Die Celesio-AG ist ein eher unbekannterer Wert an der deutschen Börse. Dies aus meiner Sicht völlig zu Unrecht.

Das 1835 gegründete Unternehmen hat nach dem Spin-off von Takkt im Jahr 1999 (ebenfalls ein interessanter Wert) zwei Geschäftsfelder:

1. Der Pharmagroßhandel (Belieferung von Apotheken)

2. Einzelhandel ( Betreiben eigener Apotheken )

In beiden Bereichen ist das Unternehmen europäischer Marktführer.

Die Phantasie liegt vor allem auf dem Bereich Einzelhandel, da der Pharmagroßhandel zum einen sehr kapitalintensiv ist und die Renditen nur sehr mäßig sind. Dennoch wird im Pharmagroßhandel nach wie vor ein hoher Cashflow erzeugt.

Im Bereich Einzelhandel besitzt Celesio europaweit über 2.000 Apotheken, wobei fast 60% in Großbritannien zu finden sind.

Der deutsche Apothekenmarkt ist (noch) stark reguliert, es wird jedoch damit gerechnet, daß die Regulierungen gegen europäisches Recht verstoßen.

Wenn die Regulierungen aufgehoben werden sollten, so hätte die Celesio die Möglichkeit eigene Apotheken zu betreiben.

Einen Coup hat die Celesio hier schon in den letzten Wochen gelandet. Die (kleine, aber bekannte) Apothekenkette Doc Morris wurde erworben. Laut Celesio gibt es inzwischen bereits "mehrere 100 Anfragen von Apotheken, die Marketing- oder Franchisepartner von Doc Morris werden wollen".

Die Chance, die der Einzelhandel bringt überkompensiert sicherlich den Umsatzverlust den der Pharmagroßhandel aufgrund verärgerter Apotheker (Doc Morris als direkte Konkurrenz) mit sich bringen wird.

Zum Wichtigsten (den Zahlen):

- Die Gewinne wurden in den letzten 16 Jahren stetig gesteigert. In zwei Jahren gab es leichte Gewinnrückgänge.

- Der GpA hat sich in den letzten 16 Jahren versiebenfacht.

- Aufgrund des Pharmahandels liegt die Umsatzrendite lediglich bei stabilen 2,0%.

- Die Eigenkapitalquote stellt das einzige Manko an dieser Perle dar. Sie liegt lediglich bei 33%

- Die Eigenkapitalrenditen waren bis zur Abspaltung von Takkt nur sehr mäßig. Seitdem liegen diese durchschnittlich bei rund 19%.

Zur Eigentümerstruktur:

Die Familie Haniel ist Mehrheitsaktionär. Die Betonung lag und liegt in der Schaffung langfristiger Werte anstatt kurzfristiger "Erfölgchen"

Zur aktuellen Bewertung:

Das aktuelle KGV liegt bei rund 19, das KBV bei 3,2. Eine hohe "Margin of safety" sieht anders aus.

Fazit: Ein Kauf drängt sich kurzfristig (leider) nicht auf. Auf jeden Fall sollte man das Unternehmen weiter beobachten. Falls jemand bis 31.12.2008 langfristig einen deutschen Wert kaufen möchte, und der Markt bis dahin keine neuen Chancen liefert, könnte sich ein Einsteigen unter Umständen dennoch anbieten.