Das Börsenspiel von Postbank, Capital und Börse München ist vorbei. Ich habe die Gelegenheit genutzt, um verschiedene Anlagestrategien zu prüfen -- absolut, im Vergleich zu Börsenprofis und im Vergleich zu anderen Mitspielern. Die Börsenprofis waren vertreten durch jeweils ein Team von Capital Depeche und der Postbank. Das Ergebnis zeigt viele interessante Aspekte. Doch zuerst zur Strategie.
Ich war mit drei Depots vertreten, die jeweils eine eigene Strategie untersuchen sollten. Alle Depots sollten nur mit einem minimalen Basiswissen geführt werden. Einzig im Herbst habe ich (erfolglos) versucht den Markt zu timen. In jedem Fall habe ich versucht Aktien zum niedrigst möglichen Kurs zu erstehen -- in einem Zeitrahmen von wenigen Wochen. Dazu habe ich technische Indikatoren verwendet.
Spielkapital waren 100.000 EUR. Von keinem Wert durften mehr als 25% im Depot lagern. Ein Kauf war nur Freitags möglich, Verkauf an jedem Börsentag. Die Aktien durften aus einem dutzend gängiger internationaler Indizes ausgewählt werden. Gebühren wurden keine in Rechnung gestellt. Dividenden wurden
dem Konto gutgeschrieben. Spielzeitraum waren 6 Monate.
Alle Strategien:
Es sollte so wenig Zeit wie möglich aufgewendet werden und damit auch so wenig wie möglich gehandelt werden.
Strategie 1:
Anfangs habe ich eine altbewährte Methode (Trinity Studie, 1995) ausgewählt. Bestimme aus jedem Index die zehn Werte mit der höchsten Dividendenrendite. Wähle die Werte mit dem aktuell niedrigsten Kurs aus. Gekauft habe ich zu einem möglichst niedrigen Kurs.
Strategie 2:
Nach zwei Monaten ist mir zufällig eine Ausgabe der Aktien Analyse in die Hände gefallen. Daraus habe ich die Aktien mit 5 Sternen ausgewählt, die mir am sympatischsten erschienen sind. Gekauft habe ich ohne auf ein mögliches Kursminimum zu achten.
Um Wechselkursschwankungen in einem Fall auszuschließen habe ich Strategie 1 gesplittet in zwei Depots, Euro-Werte und Nicht-Euro-Werte.
Depot 1, Das Euro Depot:
Zusammensetzung: ein Drittel Dax, ein Drittel MDax, ein Drittel Euro Stoxx mit jeweils etwa drei Werten aus dem jeweiligen Index
erster Kauf: 9. August 2003
Depot 2, Das Non-Euro Depot:
Zusammensetzung: ein Drittel S&P100, ein Drittel FTSE 100, ein Drittel Hang Seng mit jeweils etwa drei Werten aus dem jeweiligen Index
erster Kauf: 9. August 2003
Depot 3, Das Aktien Analyse Depot:
Zusammensetzung: 9 Sympathie-Aktien mit 5 Sternen
erster Kauf: 4. Oktober 2003
Ergebnis am 2. Februar 2004 (Spielende, 22.000 Mitspieler):
Depot 1: + 17,92 % Platz 3.400
Depot 2: + 15,25 % Platz 4.650
Depot 3: + 5,49 % Platz 11.500
Capital: + 26,16 % Platz 1.259
Postbank: + 13,76 % Platz 5.480
bester Mitspieler: + 104,50 % Platz 1
Aufällig war die Konstanz meiner drei Depots. Große Kurssprünge waren zu keinem Zeitpunkt zu verzeichnen. Es ging mehr oder weniger stetig bergauf. Anders sah es bei den Profis und erst recht bei den besten Mitspielern aus. Das lässt darauf schließen, dass vor allem die besten Mitspieler hochgradig spekulativ gehandelt haben. Extrem hohe Gewinne in einem Monat ließen sich in keinem Fall in einem der anderen fünf Monate vom jeweilgen Mitspieler auch nur annähernd reproduzieren.
Depot 3 hätte wesentlich besser abgeschnitten, wenn es nicht so spät eröffnet worden wäre. Sehr hohe
Verluste musste dieses Depot zudem durch Colgate-Palmolive (- 18% bei am Ende 8% Depotanteil) ausgleichen.
Anfangs habe ich die zugehörige Fernsehsendung verfolgt. Die Profis haben in dieser Zeit jede Woche in großen Umfang gehandelt. Meine Depots haben max. zweimal gehandelt, am Anfang und einmal im Herbst. Die entsprechenden Orderkosten wären also noch abzuziehen in der Realität.
Bis Dezember 2003 sind Depot 1 und Depot 2 permanent besser gewesen als die Profidepots, teilweise mit erheblichem Abstand. In der ganzen Zeit lagen beide Depots mehr oder weniger weit im besten Viertel aller Mitspieler (zeitweise etwa Platz 1.000 von etwa 20.000 Mitspielern)
Ich hoffe diese Ausführungen sind auf Interesse gestossen. Fragen beantworte ich gerne.




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