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Thema: Ein Brief an Frau Merkel

  1. #1
    Erfahrener Valueist
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    156

    Standard Ein Brief an Frau Merkel

    Aktienclub Leer


    An die Bundeskanzlerin Dr. Merkel

    Sehr verehrte Bundeskanzlerin,
    liebe Frau Dr. Merkel,

    mit großer Sorge sehen wir die Entwicklungen an den Finanzmärkten und wissen, dass sie unglaubliches Leid über die Bürger bringen können. Wir glauben nicht, dass diese Verwerfungen vom Himmel gefallen sind, sondern auf Versäumnisse beruhen und sich jederzeit wiederholen können. Hier sind keine Reförmchen mehr gefragt, sondern grundlegende Änderungen.
    Wir erlauben uns als „Insider“ Vorschläge zu machen und bitten um ihre wohlwollende Kenntnisnahme.

    Stellungnahme des Aktienclub Leer zur Finanzmarktkrise.

    Es scheint den Regierungen zu gelingen, mit Milliardenhilfen, Deutschland mit 500 Milliarden, den Zusammenbruch der Weltfinanzen und der Weltwirtschaft zu stoppen.
    Diese Hilfsmaßnahmen sind unbedingt erforderlich. 100 Mrd. sollen zur Eigenkapitalsicherung der Banken aufgewendet werden. Wir sind der Meinung, dass das in einem klaren ordnungspolitischen Rahmen erfolgen soll über eine Kapitalerhöhung der betroffenen Institute zum aktuellen Kurs. Der Staat sollte nach hoffentlich erfolgreicher Sanierung diese Aktienpakete sofort wieder verkaufen, um die entstandenen Schulden abzutragen. Es besteht dann die Möglichkeit, dass der Staat mit einem Gewinn aus der Sanierungsmaßnahme herauskommt.
    Wir glauben, dass man unverzüglich danach damit beginnen sollte, die Weltfinanzen neu zu ordnen, weil jetzt die Bereitschaft dafür noch da ist.
    Wir sind der Meinung, dass es sich um eine Finanzkrise und keine Aktienkrise handelt.
    Auch glauben wir nicht, dass mangelnde Kontrollen Ursache für diese Verwerfungen sind, sondern das Fehlen von Spielregeln oder falsche Spielregeln. Zweifellos kann man zwar die Kontrollen verbessern, eine unabhängige und hoch qualifizierte Bafin sollte bei der Bundesbank oder auf europäischer Ebene bei der EZB angesiedelt und mit staatsanwaltlichen Vollmachten ausgestattet sein. Wir sollten keine neuen Aufsichtsgremien ( Versorgungsposten) für Politiker schaffen, da diese in solchen Finanzfragen in aller Regel inkompetent sind.
    Wir erlauben uns, Vorschläge zur Neuordnung des Weltfinanzsystems zu machen. Einige Vorschläge können national umgesetzt werden, einige nur international. Selbst im Verursacherland Amerika scheint die Bereitschaft für grundlegende Veränderungen vorhanden zu sein.
    Unsere Vorschläge sind folgende:

    1. Abfindungen (Versagensprämie) für entlassene Manager sollten verboten werden. Keine Gesellschaft hält es auf Dauer aus, wenn diejenigen auch noch belohnt werden, die durch ihr Versagen Tausende oder vielleicht sogar Zehntausende von Arbeitsplätzen vernichtet haben.
    2. Bonuszahlungen an Manager sollten verboten werden. Wir schließen uns der Meinung von Warren Buffett an, dass diese Bonuszahlungen nicht nur die Managergehälter in exorbitante Höhen getrieben haben, sondern die Hauptursache für das riskante Fehlverhalten der Manager ist. Manager sollten ein ordentliches Gehalt bekommen, das zwar vom Aufsichtsrat auszuhandeln ist, aber in der Aktionärsversammlung als Einzelabstimmung genehmigt werden muss. Eine gesetzliche Regelung der Höhe der Managergehälter würde von jedem Verfassungsgericht gekippt werden
    3. Das 2004 von der rot-grünen Bundesregierung gestoppte Gesetz zur Managerhaftung (KapInHaG) sollte unverzüglich beschlossen und in Kraft gesetzt werden.
    4. Finanzprodukte sollten nur dann verkauft werden dürfen, wenn sie vorher von einem Finanz-TÜV geprüft worden sind. Die Prüfung sollte vor allen Dingen beinhalten, ob das Produkt für den normalen Bürger verstehbar ist und ob die Gebühren transparent sind. Gerade die vielfältig neuen, undurchschaubaren und nichtverstehbaren Finanzinnovationen (Zertifikate) waren in der Vergangenheit für die Banken Provisionsmaschinen. Hier tragen die Banken eine Mitverantwortung für die Krise.
    5. Die Eigenkapitalbindung der Finanzprodukte sollte wieder hergestellt werden. Dies scheint uns die wichtigste Sanierungsmaßnahme zu sein. Die Derivatenprodukte haben jede Beziehung zur realen Wirtschaft verloren. Hier wurde nur noch heiße Luft gehandelt, von Verpackungskünstlern mit dem Versprechen von Garantie, Sicherheit, Bonus und großen Renditen versehen und mit hohen Gebühren an den Mann gebracht.
    Dies ist nichts anderes als monetäre Alchemie, heiße Luft, mit der der kleine Anleger abgezockt werden soll.
    Deshalb fordern wir, dass alle Finanzprodukte mit 30% Eigenkapital hinterlegt werden müssen.( Die EU fordert 20%, auch das wäre schon eine gute Grundlage) Dies würde nicht nur die Sicherheit der Finanzprodukte um ein Vielfaches erhöhen, sondern auch das Volumen von Finanzprodukten durch das begrenzt zur Verfügung stehende Eigenkapital dramatisch einschränken. Diese Derivate sind alleine durch das Volumen zu einer Bedrohung für die ganze Weltwirtschaft und unsere Existenz geworden. Das Weltbruttosozialprodukt wird mit 60 Billionen angegeben, das Volumen des heutigen Derivatenmarktes mit 600 Billionen. Das heißt, dass jedes auf der Welt hergestellte Produkt im Schnitt 10 Mal mit Derivaten gehandelt wird. Das ist ganz einfach krank und muss sofort durch geeignete Maßnahmen beendet werden.
    Ungeachtet dessen sollte eine generelle Verteufelung von Derivaten vermieden werden. Sie können am Finanzmarkt ein sinnvolles Produkt sein, wenn eine Eigenkapitalhinterlegung und eine Produktbezogenheit vorhanden sind.
    6. Eine Auslagerung von Risikogeschäften in Zweckgesellschaften sollte verboten werden. Alle Risiken sollten in der ordentlichen Bilanz von Banken sichtbar sein.
    7. Eine Transaktionssteuer von 0,5% sollte eingeführt werden. Die Einnahmen sollten in einem Krisenfond angelegt werden mit dem Ziel, in Krisenzeiten zur Rettung der Finanzmärkte verwendet zu werden. Diese Transaktionssteuer sollte für alle Finanztransaktionen gelten und würde das kurzfristige Zocken an den Börsen uninteressant machen, den Langfristanleger aber kaum belasten. Die Finanzmärkte würden sehr viel ruhiger laufen und die nervenraubenden Ausschläge vermeiden. Sie würde den Finanzhaien die Basis rauben. Gerade der Kleinanleger wird in solchen Börsephasen immer wieder Opfer.
    8. Leerverkäufe können ein sinnvolles Instrument zur Absicherung eines Langfristdepots sein. Das sogenannte „naked short selling“ sollte generell verboten werden. Hier verkaufen Spekulanten (für einen Laien nicht nachvollziehbar) Aktien, die sie gar nicht besitzen oder geliehen haben. Theoretisch können mehr Aktien leer verkauft werden, als es überhaupt gibt. Mit diesem Instrument kann jedes gesunde Unternehmen in den Ruin getrieben werden, das ist nicht hinnehmbar.
    9. Hedge-Fonds und Private Equity sollten der Finanzaufsicht unterstellt werden.
    10. Die Credit Default Swaps (CDS) sollten verboten werden. In dieser Form sind sie zu einem gefährlichen Spekulationsinstrument verkommen. Sie sind beliebig vermehrbar und haben keinen wirtschaftlichen Hintergrund mehr. Das Volumen von CDS ist auf 60 Billionen angeschwollen, das Kreditausfallrisiko wird auf 2 Mrd geschätzt. Hier gilt es, andere produktbezogene Formen der Kreditausfallversicherung zu entwickeln.

    Dies sind unsere Kernforderungen zur Stabilisierung der Finanzmärkte. Sicher sind andere weitere Maßnahmen, wie z.B. die Austrocknung von Finanzoasen notwendig.

    Aktienclub Leer
    leeraner-aktienclub@t-online.de
    www.aktienclub-leer.de

    Sigip
    sigip@t-online.de

  2. #2
    Valueist
    Registriert seit
    13.04.2012
    Beiträge
    31

    Standard

    Liebe Frau Merkel

    Bitte nehmen sie sich diesen Brief zu herzen und hören sie auf unser hart verdientes Geld in irgendwelche aussichtslosen Rettungsaktionen zu stecken.

    Danke

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