen mit Gräben?

    Mark Sellers: Unternehmen mit Gräben zu erkennen ist nicht so schwer - man muß sich Kapital - und Eigenkapitalrenditen über eine ausreichende Anzahl von Jahren ansehen. Wenn die Kapitalrendite ein ganzes Stück über den Kapitalkosten, die bei den meisten Gesellschaften 9 - 13 % betragen, liegt, weiß man, daß dort etwas ist. Aus irgendwelchen Gründen schmälert der Wettbewerb die Erträge dieser Gesellschaft nicht.
    Der nächste Schritt ist die Untersuchung, warum das so ist, und das Verstehen, ob und warum es auch weiterhin so sein wird. In einer kapitalistischen Wirtschaft voller Wettbewerb sollten die Kapitalrenditen nicht mehr als ein paar Jahre höher sein als die Kapitalkosten, bevor der Wettbewerb anrauscht.

    Frage: Woher kommen Gräben normalerweise überhaupt?

    Mark Sellers: Nach meiner Auffassung gibt es vier unterschiedliche Arten von Gräben. Der erste sieht so aus, daß man ein Low-Cost-Anbieter ist oder ein Unternehmen mit Skaleneffekten durch die reine Größe. Wal-Mart ist hierfür ein perfektes Beispiel.
    Die zweite Art ist der Besitz von geschütztem geistigen Eigentum, etwa Patente, Copyrights, Handelsmarken oder FDA-Genehmigungen. Beispiele sind Pharmaunternehmen, Biotechnologie- und Unterhaltungsunternehmen wie Disney.
    Die dritte Sorte ist der stärkste Graben, zugleich aber auch der seltenste, der auf einer Art „Netzwerk“-Effekt beruht. Dies gibt es bei Gesellschaften, die als Vermittler fungieren und damit Kommunikation oder Transaktionen zwischen zwei oder mehr Parteien ermöglichen. Mehr Volumen erzeugt mehr Volumen. Das ist es, was Chicago Mercantile Exchange, die New York Stock Exchange und eBay so stark macht.
    Die letzte Sorte von Gräben gibt es dort, wo ein Wechsel des Anbieters dem Kunden hohe Kosten verursacht. Dies kann man beim Privatkundengeschäft der Banken oder bei Lohnbuchhaltungs-Anbietern wie Paychex sehen.
    Die erfolgreichsten Unternehmen haben oft mehr als nur eine Art von Graben. Microsoft hat den Netzwerk-Effekt durch die ganze Software, die auf ihren Systemen läuft. Dazu kommen Eigentumsrechte und Skaleneffekte."

    Schönen Tag noch,
    JuliaPapa
    "Beware the investment activity that produces applause; the great moves are usually greeted by yawns" -- Warren Buffett

  2. #2
    Erfahrener Valueist
    Registriert seit
    05.09.2001
    Ort
    Hannover
    Beiträge
    792

    Standard

    Hallo zusammen,

    im Oktober 2003 gab es eine Fragestunde im Oquirrh Institut in Omaha mit Warren Buffett. Dabei lies er sich auch über sein (und mein) Lieblingsthema aus: Unternehmen mit Wettbewerbsvorteilen. Die entscheidenden Passagen habe ich hier mal übersetzt. Das ganze Interview gibt es unter http://www.oquirrhinstitute.org/abou...anscripts.html zu lesen.


    „Ich denke, die beste Art von Unternehmung ist die, wo man etwas für einen Dollar verkauft, was nur einen Penny kostet und dazu noch eine feste Gewohnheit wird. So etwas haben wir noch nicht gefunden, aber wir verkaufen Sachen, die ein wenig in diese Richtung gehen. Wir verkaufen im Westen Süßwaren, See’s Candy. Jetzt sind verpackte Süßwaren in diesem Land leider nicht sehr populär, ungefähr 1 Pfund pro Kopf. Für mich ist ein sehr interessantes Phänomen, daß jeder gerne Pralinen ißt und sie verschenkt, aber niemand sie kauft, um sie selbst zu essen. Ich meine, es ist niemand hier, der nicht gerne eine Schachtel Pralinen zu Weihnachten oder zum Geburtstag geschenkt bekommen möchte, oder wenn er im Krankenhaus liegt. Aber Sie gehen nicht in ein Geschäft und kaufen sie für sich selbst, während das in anderen Teilen der Welt gemacht wird, somit ist es ein kleines Gewerbe, aber trotzdem ein wichtiges Gewerbe. Es ist ein tolles Geschenk und sehr saisonal. Wir haben im letzten Jahr 55 Millionen Dollar umgesetzt. Davon 50 Millionen in den drei Wochen vor Weihnachten.

    Unser Unternehmen erlebt das, was anscheinend eine Offenbarung ist. Können Sie sich vorstellen, am Valentinstag nach Hause zu kommen, Ihren Liebling zu sehen und zu sagen: „Hallo, Liebling, alles Gute zum Valentinstag, ich habe die billigsten genommen“? Preis ist nicht der entscheidende Faktor. Wenn Sie Pralinen für 5 Dollar das Pfund verkaufen, müssen Sie sich keine Gedanken machen, daß jemand das Pfund für 4,95 Dollar verkauft und den Markt aufrollt, wie es auf vielen anderen Gebieten der Fall ist. Was zählt ist das, was im Bewußtsein ist. Und wenn Sie bei Ihrem ersten Date mit einem Mädchen eine Pralinenschachtel verschenken und sie Sie dann küßt, bleibt das immer im Gedächtnis. Weil es unsere Schokolade ist. Wenn sie Ihnen eine runterhaut, werden Sie nie wieder etwas von uns kaufen, das funktioniert nicht. Es muß ganz offensichtlich sehr gute Schokolade sein, aber jeder in Kalifornien denkt dabei an Schokolode von See’s. So wie jeder Mensch auf der Welt etwas mit Coca-Cola verbindet. Das hat etwas, was ich „Bewußtseinsanteil“ und „Marktanteil“ nenne. Jeder hat etwas in seinem Kopf. Nun hat aber nicht jeder 28 Dinge dazu im Kopf. Alles, was mit Coca-Cola verbunden sein soll, muß Freude sein. Darum wollen wir Coca-Cola in Disney World haben, im Disneyland, bei einem Baseballspiel. Wir wollen sie überall haben, wo Menschen fröhlich sind. Wir wollen Coca-Cola haben, weil wir diese Assoziation wollen. Außerdem schmeckt das Getränk auch fantastisch.

    Aber es bleibt etwas Positives im Kopf, mit dem die Menschen das Produkt verbinden. Und wenn jemand etwas in einer Dose einen Penny billiger verkauft - das wird keinen Erfolg haben. Wenn Sie mit Leuten über RC Cola sprechen, dann erinnern sie sich nur daran, daß es sie schon seit 75 Jahren gibt, und das ist im Kopf der Leute. An mehr denken die Leute nicht, aber wenn Sie ein Verbrauchsprodukt verkaufen möchten, müssen Sie es in so vielen Köpfen wie möglich haben mit so positiven Assoziationen wie möglich. Das ist eine der Arten, wie ich mir Unternehmen ansehe: Ich gebe Ihnen eine Milliarde Dollar mit dem Auftrag, nach Kalifornien zu gehen und uns bei Pralinenschachteln zu schlagen. Und Sie fragen sich, wie Sie das anstellen sollen. Soll ich sie für weniger Geld verkaufen? Soll ich neue Produkte entwickeln? Sie können See’s nicht ersetzen, weil Sie selbst mit einer Milliarden-Dollar-Werbekampagne oder so nicht das ändern können, was in den Köpfen der Leute ist.

    Sie können eine Schuhfabrik in China bauen, die uns aus dem Geschäft drängt, weil sich letztlich kaum jemand darum schert. Erinnern Sie sich an Florsheim Shoes oder Big Men Shoes vor zwanzig Jahren - jetzt sind sie weg. Niemand interessiert sich wirklich, welchen Schuh er trägt, es kommt darauf an, wie er aussieht. Wenn es dazu noch eine Marke ist, die man kennt, toll. Man bezahlt dafür nichts extra und mit absoluter Sicherheit guckt niemand auf die Sohle und sucht nach „Made in USA“. Sie müssen in Branchen gehen, in denen Kosten nicht der entscheidende Faktor ist. Gehen Sie in einen Drug Store und verlangen Sie einen Hershey-Riegel, und dann sagt der Kerl zu Ihnen: „Ich habe hier diese Handelsmarke, die ich selbst herstelle, das gleiche Gewicht wie Hershey und 5 Cent billiger“. Dann gehen Sie nach gegenüber und kaufen den Hershey-Riegel woanders. Das ist es, was ein gutes Geschäft ausmacht: Wenn man woanders hingeht, weil der Kerl versucht, Ihnen etwas anderes zu verkaufen, auch wenn es etwas billiger ist.

    Mein Sohn hat einmal eine Farm verloren, und ich sagte ihm daraufhin: Wenn eines Tages jemand hierher kommt und sagt: „Ich möchte etwas von den [Markenname] Mais“, dann weißt Du, Du hast ein gutes Geschäft. Aber wenn er nur sagt: „Ich möchte etwas Mais“, ist es ein miserables Geschäft. Wirklich, ich habe über diesen Burschen gelesen, einen Farmer in Nebraska, der im Lotto 20 Millionen Dollar gewonnen hatte. Das Fernsehen fuhr raus und fragte ihn, was er mit den 20 Millionen Dollar machen wollte. Er sagte: „Ich werde meine Farm weiterhin betreiben, bis alles weg ist.“ Das passiert im Geschäft mit Massenwaren. Man sollte ihn fernbleiben.



    Telekommunikation ist keine Branche, die ich sehr gut verstehe. Ich habe hier keine Einblicke. Sie erschien mir immer wie ein sehr kapital- und wettbewerbsintensives Geschäft, den Massengütern ähnlich. Sie ist einfach kein Spiel, an dem ich irgendeine Art von Interesse habe. Ich verkaufe lieber Süßwaren oder etwas in der Art, wo ich den Wettbewerbsvorteil verstehe. Ich mag auch keine Branchen, die sich immer wieder verändern. Ich mag Gillette, das waren vor hundert Jahren die einfachen, blöden Klingen. Sie verkaufen 70 % aller Klingen in der Welt - 70 %, in der ganzen Welt! Jedermann weiß, wie sie herzustellen sind, man muß die Technologie nicht stehlen, man muß sie nicht vertreiben. Aber hier ist ein Unternehmen, das langfristig 70 % Marktanteil hat. Das ist ein großartiges, großartiges Geschäft. Sie werden in 10 Jahren immer noch dominieren. Auch in 20 Jahren. Berkley wird in 10 Jahren mit Sicherheit führend sein und auch in 20 Jahren. Coca-Cola wird Marktführer sein, aber wer wird was im Telekom-Sektor machen? Ich weiß nicht einmal sehr gut, was in der Vergangenheit passiert ist, und ich habe keinen blassen Schimmer, was in dieser schnellebigen Branche passieren wird. Ich betrachte den Wechsel als einen Segen für die Bevölkerung, aber möglicherweise sehr schädlich für Investoren. Geldanleger werden reich durch das Fehlen von Veränderungen. Alles, was viel mit Technologie zu tun hat, ist etwas, wo man in kürzester Zeit ganz falsch liegen kann. Nun gibt es Leute, die Ihnen sagen, daß man auch sehr richtig liegen kann, aber ich weiß nicht genug, um den Unterschied zu kennen. Ich kenne nicht viele Leute, die ihn kennen, aber gelegentlich denken manche, daß sie es wüßten, aber es ist sehr schwer vorherzusagen.

    Sehen Sie sich Fernseher an. Das Fernsehen hat das Leben von jedem einzelnen von uns in diesem Raum verändert. Ich glaube nicht, daß heute noch ein Fernsehgerät in den USA hergestellt wird, aber es werden 20 Millionen verkauft, die woanders produziert wurden. Das Radio kam auf, und nach kurzer Zeit verdiente niemand mehr Geld mit der Produktion von Radios. Es gibt so viele Dinge, von denen die Bevölkerung profitiert, die Änderungen beinhalten. Nehmen Sie nur die Computerbranche. Sehen Sie sich die Leute an, die vor 30 Jahren hier einstiegen, ich könnte Ihnen eine ganze Liste runterbeten; es ist ein miserables Geschäft. Wunderbar für die Menschen, aber es war genauso mit der Autoindustrie. Es gab in Amerika 2.000 Autohersteller, 2.000. Es gab eine Omaha Motor Company. Es gab eine Nebraska Motor Company. Es gab Maytag, es gab Dupont. Übriggeblieben sind zwei Unternehmen mit ernsten Schwierigkeiten und eine dritte, die an die Deutschen verkauft worden ist. Die Unternehmen werden jetzt hauptsächlich für die Pensionäre betrieben. Dies ist ein schreckliches Geschäftsmodell für unser Land gewesen. Aber es ist total faszinierend. Die kleinen Nischenmodelle wie der WD-40 oder so schlagen sich sehr gut. Wenigstens etwas, das alles zusammenhält. Automobilhersteller stellen Millionen von Autos her, beschäftigen hunderttausender Menschen und sind miserable Geschäfte. In dieser Beziehung hat der Kapitalismus Wachstum erzeugt. Sie können ein tolles Restaurant entwickeln, und am nächsten Tag kommt jemand vorbei, kopiert es und erweitert die Speisekarte ein wenig oder bietet mehr Parkplätze an. Die Menschen suchen sich immer erfolgreiche Modelle aus und kopieren sie. Das ist wunderbar für den Verbraucher. Es kann sehr brutal sein, in diesen Branchen zu sein. McDonald’s gehörte vor 20 Jahren in gewisser Weise die Welt, aber heute nicht mehr. Wendy’s schlägt sich besser. Burger King macht sich nicht sehr gut. Es ist brutal. Und ich mag keine Brutalität.“


    Ich mag dafür diesen Mann. In jedem Interview staune ich wieder und wieder über seinen Weitblick und seine Weisheit. Ich schätze ihn sehr. Wenn doch nur seine Aktie vernünftig performen würde…


    Viele Grüße
    JuliaPapa
    "Beware the investment activity that produces applause; the great moves are usually greeted by yawns" -- Warren Buffett

  3. #3
    Valueist
    Registriert seit
    01.09.2004
    Beiträge
    52

    Standard

    Hallo JuliaPapa!

    Wollte mich nur mal für die Übersetzung bedanken...toller und sehr interessanter Artikel...


    Grüße Kostro!

  4. #4
    Erfahrener Valueist
    Registriert seit
    25.05.2001
    Ort
    Pfaffenhofen a.d. Ilm
    Beiträge
    1.116

    Standard

    Hallo JuliaPapa,

    vielen Dank für den übersetzen Artikel. Habe mal wieder was dazu gelernt und Denkanstöße erhalten.

    Gruß
    Dieter

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •