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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Lindt & Sprüngli



JuliaPapa
27.04.2005, 17:23
Hallo, zusammen,

es heißt zwar, die beste Krankheit würde nichts taugen, aber so ganz stimmt das nicht. Immerhin habe ich so in den vergangenen Tagen die Zeit gefunden, meine Analyse über die Lindt & Sprüngli AG fertigzustellen.

Über Eure Meinungen und Kommentare freue ich mich wie immer sehr.

Eine Anmerkung noch: Lindt & Sprüngli hat Aktien im Nennwert von 100 CHF und Partizipationsscheine im Nennwert von 10 CHF. Der Einfachheit halber habe ich die Aktien auf 10 CHF Nennwert umgerechnet und bezeichne die Part.-Scheine in der Analyse stets als "Aktien", denn letztlich sind Part.-Scheine nichts anderes als Vorzugsaktien, wie man in Deutschland sagen würde.


Value-Analyse Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli AG


1.) Profil

Die Lindt & Sprüngli Gruppe mit Sitz in Kilchberg bei Zürich ist ein weltweit tätiges Unternehmen, das Schokoladeprodukte im Premium-Qualitätssegment entwickelt, produziert und vertreibt.


2.) Allgemeine Unternehmensbeurteilung („Weiche“ Kriterien)

Ist das Unternehmen einfach zu verstehen, hat es eine beständige Firmengeschichte?
Lindt & Sprüngli hat die Geschichte der Schokoladeherstellung entscheidend mitgeprägt. So stellten der Konditormeister David Sprüngli und sein Sohn Rudolf schon 1845 in Zürich erstmals Schokolade in fester Form her. Und um höchste Qualität ging es auch Rodolphe Lindt, dem zweiten der beiden Stammväter des Schweizer Unternehmens. Er setzte 1879 durch die sensationelle Erfindung einer Schokolade mit besonders feinem Schmelz - er nannte sie "Chocolat fondant Rod. Lindt fils" - einen Standard, der für die gesamte Branche bis heute Gültigkeit hat. Zur Finanzierung einer neuen Fabrik wurde die Einzelfirma 1899 in eine AG umgewandelt. 1986 erfolgte der Börsengang. Lindt & Sprüngli stellt ausschließlich Schokoladenprodukte her - und die sind bereits Kleinkindern absolut verständlich.
Dieses Kriterium ist hundertprozentig erfüllt.

Werden die Produkte dringend benötigt, gibt es keinen direkten Ersatz?
Schokolade kostet Geld, ist ungesund und macht dick. Trotzdem kennt jeder den positiven Effekt, den Schokolade hat, und auf den kaum jemand dauerhaft verzichten kann und möchte. Und wer möchte schon diesen Genuß missen?
Dieses Kriterium ist aus meiner Sicht weitgehend erfüllt.

Gibt es wenig Restriktionen, so daß das Unternehmen expandieren kann? Ist die Produktion einfach auszudehnen?
Schokolade ist ein einfaches Produkt, von dem keine Umweltgefährdung ausgeht. Die einzige Restriktion könnten Eingriffe des Gesetzgebers im Hinblick auf Gesundheitsvorsorge sein. Dies sehe ich jedoch eher für Alkohol und Tabakprodukte als für Süßwaren.
Dieses Kriterium ist ebenfalls vollständig erfüllt.

Sind die Produkte eindeutig von Konkurrenzprodukten zu unterscheiden? Verfügt das Unternehmen über eine monopolartige Stellung?
Lindt & Sprüngli legt großen Wert auf eine klare Positionierung der Marke „Lindt“ und der weiteren Marken. Discounter werden nicht beliefert, weder mit eigenen Produkten noch mit Handelsmarken. Im „normalen“ Supermarkt ist Lindt in jedem Fall die führende Marke, die sich erfolgreich mit Qualität von den 29-Cent-Tafeln absetzt. Die eindeutige Unterscheidung zu Wettbewerben ist dadurch gegeben Von einem Monopol kann allerdings keine Rede sein.
Das Kriterium ist damit teilweise erfüllt.

Hat das Unternehmen noch Wachstumspotential? Wird die Nachfrage noch genügend wachsen?
Trotz der schlechten wirtschaftlichen Lage in weiten Teilen der Welt und des Vordringens der Discounter erzielt Lindt & Sprüngli teilweise ein deutlich zweistelliges Wachstum. Lindt gilt als die innovativste Firma in der Schokoladen-Industrie und bringt in jedem Jahr neue Produktkreationen auf den Markt. Die Ausgaben für Werbung werden jedes Jahr gesteigert, um einen erhöhten Bekanntheitsgrad zu erreichen. In den USA und Australien werden Lindt-Stores getestet, die ausschließlich Lindt-Produkte vertreiben.
Dieses Kriterium ist absolut erfüllt.

Hat das Unternehmen weitgehende Freiheit in der Preisgestaltung?
Im Bereich der Premium-Schokoladen ist Lindt der bekannteste Anbieter und kann von daher schon seine Preise etwas selbst bestimmen. Insgesamt gesehen ist der Markt aber hart umkämpft, zum Teil mit großen Wettbewerben wie Nestlé und Kraft Foods (Milka) und Handelsmarken.
Dieses Kriterium ist aus meiner Sicht nur sehr bedingt erfüllt.

Ist das Management gut und aktionärsfreundlich?
Der Vorstand des Unternehmens besteht aus vier Personen, die seit 1995 unverändert im Amt sind. Die Gesamtbezüge des Vorstands sowie des Aufsichtsrats betrugen im Jahr 2004 CHF 7,9 Mio., was für mein Empfinden hoch, aber nicht unangemessen ist. Die Steigerung zum Vorjahr beträgt 2,53 %. Vorstand und Aufsichtsrat besitzen gemeinsam rund 3,94 % der Aktien der Gesellschaft.
Dieses Kriterium kann ich nicht wirklich beurteilen, scheint aber wohl erfüllt.


3.) Meßbare Qualitätskriterien („Harte“ Kriterien)

Eigenkapitalquote
Die Eigenkapitalquote steigt seit Jahren kontinuierlich an. Sie betrug 2004 48,5 % und lag damit nur knapp unter meiner Anforderung von 50 %.

Eigenkapitalrendite
Die Eigenkapitalrendite steigt ebenfalls fast gleichmäßig an. 2004 waren es 18,2 %. Das Ziel von 15 % wird damit erreicht. Zuletzt lag die EK-Rendite 1997 (11,6 %) unter dem Ziel.

Gewinnwachstum
Das geometrische Gewinnwachstum lag seit 1998 immer zwischen 14 % und 16 %.

„Echte“ Gewinne
Die sonstigen betrieblichen Erträge bzw. Aufwendungen haben sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich vermindert. Mit deutlich unter 1 % der Umsatzerlöse können diese Werte allerdings vernachlässigt werden. Von daher sind die Gewinne der Gesellschaft echte Gewinne aus der geschäftlichen Tätigkeit.

Dividenden und einbehaltene Gewinne
Die Ausschüttungsquote liegt seit 1996 immer zwischen 22 % und 26 %. Unser Zielwert von 50 % wird deutlich erreicht.

Umsatzentwicklung im Vergleich zum Lager
2004 stieg der Umsatz um 12 %. Die Vorräte legten um 8 % zu. Das bedeutet, daß das Lager weniger zulegte als der Umsatz. Der Gewinn stieg um 23,5 % und damit deutlich stärker als der Umsatz. Grund dafür sind unterproportional gestiegene Abschreibungen, ein verringerter Zinsaufwand und eine etwas geringere relative Steuerbelastung. Es handelt sich hierbei also nicht um außerordentliche Gewinne, die sich nicht wiederholen lassen.

Umsatzrendite
Die Umsatzrendite steigt gleichmäßig an, in 2004 betrug sie 7,5 %. Der angestrebte Wert von 10 % wird also nicht erreicht.

Verzinsung der einbehaltenen Gewinne
Gewinn pro Aktie 1996: CHF 23,10 - Gewinn pro Aktie 2004: CHF 69,26 - Gesamter Gewinn pro Aktie 1996-2004: CHF 358,02 - Gesamte Dividende pro Aktie 1996-2004: CHF 85,30 ==> Hinzufügung zum Eigenkapital: CHF 272,72
Differenz Gewinn 2004 zu Gewinn 1996: CHF 46,16
Daraus ergibt sich eine Verzinsung der einbehaltenen Gewinne von 16,92 %. Damit ist das Ziel von 15 % erreicht.

Cash-Flow-Marge
Die Cash-Flow-Marge bewegte sich zwischen 1996 und 2004 stets zwischen 9,4 % und 12,2 %. Damit ist die Vorgabe von 15 % nicht erfüllt.

Sachinvestitionen
Zwischen 1996 und 2000 lag dieser Wert immer über 50 %. Seit 2001 liegt der Wert zwischen 36 % und 44 %. Im Mittel der letzten Jahre ist das Ziel von 40 % praktisch erreicht.

Grad der Anlagendeckung
Das Eigenkapital von 830 Millionen CHF deckt das Anlagevermögen von 553,9 Mio. CHF und dazu noch die Vorräte von 271 Mio. CHF vollständig ab.

Immaterielle Vermögensgegenstände
Immaterielle Werte sind mit 900.000 CHF zu vernachlässigen.

Pensionsrückstellungen
Die Pensionsrückstellungen betragen nur 96,4 Mio. CHF und stellen damit kein hohes Risiko dar.

Hoher Forderungsbestand
Bei der Analyse der Bilanz fällt auf, daß die Forderungen an Kunden etwa 36 % der Bilanz ausmachen. Dabei handelt es sich in vollem Umfang um Forderungen gegen Supermarkt- und Großhandelsketten. Die Höhe der Forderungen zum Jahresende ist immer ein Zeichen für den Geschäftsgang im November und Dezember. Bei dem saisonalen Geschäft sind die Verkäufe in diesem Zeitraum naturgemäß sehr hoch. Somit enthält diese Position praktisch keine Risiken.

Aktienoptionen
Rechnet man die Aktien (NW 100 CHF) auf die Partizipationsscheine (NW 10 CHF) um, so waren zum 31.12.2004 2.183.155 Aktien ausstehend. Mitarbeiteroptionen existieren für 118.068 Aktien. Bei voller Ausübung würde der Gewinn pro Aktie von CHF 69,26 auf CHF 65,70 verwässert werden. Das entspricht einer Verwässerung von 5,14 %, die knapp über meiner Grenze von 5 % liegt.


4.) Kriterien nach Benjamin Graham

• Mindestumsatz für ein Industrieunternehmen 100 Millionen US-Dollar: erreicht

• Das Umlaufvermögen sollte mindestens doppelt so groß wie die kurzfristigen Verbindlichkeiten sein. Außerdem sollten die langfristigen Verbindlichkeiten nicht größer als das Nettoumlaufvermögen sein: Teil 1 ganz knapp nicht erreicht, Teil 2 klar erreicht.

• Innerhalb der letzten 10 Jahre sollte kein Verlustabschluß vorgekommen sein: erreicht

• Gewinnverbesserung in den letzten 10 Jahren um mindestens 1/3 pro Aktie, wobei zu Beginn und am Ende ein Dreijahresdurchschnitt verwendet werden sollte: 96-98 betrug der GpA im Durchschnitt CHF 25,54, 02-04 waren es CHF 57,43. Der Gewinn hat sich mehr als verdoppelt, also klar erreicht.

• Das KGV sollte nicht über 15 liegen (auf Basis der Durchschnittswerte der letzten drei Jahre): nicht erreicht (17,333)

• Der Börsenkurs sollte nicht mehr als 50 % über dem Buchwert liegen. Allerdings kann der Börsenkurs mehr als 50 % über dem Buchwert liegen bzw. mehr als dem 1,5-fachen des Buchwertes entsprechen, sofern nur das KGV niedriger ist. Wir empfehlen, daß KGV und der Buchwertmultiplikator miteinander multipliziert nicht mehr als 22,5 ergeben sollten: Ganz klar nicht erreicht (KGV * Buchwertmultiplikator = 65)


5.) Bilanz-Quicktest nach Peter Kralicek

1) Eigenkapitalquote
EK-Quote: (Eigenkapital/Bilanzsumme)*100
Liegt bei 48 %, damit Note 1 (sehr gut)

2) Schuldentilgungsdauer in Jahren
Schuldentilgungsdauer: (Fremdkapital - flüssige Mittel) / Jahres-CF
Liegt bei 3,28 Jahren, damit Note 2 (gut)

3) Gesamtkapitalrentabilität
GK-Rentabilität: (Ergebnis d. gew. Gesch.Tät. + FK-Zinsen)/GK * 100
Liegt bei 13,62 %, damit Note 2 (gut)

4) Cash-Flow-Leistungsrate
CF-Leistungsrate: (Cash-Flow/Umsatz)*100
Liegt bei 9,85 %, damit Note 2 (gut)


6.) Bewertung der Aktie

Signal 1
DCF-Methode
Die DCF-Methode ist nicht sinnvoll anzuwenden, da der NCF der Lindt AG stark schwankt. Bei einem Diskontierungszinssatz von 8 % und einem angenommenen NCF-Wachstum von 10 % ergibt sich ein innerer Wert von etwa CHF 1.073,78, was deutlich unter dem aktuellen Kurs von CHF 1.782,-- liegt.

Signal 2
Zukünftiger Unternehmenswert auf der Basis der Gewinne pro Aktie und des Kurs-Gewinn-Verhältnisses
Bei einer angenommenen Gewinnsteigerung von 7 % jährlich (das Management selbst rechnet mit 5-7 % jährlich) und einem KGV von 20 errechnet sich ein Kurs von CHF 2.725,--. Das entspricht einer jährlichen Steigerung von rund 4,34 %.

Signal 3
Unternehmenswert auf der Basis der Eigenkapitalrendite und des Kurs-Gewinn-Verhältnisses
Diese Rechnung ergibt in 10 Jahren bei einer EK-Rendite von 16 % einen Kurs von CHF 3.781,-- - das entspricht einer jährlichen Steigerung von 7,81 %.




Fazit:

Die drei Signale zeigen eine Überbewertung der Aktie an. Aber ist sie das wirklich?

Keine Frage, ein Schnäppchen ist Lindt & Sprüngli nicht. Auf Basis der 2004er Gewinne beträgt das KGV derzeit rund 25, ein Wert, der zuletzt im Jahre 2000 erreicht wurde. Auf den Jahresendkurs gerechnet liegt das KGV „nur“ bei 19.

Bei Lindt handelt es sich in jedem Fall um ein sehr interessantes Unternehmen, das im wachsenden Bereich der Premium-Schokoladen Marktführer ist. Trotz der starken Konkurrenz auf dem Schokoladenmarkt und im Lebensmittelhandel generell hat es Lindt in den vergangenen Jahren immer wieder geschafft, bedeutende Zuwächse zu erzielen. Durch den Verzicht auf „Preiskriege“ und auf das Geschäft mit Discountern wächst nicht nur der Umsatz, sondern auch der Gewinn regelmäßig.

Überhaupt fällt das konstante Gewinn- und Umsatzwachstum des Konzerns auf. Seit 1996 gab es bei beiden Zahlen keinen Rückgang mehr. Auch der Aktienkurs entwickelte sich ähnlich konstant (außer einer Schwächephase 2002 und 2003). Deswegen ist das KGV mit 18,9 (per Ende 2004) auch fast gleich wie Ende 1996 (17,6). Das heißt, daß die Kursgewinne durch zunehmende Gewinne auch unterlegt sind.

Hinzu kommt die gute Position des Unternehmens, die aus den „weichen Qualitätskriterien“ deutlich wird. Bleibt also nur noch zu hoffen, daß es bald wieder zu Kursrücksetzern kommt und die Aktie wieder mal günstiger zu kaufen sein wird.


Ich hoffe, daß Euch die Analyse ebenso schmeckt wie die Produkte von Lindt. Wußtet Ihr eigentlich, daß Lindt mit seinen Goldhasen deutscher Marktführer im Ostergeschäft ist? Und das allen Schmunzelhasen zum Trotz...


Schönen Tag noch,
JuliaPapa

filippina
27.04.2005, 20:44
Hallo Papa von Julia,

du hast gerade einen meiner derzeitigen Value-Favoriten getroffen. Am Wochenende will ich mir Lindt & Sprüngli noch mal gründlich vornehmen.

Vorab schon mal: Bei einer Sache könntest du erfreulicherweise Unrecht bekommen:

<Schokolade kostet Geld, ist ungesund und macht dick.>

<Die einzige Restriktion könnten Eingriffe des Gesetzgebers im Hinblick auf Gesundheitsvorsorge sein.>

Nach neuesten Forschungsergebnissen könnte Schokolade *die Vermehrung von Brustkrebszellen verhindern. Vielleicht wird Schokolade noch als Therapie eingesetzt.

http://www.wissenschaft.de/sixcms/detail.php?id=252537

Naschen gegen Krebs

Forscher: Schokoladen-Inhaltsstoffe können Krebszellen stoppen


Inhaltsstoffe von Schokolade können die Vermehrung von Brustkrebszellen verhindern, haben amerikanische Forscher herausgefunden. Die Teilung normaler Körperzellen hingegen wird dabei nicht beeinträchtigt. Weitere Studien sollen nun zeigen, ob diese Inhaltsstoffe künftig sogar zur Prävention oder Therapie von Brustkrebs eingesetzt werden können.

Schokolade wird aus Kakaobohnen hergestellt, die viele Flavonoide enthalten. Diese schützen die Zelle vor schädlichen Molekülen, die für Herzkrankheiten und Krebs mitverantwortlich sind. Den größten Schutz bietet die Flavonoid-Familie der Procyanide. Die Wissenschaftler verglichen in ihrer Studie die Wirkung dieser Procyanide auf Brustkrebszellen und normale Zellen im Labor. Dabei entdeckten sie, dass gleich vier Proteine, welche die Zellteilung beziehungsweise das Tumorwachstum regulieren, in den behandelten Krebszellen deaktiviert waren. Die Zellen zeigten dementsprechend kein Wachstum mehr.

Die Forscher vermuten, dass mit dieser vierfachen Deaktivierung der die Zellteilung hemmende Effekt besonders stark ist. Deshalb wirken die Procyanide wahrscheinlich selbst dann in den Krebszellen, wenn einzelne dieser Proteine in einer mutierten Form vorkommen.

Die Erkenntnisse der vorliegenden Studie bedeuteten jedoch nicht, dass Schokolade das Brustkrebsrisiko senkt oder gar Brustkrebs heilen kann, betont Dickson. In weiteren Untersuchungen wollen die Forscher nun herausfinden, wie das Procyanid die vier Proteine gleichzeitig deaktiviert und damit die Zellteilung verhindert.

Robert Dickson (Georgetown-Universität, Washington) et al.: Molecular Cancer Therapeutics, Bd. 4, S. 537

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Grüsse
flippi

PS: Mmmmh - der besonders feine Schmelz macht mir gerade Lust.

JuliaPapa
28.04.2005, 20:08
Hallo, Flippi,

>>Nach neuesten Forschungsergebnissen könnte Schokolade die Vermehrung von Brustkrebszellen verhindern. Vielleicht wird Schokolade noch als Therapie eingesetzt. <<

Hoffentlich wird aus "meiner" Lindt & Sprüngli nicht noch eine Pharma-Aktie... http://www.value-analyse.de/iB_html/non-cgi/emoticons/biggrin.gif http://www.value-analyse.de/iB_html/non-cgi/emoticons/biggrin.gif http://www.value-analyse.de/iB_html/non-cgi/emoticons/biggrin.gif

Gruß,
JuliaPapa

prince of persia
29.04.2005, 15:14
Hallo JuliaPapa,

danke für die Analyse.

L&S ist mir schonmal irgendwie über den Weg gelaufen. Aber große Augen habe ich keine bekommen, da mir das KGV nicht attraktiv erschien. Deshalb ist die Aktie gleich in meinem Value-Buffer hängen geblieben. Je nach den Kriterien Wettbewerbsstärke, Ertragskraft und Wachstumschancen versuche ich die Aktien beim ersten Blick grob in drei Bereiche einzuteilen. Beim schwächsten der drei Bereiche sollte das KGV deutlich einsteillig sein, bei mittleren der Bereiche sollte das KGV bis in den zweistelligen Bereich gehen und beim stärksten Bereich auch bis in den deutlich zweistelligen. Das ist natürlich wie gesagt nur sehr grob möglich, aber wenn die Aktie bei diesen Annahmen, die ich auf den ersten Blick nicht zu konservativ treffe, im Filter hängen bleibt, dann landet sie auf der Watchlist mit einem entsprechenem Kurs, der interessant sein könnte. Sieht der Kurs gleich von Anfang an interessant aus, dann schaue ich etwas genauer in die Bilanzen, prüfe z.B. auf echt Gewinne, wie Du sie nennst, usw. und versuche eine erste DCF-Prognose. Spätestens dann sind schon die meisten Werte im Filter hängen geblieben und landen auf der Watchlist. Sieht es dann aber immer noch interessant aus, dann gehe ich erst richtig in die Tiefe. Dann kommt es u.a. darauf an wie stark die Wettbewerbsstellung wirklich ist und ob ich die getroffenen Wachstumsnnahmen begründen kann bzw. ob die Prognose als Ganzes wirklich stichhaltig ist. Die ersten beiden Aktionen stellten ja lediglich einen ersten Versuch dar, die Attraktivität zu prüfen. Es gibt bei mir also quasi ein Zwei-Filter-System, einen groben und einen feineren. Das Positive daran ist jedenfalls, dass man viel Zeit spart bzw. keine vergeudet. Was nützt es mir, wenn ich Tage lang an einer Analyse hänge, um dann festzustellen, dass die Aktie noch lange nicht preiswert ist. OK, am Anfang braucht man ein paar Versuchskandidaten aber später eigentlich nicht unbedingt. Die Zeit kann man dann nutzen, um z.B. interessante Bücher zu lesen. Den einzigen Nachteil an diesem System sehe ich darin, dass manchmal die künftige Ertragskraft eines Unternehmens nicht sofort sichtbar wird. In manchen Fällen wird man die künftige Ertragskraft erst nach tiefen Durchforsten erkennen können. Damit läuft man eventuell Gefahr, dass ein Wert zu Unrecht im Filter hängen bleibt. Das dürfte jedoch eher bei Werten der Fall sein, die aus bestimmten Gründen gerade deutlich weniger verdienen als möglich. Kann man diese als möglichen Turnaroundkandidaten festmachen, sollte man diese also möglichst als Sonderfall betrachten. Soviel also zu meinem Valuenator-Filter.
L&S hatte ich übrigens in dem mittleren bis starken Bereich eingestuft, was ich nun nach Deiner Analyse auch beibehalten würde. Beim Feinfilter ist L&S allerdings schon hängen geblieben. *

Grüße
Valuenator-PoP

PS. Das mit Pharma kommt schon hin. Denn Schokolade ist vor allein Eines: Ein Antidepressivum!

filippina
30.04.2005, 22:42
Hallo Papa von Julia,

nun habe ich ebenfalls eine VA für Lindt erstellt und komme in etwa zum gleichen Ergebnis wie Du. Seufz... *ich hätte gerne eine wenigstens kleine Unterbewertung gehabt! Gut, das sind die Zahlen.

Mit Deiner Analyse und Deinem daraus gezogenen Fazit stimme ich überein. Auch die "weichen Kriterien" sehe ich ähnlich. Das Unternehmen hat über die Jahre eine hervorragende Qualität und Konstanz bewiesen. Und das spiegelt sich im Preis. Die Frage stellt sich nur, wann denn da der Preis fallen soll, um günstig einsteigen zu können. Ich habe meine Nestlé-Aktien verkauft und stehe für Lindt bereit.

Grüsse
flippi

filippina
01.05.2005, 12:08
Hallo Papa von Julia,

ab wann würdest Du bei Lindt einsteigen?

Ich würde bei einem Kaufkurs für den Partizipationsschein zwischen 1300 SFr (konservativ) und 1500 SFr (mit Qualitätszuschlag) einsteigen. Den inneren Wert sehe ich beim aktuellen Kurswert. Ich habe allerdings mit 5,4% diskontiert und eine höhere Wachstumsrate angenommen.

<Die DCF-Methode ist nicht sinnvoll anzuwenden, da der NCF der Lindt AG stark schwankt>

Das sehe ich nicht so. Haben wir da verschiedene Zahlen oder Vorgaben?

Wenn ich also von einem Einstiegspreis zwischen 1300 und 1500 ausgehe, scheine ich wohl noch ein Weilchen warten zu müssen.

Was wäre nun, wenn wir die Wartezeit mit einem Sell Put überbrücken? Allerdings müssen wir wahrscheinlich mit einem längeren Zeitraum rechnen. Rechnet sich da noch ein Sell Put?

Wir hatten das Thema unter der Rubrik Option. Das würde mich nun real gerade hier interessieren.

@Volker,

Du hattest dies erfolgreich mit Mattel praktiziert. Was mir dabei noch nicht klar ist: Ist das Schreiben eines Sell Puts auch für einen längeren Zeitraum profitabel?.


Grüsse
flippi

JuliaPapa
01.05.2005, 20:59
Hallo, Flippi,

um ganz ehrlich zu sein, bin ich schon Aktionär von Lindt. Ich habe die Part.-Scheine bei 1.042 Euro gekauft, jetzt stehen sie knapp 10 % höher.

Ausgehend von einem Gewinn pro Aktie von CHF 70 und einer 7 %-Steigerung (vom Management angetrebt) ergibt sich für 2005 ein GpA von 75 Franken. Da ich ein KGV von 20 für angemessen halte, wäre ein möglicher Einstiegskurs wohl etwa 1.500 Franken. Aber das wäre eben ein angemessener Kurs. Ein Schnäppchen wäre es wohl eher bei 1.300 Franken, runde 10 % unter 1.500 Franken. Umgerechnet wären das wohl so etwa 860 Euronen. Ich habe meine Zweifel, ob wir diesen Kurs so bald wiedersehen.

Was den NCF angeht, so habe ich einfach die Zahlen Cash-Flow und Sachinvestitionen aus den 5-Jahres-Übersichten aus den Geschäftsberichten genommen. Welche Zahlen hast Du denn?

>>Was wäre nun, wenn wir die Wartezeit mit einem Sell Put überbrücken? Allerdings müssen wir wahrscheinlich mit einem längeren Zeitraum rechnen. Rechnet sich da noch ein Sell Put?<<

Was ist denn das? Na ja, ganz so schlimm ist es nicht, aber ich bin kein Freund von Optionen. Meinen letzten Optionsschein habe ich vor etwa 10 Jahren gekauft, und ich habe nicht das Gefühl, etwas verpaßt zu haben.

Mal ganz abgesehen davon, vermute ich, daß diese Optionen nur in der Schweiz gehandelt werden (Lindt ist zwar eine gängige Schokoladenmarke, aber keine gängige Aktie). Für mich wären das dann wohl recht hohe Kosten, wenn Consors das überhaupt kann...

Wie wäre es, die Wartezeit mit einer Tafel Excellence (die extra cremige Vollmilch) zu überbrücken? http://www.value-analyse.de/iB_html/non-cgi/emoticons/tounge.gif


Schönen Abend noch,
JuliaPapa

filippina
01.05.2005, 23:08
Hallo Papa von Julia,

Glückwunsch! Ich freue mich für Dich.

<Ich habe meine Zweifel, ob wir diesen Kurs so bald wiedersehen.>

Ja, ich auch. Leider.

Meine Zahlen habe ich aus der Aktien-Analyse und dem neuen GB. Der Cashflow in der 5-Jahresübersicht ist - glaube ich - nicht der operative Cashflow.

Meine Zahlen ab 1993: 93 65 91 102 121 130
137 111 134 176 178 199 210e


Eine Sell Put-Option ist ein Stillhaltergeschäft (kein Optionsschein), das Buffett auch praktiziert. Das Thema haben wir einmal im Ordner "Optionen" besprochen.

Zitat von Volker:

"Wenn ich sage, dass eine Aktie für mich unter 20 ein Kauf ist und ab 40 ein Verkauf, dann kann es für den Value-Ansatz nur die Möglichkeit des *Sell Put 20 und des Sell Call 40 geben.

Im ersten Fall liege ich mit meinem bereitgelegten Geld auf der Lauer nach einem Schnäppchen, und erhalte für dieses Stillhalten eine Prämie.

Im zweiten Fall liege ich mit meinem Aktienbestand für einen Verkauf auf der Lauer, und erhalte für dieses Stillhalten eine Prämie."

Allerdings habe ich bis jetzt nichts gefunden. Ich vermute, dass dies bei dieser Aktie schwierig wird.

<Wie wäre es, die Wartezeit mit einer Tafel Excellence (die extra cremige Vollmilch) zu überbrücken?>

Hmmm, lecker. Und je länger die Wartezeit dauert, desto runder werde ich und kugele mich dann zur Generalversammlung. *http://www.value-analyse.de/iB_html/non-cgi/emoticons/tounge.gif

Grüsse
flippi

JuliaPapa
22.05.2005, 20:51
Hallo, Flippi,

mit der Antwort hat es bei mir etwas gedauert. Aber Du hast in der Tat Recht: Die Cash-Flow-Zahlen, mit denen ich gerechnet habe, und die in der 5-Jahres-Übersicht stehen, sind in der Tat Gewinn+Abschreibungen+Rückstellungen.

Deine Zahlen ist der "Mittelzufluß aus der Geschäftstätigkeit". Mit denen hätte ich wohl eher rechnen sollen!?

Aber ich denke, daß sich am Ergebnis nichts ändert: Tolles Unternehmen, aber nicht gerade attraktive Einstiegskurse...

>><Wie wäre es, die Wartezeit mit einer Tafel Excellence (die extra cremige Vollmilch) zu überbrücken?>

Hmmm, lecker. Und je länger die Wartezeit dauert, desto runder werde ich und kugele mich dann zur Generalversammlung. <<

Aber nicht zu viele Tafeln essen. Sonst kommt der Kurs nie mehr nach unten... http://www.value-analyse.de/iB_html/non-cgi/emoticons/wink.gif

Gruß,
JuliaPapa

JuliaPapa
24.08.2005, 09:11
Guten Morgen,

Lindt bleibt weiter auf der Erfolgsspur:

"Lindt & Sprüngli steigert Umsatz und Ergebnis im ersten Halbjahr
Dienstag 23. August 2005, 08:25 Uhr

Die schweizerische Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli AG (ISIN CH0010570767/ WKN 870503) meldete am Dienstag, dass sie Umsatz und Ergebnis im ersten Halbjahr 2005 deutlich steigern konnte.
Demnach erhöhte sich der Umsatz von 778,0 Mio. Schweizer Franken (CHF) um 8,9 Prozent auf 847,2 Mio. CHF. Das operative Ergebnis kletterte von 0,1 Mio. CHF auf 7,0 Mio. CHF, das Ergebnis vor Steuern von -2,5 Mio. CHF auf 6,7 Mio. CHF. Das Halbjahresergebnis verbesserte sich von -1,7 Mio. CHF im ersten Halbjahr 2004 auf nun 4,7 Mio. CHF.

Angesichts der sich abzeichnenden Abschwächungstendenzen in einzelnen Märkten erwartet der Konzern, dass sich die Umsatzdynamik im zweiten Halbjahr gegenüber dem ersten etwas abschwächt. Trotzdem wird man per Ende 2005 das Wachstumsziel von 5 bis 7 Prozent voraussichtlich erneut erreichen, möglicherweise übertreffen. Die erwartete EBIT-Steigerung soll leicht über dem Umsatzwachstum liegen.

Die Aktie der Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli schloss gestern in Zürich bei 2.010,00 CHF (-0,25 Prozent)."

Bemerkenswert dabei ist, daß Lindt zum ersten Mal ein positives Ergebnis im ersten Halbjahr erzielen konnte.

Darauf eine leckere Tafel Himbeer-Joghurt mit weißer Schokolade.

Euch noch einen schönen Tag,
JuliaPapa

JuliaPapa
18.12.2005, 16:49
Hallo, zusammen,

passend zum heutigen Adventskaffee fand ich heute folgenden Artikel in unserer Zeitung:


"Götterspeise

Eine dunkle Leidenschaft: Die Deutschen entdecken ihre Liebe zu hochwertiger Schokolade

Von Dany Schrader
Zerstrittene Nachbarn vertragen sich nach dem Genuss handgeschöpfter Pralinen, Verzweifelte bekommen Mut von einer Tasse heißem Kakao, und ein altes Ehepaar erlebt nach dem Genuss aphrodisischer Schokoladentaler seinen zweiten Frühling. Fünf Jahre ist es her, dass Juliette Binoche in dem Film „Chocolat“ diese süßen Wunder vollbrachte und damit ein ganzes Dorf in Versuchung führte.
In der Zwischenzeit sind auch die Deutschen in Versuchung geraten – und essen so viel hochwertige Schokolade wie nie. Allein im vergangenen Jahr wurden 8,5 Kilogramm pro Kopf verzehrt. Zwar bleibt der Sieger unangefochten die meist sehr zuckrige Vollmilchtafel, doch eine zwölfprozentige Absatzsteigerung bei zartbitteren bis herben Sorten ist für die Branche Anlass genug, um von einem neuen Trend zu sprechen – von feinwürziger dunkler Schokolade, die früher bestenfalls zum Backen verwendet wurde. Dabei ist gerade sie zu empfehlen: Ihr Geschmack wirkt intensiv und haftet lange auf der Zunge.
Die Faszination für den Kinofilm von Lasse Halström ist aber nicht der einzige Auslöser für die neue Lust an Schokolade. Beim Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie wird vermutet, dass auch die Reisefreude der Schokoladenkonsumenten zu der veränderten Nachfrage geführt hat. In typischen Schokoladen-Ländern wie Belgien oder Frankreich liegt die Bitterschokolade mit Kakaoanteilen von bis zu 80 Prozent seit Jahrzehnten und anders als bei uns ganz selbstverständlich im Supermarktregal – trotz ihres höheren Preises.
Endlich greifen nun auch immer mehr Deutsche zu hochwertigen Produkten und immer ausgefalleneren Kreationen. „Es gab Zeiten, da war die Schokolade bei uns fast ein Billigprodukt. Inzwischen wird wieder Qualität geschätzt, und die darf ruhig etwas mehr kosten“, sagt Thomas Pape vom Informationszentrum Schokolade in Leverkusen.
Die Ideen meisterhafter Chocolatiers scheinen grenzenlos. Während französische Hersteller vor wenigen Monaten auf der Produktmesse „Salon du Chocolat“ in Paris herzhafte Ziegenkäse-Pralinés mit Bitterschokoladeüberzug zum Aperitif und getrocknete Tomaten im Schokomantel als Dessert zum Portwein priesen, zaubern kleine Manufakturen eine immer mannigfaltigere Sortenvielfalt auf den Markt. Die Kollektion des als mutigen Trüffelvirtuosen bekannten Österreichers Josef Zotter etwa bringt es auf mehr als 80 Sorten. Variationen wie Mocca-Hanf oder Bergkäse-Walnuss-Rosine sind populäre Raritäten, deren harmonisches Aroma positiv überrascht. Da kommt es vor, dass die Kunden in hannoverschen Läden wie der „Esplanade“ in der Geibelstraße sogar Vorbestellungen aufgeben, damit die Wunschtafel nicht vergriffen ist. Im Fachhandel „Choco l’Art“ in der Voßstraße achten die Kunden auf die Herkunft des Kakaos – mit Emulgatoren versetzte Mischungen gelten als unrein, Jahrgangsschokoladen bestimmter Kakaopflanzen hingegen sind besonders gefragt.
Doch auch größere Hersteller fordert die neue Schokoladenliebe zu ausgefallenen Experimenten heraus. Firmen wie Leysieffer stellten ihr Angebot schon früh auf dunkle Tafeln um und verzeichneten damit nach eigenen Angaben Zuwächse. Das Aachener Unternehmen Lindt bietet in diesem Jahr erfreulicherweise erstmals einen Schokoladenweihnachtsmann aus dunkler Schokolade an. Außerdem hat sich die zuvor eher helle Produktpalette deutscher Schokoladenhersteller erweitert: Neben Vollmilchnuss gibt es nun auch ganze Kollektionen dunkler Schokolade mit wunderbar abgestimmten Zutaten wie Erdbeermus und Pfeffer oder Chili und Sauerkirsche.
Die Idee ist nicht neu: Schon die Ureinwohner Mexikos verfeinerten den herben Geschmack der Kakaobohne im 9. Jahrhundert mit Chili, Pfeffer und Vanille und bereiteten daraus eine Art „Heißer Schokolade“: Die hieß damals „Xocoatl“ und galt als gesandte Speise des Gottes „Quetzalcoatl“. Auch die Azteken glaubten im 12. Jahrhundert an die Schokolade als Quelle von Weisheit, Gesundheit und Kraft.
Die heilende Wirkung von Kakao haben Wissenschaftler inzwischen tatsächlich bestätigt: Die Inhaltsstoffe der Kakaobohne sollen vor Krebs schützen, den Blutdruck senken und die Ausschüttung des Glückshormons Serotonin im Körper anregen. Dass Bitterschokolade in Verbindung mit Chilischoten tatsächlich wieder Leidenschaft in ein allzu ruhiges Eheleben bringt, bleibt ein Gerücht. „Man kann es ausprobieren. Wer sich aber von der Schokolade so viel erhofft, stört nur den Genuss. Und deshalb essen wir sie doch, oder?“, sagt Pape."


Interessant finde ich, daß auch auf diesem Gebiet der Geiz-ist-geil-Trend zumindest rückläufig ist. Lindt & Sprüngli würde als hochwertiger Anbieter davon mit Sicherheit profitieren. Gerade in der Weihnachtszeit macht das Unternehmen ja sein Hauptgeschäft, da kommt so ein Trend genau zur richtigen Zeit.

Warten wir ab, was die Zahlen bringen.


Einen schönen 4. Advent wüunscht Euch
JuliaPapa

filippina
18.12.2005, 19:52
Hallo Papa von Julia,

hier noch ein Interview mit Ernst Tanner (CEO & VR-Präsident):

http://www.bilanz.ch/edition....ID=2773 (http://www.bilanz.ch/edition/artikel.asp?Session=0306A826-AEC6-44D9-9371-7AEFF6C9AC9D&CID=106&CPID=119&DocumentID=906&AssetID=2773)

«Man muss wie ein Patron führen»

Ernst Tanner über seine Machtkonzentration bei Lindt & Sprüngli, den Kampf gegen belgische Schokolade und darüber, was Karrieren und Premiummarken gemeinsam haben.

Text: René Lüchinger, Marc Kowalsky
Bild: Vincent von Ballmoos

BILANZ: Herr Tanner, Sie empfangen uns für das Interview hier im Peninsula Hotel in New York, nicht am Hauptsitz in Kilchberg. Ist Lindt & Sprüngli inzwischen ein amerikanisches Unternehmen?

Ernst Tanner: Natürlich nicht. Unser Hauptsitz in Kilchberg ist eine Baustelle, da können wir momentan keine grösseren Meetings abhalten. Aber Tatsache ist, dass die USA für uns inzwischen der wichtigste Markt sind. Letztes Jahr haben wir hier nahezu 300 Millionen Dollar Umsatz gemacht, in den nächsten paar Jahren wird es eine halbe Milliarde sein. Und wenn man ein Global Player sein will – und das wollen wir –, muss man hier, im grössten Schokoladenmarkt der Welt, stark sein. Wir haben mit Lindt und unserer US-Tochter Ghirardelli die zwei am schnellsten wachsenden Premiummarken in Amerika überhaupt.

Ist die Konkurrenz so schlecht?

Schauen Sie, der Schokoladenmarkt war jahrzehntelang so träge wie fast kein anderer Markt. Bis Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre gab es überall nur eine Hand voll Schokoladensorten: Milch, Milch und Nuss, weisse Schokolade, vielleicht noch mit Mandeln, Praliné- und Fruchtfüllung, dazu zwei, drei andere Sorten. Wir haben seit 1995 den Schokoladenmarkt total revolutioniert. Wir bringen jedes Jahr 20, 30 neue Geschmacksrichtungen auf den Markt. In den USA führte man im Tafelbereich bisher das genau gleiche Sortiment wie in den siebziger und achtziger Jahren. Das ändern wir jetzt. Wir lancieren zum Beispiel hochprozentige Schokoladen – etwas, das man in den USA noch nicht kennt. Diese Revolution ist weltweit, und davon profitieren Konsumenten wie auch Konkurrenten.

Auch Ihre Mitbewerber bringen ständig neue Geschmacksrichtungen auf den Markt.

Das müssen sie. Unsere Konkurrenten brauchten früher zwei Jahre, bis sie uns kopiert hatten, jetzt brauchen sie noch sechs Monate. In Sachen Marktforschung und Erkennen von Konsumtrends sind wir unserer Konkurrenz Lichtjahre voraus. Wir arbeiten sehr viel mit Marktforschungsinstituten zusammen, um Trends rechtzeitig zu erkennen.

Haben Sie diese Marktforschungsmethoden von Ihrem früheren Arbeitgeber Johnson & Johnson (J&J) mitgebracht?

Ja. Die Amerikaner sind, was Marktforschung anbelangt, den Europäern immer noch weit voraus. J&J hat das schon in den sechziger Jahren akribisch betrieben. Ich bin da durch eine gründliche Schule gegangen, habe zehn Jahre lang alles en détail lernen müssen. Für mich sind die Nielsen-Marktanteilzahlen heute so wichtig wie die Gewinn- und Verlustrechnung. Wenn Sie anfangen, Marktanteile zu verlieren, ist es nur eine Frage der Zeit, bis es auf Ihre Erfolgsrechnung durchschlägt.

Ist es heute – Stichwort: transatlantische Spannungen – schwieriger für ein europäisches Unternehmen, in Amerika Erfolg zu haben, als noch vor ein paar Jahren?

Abgesehen davon, dass Amerika willkürlich Strafzölle gegen französische Produkte wie Käse und Schokoladetruffes eingeführt hat und unsere Chocoletti ebenfalls in diese Kategorie hineinfielen, hat sich eigentlich nichts geändert. Es ist nicht nur in Amerika, sondern überall schwieriger geworden, mit neuen Produkten Erfolg zu haben. Der ganze Handel ist inzwischen so konzentriert, dass Sie bei der Einführung von neuen Produkten extrem professionell vorgehen müssen. Die Einkäufer sind heute andere Kaliber als noch vor 20, 30 Jahren.

Nach den Skandalen bei Enron und WorldCom hat sich mit der Sarbanes-Oxley Act in den USA eine ganze Kontrollmaschinerie aufgebaut. Dieser US- Managementstil ist nun nach Europa übergeschwappt. Halten Sie das für positiv?
Wenn man ständig Diskussionen darüber führen muss, ob jetzt beispielsweise ein bestimmter Verwaltungsrat unabhängig ist oder nicht, finde ich das mühsam. Aber solange das dem Geschäft und den Aktionären dient, ist es in Ordnung. Etwa dass die Audit Committees das Recht haben, über alles Auskunft zu erhalten, was sie interessiert. Das hatten wir bei J&J schon vor 25 Jahren, und es hat uns nicht geschadet. Als ich mit 32 Jahren Managing Director von J&J Schweiz war, standen eines Morgens vier interne Buchprüfer aus der Konzernzentrale in New Brunswick bei mir vor der Tür. Das finde ich richtig. Ich sage meinen Leuten immer: Wir machen nichts, was die Öffentlichkeit nicht wissen dürfte. So haben wir ein reines Gewissen.

Die Corporate-Governance-Welle hat zu intensiven Diskussionen über die Ämtertrennung von CEO und Chairman geführt. Nestlé-Chef Peter Brabeck ist deswegen stark in die Kritik gekommen. Wie stehen Sie dazu?

Das kommt auf den Einzelfall an. Brabeck kann beide Jobs offensichtlich gut bekleiden. In den USA gibt es diese Ämterkumulation schon lange, und sie ist erfolgreich.

Sie selber besitzen eine noch höhere Machtkonzentration in Ihrem Unternehmen, die vermutlich einmalig ist in der Schweiz.
Jesses, Macht! Ich habe doch keine Machtkonzentration – ich habe höchstens eine Arbeitskonzentration.

Das glauben wir Ihnen gerne. Dennoch sind auch Sie CEO und Verwaltungsratspräsident in Personalunion, und zudem stehen Sie dem mit Abstand grössten Lindt-&-Sprüngli-Aktionär vor, dem patronalen Fonds.

Schauen Sie, ich bespreche alles mit meinen Leuten. Wir reisen gemeinsam in die Märkte, wir diskutieren gemeinsam die Budgets für nächstes Jahr. Und ich bespreche alles mit dem VR …

… dessen Präsident Sie ja sind.

Schon. Aber das sind doch keine Entscheidungen, die man im stillen Kämmerlein trifft. Wir haben ein Informationssystem aufgebaut für den VR, das etwas vom Professionellsten ist, was es gibt. Die Verwaltungsräte bekommen vor jeder Sitzung zwei Dossiers, in denen jedes Detail steht. Diese werden im Finanzdepartement erstellt, von mir redigiert, und in der Sitzung schauen wir sie gemeinsam durch. Auch das habe ich von meinem früheren Arbeitgeber übernommen. Manchmal glaubt die Presse wirklich, es gebe irgendwo ein Machtzentrum, wo alles entschieden wird. Das ist aber nicht der Fall. Und abgesehen davon: Selbst wenn ich Macht hätte, ich würde nie etwas entscheiden, das schlecht wäre für das Unternehmen, die Aktionäre oder die Angestellten. Das Wichtigste für mich sind Ehrlichkeit und ein guter Ruf. Deswegen würde ich bei Lindt & Sprüngli überhaupt keinen Vorteil sehen, wenn der Chairman- und der CEO-Job getrennt wären. Denn am Schluss muss einer entscheiden und die Verantwortung tragen.

Sie führen den Laden wie ein Patron.

Das muss man auch! Wir, das Topmanagement, kümmern uns um jedes Detail. Dies ist ein Teil unseres Erfolges. Ich kenne genug Unternehmen, da ist der CEO nicht detailliert darüber im Bild, was in seiner Firma läuft. Alles wird delegiert – ich glaube nicht, dass dies gut kommen kann. Das heisst ja nicht, dass ich den Länderchefs sage, was sie machen müssen, aber es heisst, dass ich mit ihnen eine Diskussion aufnehmen kann. Das wird geschätzt.

Haben Sie keine Angst, dass das System der Checks and Balances …

… ich wüsste nicht, wie und wo, wirklich nicht! Wie gesagt: Für mich ist der Ruf das Wichtigste. Ich habe mir über die letzten 40 Jahre einen Ruf aufgebaut, und den mache ich mir im dritten Teil meiner Karriere sicher nicht noch kaputt.

Trotzdem machen Sie sich angreifbar. Sobald Sie eines Tages aus irgendeinem Grund keinen Erfolg mehr haben sollten, würde es heissen: Der Tanner hat den Laden geführt, als ob er ihm gehören würde, das konnte ja nicht gut gehen!

Sie haben Recht: Da draussen gibt es Leute, die warten nur darauf, dass der Tanner ausrutscht. Und es kann in der Tat sein, dass mich der Erfolg eines Tages verlässt. Aber ich kenne unser Geschäft à fond und glaube deshalb, dass ich dann fundiert begründen könnte, warum wir jetzt halt mal ein Jahr unsere Ziele nicht erreicht hätten. Ich glaube nicht, dass ich mich zu sehr exponiere und angreifbar bin.

Sie haben einmal gesagt, der Aufbau einer Karriere gleiche dem Aufbau einer Premiummarke.

Das stimmt.

Was meinen Sie damit?

Ich bin vielleicht ein bisschen alte Schule. Ich habe die ersten zehn Jahre damit verbracht, überall mal hingeschickt zu werden, um mir die Basis anzueignen und für verschiedene Chefs zu arbeiten. Eine Karriere braucht Zeit und Geduld, man darf nicht ständig auf der Überholspur sein. In den achtziger Jahren wurden die Harvard-Absolventen frisch ab der Uni von den Consultingfirmen angeheuert für 140 000 Dollar. Diese Leute sind aufgestiegen wie Raketen, um dann schnell wieder zu verschwinden. Wir zahlten einem Produktmanager damals in den USA zwischen 40 000 und 45 000 Dollar. Aber die Leute, die sich die Zeit genommen haben, zu lernen und sich eine breite Basis anzueignen, wurden gefördert und sind heute noch bei uns. Auch eine Premiummarke braucht eine gute Basis und sehr viel Zeit, um aufgebaut zu werden, Sie können sie nicht einfach aus dem Boden stampfen. Deshalb nehmen wir uns, wenn wir in einen neuen Markt gehen, mehr Zeit als andere. Es gibt immer wieder Konkurrenten, die sich mit einem Kraftakt in unseren Markt drücken wollen. Sie zahlen dem Handel hohe Listing-Fees, nehmen unverkaufte Produkte zurück usw. Aber wir wissen genau: Nach zwei, drei Jahren verschwinden sie wieder.

Seit Ihrem Amtsantritt 1993 hat sich der Umsatz bei Lindt & Sprüngli von 821 Millionen auf über 2 Milliarden Franken erhöht, der Aktienkurs hat sich mehr als verzehnfacht. Was kann die Schweiz aus dieser Erfolgsstory lernen?

Wir können nur die beste Qualität verkaufen, Masse geht nicht! Und die Qualität muss kontinuierlich hoch sein. Dann brauchen wir eine gute Grundausbildung und stetige Weiterbildung. Ausbildung und on the job erworbenes Know-how sind unser wichtigster Trumpf. Wir müssen unsere Unternehmen so führen, dass grosse Restrukturierungen zum Ausnahmefall werden, und die volle Konzentration unserer Managementkapazitäten auf den weiteren Auf- und Ausbau unserer Unternehmen konzentrieren. Und wir müssen stolz darauf sein, Teil der Schweizer Kultur zu sein. Viele scheuen sich zu sagen: «Ich bin Schweizer und bin stolz darauf.» Aber ich bin Schweizer und bin stolz darauf.

Als Sie bei Lindt & Sprüngli angefangen haben, gab es zahlreiche andere Unternehmen, die mit ihren Produkten die Schweiz in der Welt vertraten, etwa Swissair, Bally oder auch Mövenpick. Sie sind verschwunden oder haben stark an Bedeutung verloren. Fühlen Sie sich heute allein gelassen in der Funktion des Schweizer Botschafters?

Allein gelassen nicht. Aber es gibt grössere Firmen als unsere. Die ABB zum Beispiel ist grösser, aber sie kreiert unter der Bevölkerung kein Schweizer Qualitätsimage. Wenn der Strom kommt, sieht man nicht, dass er von der ABB Schweiz kommt. Wir hingegen kreieren jedes Jahr gegen eine Milliarde Kaufentscheidungen zu Gunsten von Schweizer Schokolade und Schweizer Qualität. Insofern machen wir schon einiges für das Land.

Zurzeit sucht die halbe Schweizer Wirtschaft ihr Heil in China. Sie auch?

Ich war mit Bundesrat Joseph Deiss neulich auf einer Reise nach China. Wir haben den dortigen Handelsminister getroffen. Ich habe ihm eine Schachtel Lindt-Schokolade überreicht. Da hat er gesagt: «Swiss chocolate is the best – Swiss and Belgian chocolate.» Das mit Belgien hat mich geärgert. Dann bin ich in die Geschäfte gegangen und habe gesehen, warum er das gesagt hat: weil alle chinesischen Schokoladenprodukte gross mit «Belgium» angeschrieben sind. Belgische Truffes, belgische Pralinés, belgische Was-auch-immer. Auch wenn es gar keine Marke ist, so hat die belgische Schokolade dort dieses Qualitätsimage. Aber das werden wir noch korrigieren.

Das heisst, nachdem Sie die USA erobert haben, nehmen Sie jetzt China in Angriff?

In den letzten sechs, sieben Jahren habe ich gesagt: Zuerst müssen wir es in den USA schaffen. Ich will mich nicht verzetteln. Wenn wir es dort nicht schaffen, schaffen wir es auch im Fernen Osten nicht. Und Asien ist ein eher langfristiges Projekt, weil der Schokoladenkonsum noch ziemlich niedrig ist. Wir können deshalb nicht sagen, wir erobern China. Wir lancieren Lindt in Peking und Shanghai, mittelfristig vielleicht noch in zwei weiteren Städten. Wir machen erst ein paar Millionen Umsatz in China – aber von etlichen Firmen, die es versuchen, sind wir die einzige, die kein Geld verloren hat. Denn China ist wirklich der wilde Osten. Distributoren zahlen nicht, dann verschwinden sie einfach, tauchen später unter neuem Namen wieder auf usw. Wenn ich etwas hasse, dann ist es, Geld zu verlieren!

Sie sind jetzt 59. Werden Sie bei Lindt pensioniert werden?

So Gott will.

Gibt es nichts, was Sie noch reizen könnte nach dem Motto «Jetzt will ich es noch mal wissen!»?

Jetzt will ich es hier noch mal wissen!

Was möchten Sie noch erreichen?

Die USA liegen mir sehr am Herzen, da möchte ich wirklich, dass Lindt & Sprüngli ein Powerhouse ist. Eine halbe Milliarde Umsatz will ich hier erreichen, langfristig auch eine Milliarde. Und dann reizt mich der Ferne Osten schon. Dann wären wir wirklich ein globales Unternehmen.

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Hört sich das nicht gut an?

Grüsse, flippi

JuliaPapa
24.01.2006, 11:41
Guten Morgen,

zuckersüße Nachrichten gibt es heute aus Kilchberg:

"Lindt & Sprüngli legt 2005 beim Umsatz deutlich zu

Die schweizerische Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli AG (ISIN CH0010570767/ WKN 870503) konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr aufgrund eines deutlich gesteigerten Absatzes bei Schokolade und Süßwaren einen kräftigen Umsatzanstieg vorweisen.
Wie der Konzern am Dienstag bekannt gab, lag der Konzernumsatz im Gesamtjahr 2005 bei 2,247 Mrd. Schweizer Franken (CHF), nach 1,995 Mrd. CHF im Vorjahr. Dies entspricht einem Anstieg von 12,6 Prozent. Bereinigt um Wechselkurseffekte verzeichnete der schweizerische Traditionskonzern einen Erlösanstieg um 11,4 Prozent.

Für das Gesamtjahr 2005 erwartet Lindt & Sprüngli im Vergleich zum prozentualen Umsatzwachstum leicht höhere Wachstumsraten beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) sowie beim Nettogewinn und geht damit von einer Erfüllung der langfristigen strategischen Konzernziele aus.

Die Aktie von Lindt & Sprüngli notierte zuletzt an der Heimatbörse mit einem Plus von 2,17 Prozent bei 2.350,00 CHF."

Das schmeckt die leckere Schokolade mit 70 % Kakao-Anteil gleich doppelt so gut...

Gruß,
JuliaPapa

JuliaPapa
14.03.2006, 17:44
Hallo,

heute wurden Zahlen zum Gewinn gemeldet:

"Die schweizerische Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli AG (ISIN CH0010570767/ WKN 870503) verbuchte im abgelaufenen Fiskaljahr aufgrund eines deutlich verbesserten Kostenmanagements trotz gestiegener Material- Transport- und Energiekosten ein Rekordergebnis.
Wie der Süßwarenhersteller am Dienstag erklärte, lag der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) im Gesamtjahr bei 248,6 Mio. Schweizer Franken (CHF), was im Vergleich zum Vorjahr einem Anstieg von 15,2 Prozent entspricht. Der Nettogewinn verbesserte sich im Vorjahresvergleich um 15,9 Prozent auf 172,7 Mio. CHF. Beim Konzernumsatz verbuchte Lindt & Sprüngli ein Plus von 12,6 Prozent auf 2,25 Mrd. CHF.

Für das abgelaufene Fiskaljahr wird die Gesellschaft der Hauptversammlung die Anhebung der Dividende von 180 CHF auf 225 CHF je Aktie vorschlagen.

Die Aktie von Lindt & Sprüngli notierte an der Heimatbörse zuletzt bei 2.526 CHF."


Mal abgesehen davon, daß in der Meldung Aktien und Part.-Scheine durcheinander geworfen wurden, sind das doch nette Meldungen...

Gruß,
JuliaPapa

prince of persia
23.08.2006, 10:30
Im Handelsblatt gibt es heute Report über den Schoki-Chef:

Der Premium-Mann

Ernst Tanner hat den altehrwürdigen Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli mächtig durchgewirbelt. Der Lohn: schwarze Zahlen und ein stetig steigender Aktienkurs.

OLIVER STOCK | ZÜRICH
Sollten Sie beim Lesen dieser Zeilen ein Stück Schokolade kauen - macht nichts. Ihre Figur wird nicht leiden. "Schokolade macht nicht dick, sondern glücklich." Das behauptet zumindest Ernst Tanner. Und der muss es wissen. Obwohl: So richtig neutral ist er in dieser Frage auch nicht, als Chef und Verwaltungsratspräsident von Lindt & Sprüngli, einem der weltgrößten Anbieter edler Schokolade.

Doch immerhin: Er wiegt, wie er so dasteht in seinem gedeckt blauen Anzug, kein Gramm zu viel. Und das, obwohl er gerade wieder eine von diesen rot eingepackten nougatgefüllten Kugeln verzehrt. Und noch eine.

Managern der Schokoladenindustrie begegnen die Menschen offener als Kollegen aus, sagen wir mal, der Maschinenindustrie. Es ist schon das Produkt, das Herzen öffnet. Dass es auch die Portemonnaies öffnet, daran hat Tanner hart gearbeitet.

Gestern wurde wieder abgerechnet: Umgerechnet 620 Millionen Euro Umsatz haben die Chocolatiers von Lindt im traditionell schwachen ersten Halbjahr erzielt, eine Steigerung von über 17 Prozent. Als Tanner vor mehr als zehn Jahren in die Führungsetage des Schokoladenherstellers vom Kilchberg bei Zürich einzog, waren es keine 250 Millionen.

Der Reingewinn beträgt aktuell 6,3 Millionen Euro. Damit hat die Schokoladenfabrik erstmals in der 160-jährigen Firmengeschichte innerhalb der ersten sechs Monate, in denen kein Weihnachtsgeschäft das Ergebnis nach oben treibt, überhaupt schwarze Zahlen geschrieben.

Aktionäre, die von der jährlichen Hauptversammlung in Zürich kommen, schleppen nicht nur regelmäßig einen blauen Koffer voller Schokolade nach Hause, sondern tragen seit Tanners Amtsantritt auch ein Strahlen im Gesicht, weil sich der Aktienkurs mal wieder vervielfacht hat.

Wie machen Sie das, Herr Tanner? "Der Aufbau einer Karriere gleicht dem Aufbau einer Premiummarke", sagt Tanner in solchen Fällen und deutet damit an, wie sehr der Chef und sein Produkt miteinander verschmolzen sind.

Rudolph Sprüngli ist es, der letzte Firmenchef aus der Gründerfamilie, der 1993 sein Amt in die Hände des weit gereisten Bauernsohns aus dem Schaffhausischen legt. Tanner hatte es zuvor im Salben- und Putzmittelimperium des amerikanischen Konsumgüterkonzerns Johnson & Johnson zum Europa-Chef gebracht.

Der neue Mann lässt es rundgehen im betagten Schoggi-Zentrum: Er feuert innerhalb von sechs Monaten elf der 13 Chefs der Tochterfirmen. Die freien Posten besetzt er mit Vertrauten, überwiegend mit Managern, mit denen er bei Johnson & Johnson zusammengearbeitet hatte.

Der Auftrag für die neue Führungsmannschaft heißt: profitabel wachsen. Tanner verabschiedet sich vom Massenmarkt, erklärt die deutschen Discounter zur Tabuzone. Er konzentriert sich auf Edelschokolade, forciert die internationale Expansion, etwa nach Amerika, und tritt nebenbei eine kleine Revolution los, in den schokoladenduftgeschwängerten Produktionshallen in Kilchberg ebenso wie in der ganzen Branche: "Bis Anfang der neunziger Jahre gab es überall nur eine Hand voll Schokoladensorten", stellt er fest. "Milch, Milch und Nuss, weiße Schokolade, vielleicht noch mit Mandeln, Praliné- und Fruchtfüllung. Wir aber bringen jedes Jahr 20 bis 30 neue Geschmacksrichtungen auf den Markt."

Grundlage für die Schokoladenkreationen der Schweizer bildet jene fein schmelzende Schokolade, die der andere Namensgeber des Unternehmen, Rodolphe Lindt, 1879 erfunden hat. In einer Zeit, in der Schokolade vor allem flüssig konsumiert wurde, erfand er die "Conge", eine Reibe in einem muschelförmigen Trog, die die Schokoladenmasse innerhalb von 76 Stunden veredelt. Die Aromen breiten sich aus, säuerliche oder bittere Geschmacksstoffe verflüchtigen sich. Das macht glücklich. In Deutschland gibt es seit 1986 die Tochterfirma Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli GmbH in Aachen.

Von hier kommt der legendäre goldene Osterhase mit dem roten Halsband und der kleinen Glocke daran. Er ist so beliebt, dass er sogar gefälscht wird - eine Tatsache, die Tanner genauso wie alle anderen Hersteller von Originalen ärgert und gleichzeitig schmeichelt: "Viele Konkurrenten", sagt er, "haben gar keine Entwicklungsabteilung mehr. Die schauen einfach, was wir machen, und machen es nach."

Zu diesem Weihnachtsfest, für das die Vorbereitungen in der Schokoladenfabrik schon beinahe abgeschlossen sind, will Tanner seine erfolgreiche Tierfamilie vergrößern: Es soll ein ebenso goldig eingepacktes Rentier aus Schokolade geben. "Wir werden dieses Tier zu Weihnachten ähnlich gut wie den Goldhasen zu Ostern großziehen", versichert der Schoggi-König und lacht sein breites Lachen.

Solche Sprüche machen eben Marketingprofis. Und Tanner ist einer, der sein Handwerk gründlich gelernt hat. "In Sachen Marktforschung und Erkennen von Konsumtrends sind wir unserer Konkurrenz Lichtjahre voraus", behauptet er. Wenn er so redet und dazu Schokolade isst, erinnert er an Nicolas Hayek, der sich mit mindestens fünf Edeluhren gleichzeitig schmückt und mit seiner Swatch-Gruppe ebenso verschmolzen zu sein scheint wie Tanner mit Lindt & Sprüngli. "Lichtgestalten der Schweizer Unternehmerzunft" werden beide in der Schweiz betitelt. Zufällig sitzt Tanner im Verwaltungsrat der Swatch-Gruppe, genauso übrigens wie im Kontrollgremium der Credit Suisse.

Damit laufen bei dem glücklichen Manager einige Fäden zusammen, an denen er ziehen kann, um in der Schweiz, wo Uhren, Banken und Schokolade ein Viertel der Wirtschaftskraft ausmachen, etwas zu bewegen.

So viele Ämter könnten anderen Misstrauen einbringen. Peter Brabeck, Chef und Verwaltungsratspräsident von Nestlé und ein ähnliches Multitalent in Kontrollgremien wie Tanner, hat das vergangenes Jahr erfahren. Er segelte, als es bei der Generalversammlung um seine Wahl zum Präsidenten ging, ziemlich knapp an einer Niederlage vorbei. Nicht so Tanner. Weil die meisten Menschen Süßes mögen, mögen die meisten eben auch Tanner. Und auf Kapriolen wie Brabeck, der mit Nestlé Schokolade anbietet und gleichzeitig ein Diät-Unternehmen dazukauft, lässt sich Tanner nicht ein. Bei Begriffen wie "Nutrition" oder "Functional Food", die Brabeck problemlos über die Lippen gehen, erstirbt Tanners Lächeln. "Wer unsere Produkte isst", sagt er und hält nach einer weiteren roten Kugel Ausschau, "soll genießen können, ohne an Gesundheit, Kalorien oder andere Nebenwirkungen zu denken."