Value-Brief anfordern
Ergebnis 1 bis 3 von 3

Thema: Discounted Cashflow

  1. #1
    Erfahrener Valueist
    Registriert seit
    21.01.2002
    Ort
    Kiel
    Beiträge
    830

    Standard Discounted Cashflow

    Das A&O beim Value-Investing ist die Sicherheitsmarge.

    Um sich ein Bild davon zu verschaffen, wird man als Value-Investor nicht drum herum kommen, sich Gedanken über den inneren Wert einer Aktie zu machen. Doch was ist der innere Wert? Der innere Wert einer Aktie ist die Summe der freien Zahlungsmittelüberschüsse, abgezinst auf ihren heutigen Wert. Zwar können wir die Cashflows häufig nur unzureichend schätzen, nichtsdestotrotz wird die Marktbewertung einer Aktie so gut wie immer ein Abbild davon sein, wie die Meinung über eben diesen Wert ist. Auch Buffett sieht dies als gegeben an. In dem BRK-Geschäftsbericht von 1998 heißt es: The intrincis value „is the discounted value of the cash that can be taken out of a business during its remaining life”. Weiter geht er auf die Subjektivität ein: “Intrinsic value is an estimate that must be changed if forecast of future cashflows are revised. Two people looking at the same set of facts will inevitably come up with at least different intrinsic value figures. That is pur reason we never give you our estimates of intrinsic value. What our Annual Reports do supply, though, are the fact that we ourselves use to calculate this value.”

    Für einen Newcomer – so war es jedenfalls bei mir – ist DCf wohl ein Garant dafür, auf die Nase zu fallen. Ich kenne das noch aus meiner Greenhorn Zeit: „Super, ich weiß endlich den fairen Wert." Den werde ich mir dann schön ausrechnen und schön daneben liegen. Aber schon Sokrates wusste, dass er nichts weiß. Wie ist also umzugehen mit diesem Verfahren? Nachfolgend möchte ich einige Punkte anführen, anhand derer man die typische DCf-Falle vermeiden kann:

    1) Man sollte nur Unternehmen mit nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen in Betracht ziehen, da man annimmt, dass die Ertragskraft für viele Jahre nachhaltig ist.
    2) Man sollte sich bei der Detailprognoseperiode der Prognose auf 5 bis maximal 10 Jahre beschränken. Prognosen darüber hinaus sind nicht realistisch. (PS: Die ewige Rente ist aber auch eine Prognose, siehe Punkt 1).
    3) Man sollte sich bei DCf-Verfahren auf Unternehmen konzentrieren, bei denen keine zu hohen Wachstumserwartungen bestehen. Die Varianz der möglichen Ergebnisse in Abhängigkeit von der zu wählenden Wachstumsrate ist schlichtweg zu hoch.
    4) Man sollte bei der ewigen Rente pauschal mit einem 0%-Wachstum rechnen. Bereits 3% ewiges Wachstum sind eine toughe Annahme und wir können wohl kaum mit einiger Sicherheit begründen, ob 3% oder 5%, aber diese 2% machen bei der ewigen Rente schon eine ganze Menge aus!*

    *Nur bei sehr starken Unternehmen mit ausgeprägter Preismacht und Marktwachstum nehme ich ein Wachstum bei der ewigen Rente an und hier nehme ich pauschal 2,5% und nicht mehr.

    Zum Zinssatz: Hier nehme ich gleichbleibend meine Opportunitätskosten in Höhe der langfristigen Wertentwicklung am Aktienmarkt. Auf der einen Seite macht das die Ergebnisse vergleichbarer, da diese nicht auch noch von anderen Parametern abhängen. Auf der anderen Seite muss man sich bewusst machen, dass man Gefahr läuft Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Ein Investment mit einer Sicherheitsmarge von 50% bei 9% Diskont ist nur dann zwingend besser als eines mit 20% bei 9% Diskont, wenn beide Investments das gleiche Risiko haben! In der Unternehmenspraxis werden für Investitionen ebenfalls die Kapitalkosten der Aktionäre genommen, und zwar risikoadjustiert nach CAPM. Da ich einen Risikoaufschlag aber nicht quantifizieren will/kann, helfe ich mir damit, dass ich die Investments je nach Risiko mit unterschiedlichen Depotanteilen versehe. Im Endeffekt ist es dasselbe, da ich bei einem höheren Risikoaufschlag eine niedrige Sicherheitsmarge bekommen würde und demnach auch einen geringeren Depotanteil nehmen würde. Ich mache es hier also nach Bauchgefühl. Der Vorteil ist wie gesagt die bessere Vergleichbarkeit im Hinblick auf die zu erwartende Rendite.

    PS. Gerade ich recherchiere ich zwei Aktien, die mit dem 13-fachen bzw. 14-fachen des erwarten FCFs bewertet werden. Da beide Unternehmen aber keine organischen Umsatz-Wachstumsraten von 10-20% haben, kann man nicht einfach nehmen, dass sie signifikant unterbewertet sind. Bei solchen Grenzfällen – und wenn die o.g. Bedingungen erfüllt sind – helfe ich mir mit einer DCf-Rechnung, um zu einem besseren Schluss zu kommen. Der Vorteil an DCf - bzw. bereits der Tatsache, dass man es als richtig akzeptiert - ist i.A. ganz klar der, dass man sich mehr Gedanken über ein Unternehmen machen muss. Das fängt z.B. dort an, wo man das Unternehmen genau dahingehend analysiert, wie es wächst, um beurteilen zu können, wie es weiter wachsen wird. Ich denke, was Buffett u.a. stark gemacht hat war, dass er die Unternehmen häufig richtig eingeschätzt hat. Eine Coca-Cola hatte er Jahrzehnte lang verfolgt, bevor er sie kaufte. Er kaufte die Aktie für ein KGV von 14 oder 15 als Coca-Cola ein temporäres Problem hatte. Seine Annahmen waren aber treffend, dass die Aktie zu diesem Kurs signifikant unterbewertet war. Was Coca-Cola danach noch an Gewinnwachstum lieferte war überragend. Unkundige Investoren sahen das natürlich anders. Man könnte aber auch total falsch liegen. Der Knackpunkt sind die Annahmen und hierzu gehören neben Disziplin (was kann ich, was nicht) v.a. unternehmerisches Urteilsvermögen und gründliche Recherchen oder kurz gesagt einfach nur: Denken, Denken und nochmals Denken!
    \"Price is what you pay, Value is what you get\"

    (Warren Buffett)

  2. #2
    Valueist
    Registriert seit
    14.05.2002
    Beiträge
    61

    Standard

    Zitat Zitat von prince of persia Beitrag anzeigen
    Ich denke, was Buffett u.a. stark gemacht hat war, dass er die Unternehmen häufig richtig eingeschätzt hat. Eine Coca-Cola hatte er Jahrzehnte lang verfolgt, bevor er sie kaufte. Er kaufte die Aktie für ein KGV von 14 oder 15 als Coca-Cola ein temporäres Problem hatte. Seine Annahmen waren aber treffend, dass die Aktie zu diesem Kurs signifikant unterbewertet war. Was Coca-Cola danach noch an Gewinnwachstum lieferte war überragend. Unkundige Investoren sahen das natürlich anders. Man könnte aber auch total falsch liegen. Der Knackpunkt sind die Annahmen und hierzu gehören neben Disziplin (was kann ich, was nicht) v.a. unternehmerisches Urteilsvermögen und gründliche Recherchen oder kurz gesagt einfach nur: Denken, Denken und nochmals Denken!
    Und was verleitet dich dich zu der Annahme daß du Unternehmen häufig richtig einschätzt, und bessser einschätzt als der Markt? Was verleitet dich zu der Annahme daß du das besser abschneidest als der breite Aktienmarkt? Wenn du nicht besser abschneidest als der Durchschnitt dann sind deine ganzen Überlegungen für dich nichts wert.

    Gruß tt

  3. #3
    Neuer Benutzer
    Registriert seit
    13.04.2012
    Beiträge
    29

    Standard

    Danke für die genaue Zusammenfassung. War sehr informativ. :-)

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •