Value-Brief anfordern
Ergebnis 1 bis 8 von 8

Thema: Fabasoft

  1. #1
    Valueist
    Registriert seit
    15.01.2003
    Beiträge
    41

    Standard

    Hallo, ich möchte Euch noch einen interessanten Wert vorstellen.

    Fabasoft

    Bilanz:
    EK-Quote: 68%
    Goodwill-Quote sehr gering
    hohe Liquidität
    positives Nettoumlaufvermögen
    geringe Sachinvestitionen notwendig
    Bilanz sauber /etwas hohe Forderungsquote

    Rendite:
    hohe Umsatzrendite Ebit-Marge:22%
    EKR: ca. 15%
    Cashflowmarge: 17%

    Wachstumsaussicht:
    In den letzten drei jahren konnte Fabasoft sehr schnell wachsen. Das Umsatzwachstum betrug ca. 40%.
    Dieses Wachstum wird nicht weiter aufrecht erhalten werden können. Ich tippe mal ein konservatives Umsatzwachstum von 10-15% in den kommenden Jahren

    Fabasoft generiert einen hohen operativen Cashflow. Die Liquiden Mittel betragen allein schon ca. 2 Euro/Aktie

    Kursbeurteilung:
    Das KGV für das laufende Jahr 2004/2005 beträgt ca. 16
    Dabei ist aber die hohe Liquidität noch unberücksichtigt. Der Peergroup-Index liegt hier bei ca. 20

    Defensiv gerechnet ergibt sich nach der DNCF-Methode ein Wert von ca. 10 Euro/Aktie

    Gruß
    Claus

  2. #2
    Valueist
    Registriert seit
    15.01.2003
    Beiträge
    41

    Standard

    hat sich eigentlich noch jemand mit fabasoft beschäftigt. Eure Meinungen würden mich interessieren.

    Gruß
    Claus

  3. #3
    Erfahrener Valueist
    Registriert seit
    21.01.2002
    Ort
    Kiel
    Beiträge
    830

    Standard

    Hallo ClausJ,

    schön dass Du uns hier ein Investment vorgestellt hast.

    Ich wollte mir schon länger ein Bild davon machen, aber Du weißt ja wie das mit dem Aufschieben ist.

    Zunächst mal das Unternehmensprofil:

    "Fabasoft ist ein führender Anbieter von Standard Softwareprodukten für Öffentliche Dienstleister. Das Leistungsspektrum der Produkte reicht von der Effizienz-Optimierung und Kosteneinsparung bei verwaltungsinternen Abläufen bis hin zu modernen Frontend-Technologien für bürgerfreundliche Leistungs-erbringung über die "Amtsstube" hinaus. Funktionen des Beziehungs-Managements zwischen Öffentlichen Verwaltungen und ihren Kunden (= Bürgern) im Sinne eines behörden-spezifischen Customer Relationship Management ("Citizen Relationship Management"): Internet-Portale, Self-Service Center und Call Centers. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat Fabasoft die Entwicklung von Zusatzprodukten zur Fabasoft eGov-Suite forciert: Fabasoft eGov-Suite/WBT für Web Based Training, Fabasoft Components/OM für Betriebsführung. Des weiteren hat Fabasoft ihr applikatorisches (vertikales) Lösungsangebot und Fabasoft eGov-Apps/eLex, eine Lösung für den elektronischen Gesetzeswerdegang erweitert."

    Haupttätigkeitsfeld ist wohl die Entwicklung und der Verkauf von Softwareprodukten rund um das sogenannte Electronic Government. Unter E-Government versteht man die Vereinfachung und Durchführung von Prozessen zur Information, Kommunikation und Transaktion innerhalb und zwischen staatlichen Institutionen, sowie zwischen diesen Institutionen, Bürgern und Unternehmen durch den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien.

    Ich kenne mich in dieser Branche wirklich gar nicht aus. Allerdings sind bestimmte Wettbewerbsvorteile unverkennbar. So scheinen das geschützte technologische Knowhow bzw. die Funktionalität für gewisse Alleinstellungsmerkmale zu sorgen. Außerdem dürfte es schwer sein, einmal gewonnene Kunden abzuwerben. Schließlich wird das Personal darauf geschult, die Implementierung kostet Zeit und Geld. Wieso sollte man da den Anbieter wechseln, wenn man zufrieden ist? Ein weiterer Wettbewerbsvorteil dürften also Umstiegskosten sein. Fabasoft ist jedoch wie es scheint in vielen Märkten kein Platzhirsch, so dass es ebenso für sie schwer werden dürfte in etablierte Märkte vorzudringen. Das Management selbst spricht von einem knallharten Wettbewerb bei den Ausschreibungen der öffentlichen Stellen, der die Margen belastet. Im Geschäftsbericht wurde von den "Großen" gesprochen und davon, dass sich mehrere zu größeren Einheiten zusammentun. Aus diesem Größenvorteil entsteht Preisdruck, wodurch Fabasoft einen Wettbewerbsnachteil beim Neugeschäft erleidet. Das Unternehmen kann sich in diesem Fall nur durch die Funktionalität seiner Produkte differenzieren und will daher auch die Aufwendungen für FuE sowie für Makreting und Vertrieb erhöhen, um diesem Preiswettbewerb zu entweichen. Es stellt sich dann die Frage ob der Zusatznutzen so hoch ist, dass er einen höheren Preis rechtfertigt. Hier setzt mir meine Unkenntnis über die Produkte und die Wettbewerber Grenzen. Jedenfalls ist das KGV schon auf stolze Werte angestiegen. Anscheinend geht man hier von einer Fortsetzung des Erfolgs aus. Die Kapitalrendite ist natürlich traumhaft.

    Grüße
    PoP
    \"Price is what you pay, Value is what you get\"

    (Warren Buffett)

  4. #4
    Neuer Benutzer
    Registriert seit
    03.04.2004
    Beiträge
    2

    Pfeil

    Hallo PoP!

    Ich habe mich eine zeitlang mit dem Unternehmen beschäftigt, kenne das Geschäftsmodell von Fabasoft gut und kann einige der offenen Fragen aus deinem Beitrag beantworten.

    Kernkompetenz von Fabasoft ist eine Work-Flow-und Dokumentenarchivierungs-Software, die ursprünglich auch für Kommerz-Kunden und nicht nur für öffentliche Institutionen gedacht war. Das Unternehmen hat sich in den letzten rund 15 Jahren darauf spezialisiert und hat ein beachtliches Know-How (plus entsprechende Patente) aufgebaut. Die Alleinstellungsmerkmale durch geschützte Software-Patente und den schwierigen Wechsel auf einen anderen Anbieter kann ich nur dreimal unterstreichen. Es gibt durch kleinere Nischenanbieter ab und an Konkurrenz bei der Implementierung der Fabasoft-Software, aber die laufende Aktualisierung der Software und die Basissoftware läuft über Fabasoft. Also: Dort wo sich eine Behörde einmal für ein bestimmtes Produkt entschieden hat, bleibt die Erde für die Konkurrenz verbrannt.
    Das schöne am eGov-Markt ist, dass er sich (insbesonders in Osteuropa) erst entwickelt. Fabasoft ist im südlichen deutschsprachigen Raum sehr gut aufgestellt. Wachstumspotential gibt es im sehr zersplitterten norddeutschen Raum, in Osteuropa und bei europäischen Institutionen.

    Erfolgskritisch ist die Anwerbung von qualifizierten Mitarbeitern (hohe Fluktation), die rasche Abwicklung der Einführungsprojekte bei den Kunden und die Bewältigung des rasanten Wachstums in der Organisation.

    LG

    Konserve

  5. #5
    Erfahrener Valueist
    Registriert seit
    21.01.2002
    Ort
    Kiel
    Beiträge
    830

    Standard

    Hallo konserve!

    Vielen Dank für Dein Statement.

    Was mir zu denken gibt ist, dass das hohe KGV von Fabasoft erst einmal gerechtfertigt sein will. In Deutschland dürfte das Unternehmen eine gewisse Reputation erlangt haben. Aber glaubst Du die Großen werden Fabasoft das Feld in Osteuropa überlassen? Die öffentlichen Budgets stehen ja selbst unter Druck - der Wettbewerbsfaktor "Preis" könnte daher nicht unwesentlich für das Neugeschäft sein. Oder denkst Du, dass die Konurrenz ihnen in puncto Funktionalität der Produkte soweit nachsteht, dass Fabasoft auch neue Märkte für sich gewinnen kann?

    Grüße
    PoP ;-)
    \"Price is what you pay, Value is what you get\"

    (Warren Buffett)

  6. #6
    Neuer Benutzer
    Registriert seit
    03.04.2004
    Beiträge
    2

    Lächeln

    Der Preis ist natürlich ein wichtiges Element bei öffentlichen Ausschreibungen. Allerdings ist es bei einer komplexen Software-Ausschreibung noch viel stärker von Interesse welche Anforderungen an die Software gestellt werden und da ist Fabasoft schon vorne dabei. Wen du von den "Großen" Mitkonkurrenten schreibst, muss ich etwas einschränken. Es gibt nicht viele ernstzunehmende Konkurrenten. Auch die ganz großen Work-Flow- und eCRM-Unternehmen haben mit eGov-Ausschreibungen ihre Schwierigkeiten. Die Ausschreibungen für Behördensoftware beinhalten einen Haufen Anforderungen (etwa im Security-Bereich), die im kommerziellen Bereich komplett egal sind und daher nicht in der Standardsoftware normaler Anbieter enthalten sind. Die ganze Software muss für Behördenstandards zertifiziert werden, auch das ist eine Hürde für weitere Anbieter. Ich habe einen Report über die Einschätzung der Butler-Group zur Fabasoft-Software auf der Unternehmens-Website gefunden:

    Report der Butler Group

    Ein weiterer wichtiger Punkt sind vorweisbare, erfolgreiche Einführungsprojekte. Da kann Fabasoft mittlerweile einiges vorweisen.
    Aber: Mindestens so wichtig wie die technische Funktionalität, die Projekterfahrung und der Preis sind natürlich das Vertrauen der politischen Akteure in das Unternehmen. Das bedeutet jahrelange Lobbying-Arbeit und genau dafür benötigt das Unternehmen im Moment die Vertriebsmannschaft.

    Ob die "Großen" der Fabasoft in Osteuropa das Feld überlassen werden, ist im Moment schwer abschätzbar. Faktum ist, das die Markeintrittsbarrieren für dieses Software-Segment himmelhoch sind (Entwicklungskosten, jahrelanges kostenintensives Lobbying, behördlich normierte Softwarestandards, Vorweisbare Projekterfolge, ... etc.) und daher nur zwei-drei Nischenanbieter und die ganz großen Player (SAP, Microsoft, IBM,...) eine Chance haben hier erfolgreich mitzutun.

    Ich schätze, dass es noch 4-5 Jahre dauern wird, bis die Claims der Softwareanbieter in Ost-Europa endgültig abgesteckt sind. Bis dorthin bleibt es spannend. Könnte mir aber vorstellen, dass einer der Technologie-Partner von Fabasoft (Microsoft-Gold-Entwicklungs-Partner, lizenzierte Anbindung an SAP-Archivsystems, Server von und Projektpartnerschaften mit IBM,...) vielleicht zwischendurch Appetit bekommt und das Unternehmen kauft solange es noch einigermaßen leistbar ist.

    LG

    Konserve

  7. #7
    Valueist
    Registriert seit
    15.01.2003
    Beiträge
    41

    Standard

    Hallo,

    schön das Ihr auch eine Meinung zu Fabasoft habt.
    Nachdem die Aktie innerhalb weniger Monate um ca. 30% zugelegt hat sehe ich die Aktie als Halteposition.

    Die Grossprojekte verschlingen ersteinmal Kohle, was die Ergebnisse zunächst einmal belasten werden. Aus Risikogesichtspunkten würde ich derzeit keine Neuinvestments
    eingehen.

    Von Fabasoft ist aber noch einiges zu erwarten. Aber man sollte nicht zu jedem Preis kaufen. Die anvisierten 10 Euro sind ja fast schon geschafft.

  8. #8
    Valueist
    Registriert seit
    13.04.2012
    Beiträge
    31

    Standard

    Ich hab mich ebenfalls mit Fabasoft beschäftigt. Der Wachstum der letzten Jahre wird nicht anhalten. Aber die 10 -15 Prozent sind realistisch.

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •