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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Turnaround-Strategie



mangogul
26.09.2002, 23:46
Liebe Mitinvestoren,

wo gibt es jetzt und in absehbarer Zeit die aussichtsreichsten Turnaround-Kandidaten? Wie lassen sie sich methodisch identifizieren? Wie lassen sich besonders qualitätsvolle Unternehmen identifizieren, die nur vom allgemeinen Trend ihrer Branche mit in die Tiefe gerissen werden?

Zur Anregung der Diskussion folgendes: Ich habe mir auf Basis der Daten von 2001 eine Auswertung aus der Bloomberg-Datenbank machen lassen: amerikanische und europäische Unternehmen aus den Branchen Werbung/Medien und Versicherung, jeweils mit Eigenkapitalrendite und –quote (leider nicht KGV) -- wer die Auswertungen erhalten will, schreibe an cf31241@cyberfun.de oder sage mir, wem ich die Dateien schicken kann, damit sie ggf. zum Download hier im Forum bereitgestellt werden können.

Wenn es jemand für sinnvoll erachtet, könnte man die besten Unternehmen dieser (oder anderer, vielleicht ähnlicher Listen) auf ihre langjährige Qualität hin arbeitsteilig analysieren, die Resultate diskutieren und so etwas wie eine Watchlist festlegen.

Für Reaktionen dankt im voraus
Christoph

Learner6
27.09.2002, 09:26
guten morgen christoph,

ich finde die idee gut einmal qualitätsunterunternehmen nach turn-arround-gesichtspunkten zu durchleuten.

meine mailadresse:
rolf_co@web.de

vielen dank schon mal im voraus

liebe grüsse

rolf

filippina
27.09.2002, 16:01
Hallo Christoph,

Turnaround-Kandidaten interessieren mich immer und eine Diskussion darüber oder Methodik ebenso.

Grüße
filippina

Sigip
27.09.2002, 23:34
Hallo Cheistoph, eine gute Idee. Ich bin interessiert, meine Adresse ist sigip2@gmx.de

Volker Gelfarth
28.09.2002, 09:39
selbstverständlich habe auch ich Interesse.

gelfarth@value-analyse.de


Vielen Dank und Gruss
Volker

Learner6
29.09.2002, 00:04
hallo christoph,

ich habe gerade gesehen, das meine mailadresse undeutlich rübergekommen ist. sie lautet

rolf_co@web.de

zwischen rolf und dem co ein unterstrich (_).

vielen dank schon mal im voraus;)

liebe grüsse

rolf

ClausJ
07.10.2004, 09:58
Hallo
Ich wollte das Thema noch einmal aufgreifen, da es meiner Ansicht nach sehr interessant ist. Meine Kriterien können gerne diskutiert, abgeändert, verbessert, erweitert werden.
Als erstes fände ich es ganz gut, wenn man eine grobe Richtschnur festlegt. Ab wann ist ein Unternehmen interessant ist bzw. wann soll man eher die Finger weg lassen?
Nachdem die allgemeine Analyse abgeschlossen ist, muss noch die Frage nach dem Preis erörtert werden. Was ist ein Turn-Arroundkandidat wert?

Vielleicht eignet sich zur Analyse zunächst ein deutsches Unternehmen, da es für jeden Teilnehmer einfacher ist, die Bilanzen zu verstehen (ich eingeschlossen). Soviel ich weiss, hat Dieter Zahlen und Daten zu Dr. Hönle (im Rahmen der Aktien-Analyse). Dies ist für mich ein aussichtsreicher Kandidat.

Bei Turn-Arroundwerten ist es mir zunächst sehr wichtig, dass die Bilanzstruktur stimmt. Selbst wenn das Unternehmen den Turn-Arround nicht schafft, sollte das Unternehmen abgesichert sein.

Gute Bilanzstruktur:
EK-Quote mindestens 40%
Bei Turn-Arround-Unternehmen sollte eine recht hohe EK-Quote vorhanden sein.

Geringe immaterielle Werte/Goodwills:
Hohe Goodwills und hohe immaterielle Werte bergen die Gefahr von hohen Abschreibungen. Dies kann dazu führen, dass bei Abwertung (Abschreibung) der Turn-Arround negativ beeinflusst wird. Da man als Anleger nie genau die Werthaltigkeit der immateriellen Werte kennt ist hier besondere Vorsicht geboten.

Geringe Verschuldung:
Die kurzfristigen Verbindlichkeiten sollten auf jeden Fall vom Umlaufvermögen gedeckt sein.
Besser noch von den liquiden Mitteln. Der Anteil der Forderungen und Lagerbestände/Vorräte sollten nicht oder nur gering über den Vorjahren liegen.

Bei Turn-Arroundwerten ist es wichtig die Bilanzen der letzten 5 Jahren zu sichten. Wurde in der Vergangenheit Sonderabschreibungen durchgeführt um die Bilanz/GUV in Zukunft besser aussehen zu lassen.


Steigende Umsätze/sinkende Kosten
Der Turn-arround muss schon sichtbar sein, da sonst das Risiko des Aktienkaufs zu groß wird. Das heißt in den letzten 2 bis 3 Quartalen sollten Umsatzzuwächse sichtbar sein. Gut ist, wenn die Unternehmen an der Kostenschraube gedreht und diese entsprechend gesenkt haben.
Evtl. eignen sich hier die Kennzahlen : Materialkostenquote/Personalkostenquote. Je geringer der Anteil der Personalkosten/Materialkosten/Vertriebskosten am Umsatz desto besser.

Positiver operativer Cashflow:
Es ist sehr wichtig, dass die Unternehmen einen positiven operativen Cashflow erzielen. Vorsicht ist geboten, wenn Unternehmen Gewinne ausweisen, aber der operative Cashflow negativ ist.

Sachinvestitionen:
Je niedriger die Sachinvestitionen eines Unternehmens sind, desto besser. Auch hier sollte man die langjährigen Bilanzen durchforsten um erkennen zu können welche Sachinvestitionen das Unternehmen tätigen muss, um das Geschäft am laufen zu halten

Qualitätskriterien
Das Management sollte vertrauenswürdig sein. Kennt das Management das Geschäft. Wurde ein neues Management eingesetzt. Wenn ja, sollte man besonders darauf achten, ob in der Vergangenheit Sonderabschreibungen getätigt wurden, um die Bilanzen zukünftig aufzupeppeln. Wie stark ist das Management am Unternehmen beteiligt.
Das Management bekommt in der Regel den Turn-Arround als erstes mit. Hat das Managemet Aktienkäufe durchgeführt.

Befindet sich das Unternehmen in einem wachsenden Markt, oder ist eher mit sinkenden Margen zu rechnen.


Gruß
Claus

filippina
07.10.2004, 23:55
Hallo Claus,

ich bin interessiert.

Wollen wir anhand von Dr. Hönle mal eine Analyse durchführen?

Mir ist noch nicht ganz klar, ob deine Anforderungen nicht zu weit gehen. Aber wir können es ja gemeinsam erarbeiten. Das Thema hatte mich schon früher interessiert. Gut, dass du es wieder angesprochen hast.

Grüsse
flippi

Dieter
08.10.2004, 09:16
Hallo zusammen,

auch ich habe mir die Anforderungen angeschaut. Wenn ein Unternehmen diese Anforderungen erfüllt, drängt sich mir die Frage auf, warum es ein Turnaround-Kandidat ist.

Gruß
Dieter

ClausJ
08.10.2004, 09:18
Hallo Flippi,

gerne, lass uns das mal mit Hönle durchsprechen. Vielleicht definieren wir mal was ein Turn-Arround Kandidat genau ist.

Meiner Meinung nach ist das ein Unternehmen, welches aus der Verlustzone kommt und Besserung in Sicht ist. Bei Hönle ist das bedingt der Fall, da Hönle nur in einem Jahr in die Verlustzone gerutscht ist und sonst eigentlich immer profitabel war. Aber trotzdem würde ich es als Turn-arround- Kandidat bezeichnen.

Der Risikoreiche oder informierte Anleger wird wahrscheinlich deutlich früher einsteigen als ich. Denn ich will den Turn-Arround möglichst nachhaltig bestätigt haben.
Dem Informierten Anleger (Insider) wird schon vorher die Auftragslage kennen..., so dass er das Risiko deutlich besser abschätzen kann.

Ich würde vorschlagen wir analysieren als erstes die Bilanzen von 2000 bis heute. Oder wie willst Du/Ihr vorgehen?

Gruß
Quax

ClausJ
08.10.2004, 09:24
Nochmal ich,

"auch ich habe mir die Anforderungen angeschaut. Wenn ein Unternehmen diese Anforderungen erfüllt, drängt sich mir die Frage auf, warum es ein Turnaround-Kandidat ist."

Welche Anforderungen meinst Du genau? Das nachhaltige bestätigen eines Umsatzzuwachses?
Vielleicht sollten wir das ein oder andere Kriterium weglassen/abändern/erweitern. Ich bin für alles offen.

Gruß
Claus

ClausJ
08.10.2004, 13:05
Hallo

habe mir soeben Dr. Hönle nochmals genauer angeschaut. Dieser Wert eignet sich tatsächlich nicht zur Turn-arround-Analyse, da der Verlust in 2002 anfiel und Dr. Hönle schon in 2003 wieder Gewinne erwirtschaftete. Dieser Turn-arround ist in 2004 nachhaltig bestätigt worden.

Evtl suchen wir doch einen anderen Kandidaten. Hat jemand einen Vorschlag?

Evtl. macht es auch Sinn aus der Vergangenheit zu lernen. Man könnte vielleicht versuchen aus Dr.Hönle oder einem anderen Turn-Arround-Wert abzuleiten, ab wann der Turn Arround abzusehen war.

Als erstes sollten wir aber definieren, was ist ein möglicher Turn-arround Kandidat? Welche Voraussetzungen sollte ein *Unternehmen mitbringen?

filippina
08.10.2004, 21:31
Hallo Claus,

Als erstes sollten wir aber definieren, was ist ein möglicher Turn-arround Kandidat?

Ja.

Alstom ist momentan ein Sanierungsfall. Hier kann man untersuchen, ob dieses Unternehmen den Turnaround schaffen wird oder überhaupt kann.

Bei Escada könnte eventuell der Turnaround geschafft werden.

Benetton arbeitet auch daran

Bei Hucke kann man sich streiten.

Das wären Kandidaten, die mir spontan einfallen und bei denen ich einen Turnaround definiere.


Evtl. macht es auch Sinn aus der Vergangenheit zu lernen.

Das könnten wir. Allerdings gefallen mir aktuelle Fälle immer besser, denn da können wir gleich in der Realität unsere Einschätzung auf Richtigkeit überprüfen.

Als erstes sollten wir aber definieren, was ist ein möglicher Turn-arround Kandidat?

Ja. Ohne eine Methodik können wir keine anständige Analyse machen.

Momentan fehlt mir noch der Ansatz, aber den entwickeln wir ja.

Grüsse
flippi

ClausJ
12.10.2004, 15:37
Hallo,

Welche Definition stimmt (Turn-Arround-Kandidat)?

1) Unternehmen welche Umsatzverluste hinnehmen mussten und dadurch Gewinneinbrüche erlitten?

2) Unternehmen welche Verluste machen unabhängig von den generierten Umsätzen?

3) Unternehmen deren Aktienkurs seit langem nach unten zeigt?

4) Unternehmen welche trotz Umsatsteigerungen Gewinneinbußen verzeichnen?

5) Unternehmen mit günstigen KGV und KUV. Weil der Markt diesen Werten wenig Potential zubilligt. Hier stellt sich die Frage: Unentdeckter Wert oder kein Potential vorhanden?

Ich sehe schon, es ist nicht einfach einen solchen Kandidaten genau zu definieren? Die einfachste Lösung ist es, nur nach dem Gewinn zu schauen. Aber meiner Meinung nach ist das nicht die einzig richtige Lösung.

Gruß
Claus

Volker Gelfarth
13.10.2004, 11:34
"Welche Definition stimmt (Turn-Arround-Kandidat)?"

Das weiß ich nicht. Aber zwischen

„Turn-Around-Kandidat“

und

„hervorragenden Unternehmen mit vorübergehenden Problemen“

ist ein riesiger Unterschied.

Gruß
Volker

ClausJ
13.10.2004, 12:58
Hallo Volker,

ja, das sehe ich genauso. Deshalb unterscheiden sich wohl auch die Strategien des Valueansatzes und des sehr spekulativen Kaufs eines möglichen Turn-Arround-Kandidaten.
Man muss sich seiner Sache im zweiten Fall sehr sicher sein, um sich nicht eine blutige Nase zu holen.

Vielleicht ist es sinnvoll, unsere Turn-Arround-Kandidaten weiterhin unter Value-Gesichtspunkten zu definieren.
Hervorragende Unternehmen mit vorübergehenden Problemen und fallenden bzw. stark gefallenen Aktienkursen. Hier fällt mir spontan Nokia ein. Allerdings mit Einschränkung, da man nicht so recht erkennt, ob es bei Nokia über vorübergehende Probleme handelt.

Gruß
Claus