Hallo, zusammen,
nachdem der größte Weihnachtsstreß hoffentlich vorbei ist, könnt Ihr den zweiten Weihnachtstag nutzen und die Kolumne von Whitney Tilson aus der November-Ausgabe des VII lesen. Sie heißt "Warum ist nicht jeder ein Value-Investor", und ich habe sie für uns übersetzt:
------
Während wir einen höchst erfolgreichen Investor nach dem anderen interviewen – von denen jeder die zeitlosen Prinzipien des Value Investings anwendet – fragen wir uns: „Warum ist nicht jeder Investor ein Value-Investor?“ Es wurde immer und immer wieder bewiesen, daß es funktioniert, und was macht mehr Sinn, als etwas viel billiger zu kaufen, als es wirklich ist?
In seinem aktuellen hervorragenden Referat „Warum nicht Value? Wie unser Verhalten uns behindert“ zeigt James Montier von Dresdner Kleinwort auf, warum Value Investing nicht weiter verbreitet ist. Zunächst führt er auf, was für ihn echte Eigenschaften eines Value-Investors sind:
1) Ein konzentriertes Portfolio
2) Interesse an Geschäftsrisiken, nicht an Kursausschlägen
3) Bereitschaft zum Zurückhalten von Liquidität, wenn es keine Kaufgelegenheiten gibt
4) Lange Zeithorizonte
5) Akzeptanz von schlechten Jahren
6) Bereitschaft zur Begrenzung Ihres Anlagevolumens
An dieser Stelle fügen wir noch hinzu:
1) Der Fokus liegt auf der Bewertung von Unternehmen, nicht auf der Vorhersage makroökonomischer Trends
2) Bereitschaft, innerhalb seines „Circle of Competence“ zu bleiben
3) Unabhängigkeit und ausreichendes Vertrauen, um gegen hergebrachte Weisheiten anzugehen
4) Konzentration zunächst auf die Vermeidung dauerhafter Verluste und dann erst auf das Erzielen hoher Gewinne
Diese zehn Eigenschaften sind keineswegs universell, aber sie alle können erlernt oder entwickelt werden. Aber was hält die Menschen davon ab?
Der erste Grund, den Montier aufführt, ist die Aversion gegen Verluste. Untersuchungen haben gezeigt, daß Menschen den Schmerz eines Verlustes doppelt so stark empfinden wie die Freunde über einen vergleichbaren Gewinn. Durch die ausgeprägte Tendenz, sich gegen den Markt zu stellen, kann es durchaus vorkommen, daß Value Investing auch über lange Zeiträume hinweg nicht funktioniert. Durch ihre Abneigung gegen Verluste werden Anleger in ein Zockerspiel gezogen, bei dem sie lieber ihre Portfolien immer wieder schnell umschlagen anstatt unvermeidliche Zeiträume unterdurchschnittlicher Ergebnisse oder sogar Verluste auszuhalten.
Ein zweiter Grund, aus dem Anleger Value Investing meiden, ist der „Du-wirst-langsam-reich-Ansatz“. Menschen sind darauf programmiert, Handlungen vorzunehmen, die eine sofortige Belohnung versprechen. Aktien sind aber häufig genau deswegen billig, weil es keinen offensichtlichen Katalysator für einen Kursanstieg gibt. Ohne diesen Katalysator ist die natürliche Neigung die, weiterzuziehen und etwas zu finden, das schneller steigt.
Anleger jagen auch deshalb nach Gewinnen, weil es den menschlichen Wunsch gibt, Teil der Herde zu sein. Wer Ende der 90er Jahre keine Internetaktien besaß, erlitt nicht nur lausige Erträge, sondern fühlte sich auch noch ausgeschlossen – Psychologen sprechen von sozialem Schmerz. Oder wie Montier hervorhebt, „Konträre Strategien sind das Pendant der Geldanlage zu sozialem Schmerz.“ Das zu tun, ist nicht einfach.
Schließlich fehlt dem Value Investing ein wenig die Spannung. Über Zahlen zu brüten und das Graben nach einem tiefen Einblick in eine Branche oder ein Unternehmen sind nicht wirklich der Adrenalinstoß, nach dem die „Mad Money“-Herde sucht. An dieser Stelle empfehlen wir eine andere Ansicht von Spannung: Vermögenswachstum mit langfristig größerem Tempo scheint uns ziemlich viel Spaß zu machen.
------
Ein sehr interessanter Artikel, wie ich finde. Und ich gebe es gerne zu: Bei den aufgeführten zehn Eigenschaften finde ich mich inzwischen recht häufig wieder...![]()
Einen schönen Feiertrag wünscht Euch
Julia-Papa




Zitieren

Lesezeichen