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20.01.2004, 14:36
Zweitmarkt für Todesfallversicherungen in
Gebrauchte Amerikanische Todesfallversicherungen investieren?

Zum Chance/Risiko-Verhältnis von geschlossenen Fonds,
die in amerikanische Todesfallversicherungen investieren
Quantitative Analysen am Beispiel zweier Life Bond Fonds
Von Dr. Jochen Ruß, Geschäftsführer ifa Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften, Ulm
1. Einführung
Die Grundidee
Geschlossene Fonds, die in amerikanische Todesfallversicherungen investieren,
stellen eine neue, hochinteressante Form der Kapitalanlage dar, die bisher
hauptsächlich institutionellen Anlegern vorbehalten war und nun erstmals auch für
Privatanleger zur Verfügung steht.
Kunden, die ihre Lebensversicherungspolice aus den unterschiedlichsten Gründen
nicht mehr benötigen, hatten bislang nur die Möglichkeit, diese zu stornieren. In den
USA gibt es sehr viele Menschen, die auch in hohem Alter noch
Lebensversicherungspolicen mit relativ langer Restlaufzeit und sehr hohem
Todesfallschutz besitzen und nicht mehr benötigen. Viele dieser Kunden sind nicht
mehr ganz gesund, haben also eine kürzere Lebenserwartung als der
durchschnittliche Amerikaner gleichen Alters. Man kann somit davon ausgehen, dass
die Todesfallleistung der Policen dieser Kunden früher fällig wird, als vom
Versicherer erwartet. Daher haben solche Policen einen Wert, der (teilweise deutlich)
höher ist als der Rückkaufswert.
Der faire Wert von Todesfallversicherungen ist umso höher, je kürzer die
Lebenserwartung des Versicherten ist. Rückkaufswerte von Versicherern
lassen dies unberücksichtigt.
Die Abwicklung des Policenkaufs
Wenn ein Versicherungsnehmer eine derartige Police an einen Fonds verkaufen will,
stellt er dem Fonds die medizinische Historie der versicherten Person zur Verfügung.
Von einem zertifizierten Gutachter wird anhand dieser Informationen die
voraussichtliche Lebenserwartung der versicherten Person bestimmt. Dann kauft der
Fonds dem bisherigen Versicherungsnehmer die Lebensversicherungspolice ab und
bezahlt – je nach Lebenserwartung – einen Preis, der in der Regel deutlich über dem
Rückkaufswert liegt. Der Fonds besitzt dann die Police, zahlt die fälligen Prämien an
die Versicherung und erhält beim Tod der versicherten Person die entsprechende
Versicherungssumme. Die Erträge aus den gekauften Policen werden dann an die
Investoren ausgeschüttet. So beginnt das eingesetzte Kapital bereits nach zwei bis
drei Jahren wieder an die Anleger zurückzufließen.
Der Fonds kauft stornowilligen Kunden die Policen ab, bezahlt die weiteren
Prämien und erhält die Todesfallleistung. Die Kalkulation des Kaufpreises
berücksichtigt die reduzierte Lebenserwartung der versicherten Person.
Unabhängigkeit von Kapitalmärkten
Fonds, die in amerikanische Todesfallversicherungen investieren, unterscheiden sich
stark von Fonds, die deutsche Kapitallebensversicherungen erwerben. Bei einer
Investition in Kapitallebensversicherungen wird im Regelfall die
Versicherungssumme der einzelnen Policen bei Erleben des Ablauftermins
ausbezahlt. Der Zeitpunkt ist bekannt, die Höhe der Leistung hängt jedoch von den
Überschussbeteiligungen (insbesondere auch den Schlussüberschüssen) ab, die der
Versicherer dem Vertrag gutschreibt. Somit hängt die Rendite, die der Investor
erhält, sehr stark von den Erträgen ab, die der Versicherer am Kapitalmarkt
erwirtschaftet. Bei den hier betrachteten Life Bond Fonds ist dies nicht der Fall. Die
Höhe der Todesfallleistung ist bekannt, einzig der Zeitpunkt ist ungewiss. Die
Rendite hängt ausschließlich vom Todeszeitpunkt der versicherten Personen ab, ist
also unabhängig von Aktien- und Zinsentwicklungen.
Die Rendite von Fonds, die in Kapitallebensversicherungen investieren, hängt
stark von den Kapitalmärkten, z.B. der Entwicklung von Aktien und Zinsen ab.
Die Rendite der Life Bond Fonds ist hingegen weitestgehend unabhängig von
den Kapitalmärkten.
Sonstige Risiken
Trotz der weitgehenden Unabhängigkeit von Kapitalmarktrisiken weisen solche
Fonds Risiken auf. Die wichtigsten werden im Folgenden aufgezählt.
Zunächst ist das Irrtumsrisiko zu nennen. Darunter versteht man die Möglichkeit,
dass die von den Gutachtern errechneten Lebenserwartungen falsch sind. Des
Weiteren besteht ein statistisches Schwankungsrisiko. Damit ist das Risiko gemeint,
dass durch puren Zufall – selbst wenn die Lebenserwartungen korrekt sind – deutlich
mehr Versicherte als erwartet länger leben können als prognostiziert. Das
Irrtumsrisiko ist also das Risiko, dass die vorgegebenen Wahrscheinlichkeiten falsch
sind, wogegen das Schwankungsrisiko das Risiko darstellt, dass zufällig ein
unwahrscheinliches Ereignis geschieht. Dass das Schwankungsrisiko sehr gering ist,
zeigen die Ausführungen in Abschnitt 2.
Darüber hinaus besteht ein Risiko, dass ein Fonds, nachdem er aufgelegt wurde,
nicht genügend „gute“ Policen zum Kauf findet. Derzeit wächst das Angebot an
Policen schneller als die Nachfrage, sodass man davon ausgehen kann, dass dieses
Risiko in näherer Zukunft eine geringe Rolle spielen wird.
Schließlich ist noch das Risiko zu nennen, dass die Lebensversicherer die Prämien
nach oben anpassen. In diesem Fall muss der Fonds höhere Prämien bezahlen als
geplant. Dies würde die Rendite reduzieren.
Moralische Bedenken unangebracht
Moralische Bedenken gegen dieses Konzept sind zwar durchaus nachvollziehbar,
erweisen sich bei genauerer Betrachtung aber als nicht angebracht. Zwar ist die
Rendite des Fonds umso höher, je früher die versicherten Personen sterben, aber
dies ist in der Lebensversicherungsbranche ein völlig normaler Vorgang.
Entscheidend ist, dass der Fonds beim Erwerb einer Police jeweils den
Gesundheitszustand der versicherten Person berücksichtigt und aufgrund dieser
individuellen Kalkulation dem Verkäufer einen Preis bezahlen kann, der deutlich über
dem Rückkaufswert liegt. Ein Kunde mit reduzierter Lebenserwartung erhält somit
überhaupt erst durch derartige Fonds die Möglichkeit, einen fairen Preis für seine
Police zu erzielen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass einzelne Bundesstaaten in
den USA dazu übergehen, Versicherer zu zwingen, stornowillige Kunden auf die
Möglichkeit eines Verkaufs hinzuweisen. Im übrigen vermitteln in den USA auch
kirchliche Organisationen solche Policen.
Der Fonds spekuliert nicht auf den Tod, sondern tut Gutes für gesundheitlich
angegriffene Versicherungsnehmer.
Steuerliche Situation
Die Erträge aus dem Fonds sind zu einem großen Teil einkommenssteuerfrei, da sie
Todesfallleistungen aus Lebensversicherungen darstellen. Die Übertragung der
Fondsanteile durch Schenkung oder Erbschaft stellt darüber hinaus eine gute
Möglichkeit dar, die anfallende Schenkungs- bzw. Erbschaftssteuer zu senken. Von
dem Moment an, an dem die Gelder in Lebensversicherungspolicen investiert sind,
fallen nämlich nur noch Steuern für die Barreserve des Fonds an. Die Policen, die
der Fonds besitzt, haben hingegen einen sehr geringern Übertragungswert, oft sogar
„Null“.
Der Fonds ist steuerlich attraktiv – sowohl hinsichtlich Einkommenssteuer als
auch im Schenkungs- und Erbschaftsfall.
2. Das Chance/Risiko-Verhältnis der Fonds
In diesem Abschnitt wird das Chance/Risiko-Potenzial von zwei derartigen Fonds mit
dem Chance/Risiko-Potenzial einer Aktieninvestition verglichen. Dazu wurden
Prognoserechnungen erstellt für die ersten beiden derartigen Fonds am deutschen
Markt, den Life Bond 1 Fonds und den BVT Life Bond 1 Fonds, die im Jahr 2002
aufgelegt wurden. Dabei wurde angenommen, dass die Lebenserwartungsgutachten
zu den gekauften Policen korrekt sind und die Versicherer die heute genannten
Prämien nicht erhöhen werden. Weder ein Agio der Fonds noch eventuelle
Transaktionskosten beim Erwerb der Aktien wurden berücksichtigt.
Chance/Risiko bei Investition in Aktien
Zunächst wurde analysiert, welches Chance/Risiko-Verhältnis ein Kunde erwarten
kann, der sein Geld für zehn Jahre in ein gestreutes Portfolio von Blue-Chip Aktien –
hier repräsentiert durch den DAX – investiert. Als Anhaltspunkt dienten die in der
Vergangenheit erzielbaren Renditen. Als Datenbasis wurden die täglichen
Schlusskurse des DAX30 Performance Index ab dem 01.10.1959 bis zum
08.08.2003 verwendet.


Komplet unter
http://www.ifa-ulm.de/downloads/Versicherungswirtschaft_11.pdf

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