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Thema: mechanische Strategien im Börsenspiel 2003/2004

  1. #1
    Erfahrener Valueist
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    Das Börsenspiel von Postbank, Capital und Börse München ist vorbei. Ich habe die Gelegenheit genutzt, um verschiedene Anlagestrategien zu prüfen -- absolut, im Vergleich zu Börsenprofis und im Vergleich zu anderen Mitspielern. Die Börsenprofis waren vertreten durch jeweils ein Team von Capital Depeche und der Postbank. Das Ergebnis zeigt viele interessante Aspekte. Doch zuerst zur Strategie.

    Ich war mit drei Depots vertreten, die jeweils eine eigene Strategie untersuchen sollten. Alle Depots sollten nur mit einem minimalen Basiswissen geführt werden. Einzig im Herbst habe ich (erfolglos) versucht den Markt zu timen. In jedem Fall habe ich versucht Aktien zum niedrigst möglichen Kurs zu erstehen -- in einem Zeitrahmen von wenigen Wochen. Dazu habe ich technische Indikatoren verwendet.

    Spielkapital waren 100.000 EUR. Von keinem Wert durften mehr als 25% im Depot lagern. Ein Kauf war nur Freitags möglich, Verkauf an jedem Börsentag. Die Aktien durften aus einem dutzend gängiger internationaler Indizes ausgewählt werden. Gebühren wurden keine in Rechnung gestellt. Dividenden wurden
    dem Konto gutgeschrieben. Spielzeitraum waren 6 Monate.

    Alle Strategien:

    Es sollte so wenig Zeit wie möglich aufgewendet werden und damit auch so wenig wie möglich gehandelt werden.

    Strategie 1:
    Anfangs habe ich eine altbewährte Methode (Trinity Studie, 1995) ausgewählt. Bestimme aus jedem Index die zehn Werte mit der höchsten Dividendenrendite. Wähle die Werte mit dem aktuell niedrigsten Kurs aus. Gekauft habe ich zu einem möglichst niedrigen Kurs.

    Strategie 2:
    Nach zwei Monaten ist mir zufällig eine Ausgabe der Aktien Analyse in die Hände gefallen. Daraus habe ich die Aktien mit 5 Sternen ausgewählt, die mir am sympatischsten erschienen sind. Gekauft habe ich ohne auf ein mögliches Kursminimum zu achten.
    Um Wechselkursschwankungen in einem Fall auszuschließen habe ich Strategie 1 gesplittet in zwei Depots, Euro-Werte und Nicht-Euro-Werte.

    Depot 1, Das Euro Depot:
    Zusammensetzung: ein Drittel Dax, ein Drittel MDax, ein Drittel Euro Stoxx mit jeweils etwa drei Werten aus dem jeweiligen Index
    erster Kauf: 9. August 2003

    Depot 2, Das Non-Euro Depot:
    Zusammensetzung: ein Drittel S&P100, ein Drittel FTSE 100, ein Drittel Hang Seng mit jeweils etwa drei Werten aus dem jeweiligen Index
    erster Kauf: 9. August 2003

    Depot 3, Das Aktien Analyse Depot:
    Zusammensetzung: 9 Sympathie-Aktien mit 5 Sternen
    erster Kauf: 4. Oktober 2003

    Ergebnis am 2. Februar 2004 (Spielende, 22.000 Mitspieler):

    Depot 1: + 17,92 % Platz 3.400
    Depot 2: + 15,25 % Platz 4.650
    Depot 3: + 5,49 % Platz 11.500
    Capital: + 26,16 % Platz 1.259
    Postbank: + 13,76 % Platz 5.480
    bester Mitspieler: + 104,50 % Platz 1

    Aufällig war die Konstanz meiner drei Depots. Große Kurssprünge waren zu keinem Zeitpunkt zu verzeichnen. Es ging mehr oder weniger stetig bergauf. Anders sah es bei den Profis und erst recht bei den besten Mitspielern aus. Das lässt darauf schließen, dass vor allem die besten Mitspieler hochgradig spekulativ gehandelt haben. Extrem hohe Gewinne in einem Monat ließen sich in keinem Fall in einem der anderen fünf Monate vom jeweilgen Mitspieler auch nur annähernd reproduzieren.

    Depot 3 hätte wesentlich besser abgeschnitten, wenn es nicht so spät eröffnet worden wäre. Sehr hohe

    Verluste musste dieses Depot zudem durch Colgate-Palmolive (- 18% bei am Ende 8% Depotanteil) ausgleichen.

    Anfangs habe ich die zugehörige Fernsehsendung verfolgt. Die Profis haben in dieser Zeit jede Woche in großen Umfang gehandelt. Meine Depots haben max. zweimal gehandelt, am Anfang und einmal im Herbst. Die entsprechenden Orderkosten wären also noch abzuziehen in der Realität.

    Bis Dezember 2003 sind Depot 1 und Depot 2 permanent besser gewesen als die Profidepots, teilweise mit erheblichem Abstand. In der ganzen Zeit lagen beide Depots mehr oder weniger weit im besten Viertel aller Mitspieler (zeitweise etwa Platz 1.000 von etwa 20.000 Mitspielern)

    Ich hoffe diese Ausführungen sind auf Interesse gestossen. Fragen beantworte ich gerne.

  2. #2
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    Hallo ben,

    für mich ist der Freitagabend auch schon zur Pflicht geworden
    mit der 3sat boerse. Legte mir *ein vituelles Depot bei
    comdirect an, Performance war knapp 15%, erzielt haupt-
    sächlich mit Mdax-Werten. Aber bitte ben wo kannst DU die
    Depots der Mitstreiter einsehen, außer die Depots von Postbank
    und Capital-Depeche? Würde mich interessieren wie der 1. Platz
    die 104 % erreicht hat.

    mfg brezi
    Geld ist nicht ALLES, aber ohne Geld ist ALLES nichts.

  3. #3
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    Hallo, Ben!

    Ich habe auch an diesem Börsenspiel teilgenommen und wollte die von mir in der Realität durchgeführte Strategie mit den Renditen der Profis und der anderen Mitspieler/innen vergleichen.

    Ich wollte also in meinem fiktiven Depot nur dann handeln, wenn ich auch in der Realität handeln würde. Leider habe ich mich (wahrscheinlich, weil meine Jahresperformance zu diesem Zeitpunkt schon ganz ordentlich und sowieso nur einer meiner Realdepotwerte in den zur Verfügung stehenden Indizes gelistet war) dazu entschlossen, die ganzen 100.000 Euro bis zu meinem ersten "Realitätskauf" Cash zu halten und keine Werte sofort ins Depot zu nehmen.

    Da ich dummerweise aber zu keiner Zeit des Börsenspiels einen realen Kauf aus den zur Verfügung stehenden Indizes getätigt habe, blieb es dann auch bis zum Ende bei den 100% Cash. Und weil wir in dieser Zeit ja letztendlich eine wunderbare Hausse erlebt haben, bin ich mit dieser Strategie dann abgeschlagen unter den letzten 5% des Spiels gelandet * . Zwischendurch (ich glaube, es war irgendwann im September) war ich aber auch kurzzeitig unter den ersten 5000 und besser als die Profis *.

    Leider gab es für mich aber so letztendlich keine ernsthafte Möglichkeit, meine reale Strategie mit den Spielstrategien der anderen Mitspieler/innen zu vergleichen. Schade aber auch ...

    Gruß,

    Torsten

  4. #4
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    > Aber bitte ben wo kannst DU die Depots der Mitstreiter einsehen,
    > außer die Depots von Postbank und Capital-Depeche?

    Das habe ich nie behauptet. Jeder kann das Ranking (Gesamt/aktueller Monat) einsehen. Vor allem bei den besten Mitspielern habe ich gelegentlich das Monatsranking verfolgt. Die Mitspieler mit dem besten Gesamtranking sind oftmals in einem späteren Monatsranking nicht mehr unter den besten 100 aufgetaucht. Da ich dies nur stichprobenartig verfolgt habe, kann ich dazu keine verlässliche Aussage treffen, aber es deutet darauf hin, dass die besten Mitspieler einmal einen Glückgriff hatten (wahrscheinlich mit Unternehmen, die ich in der größten Not nicht kaufen würde) und ihre Gewinne spekulativer Natur waren. Einige haben ihr Schäfchen damit sinnvollerweise in trockene gebracht, andere sind wieder weit zurückgefallen, weil sie die Gewinne nicht rechtzeitig mitgenommen haben. Mit einem Value-Investment sind in den seltensten Fällen wohl Renditen weit über 40% in nur 6 Monaten zu realisieren.

    >Würde mich interessieren wie der 1. Platz die 104 % erreicht hat.

    Mich auch! Meine Vermutung habe ich oben schon geäussert. Ein großer Sprung war etwa im September/Oktober zu beobachten (70% oder so). Ich habe zu diesem Zeitpunkt mal gesucht, welche Kurse so explodiert sind. OnVista sei Dank habe ich ein paar Biotech-Unternehmen finden können, die seit Jahren Verluste ausweisen, deren Kurse total am Boden waren, aber aufgrund von positiven Nachrichten Kursexplosionen verursacht haben (natürlich nicht nachhaltig).

  5. #5
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    Hallo, Ben,

    was Du schreibst, ist sehr interessant. Trotzdem oute ich mich hier und bekenne, daß ich kein Freund von Börsenspielen bin. Letztlich geht es ja immer darum, zu zocken und in möglichst kurzer Zeit möglichst hohe Kursgewinne zu erzielen. Und das ist eigentlich nicht das Ziel von Value Investing.

    Die Frage ist ja auch, wie aussagekräftig Deine Ergebnisse sind. Wieviel Sinn macht es, eine langfristig angelegte Strategie in einem kurzftistigen Spiel zu testen? Darüber hinaus ist es natürlich auch klar, daß in einer Boomphase (die wir ja im letzten halben Jahr hatten) ein Value-Depot hinter einem Zocker-Depot zurückbleibt.

    Wichtig finde ich auch, daß keine Gebühren berechnet wurden. Das bringt den Zockern natürlich Vorteile, denn in der Realität schmälert das natürlich die Rendite. Von der Spekulationssteuer ganz zu schweigen...

    Gruß,
    JuliaPapa
    "Beware the investment activity that produces applause; the great moves are usually greeted by yawns" -- Warren Buffett

  6. #6
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    > Die Frage ist ja auch, wie aussagekräftig Deine Ergebnisse sind...

    Der Zeitraum ist natürlich viel zu kurz, aber das konnte ich nicht beeinflussen. Für mich war im Vorfeld interessant, wie sich eine fundamental orientierte Strategie in der harten Realität bewährt. Noch dazu eine Strategie, die jeder halbwegs intelligente Mensch ohne Probleme und ohne hohen Zeitaufwand nachvollziehen kann. Ist es möglich ohne hohes Risiko gängige Anlageformen zu schlagen, noch dazu zu einem zufällig gewählten Zeitpunkt? Im Betrachtungszeitraum ganz sicher, über längere Zeit sehr wahrscheinlich. Dies hat ja schon die genannte Studie gezeigt.

    Trotz kurzer Spieldauer, trotz Boomphase, trotz massiv spekulativ orientierter Konkurrenz, trotz Profibeteiligung haben sich alle Depots sehr gut geschlagen, auch im Vergleich zu den Indizes.

    PS: Ich hatte mich auch beim Börsenspiel von comdirekt angemeldet, aber das Spiel fand ich nun total sinnlos für jegliches sinnvolles Investment. Zocken pur...

  7. #7
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    Moin *Moin,

    wenn ich investiere, dann will ich eine absolute Rendite erzielen, unabhängig davon, ob der Markt mehr oder weniger bringt. Alles Andere würde dazu führen, dass meine Strategie auf Marktspekulationen hinausläuft. Langfristig ist ein Vergleich der eigenen Wertentwicklung mit den Indizes vielleicht sinnvoll. Wenn ich langfristig darunter liege, sollte ich mir die Zeit für Analysen sparen und einen Index abbilden oder in diesen investieren. Kurzfristig finde ich einen Vergleich mit den Indizes dagegen völlig irrelevant. Noch schwachsinniger finde ich, sich mit Anderen zu messen. Ich will gute Investments machen und keinen Wettlauf um eine Performance, schon gar nicht auf so kurze Zeit.

    Börsenspiele haben aber auch Etwas gutes, wie ich finde. Das trifft z.B. auf den Börsenspiel bei Faz.net zu. Der ist nämlich zeitlos und da kann man so Alles ausprobieren, wo man noch nicht sicher ist. Wenn man das ernst nimmt, kann man sich so, z.B. als Anfänger Verluste ersparen und seine Erfahrungen ohne echten Geldeinsatz machen. Man könnte z.B. ein Arbitrage-Depot oder Alles mögliche machen, bevor man sein Geld einsetzt. Ich überlege derzeit, ob ich ein Wachstums-Depot maches, so mit KGV 60 aber auch Wachstum 60 wenns geht, das ohne viel Zeit aufwand und mit SL. Bin gespannt, wie sich das Depot langfristig entwickelt. Wenn das erfolgreich ist, setze ich das womöglich irgendwann in die Tat um.

    Grüße
    PoP
    \"Price is what you pay, Value is what you get\"

    (Warren Buffett)

  8. #8
    Erfahrener Valueist
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    Für alle die es langfristig unter realen Bedingungen testen wollen ist marketocrazy die richtige Adresse. Man kann außer an Erfahrung nichts gewinnen, wer zu den Top 25% vorstößt erhält im Board Sonderrechte, die Top 100 vedienen Geld und managen einen realen Fond - den m100. Die beste Einrichtung, die ich bislang kennengelernt habe. Hatte ja schon an anderer Stelle darauf hingewiesen.

    Von diese Börsenzockerspielen hierzulande halte ich auch nichts, gar nichts. Sie tragen nicht zur Verbesserung der Börsenkultur bei.

    Gruß
    Dieter

  9. #9
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    > Für alle die es langfristig unter realen Bedingungen testen wollen...

    ... ist das eigene Depot die richtige Adresse. Wer will schon ewig leben? ;-)

    > ... unabhängig davon, ob der Markt mehr oder weniger bringt...
    > ... Noch schwachsinniger finde ich, sich mit Anderen zu messen...

    Ich finde es ziemlich unrealistisch, den Markt ignorieren zu wollen...
    Fürchtest du den Vergleich ?

  10. #10
    Erfahrener Valueist
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    > Für alle die es langfristig unter realen Bedingungen testen wollen...

    ... ist das eigene Depot die richtige Adresse. Wer will schon ewig leben? ;-)

    Sofern man eines hat. Jedem Anfänger kann ich nur dazu raten es auszuprobieren. Darüberhinaus ist es hochinteressant mit welchen Strategien die Topleute performen. Davon profitiere ich, insbesondere die Diskussion über einzelne Unternehmen finde ich gut. Deutschland ist von den USA weit entfernt und die Leute vor Ort haben einfach mehr Einblick in ihre Unternehmen, vielleicht auch nur mehr Informationen - ich weiß es nicht und letztendlich geht es mir um fruchtbare Diskussionen, die mich weiterbringen.

    @Flippi

    Die zwei Topfonds über 3 Jahre sind:

    LPC precious metal Mutual Fund: 265%
    Chris Ridder's Gold Mutual Fund: 260%

    Da bin ich baff.

    Gruß
    Dieter

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