Eine Strategie Warren Buffetts sind Merger Arbitrages. Aktuelles Beispiel ist der Merger P&G und Gillette. Eine Lehrstück habe ich aus seinen Partnership-Zeiten gelesen und wende dies nun auf einen aktuellen Fall an. WEB hat in seiner anfänglichen Partnership-Zeit seine Aktivitäten in drei Gruppen eingeteilt:

Generals - allgemeine Aktienkäufe

Workouts - Unternehmen in einer speziellen Situation

Controls - Kontrolle (z.B. durch Stimmenmehrheit) von Unternehmen

Strategie: Merger Arbitrage

Workouts

Auszug aus Buffetts Letter to Investors 1963:

„Es gibt Aktien mit einem Zeitplan. Sie ergeben sich aus der Unternehmensaktivität – Sell-outs, Fusionen, Reorganisationen, Spin-offs, usw. Wir sprechen hier nicht von Gerüchten oder „Insider-Informationen“, die zu solchen Entwicklungen gehören, sondern von den öffentlich bekannten Aktivitäten. Wir warten, bis wir es in den Zeitungen lesen können. Das Risiko liegt in erster Linie nicht im allgemeinen Marktverhalten (obwohl dieses bis zu einem gewissen Grad manchmal damit verbunden ist), sondern stattdessen darin, dass der Plan zum Scheitern verurteilt sein könnte, so dass sich die erwartete Entwicklung nicht einstellt. Solche Spielverderber könnten sein: Anti-Trust-Verfahren oder andere staatliche Massnahmen, Verweigerung durch die Aktionäre, zu erhebende Steuern, usw. Zunächst scheint der Gewinn in vielen Workouts ziemlich gering. Ein Freund beschrieb dies so: *… als hole man noch den letzten Cent heraus, nachdem ein anderer die ersten 95 Cents bereits gemacht hat. Doch die Vorhersehbarkeit zusammen mit einer kurzen Haltedauer ergibt jedoch eine anständige jährliche prozentuale Rendite. Und diese Rendite bringt jährlich einen grösseren absoluten Return als Generals bringen.“


Arbitrage Saurer

Unternehmen

Saurer ist weltweit führender Hersteller von technologisch ausgereiften Systemen zum Spinnen, Texturierung, Zwirnen und Sticken. Saurer vereint acht Markennamen, Allma, Barmag, Melco, Neumag, Saurer Embroidery, Schlafhorst, Volkmann und Zinser, unter einem Dach. Die Produkte und Dienstleistungen all dieser Unternehmen spielen eine Schlüsselrolle beim Wertschöpfungsprozess in der Textilindustrie. Das hohe Niveau an technologischer Kompetenz im Bereich Textilmaschinen wird mit bemerkenswerter Kundenorientierung gekoppelt.

Saurer ist mit einem aktuellen KGV von rund 12 ist ein aussichtsreiches langfristiges Investment. China ist mit 40% Umsatzanteil heute stärksten Markt für Saurer-Textilanlagen. Als Anleger sollte man den zyklischen Charakter der Branche berücksichtigen. Sollte sich das globale Wachstum, vor allem auch die Entwicklung in China und den Schwellenländern abkühlen, dürfte es das Unternehmen und damit die Aktie zu spüren bekommen. Mit 574 Mio Eur sieht der Auftragsbestand bei Textil komfortabel aus. Verzögerungen im Chinageschäft werden zudem aufgefangen durch eine erhöhte Investitionstätigkeit in der Türkei, Pakistan, Indien sowie teilweise sogar in den USA aufgefangen.

Das Unternehmen ist fundamental gesund, hat haufenweise Cash (rund 20% der Marktkapitalisierung) und ist unterbewertet. Kein Wachstumsrenner, aber solide. Also kein grosses Anlagerisiko.

Unternehmensbewertung:

Aktueller Kurs rund 60 € *- *aktueller innerer Wert rund 86 €

Inneren Wert berechnet mit Wachstumsraten: 8 - 6 - 4 – 2
Diskontierung 12%

Arbitrage-Prognose:

Übernahmepreis je Aktie geschätzt 85€:

85€ entspricht 40% zum aktuellen Kurs, Eventualitäten plus/minus 10-20%. Eine Übernahme unter dem inneren Wert halte ich eher für unwahrscheinlich, ein Überschiessen ist nicht ausgeschlossen.

Sollte keine Übernahme erfolgen, bleibt die Saurer-Aktie als ein unterbewertetes fundamental gesundes Unternehmen in meinem Portfolio einfach weiterhin liegen.

Stadium der Merger-Arbitrage

Da ich das Unternehmen bereits seit Dezember nach meiner SI-Analyse zu 45 € aufgenommen habe, habe ich bereits einen Gewinn von rund 40% eingesteckt. Die Übernahmefantasie ist aber erst seit kurzem publik geworden. Ein Nachkauf oder Erstkauf ist also noch lukrativ. Die Übernahmefantasie steht ja erst am Anfang. Der innere Wert der Aktie beträgt 85 €, also weitere 40%. Die absolute Rendite (s. Zitat Buffett oben) wüde sich durch die kürzere Haltedauer noch erhöhen.

Seit rund drei Wochen konnte man bereits ein Anziehen des Kurses erkennen, was nicht unbedingt auf fundamentale Gründe zurückzuführen war. Seit dieser Woche sind eventuelle Übernahmeabsichten erkennbar. Zum ersten Mal wurde die meldepflichtige 5%-Marke überschritten und die britische Fondsgesellschaft Laxey gab eine Beteiligung von 7,6% an Saurer-Aktien bekannt. Zusätzlich meldete sie am Freitag, dass sie in Form von Optionen weitere 5,5% besitzt. Bei Ausübung wären dies dann insgesamt 13,1% Aktien.

Die Fondsgesellschaft ist für ihre weltweiten Arbitragegeschäfte bekannt. Sie investiert nach dem Value-Ansatz.

Das Saurer-Management steht – im Gegensatz zu Rieter – einer Übernahme nicht negativ gegenüber, sondern will dies vom konkreten Fall abhängig machen. (Laut Aussage des Managements in einem Interview.)

Merger-Arbitrages scheinen - s. Buffett oben - tatsächlich eine hohe Rendite abzuwerfen. Und spielt man die Mergerfantasie mit dem richtigen Unternehmen und hat dabei eine Sicherheitsmarge, dann haben wir eine der Forderungen Buffetts erfüllt: Das Risiko begrenzt zu halten.

Eure Meinung?

Grüsse
flippi