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Thema: Whitney Tilson

  1. #11
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    Hallo, zusammen,

    hier ist die vierte und vorletzte Kolumne, die ich übersetzt habe.


    Whitney Tilson: Das Geheimnis eines Valueinvestors (5. Dezember 2003)

    Valueinvestoren gibt es in allen Formen und Größen. Einige investieren in Immobilien, andere in Anleihen (normalerweise problembehaftete), wieder andere in Aktien. Einige spezialisieren sich auf bestimmte Branchen oder Länder, während andere Generalisten sind. Aber die meisten Valueinvestoren haben zwei Dinge gemeinsam: (1) Sie versuchen zu einem deutlichen Abschlag zum inneren Wert zu kaufen (die sprichwörtliche Dollarnote für 50 Cents), und (2) sie verkaufen üblicherweise, wenn der innere Wert erreicht wurde.

    Im Verlauf meiner Karriere als Investor habe ich treu diese beiden Grundsätze befolgt, doch im Laufe der Zeit habe ich sie optimiert, da ich mir zunehmend der „eingebauten Möglichkeiten“, wie ich das nenne, bewußt wurde. Damit meine ich etwas, das eine Aktie dazu bringen kann, sich im Wert zu vervielfachen - mit anderen Worten, eine Dollarnote für 50 Cents zu kaufen und dann das Vergnügen zu erleben, sie nicht für einen Dollar, sondern für zwei oder mehr zu verkaufen. Während der zum Erfolg des langfristigen Investors absolut wichtigste Faktor ist, kein Geld zu verlieren, ist ein damit eng verbundener zweiter, ein paar Aktien zu haben, die sich vervielfachen.

    Zurückprallende Stars

    Was sind die Quellen der eingebauten Möglichkeiten? Was veranlaßt Aktien, sich parabelförmig zu entwickeln? Dafür gibt es natürlich viele Gründe, aber die zwei häufigsten Situationen, auf die ich stoße, sind: (1) Ein sehr gutes Unternehmen wird von irgendeiner Art von Enttäuschung getroffen, die Aktie wird verprügelt, aber dann findet das Unternehmen zu seinen vorherigen wirtschaftlichen Stärken zurück; und (2) Die Gesellschaft agiert in einem Sektor mit hochgradig irrationalen Investoren, die dazu neigen, vor Pessimismus (in dem kein Preis zu niedrig ist, um zu verkaufen) und Euphorie (in der kein Preis zu hoch ist, um zu kaufen) zu platzen.

    In etwa drei Jahren fielen Aktien von McDonald’s, für mich eines der besten Unternehmen der Welt, von fast $ 50 auf $12,12 im März diesen Jahres. Etwa im gleichen Zeitraum fiel ein anderes tolles Unternehmen, Home Depot, ähnlich, von $ 70 auf $ 20,10. Von diesen Tiefpunkten hat sich McDonald’s mehr als verdoppelt, und Home Depot hat das fast auch geschafft.

    Wenn sich Aktien, die ich besitze, so schnell vervielfachen, fange ich generell an, über einen Verkauf nachzudenken; die Positionen sind gewachsen, während meine Sicherheitsmarge geschrumpft ist. Trotzdem akzeptiere ich beides. Warum? Hauptsächlich, weil ich immer wieder erstaunt bin, wie große, gut geführte Unternehmen in der Lage sind, meine Erwartungen zu übertreffen (welche eher sehr konservativ sind - einer der Schlüssel zum Value Investing). Ich glaube, daß McDonald’s und Home Depot großartige Unternehmen bleiben, und daß ihre Bemühungen um einen Turnaround noch ein oder zwei Jahre reiche Ernte einfahren werden. Wären die Unternehmen von minderer Qualität, hätte ich wahrscheinlich schon verkauft.

    Ausnutzen der Herde

    Ich fühle mich ein wenig schuldig, wenn ich zugebe, daß ich den Herdentrieb in jede Investmententscheidung einbeziehe, weil ich fest davon überzeugt bin, daß Mr. Market mein Diener sein sollte, nicht mein Ratgeber (Warren Buffett beschrieb das Gleichnis von Mr. Market in seinem Aktionärsbrief von 1987). Aber es war schmerzhaft, ValueClick auf über $ 10 steigen zu sehen (ich verkaufte etwa bei $ 3) oder E*Trade auf über $ 11, die ich nur ein paar Monate vorher unter $ 7 verkauft hatte. Ich habe gute Gewinne mit beiden Aktien gemacht, aber ich habe viel Geld auf dem Tisch liegen lassen.

    Wo lag mein Fehler? Teilweise entwickelten sich die Unternehmen besser, als ich erwartet hatte (obwohl ich immer noch nicht glaube, daß beide Unternehmen gut sind), und somit war ich ein wenig zu konservativ, als ich dachte, ich verkaufte etwa zum inneren Wert. Aber der größere Fehler war, nicht zu realisieren, daß es hierbei um Technologieaktien geht und deswegen, wenn sie wieder beliebt sind und ihre Kurse weiter steigen, alle Arten von dämlichen „Anlegern“ einsteigen und das Momentumspiel spielen und damit die Aktien deutlich über den inneren Wert treiben. Sogar ohne mein jetziges Wissen hätte ich lieber zunächst etwa die Hälfte verkaufen sollen und dann, so wie die Aktien stiegen, in regelmäßigen Intervallen den Rest statt beide Positionen komplett zusammen.

    Mittelmäßige Unternehmen in langweiligen Branchen

    Es scheint offensichtlich zu sein, daß man versuchen sollte, in Unternehmen von hoher Qualität zu investieren und, noch besser, in Branchen, wo Investoren dafür bekannt sind, lächerlich hohe Preise zu bezahlen. Aber in der Praxis enden viele Valueinvestoren mit einem Portofolio von mittelmäßigen Unternehmen in langweiligen Branchen, und zwar typischerweise aus zwei Gründen:

    Erstens werden die Aktien guter Unternehmen selten billig (Ich habe Jahre darauf gewartet, daß Home Depot billig genug zum Kaufen wurde). Zweitens tendieren langweilige Branchen dazu, einfach zu verstehen zu sein, und die Zukunft kann mit relativ großer Genauigkeit vorhergesagt werden. Beide Eigenschaften gibt es in vielen Branchen wie etwa Technologie, wo sich die meisten verrückten Mitglieder der Herde tummeln, nicht.

    Es ist nicht automatisch schlecht, ein Portfolio aus mittelmäßigen Unternehmen in langweiligen Branchen zu besitzen. Die Investmentlegenden Walter und Edwin Schloss haben den Markt nur mit dem Besitz von superbilligen „Zigarettenkippen“ jahrzehntelang ausperformt. Aber superbillig ist Legende. Umfangreiche und schmerzvolle Erfahrungen haben mich gelehrt, daß man eine extra-große Sicherheitsmarge haben sollte, wenn man am Grund nach solchen Situationen fischt, weil das der einzige Weg ist, um Geld zu machen.

    Etwa Universal Stainless & Alloy Products, ein Nischenproduzent von Spezialstahl. Ich war unbedacht genug, die Aktie nahe ihrem Höchststand Anfang letzten Jahres zu kaufen. Ich denke, die Firma verfolgt eine passende Strategie, das Management macht alle richtigen Dinge, und die Gesellschaft ist weitaus besser positioniert als vergleichbare Unternehmen. Aber, wie ich in einer Kolumne aus dem letzten Jahr schrieb, in einer der schlimmsten Branchen, die man sich vorstellen kann. Das Management hat einfach keinen Einfluß auf die hochzyklische Nachfrage der Endverbraucher, Rohstoffpreise, Tarife, Importe usw. Somit sind Universal Stainless‘ wirtschaftliche Eigenschaften, selbst wenn alles gut läuft, bestenfalls anständig. Und Investoren begeistern sich niemals für Stahlunternehmen.

    So, warum halte ich diese Aktie immer noch? Weil ich glaube, daß die Gesellschaft $ 2 - $ 3 pro Aktie verdienen kann, wenn die Wirtschaft weiterhin Fahrt aufnimmt. Wenn das passiert, brauche ich nicht auf irgendwelche enthusiastischen Anleger zu hoffen. Wenn man nur ein niedriges KGV von 10 unterstellt, bedeutet das Kurse von $ 20 bis $ 30 pro Aktie, ein Vielfaches des heutigen Kurses von etwa $ 8.

    Merck und Liberty Media

    Zwei Aktien, die zur Zeit out sind, und von denen ich glaube, daß sie beide die oben diskutierten eingebauten Möglichkeiten besitzen, sind Merck und Liberty Media. Ich habe gegenwärtig keine dieser Aktien, weil ich noch nicht überzeugt bin, daß die Probleme, mit denen diese Unternehmen zu tun haben, nur vorübergehend sind. Wenn Sie sich jedoch selbst sicher sind, daß etwa Mercks legendäre F&E-Abteilung wieder regelmäßig Blockbuster-Medikamente entwickeln wird, dann wird diese Aktie ein großer Gewinner sein. Die zugrundeliegenden wirtschaftlichen Eigenschaften sind wunderbar, und Investoren können sich sehr häufig für Pharmatitel begeistern.

    Bei der Entscheidung, ob man eine Aktie kaufen soll oder wann (und wieviel) verkauft werden soll, zahlt es sich aus, sorgfältig über eingebaute Möglichkeiten nachzudenken.


    Gruß,
    JuliaPapa
    "Beware the investment activity that produces applause; the great moves are usually greeted by yawns" -- Warren Buffett

  2. #12
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    Guten Morgen,

    pünktlich zum Wochenende kommt hier die letzte Kolumne, die ich übersetzt habe. Es handelt sich dabei um die Übersetzung der Kolumne, die Flippi letztens ins Forum stellte:


    Whitney Tilson: Buffettsche Superinvestoren (23. Januar 2004)

    In einer meiner liebsten Kolumnen aller Zeiten, „Traits Of Successful Money Managers“, führte ich aus, daß „langfristiger Anlageerfolg das Ergebnis zweier Dinge ist - der richtigen Methode und der richtigen Person“ - und stellte zu jeder Sache acht Eigenschaften heraus. Heute möchte ich noch einen Schritt weitergehen und im Geiste von Warren Buffetts berühmter Rede von 1984, „Superinvestors of Graham-and-Doddsville“, einige Namen (oder etwas ähnliches) nennen. Buffett sagte damals:

    "Ist der „Suche nach Werten mit einer erheblichen Sicherheitsmarge zum Preis“-Ansatz für die Wertpapieranalyse von Graham und Dodd abgelaufen? Viele der Professoren, die heute Lehrbücher schreiben, meinen, ja. Sie argumentieren, der Aktienmarkt sei effizient…Investoren, die den Markt Jahr für Jahr zu schlagen scheinen, haben einfach nur Glück…Na ja, kann sein. Aber ich möchte Ihnen eine Gruppe Investoren vorstellen, die den S&P 500 Index Jahr für Jahr geschlagen haben.

    In dieser Gruppe erfolgreicher Investoren, die ich betrachten möchte, gab es einen normal intellektuellen Patriarchen, Ben Graham…Das normal intellektuelle Thema der Investoren aus Graham-and-Doddsville ist dies: Sie suchen nach Diskrepanzen zwischen dem Wert eines Unternehmens und dem Preis kleiner Teile dieses Unternehmens am Markt…

    Ich bin davon überzeugt, daß es viel Ineffizienz im Markt gibt. Diese Graham-and-Doddsville-Investoren haben Abstände zwischen Preis und Wert erfolgreich ausgenutzt. Wenn der Preis einer Aktie durch eine „Herde“ an der Wall Street beeinflußt werden kann, wenn Preise durch den Spielraum der emotionalsten Person, oder der gierigsten Person oder der depressivsten Person festgesetzt werden, ist es schwer zu glauben, der Markt lege die Preise immer rationell fest. Tatsächlich sind Marktpreise üblicherweise unsinnig."

    Anders ausgedrückt sucht nicht jeder nach der nächsten Microsoft. Eine unverhältnismäßige Zahl von langfristig erfolgreichen Investoren strebt nur nach einer Sache - Dollarnoten für viel weniger als einen Dollar zu kaufen (Buffett erwähnte in seiner Rede, daß „es mir bemerkenswert erscheint, daß Menschen die Idee, Dollarnoten für 40 Cents zu kaufen, sofort begreifen oder überhaupt nicht. Es ist, als ob man sie impft. Wenn eine Person es nicht sofort versteht, dann, so finde ich, kann man ihr jahrelang zureden und Aufzeichnungen zeigen und es bringt nichts. Sie scheinen einfach nicht in der Lage zu sein, das Konzept zu begreifen, so einfach ist das.“).

    Buffett stellte die spektakulären Investmentergebnisse von neun Graham-and-Doddsville Fonds bzw. Investoren heraus und erwähnte, daß „ich diese Männer vor Jahren basierend auf ihrem Gerüst für das Treffen von Anlageentscheidungen ausgesucht habe. Ich wußte, was sie gelernt hatten und zusätzlich hatte ich einige persönliche Kenntnisse ihres Intellekts, Charakter und Naturell.“

    Heutige Superinvestoren

    Im Laufe der Jahre habe ich einige unbeschreiblich talentierte, zumeist junge, vielversprechende Anleger kennengelernt, von denen ich glaube, sie werden wahrscheinlich die nächste Generation von Graham-and-Doddsville Superinvestoren. In dieser Kolumne werde ich deshalb einen Schritt weiter als Buffett gehen: Anstatt Anleger zu beschreiben, die schon lange, erfolgreiche Ergebnisse haben, werde ich mich aus dem Fenster lehnen und zwölf Investoren vorstellen, von denen ich glaube, daß sie, basierend auf ihren zukünftigen Ergebnissen, Superinvestoren sein werden. Jeder einzelne von ihnen hat die folgenden Eigenschaften:

     Sie sind meine Freunde und ich weiß, wie sie über das Anlegen und viele der Investitionen, die sie getätigt haben, denken
     Sie sind sehr gut erzogen und analytisch
     Sie waren bis jetzt erfolgreiche Anleger, aber in einigen Fällen nur für einen begrenzten Zeitraum
     Ihre Portfolios haben wenig gemeinsam, obwohl sie alle den gleichen Graham-and-Doddsville Ansatz haben (siehe „Traits Of Successful Money Managers“)
     Es ist möglich, daß einige von ihnen Assistenten haben, aber alle managen das Geld selbst (mit zwei Ausnahmen). Um es mit Buffett zu sagen, ihre „Vorstellung von einer Gruppenentscheidung ist, in einen Spiegel zu sehen“.
     Keiner leidet unter den lächerlichen, künstlichen Beschränkungen, die die meisten Vermögensverwalter lähmen, etwa nur in bestimmte Branchen investieren zu können, Aktien mit bestimmten Marktkapitalisierungen, usw. Sie können im gesamten Investmentuniversum herumstreifen, um die besten Gelegenheiten zu finden.
     Alle managen private Investment-Partnerschaften (a.k.a., Hedge-Fonds), handeln aber nicht wie stereotypische Hedge-Fonds, die oftmals wütend handeln, große Summen in Derivaten halten, usw.
     Wie die meisten privaten Partnerschaften, berechnen fast alle eine Managementgebühr von 1 % im Jahr zzgl. 20 % der Nettogewinne. Beachten Sie, daß alle unten angegebenen Renditen Nettorenditen sind.
     Keiner von ihnen hat für Publikumsfonds gearbeitet, und die meisten haben noch niemals für jemanden in der Vermögensverwaltungsbranche gearbeitet. Zum großen Teil haben sie sich ihr Wissen selbst beigebracht.
     Jeder hält den Großteil seines Privatvermögens in seinem Fonds.

    So, hier ist jetzt ohne großes Getue meine Liste, die keine bestimmte Reihenfolge hat (Beachten Sie, daß die meisten dieser Manager anonym bleiben möchten, zum Teil weil es die SEC-Regularien nicht erlauben, Hedge-Fonds in der Öffentlichkeit anzubieten, nicht einmal indirekt wie durch diese Kolumne. Ich habe meinen Lektoren bei The Motley Fool jedoch eine Liste der Manager geschickt, so daß man sicher sein kann, daß ich unterwegs nicht die Pferde gewechselt habe, wenn ich über ihre langfristige Performance berichte.).

    Investor 1
    Er brachte sich das Investieren selbst bei und begann das Anlegen des Familienvermögens vor fast 20 Jahren als Teenager mit dem Kauf von Berkshire Hathaway. Einige Jahre lang wechselte er zwischen der Medizin und der Arbeit für einen Hedge-Fonds hin und her, bevor er sich entschied, eine Karriere in der Vermögensverwaltung einzuschlagen, und seinen eigenen Fonds auflegte. Seit der Auflegung im November 2000 hat sein Fonds 126 % zugelegt, gegenüber -18 % für den S&P 500 (alle Zahlen in dieser Kolumne sind ohne Gebühren, Stand 31.12.2003).

    Er investiert sehr konzentriert mit vielen 10 bis 15 %-Positionen. Normalerweise shortet er keine Aktien, aber gelegentlich wettet er über Puts und Kreditswaps auf fallende Kurse.

    Investor 2
    Wie Investor 1 war auch er Arzt, brachte sich das Investieren selbst in seiner Freizeit bei (haben Ärzte Freizeit?) und legte seinen Fonds im November 2000 auf. Seitdem hat er um 146 % zugelegt, gegenüber -18 % für den S&P 500.

    Wie Investor 1 investiert er sehr konzentriert, aber er shortet ein wenig mehr (heute mit einer sehr großen Position in Kreditswaps ersetzt).

    Investor 3
    Er hat einen MBA und arbeitete im Investmentbanking und Beteiligungsgeschäft, bevor er seinen Fonds vor einem Jahr am 1. Januar 2003 auflegte. Seitdem, bis zu dieser Woche, ist er 49 % gestiegen gegenüber 33 % für den S&P 500.

    Ende 2003 hielt sein Fonds 26 Positionen, von denen 10 86 % seines Portfolio darstellten. Aktien machten etwa 90 % des Fonds aus. Es gab keine Short-Positionen, und der Umsatz betrug nur 27 % (zum Vergleich: der durchschnittliche Publikumsfonds setzt sein Portfolio jährlich zu 130 % um).

    Obwohl er in dieser Gruppe die kürzeste Karriere hat, schaffte er es auf meine Liste, weil ich die Art, wie er denkt und investiert, wirklich mag.

    Investor 4
    Geboren in Südafrika, aufgewachsen im Iran, Israel und England, machte er seinen MBA und arbeitete kurz als Unternehmensberater und Banker, ehe er im September 1997 seinen Fonds auflegte. Seitdem ist er 90 % gestiegen gegenüber 29 % für den S&P 500.

    Bei der Vergangenheit des Managers überrascht es nicht, daß der Fonds einige ausländische Aktien enthält. Die meisten Positionen sind groß, von hoher Qualität, Marktführer, und 10 Positionen machen mehr als 75 % des Fonds aus. Er shortet fast niemals oder setzt auf fallende Kurse. Der Umsatz ist ausnehmend gering.

    Investor 5
    Noch ein MBA, nach vielen Jahren als Direktor einer anderen Vermögensverwaltung legte er gerade in diesem Jahr seinen eigenen Fonds auf. Er wurde im Immobiliengeschäft groß, und somit hat er einige seiner besten Anlagen in diesem Bereich getätigt. Anders als andere Manager, die nicht gerne auffallen wollen, war er in einigen Fällen sowohl auf der Long- als auch auf der Short-Seite ein aktiver Anleger.

    Investor 6
    Er installierte fünf Jahre lang bei europäischen Banken Systeme zum Risikomanagement, bevor er Investmentautor wurde. Er brachte seinen Fonds im August 2002 auf den Markt und schreibt auch stundenweise weiterhin. Seit der Auflegung stieg sein Fonds um 43 % gegenüber 22 % für den S&P 500 (ein Vorgängerfonds „Friends and Family“, im November 1999 aufgelegt, stieg um 45 % gegenüber -21 % für den S&P).

    Er führt einen etwas weniger konzentrierten Fonds als die anderen Investoren auf meiner Liste, mit etwa 40 Long-Positionen und 10 Leerverkäufen. Anders als die anderen allein arbeitenden Manager arbeitet er seit kurzem mit einem Co-Manager zusammen.

    Investor 7
    Ursprünglich spezialisierte er sich auf Arbitrage und fing 1978 an, anderer Leute Geld über private Konten bei einer großen Firma zu managen. Die Inhaber dieser Konten wurden seine Partner, als er 1983 seinen eigenen Fonds gründete. In den 24 Jahren vom 31.12.1979 bis zum 31.12.2003 vermehrte er das Vermögen seiner Investoren um das 29-fache gegenüber dem 21-fachen beim S&P 500 - verglichen bedeutet das 15,1 % gegenüber 13,6 % jährlich.

    Eines Tages hoffe ich, so wie er zu sein. Er liest den ganzen Tag, macht keine Werbung, verbringt sehr viel Zeit mit seiner Familie, unterstützt wohltätige Organisationen und trifft vielleicht eine bedeutende Anlageentscheidung jährlich. Glücklicherweise war eine dieser Entscheidungen, Berkshire Hathaway vor vielen Jahren zu ungefähr $ 2.000,-- pro Aktie zu kaufen - und er war soweit bei Verstand, niemals eine einzige zu verkaufen (gestern schloß sie bei $ 88.500,--).

    Investor 8
    Während seines Abschlußjahres an der Oregon State University 1970 belegte er einen Kurs über das Investieren, in dem Graham und Dodd’s Klassiker „Security Analysis“ besprochen wurde (er erwähnt lachend, daß „sie im nächsten Jahr dazu übergingen, die Hypothese vom effizienten Markt zu lehren. Hab‘ ich ein Glück gehabt!“). Er lernte Graham in den frühen 70ern sogar persönlich kennen.

    1975 begann er, einen kleinen Pool mit Geld von Freunden und der Familie zu managen, der seitdem ordentlich gewachsen ist und inzwischen auch außenstehende Investoren hat. In den letzten 29 Jahren hat sich sein Fonds ver-61-facht gegenüber dem 42-fachen beim S&P - verglichen bedeutet das 15,2 % gegenüber 13,8 % jährlich (beachten Sie bei den Investoren 7 und 8, wie kleine Differenzen in den jährlichen Renditen langfristig zu substantiellen Unterschieden beim Ergebnis führen können).

    Er hat niemals mit Derivaten, Short-Positionen oder Optionen gearbeitet - einfach 20 bis 25 Positionen in Aktien, die größte davon Berkshire Hathaway, die er vor 14 Jahren bei $ 5.500,-- kaufte und niemals verkauft hat. Anders als jeder andere der hier vorgestellten Manager verdient er keinen prozentualen Anteil an den Profiten seinen Fonds - einfach eine jährliche Managementgebühr von 1,5 %.

    Investor 9
    Er hat einen Abschluß in Rechtswissenschaften, arbeitete für AT & T Wireless, gründete, entwickelte und verkaufte einen Online-Händler und arbeitete als ein Heimarbeiter für einen Venture Capital-Fonds, bevor er seinen Fonds im August 2001 auflegte. Seitdem ist er 29 % gestiegen gegenüber -4 % für den S&P 500.

    Sein Fonds ist dem Durchschnitt der hier vorgestellten Investoren ähnlich - konzentrierter opportunistischer Value, mit einer langfristigen Ausrichtung, obwohl es einige moderate Short-Positionen in bestimmten Aktien gibt.

    Investor 10
    Sein Vater startete den Fonds vor etwa 20 Jahren, er kam 1991 dazu und übernahm nach und nach das Tagesgeschäft. In den 13 Jahren, seit er dabei ist, hat der Fonds 427 % zugelegt gegenüber 340 % für den S&P 500.

    Er konzentriert sich auf den Kauf von Gesellschaften hoher Qualität mit überragendem Management, was bedeutet, daß er manchmal jahrelang warten muß, bis die Aktien bestimmter Unternehmen, die er schätzt, genug unterbewertet sind, um sie zu kaufen.

    Investor 11
    Als er seinen Fonds im Oktober 1995 auflegte, lag sein Hauptaugenmerk auf dem Shorten von Aktien, und er war sehr erfolgreich, bis ihn Anfang 2000 der letzte Atemzug der größten Blase in der Geschichte des amerikanischen Marktes erschlug. Er erkannte, daß ein kurzfristig anlegender Fonds ein „lausiges Geschäftsmodell“ ist und führt jetzt einen Fonds mit geringem Risiko, das heißt, daß sich Long- und Short-Positionen in etwa ausgleichen.

    Insgesamt hat der Fonds seit der Auflegung 229 % zugelegt gegenüber 116 % für den S&P 500. Seit dem Wechsel der Anlagestrategie, als der Markt vor 45 Monaten sein Hoch erreichte, ist sein Fonds um 122 % gegenüber -22 % für den S&P 500 gestiegen, und hat dabei nur sieben Verlustmonate erlebt, wovon der größte Verlust 1,3 % betrug.

    Investor 12
    Er hat sowohl einen Abschluß in Rechtswissenschaften als auch einen MBA und arbeitete als Firmenanwalt und Investmentbanker, bevor er zu einem sehr erfolgreichen Value Hedge-Fonds kam. Er ist gegenwärtig einer von zwei Portfoliomanagern für einen Long-Short-Fonds, der anstrebt, ein neutrales Beta zu haben. Seit 1994 erwirtschaftete sein Fonds jährliche Renditen von über 16 % gegenüber 12,2 % für den S&P 500.

    Zusätzlich zu seiner Konzentration auf Long-Short Value Aktien ermöglicht ihm sein juristischer und Bank-Hintergrund, oft in komplizierte und spezielle Situationen zu investieren wie zum Beispiel notleidende Kredite, Arbitrage bei Fusionen oder andere Gelegenheiten durch bestimmte Ereignisse.

    Fazit

    Ich wünschte, ich hätte in dieser Kolumne mehr Platz, um über die Anlagestrategien dieser Investoren ins Detail zu gehen, aber zumindest kann man sehen, daß sie Geld auf viele verschiedene Weisen managen. Daß sie alle den gleichen fundamentalen Graham-and-Doddsville Ansatz zum Investieren haben, kombiniert mit den richtigen Charaktereigenschaften, macht langfristigen Anlageerfolg meiner Meinung nach sehr wahrscheinlich. Es wird in der Tat interessant sein, ob meine Beurteilung korrekt ist und wie ihre langfristigen Renditen sein werden, deswegen werde ich meine Leser alle ein oder zwei Jahre auf den aktuellen Stand bringen.

    Ein Wort zum Abschluß: Diese Investoren sagen alle ohne Ausnahme, daß es derzeit eine außerordentlich schwierige Zeit ist, billige Aktien zum Kaufen zu finden. Dies stützt meinen negativen Ausblick für Aktien, über den ich in meiner letzten Kolumne geschrieben habe.


    Dazu passend kann ich Euch nur die nachfolgende und aktuelle Kolumne Tilsons ans Herz legen. Es geht dabei um aktuelle Empfehlungen dieser 12 Investoren. Ihr könnt sie unter folgendem Link lesen:

    http://www.fool.com/news/commentary/...ry040206wt.htm

    Da habt Ihr am Wochenende einiges zu tun...

    Schöne Grüße,
    JuliaPapa
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  3. #13
    Erfahrener Valueist
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    Hallo, JuliaPapa!

    Falls du noch einige der Artikel von Whitney Tilson übersetzen möchtest, würde ich dir hiermit gerne einen empfehlen, den ich persönlich sehr aufschlussreich und interessant finde: "The Perils of Investor Overconfidence" vom 20.09.1999.

    Gruß,

    Torsten

  4. #14
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    @Torsten

    Diese Kolumne hat Tilson ja selbst mehrfach erwähnt. Im Moment mag ich nicht mehr, aber vielleicht geht da ja was zum Aufwärmen für Buffetts Bericht...

    Gruß,
    JuliaPapa
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  5. #15
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    Überraschung...

    Ich habe mich doch noch rangesetzt und die gewünschte und wirklich sehr gute Kolumne übersetzt. Herausgekommen ist dabei folgendes:


    Whitney Tilson: Warum Selbstüberschätzung bei Anlegern gefährlich ist (20. September 1999)

    Hallo, liebe Fools. Dale ist diese Woche weg, und er hat mich eingeladen, heute und am Freitag in seiner Abwesenheit Gastkolumnist zu sein.

    Als Einleitung möchte ich zuerst sagen, daß ich, als ich vor ein paar Jahren zu investieren begann, mir das selbst beizubringen versuchte, indem ich alles las, was ich über dieses Thema finden konnte. Als ein früher Nutzer des Internets entdeckte ich bald The Motley Fool, wovon ich enorm profitiert habe.

    Das Thema, über das ich heute schreiben möchte, ist Behavioral Finance; dort wird untersucht, wie die Emotionen der Menschen ihre Anlageentscheidungen und -ergebnisse beeinflussen. Dieses Gebiet hat entscheidenden Einfluß auf das Anlegen; tatsächlich bin ich davon überzeugt, daß es bei der Bestimmung des Anlageerfolgs (oder auch Mißerfolgs) deutlich wichtiger ist als der Intellekt des Anlegers. Warren Buffett stimmt mir zu: „Erfolg beim Anlegen geht nicht mit dem IQ einher, wenn Sie einen IQ von mehr als 25 haben. Wenn man durchschnittlich intelligent ist, braucht man das Naturell, die Antriebe zu kontrollieren, die andere Leute beim Anlegen in Schwierigkeiten bringen.“

    Zahlreiche Studien haben gezeigt, daß Menschen außerordentlich irrational handeln, wenn es um Geld geht. Dazu gibt es viele Erklärungen, aber diejenige, der ich am meisten Gewicht beimesse, ist die, daß Menschen einfach nicht richtig „verkabelt“ sind. Letzten Endes gibt es den Homo Sapiens seit etwa zwei Millionen Jahren, und es haben diejenigen überlebt, die Herdenverhalten gezeigt haben und bei den ersten Anzeichen einer Gefahr flüchteten - Eigenschaften, die nicht für erfolgreiches Anlegen stehen. Im Kontrast dazu existieren moderne Finanztheorien und Kapitalmärkte erst seit 40 Jahren oder so. Auf einer 24-Stunden-Skala der menschlichen Geschichte sind das weniger als zwei Sekunden. Was haben Sie in den letzten zwei Sekunden gelernt?

    Menschen machen Dutzende von verbreiteten Fehlern, einschließlich

    1) Herdenverhalten, getrieben von dem Wunsch, ein Teil der Menge zu sein oder der Annahme, daß die Menge allwissend sei
    2) Einer geistigen Buchführung, die bestimmte Mittel (so wie Spielgewinne oder unerwartete Boni) anders behandelt als anderes Geld
    3) Überhöhte Abneigung gegen Verluste
    4) Angst vor einem Wechsel, was zu einem übermäßigen Festhalten am Status Quo führt
    5) Angst vor einer fehlerhaften Entscheidung und daß man sich dadurch dumm fühlt
    6) Nicht zu handeln aufgrund einer Fülle von attraktiven Möglichkeiten
    7) Wichtige Daten zu ignorieren und sich zu stark auf weniger wichtige zu fokussieren
    8) Festklammern an unwichtigen Daten
    9) Überschätzen der Wahrscheinlichkeit bestimmter auf sehr einprägsamen Daten oder Erfahrungen basierenden Ereignisse
    10) Die Wahrscheinlichkeit zu überschätzen, mit der sie bestimmte Ereignisse vorhersagen können, nachdem sie einmal richtig gelegen haben
    11) Es einer Fülle von kurzfristigen Informationen zu erlauben, langfristige Beurteilungen zu überdecken
    12) Schlüsse aus einer zu kleinen Zahl von Beispielen zu ziehen
    13) Abneigung, Fehler einzugestehen
    14) Des Glaubens, ihr Investmenterfolg ist auf ihre Weisheit statt auf einen steigenden Markt zurückzuführen
    15) Fehlende Festlegung eines angemessenen Zeithorizonts beim Anlegen
    16) Eine Tendenz, nur solche Informationen zu beachten, die ihre eigene Meinung oder Entscheidung stützen
    17) Fehlendes Bewußtsein für den langfristig großen kumulierten Einfluß kleiner Summen
    18) Außerachtlassen der starken Tendenz zur rückläufigen Entwicklung Richtung Mitte
    19) Vertrautheit mit Wissen zu verwechseln
    20) Selbstüberschätzung

    Haben Sie sich jemals eines dieser Punkte schuldig gemacht? Ich bezweifele, daß es jemanden gibt, bei dem das nicht so war.

    Dies ist ein weites Thema, darum werde ich mich hier auf Selbstüberschätzung konzentrieren. Im allgemeinen ist ein hohes Selbstvertrauen eine großartige Sache. Es gibt uns höhere Motivation, Ausdauer, Energie und Optimismus, und kann uns Dinge bewältigen lassen, die wir sonst nicht einmal angefangen hätten. Selbstvertrauen trägt auch einen großen Teil zum Glücklichsein bei. Wie ein Autor schreibt (in einem Beispiel, das in mir nachhallt): „Wer möchte seinen Kindern eine Gutenachtgeschichte mit einem Zug als Helden vorlesen, der sagt: ‚Ich glaube, ich kann es nicht, ich glaube, ich kann es nicht‘?“

    Aber Menschen sind nicht nur selbstsicher - sie sind viel zu selbstsicher. Hören Sie sich dies an:

    - 82 % aller Menschen behaupten, sie gehören zu den 30 % der besten Autofahrer
    - 86 % meiner Kommilitonen an der Harvard Business School behaupten, daß sie besser als ihre Kommilitonen aussehen (würden sie weniger von Harvard-Absolventen erwarten?)
    - 68 % der Rechtsanwälte in Zivilverfahren sind sich sicher, daß ihre Seite siegen wird
    - Ärzte überschätzen beständig ihre Fähigkeiten, bestimmte Leiden zu entdecken (denken Sie hierüber beim nächsten Mal nach, wenn Sie überlegen, ob Sie sich eine zweite Meinung einholen)
    - 81 % der Besitzer von neu gegründeten Unternehmen denken, daß ihr Unternehmen mindestens eine 70-prozentige Erfolgschance hat, aber nur 39 % glauben, daß ein ähnliches Unternehmen Erfolg haben wird
    - Diplomanden wurden gebeten, die Zeit zu schätzen, die sie bei drei Szenarien zur Fertigstellung ihrer Diplomarbeit benötigten: der günstigste Fall, die erwartete Zeit und der schlechteste Fall. Die durchschnittlichen Angaben waren 27,4 Tage, 33,9 Tage und 48,6 Tage. Der endgültige Durchschnitt lag bei 55,5 Tagen.
    - Manager von Investmentfonds, Analysten, und Geschäftsführer wurden auf einer Konferenz gebeten, aufzuschreiben, wieviel Vermögen sie haben würden, wenn sie in den Ruhestand gehen und wieviel der Durchschnitt aller Personen im Raum sein würde. Die durchschnittlichen Zahlen waren $ 5 Millionen und $ 2,6 Millionen. Der Professor, der die Frage gestellt hat, sagte, daß das Verhältnis, unabhängig von den Konferenzteilnehmern, immer ungefähr 2 zu 1 sei.

    Wichtig ist: Je schwieriger die Frage bzw. das Thema wird (etwa das Vorhersagen der zukünftigen Gewinne eines Unternehmens oder eines Aktienkurses), desto größer wird das Maß der Selbstüberschätzung. Und professionelle Investoren - die sogenannten „Experten“ - sind üblicherweise noch anfälliger für zu großes Selbstvertrauen als Neulinge, weil sie Theorien und Modelle haben, die sie öfter mal übergewichten.

    Vielleicht noch überraschender als der Grad der Selbstüberschätzung selbst ist, daß die Selbstüberschätzung mit der Zeit nicht abnimmt. Nach allem würde man denken, daß Erfahrung die Leute über ihre Fähigkeiten, besonders auf einem Gebiet wie dem Anlegen, wo Ergebnisse präzise berechnet werden können, realistisch denken läßt. Ein Teil der Erklärung ist, daß Menschen ihre Mißerfolge oft vergessen und, selbst wenn das nicht der Fall ist, dazu tendieren, sich auf die Zukunft zu fokussieren, nicht auf die Vergangenheit. Aber der Hauptgrund ist, daß Menschen sich an Mißerfolge ganz anders erinnern als an Erfolge. Erfolge entspringen aus der eigenen Fähigkeit und Weisheit, während Mißerfolge auf Kräfte außerhalb der eigenen Kontrolle zurückzuführen sind. Folglich glauben die Leute, daß die Ergebnisse mit etwas Glück oder Feinabstimmung beim nächsten Mal viel besser sein werden.

    Vielleicht sagen Sie sich jetzt: „Ach, diese dummen, sich selbst überschätzenden Leute. Zum Glück bin ich nicht so.“ Mal sehen. Schnell! Wie sprechen Sie die Hauptstadt von Kentucky aus - „Loo-ee-ville“ oder „Loo-iss-ville“? Nun, wie viel würden Sie wetten, daß Sie die richtige Antwort auf diese Frage kennen: $ 5, $ 50 oder $ 500? Hier ist ein anderer Test: Geben Sie hohe und niedrige Schätzungen für das durchschnittliche Gewicht einer leeren Boeing 747 ab. Wählen Sie Zahlen, die weit genug auseinander liegen, um zu 90 % sicher zu sein, daß die richtige Antwort in diesem Bereich liegt. Geben Sie auch einen zu 90 % sicheren Bereich für den Durchmesser des Mondes an. Nicht schummeln! Schreiben Sie Ihre Antworten auf, ich werde gleich darauf zurückkommen.

    Okay, Leute überschätzen sich selbst. Na, und? Wenn gesundes Selbstvertrauen gut ist, warum ist übersteigertes Selbstbewußtsein nicht besser? Auf einigen Gebieten - etwa bei einem Weltklassesportler - kann übersteigertes Selbstbewußtsein in der Tat nutzen. Aber wenn es um finanzielle Angelegenheiten geht, ist das fast nie der Fall. Selbstüberschätzung führt die Menschen oft zu folgendem:

    1) Schlecht auf die Zukunft vorbereitet zu sein. Beispielsweise sagten 83 % der Eltern mit Kindern unter 18, daß sie eine Finanzplanung haben und 75 % vertrauten auf ihr langfristiges finanzielles Wohlergehen. Trotzdem sparten weniger als die Hälfte dieser Leute für die Ausbildung ihrer Kinder und weniger als 10 % hatten Finanzplanungen, in denen Anlagen, Budgets, Versicherungen, Ersparnisse, Testamente usw. eine Rolle spielten.

    2) Maßloses Handeln von Aktien. In der wichtigen Studie von Odean and Barber über die Depots von 78.000 Privatanlegern bei einem großen Discount-Broker von 1991 bis 1996 lag der durchschnittliche Umsatz bei 80 % (etwas weniger als der Durchschnitt von 84 % für Investmentfonds). Das am wenigsten aktive Fünftel mit einem durchschnittlichen jährlichen Umsatz von 1 %, brachte 17,5 % jährliche Rendite und schlug damit den S&P, der in diesem Zeitraum jährlich um 16,9 % stieg. Aber die aktivsten 20 % der Anleger mit durchschnittlichen monatlichen Umsätzen von 9 % hatten Vorsteuer-Renditen von 10 % jährlich. Die Autoren der Studie zogen den richtigen Schluß, daß „Handeln gefährlich für Ihren Reichtum ist“. Übrigens bin ich wegen der Zahl der Anlager, die sich um Online-Broker scharen, sicher, daß die Anzahl hyperaktiver Trader dramatisch angestiegen ist. Odean and Barber haben eine andere faszinierende Studie geschrieben, die zeigt, daß Investoren, die zum Online-Trading wechseln, signifikant niedrigere Renditen erzielen. Das Fazit dieser Studie besteht aus einem provokanten Fazit: „Schießwütige Anleger neigen dazu, sich selbst ins Knie zu schießen.“

    3) Dem Glauben, sie könnten überdurchschnittliche Stockpicker sein, obwohl es wenig Anzeichen für diese Annahme gibt. Die o.g. Studie zeigte, daß der durchschnittliche Anleger, nach Gebühren (aber vor Steuern), jährlich um rund zwei Prozentpunkte schlechter abschneidet als der Markt.

    4) Dem Glauben, sie könnten Investmentfonds auswählen, die in Zukunft eine höhere Rendite bringen. Die hinter dem Markt zurückbleibende Performance des durchschnittlichen Investmentfonds ist der Beweis, daß die meisten Leute an diesem Versuch scheitern. Noch schlimmer: Anleger neigen dazu, bei Investmentfonds zu den schlechtesten Zeitpunkten ein- und auszusteigen, wenn sie auf Renditejagd gehen. Bedenken Sie, daß Aktienfonds von 1984 bis 1995 durchschnittlich eine jährliche Rendite von 12,3 % gebracht haben (gegenüber 15,4 % für den S&P), und der durchschnittliche Anleger in Aktienfonds dagegen nur 6,3 % verdiente. Das bedeutet, daß über diese 12 Jahre gesehen der durchschnittliche Fondsinvestor einfach durch das Kaufen und Halten eines durchschnittlichen Fonds fast doppelt soviel Geld gemacht hätte und fast dreimal soviel durch das Kaufen und Halten eines S&P-500-Indexfonds. Das Einbeziehen der Steuerbelastung würde die Unterschiede noch vergrößern. Aua!

    5) Einer nicht ausreichenden Diversifizierung ihrer Portfolios.

    Okay, ich werde Sie nicht weiter auf die Folter spannen. Die Hauptstadt von Kentucky ist Frankfort und nicht „Loo-ee-ville“, eine leere 747 wiegt etwa 177 Tonnen, und der Durchmesser des Mondes beträgt 3.500 km. Die meisten Leute hätten $ 500 bei der ersten Frage verloren, und mindestens eine ihrer zwei Schätzungen hätte außerhalb ihres 90 %-Bereiches gelegen. In großen Studien, in denen man Testpersonen zehn Fragen dieser Art stellte, lagen anstatt der erwarteten einen Antwort regelmäßig vier bis sechs Antworten außerhalb des 90 %-Bereiches. Warum? Weil Menschen dazu neigen, einen gedanklichen Prozeß ablaufen zu lassen, indem Sie z.B. das Gewicht einer 747 raten und sich von dieser Zahl auf- und abbewegen, um bei hohen und niedrigen Schätzungen anzukommen. Aber solange sie nicht für Boeing arbeiten, ist ihre erste Schätzung wahrscheinlich weit vom richtigen Ergebnis entfernt, und so müssen die Anpassungen viel größer sein. Das Festhalten an einer ersten, willkürlichen Schätzung zeugt von Selbstüberschätzung.

    Bei Tests dieser Art gehören Wertpapieranalysten und Vermögensverwalter zu denjenigen mit der größten Selbstüberschätzung. Mich überrascht das nicht, denn nach meinen Beobachtungen neigen Menschen, die in diesem Geschäft arbeiten, zu einem sehr ausgeprägten Selbstvertrauen. Ironischerweise ist jedoch genau das Gegenteil - eine große Menge Bescheidenheit - der Schlüssel zum Anlageerfolg.


    @ Torsten:

    Das kostet aber mindestens eine Runde auf der HV vom Rhön-Klinikum...


    Schönen Tag noch,
    JuliaPapa
    "Beware the investment activity that produces applause; the great moves are usually greeted by yawns" -- Warren Buffett

  6. #16
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    ...überraschung gelungen....

    hatte mir heute nachmittag deine übersetzungen ins word gepackt und sie mit größtem interesse gelesen, was ich dir nur kurz sagen wollte...

    ...also gibt's ja noch ein bißchen mehr spannende lektüre ;-)

    herr tilson schafft es ja wirklich, den begriff und das vertändnis für VI in wenigen sätzen auf den punkt zu bringen.

    andere studieren dafür jahre und lernen nichts...

    so wie er allerdings glaubt, dass er sich bei den fools mit seinen ausführungen nicht nur freunde macht, werden sich auch hier im forum einige getroffen fühlen, tippe ich.

    ok, besten dank, juliapapa, dass du uns an deiner heiden-arbeit teil haben lässt... auf deine übersetzung des buffett-briefes freuen wir uns schon jetzt wie die schneekönige ;-)

    schönen abend wünscht

    hans.i

  7. #17
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    Hallo, zusammen!

    @JuliaPapa
    >Das kostet aber mindestens eine Runde auf der HV vom Rhön-Klinikum...<
    Kein Problem und wird gemacht (aber gibt es auf Hauptversammlungen nicht generell alles für lau ?)!

    @hans.i
    >herr tilson schafft es ja wirklich, den begriff und das vertändnis für VI in wenigen sätzen auf den punkt zu bringen.
    (...)
    so wie er allerdings glaubt, dass er sich bei den fools mit seinen ausführungen nicht nur freunde macht, werden sich auch hier im forum einige getroffen fühlen, tippe ich.<
    Das war auch der Grund, warum ich gerade diesen Aufsatz für eine Übersetzung empfohlen habe.
    Auch ich bin ja so vermessen und glaube (oder sollte ich besser sagen: "hoffe"?), den Index outperformen zu können. Als ich den Aufsatz im Original gelesen habe, wurde mir aber schnell klar, dass ich mit diesem Glauben nicht alleine bin, und dass ein großer Teil der Leute mit diesem Glauben falsch liegen werden. Es gehört wohl doch schon einiges dazu, um besser als der Durchschnitt zu sein ... (mal sehen, ob ich auch in einigen Jahren noch dazugehören werde * )

    Gruß,

    Torsten

  8. #18
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    "...mal sehen, ob ich auch in einigen Jahren noch dazugehören werde ..."

    das sei dir gegönnt und zu wünschen!

  9. #19
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    @Torsten

    >>(aber gibt es auf Hauptversammlungen nicht generell alles für lau ?)!<<

    Normalerweise schon. Und auch beim Rhön-Klinikum mußten die Aktionäre nicht darben. Allerdings soll - so habe ich das im Ohr - bei Berkshire alles kosten. Aber da es da ja nur BRK-Produkte gibt, zahlen wir letztlich in die eigene Tasche...

    Dairy Queen-Eis essen und Coke trinken für den Aktienkurs, das lasse ich mir gefallen!

    Tschüs,
    JuliaPapa
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  10. #20
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    Guten Abend,

    auf der Seite http://marketmoney.blogspot.com gibt es ein aktuelles und sehr interessantes Interview mit Whitney Tilson.

    Äußerst empfehlenswert.

    Gruß,
    JuliaPapa
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