Guten Abend,
ich habe gerade „Intelligent Investieren“ von Benjamin Graham fertig gelesen.
Ich bin von dem Buch ein wenig enttäuscht, denn ich hatte mir doch mehr versprochen. Es drehte sich viel um das, was man heute Portfolio-Management nennt, also Verteilung Anleihen/Aktien, welche Aktien für welchen Anlagetyp. Über dieses Stadium bin ich inzwischen ja hinaus, bei mir heißt es 100 % Aktien (und gegebenenfalls ein Cash-Anteil). Ich hätte mir mehr über die Auswahl, die Bewertung und die Analyse gewünscht. Davon war natürlich etwas da, aber trotzdem...
Sehr interessant fand ich folgende Äußerung Grahams: „Junge, begabte Leute haben immer wieder versprochen, mit dem Geld anderer Wunderdinge zu vollbringen. Einige Zeit zeigten sie dann sehr gute Ergebnisse, aber am Ende brachten sie dem Publikum häufig große Verluste. Vor einem halben Jahrhundert waren solche Wunder immer von Manipulationen und Betrügereien begleitet.“ Das schrieb der Bursche 1970. Und dennoch kommt es einem irgendwie bekannt vor. Und noch mehr Stellen befassen sich mit Haussen. Klingt alles, als sei es für März 2000 geschrieben worden.
Weiterhin fand ich die Stelle interessant, in der Graham einige Kriterien zur Bewertung von Aktien aufstellt. Diese können vielleicht eine Ergänzung zu den Qualitätskriterien der Value-Analyse sein:
1) Mindestumsatz für ein Industrieunternehmen 100 Millionen US-Dollar
2) Das Umlaufvermögen sollte mindestens doppelt so groß wie die kurzfristigen Verbindlichkeiten sein. Außerdem sollten die langfristigen Verbindlichkeiten nicht größer als das Nettoumlaufvermögen sein.
3) Innerhalb der letzten 10 Jahre sollte kein Verlustabschluß vorgekommen sein.
4) 20 Jahre lang ununterbrochene Dividendenzahlungen
5) Gewinnverbesserung in den letzten 10 Jahren um mindestens 1/3 pro Aktie, wobei zu Beginn und am Ende ein Dreijahresdurchschnitt verwendet werden sollte.
6) Das KGV sollte nicht über 15 liegen (auf Basis der Durchschnittswerte der letzten drei Jahre)
7) Der Börsenkurs sollte nicht mehr als 50 % über dem Buchwert liegen. Allerdings kann der Börsenkurs mehr als 50 % über dem Buchwert liegen bzw. mehr als dem 1,5-fachen des Buchwertes entsprechen, sofern nur das KGV niedriger ist. Wir empfehlen, daß KGV und der Buchwertmultiplikator miteinander multipliziert nicht mehr als 22,5 ergeben sollten (Diese Ziffer entspricht z.B. einem KGV von 15 und einem Buchwertmultiplikator von 1,5 oder einem KGV von 9 und einem Buchwertmultiplikator von 2,5).
Was haltet Ihr von diesen Kriterien? Und was haltet Ihr von Grahams anderem Buch, „Security Analysis“?
Einen schönen Abend wünscht Euch
JuliaPapa




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