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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Turnaround-Strategie



filippina
06.10.2002, 19:28
Hallo Turnaround-Strategen,

was ist denn mit der Turnaround-Strategie geworden? Es waren doch Interessenten da. Wie fangen wir denn nun an? Ich weiß nicht genau, wie man methodisch am besten vorgeht. Zwei Turnaround-Kandidaten kenne ich gut:

1. Gazprom
2. ABB

Turnaround-Strategie ist sehr spekulativ. Man muss die Unternehmen sehr intensiv beobachten und wie bei den Small Caps auch schnell verkaufen können.

Im Gegensatz zu einem Value-Kandidaten muss man hier viel Aufwand treiben. Mir reichen da dann ein paar wenige interessante Kandidaten.

Mein erster Vorschlag ist also Gazprom.

Grüße
flippi

Fabule
06.10.2002, 20:49
Hallo, Filippina!

Leider ist mein Zeitbudget momentan (und auch noch in den nächsten Wochen) ziemlich begrenzt und ich kann mir somit kein neues Unternehmen ansehen. Da wir aber ein Valueunternehmen im Depot haben, das inzwischen zum Turnaroundkandidaten geworden ist, möchte ich Numico vorschlagen und wäre bei einer Einigung auf dieses Unternehmen mit von der Partie http://www.value-analyse.de/iB_html/non-cgi/emoticons/wink.gif!

Viele Grüße

Torsten

Fabule
06.10.2002, 20:53
P.S. Von Vorteil wäre bei Numico eventuell, dass ich bereits eine Value-Analyse ins Board gestellt habe und auch diwi schon einiges dazu geschrieben hat ...

Dieter
06.10.2002, 21:26
Hi Leute,

ich bewundere wirklich und ehrlich Euren Mut.

Hier meine Turnaroundkandidaten, ich denke die bieten genügend Potential.

DAX
NEMAX
DOW
NASDAQ
S&P 500

Gruß
Dieter

filippina
06.10.2002, 22:03
Hallo Torsten, hi Dieter,

@Dieter,

du hast ja den Nagel auf den Kopf getroffen. *http://www.value-analyse.de/iB_html/non-cgi/emoticons/biggrin.gif

Mir ging sowas Ähnliches durch den Kopf.

@Torsten,

Numico kenne ich nur nicht so gut, da müsstest du mit analysieren.

Grüße
flippi

Fabule
07.10.2002, 13:27
Hallo, Filippina, hallo Dieter!

@ Filippina: Es muss wirklich nicht Numico sein, die Idee zur Analyse von Turnaround-Kandidaten kam ja von Christoph und ich habe nur ein Beispielunternehmen genannt. Es ist halt aus Zeitgründen nur das einzige, bei dem ich aktiv mit dabei sein kann ... Wenn euch aber ein anderes Unternehmen eher liegt, ist das vollkommen in Ordnung und kein Problem für mich!

@ Dieter: Ich stimme dir vollkommen zu und sehe momentan auch risikolosere Analysekandidaten als einen Turnaround-Wert, aber da wir Numico im Depot haben und ich dieses Unternehmen sowieso gerne auf seine Turnaroundchancen hin untersuchen würde, käme mir eine solche Diskussion natürlich sehr gelegen. Bei mir wäre also die Frage nicht: Kaufen oder nicht kaufen, sondern halten oder verkaufen!

Liebe Grüße

Torsten

filippina
07.10.2002, 22:24
Hallo Torsten,

dann warten wir mal ab, was Christoph noch dazu meint. Ich weiß auch nicht genau, wie wir vorgehen wollen.

Selbst beobachte ich ein paar Unternehmen, ob sie den Turnaround schaffen. Ich beobachte dabei aber mehr das Management. Letzte Woche habe ich Gazprom recherchiert und das hat mich fasziniert. Die Verwicklung von Politik und Wirtschaft nicht nur innerhalb Russlands, sondern auch noch darüber hinaus. Dieses Unternehmen ist ein Spiegelbild der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse Russlands. Gleichzeitig kann man anhand dieses Unternehmens die wirtschaftliche Entwicklung Russlands verfolgen. Auch die Außenpolitik ist mit diesem Gasriesen verquickt. Der Streit zwischen Putin und Aleksandr G. Lukaschenka (Weißrussland) seit Juli hängt direkt mit den Gaslieferungen von Gazprom zusammen. Wirklich ausgesprochen faszinierend.

Viele Grüße
filippina

Dieter
10.10.2002, 21:50
Hallo Flippi,

mit Gazprom und Lukoil hatte ich vor ein paar Jahren satte Gewinne, da wußte ich nichts von Value und sonstigem , sondern bin einfach Bolko gefolgt. Das nur am Rande.

In meinem Büro sitzt eine nette junge Dame (Range zugreifen) aus Moskau, ein paar Zimmer weiter noch 2 und ein Ehemann von den beiden investiert sehr erfolgreich ausschließlich in russische Unternehmen. Ich formuliere es mal so: Wenn man wüßte, welcher Apparatschick an Gazprom hängt, würde man sich vermutlich erschüttert abwenden.

Wenn Du willst, kann ich weitere Recherchen anstoßen.

Viele Grüße

Dieter

P.S. Bleib doch einfach bei den Gewinnern wie z.B. WHI, vergiß doch die Loser, die können wir sowie nicht einschätzen, schon gar nicht richtig.

Volker Gelfarth
10.10.2002, 22:42
....oder Hurricane

filippina
11.10.2002, 19:42
Hallo Dieter,

in Gazprom investiere ich im Moment nicht. Aber wenn man Gazprom versteht, versteht man Russland. Das interessiert mich einfach. Hier ist Geschichte drin.

<Wenn man wüßte, welcher Apparatschick an Gazprom hängt, würde man sich vermutlich erschüttert abwenden.>

Ja, klar. Das Management waren die alten Machthaber aus der Sowjetzeit und in der Jelzin-Ära haben sie aus dem Konzern Milliarden herausgepresst und in die eigene Tasche gewirtschaftet. Man spricht von jährlichen 2 bis 3 Mrd. $, die abgezweigt wurden. Dazu kommen noch die Sub-Unternehmen, die innerhalb der Familien verteilt wurden.

Es scheinen sich aber Veränderungen anzubahnen. Putin arbeitet an der Neustrukturierung des Konzerns. 2001 sorgte er für die Ablösung von Rem Wjachirjew als Vorstandsvorsitzender. Wjachirjew war 1986 erster Stellvertreter des Ministers für die UdSSR-Gasindustrie. 1993 übernahm er den Vorstandsvorsitz von Gazprom. Also, es ist klar welcher Apparatschik hier saß. Jetzt wurde er noch im Aufsichtsrat entmachtet. Putin hat nun praktisch das Management mit seinen Gefolgsleuten ersetzt.

Der russische Staat ist Großaktionär (ca. 38%). Die Entwicklung Gazproms steht in direktem Zusammenhang mit der Entwicklung Russlands. Und Russland ist ein wachsender Wirtschaftsraum. So weit ich weiß nach China der zweitgrößte. Die Entwicklung muss man einfach im Auge behalten und für Russland habe ich ja beruflich ein Interesse.

<Wenn Du willst, kann ich weitere Recherchen anstoßen.>

Gerne. Übrigens, habe ich nicht schon von der netten jungen Dame gehört. http://www.value-analyse.de/iB_html/non-cgi/emoticons/wink.gif http://www.value-analyse.de/iB_html/non-cgi/emoticons/biggrin.gif

Viele Grüße
flippi

PS: WHI bleibt immer noch mein Favorit, auch wenn ich kürzlich für einen Verkauf war.

So und dann noch ein makaberer Witz: "Was ist der Unterschied zwischen den Energiekonzernen Enron und Gazprom? Enron ist schon pleite."

Dieter
15.10.2002, 15:34
Hallo Flippi,

das habe ich noch zu Gazprom gefunden.

Gruß
Dieter

RAO Gazprom


WKN : 903276
Spons.ADR = 10 Aktien a 10 RR
Hauptbörsen :Berlin , Frankfurt gute - sehr gute Umsätze
NY : OTC aber praktisch kaum Umsatz

Größtenteils im Staatsbesitz, 2.5 % Ruhrgas und geringer Freefloat..

Range 24 Monate : 4.7- 25 Euro


Kurzbeschreibung

Der weltgrößte Gasproduzent mit etwas Ölaktivitäten.
Riesengroße, noch unausgebeutete Vorkommen, langfristige Liefer- und Abnahmeverträge mit ost-, mittel- und westeuropäischen Staaten.

Wertung

Absoluter Substanzriese, allerdings nicht unbedingt ökonomisch orientiertes Management, relativ unflexibel, großes Restrukturierungspotential, relativ starke staatliche Infiltration
(Melkkuhstatus).
Nach unten durch die enorme Substanz relativ gut abgesichert. Hat sich beim Septembercrash letzten Jahres mit am besten gehalten, aber die starke staatliche Infiltration sollte größere Kursavancen verhindern daher auch nur beschränktes
Potential nach oben.

Fazit:
Ein langweiliger Blue Chip für den langfristig ausgelegten,
sicherheits- und substanzorientierten Investor .

filippina
18.10.2002, 14:44
Hallo Turnaround-Strategen,

@Dieter:

danke für die Infos.

Die Ruhrgas AG ist inzwischen mit 5,3% an Gazprom beteiligt und *denkt über eine Aufstockung der Beteiligung von 8 - 10% nach.

CEO der Ruhrgas AG Burghard Bergmann sitzt im Aufsichtsrat von Gazprom als einziges ausländisches Mitglied.

Am 3. Dezember 2002 kommt *CEO Bergmann (bestätigt) und Alexej Borisovich Miller, CEO Gazprom (noch nicht bestätigt) zum European Leadership Forum in Paris.

Solche Anzeichen finde ich doch interessant. Es gibt einfach immer mehr Anzeichen einer Veränderung im Konzern gegenüber dem räuberischen Management der Jelzin-Ära.

Hier ein kurzer Artikel über Änderungen im Management:

http://www.manager-magazin.de/koepfe/artikel/0,2828,198103,00.html

Ein Auszug aus der Webseite der Ruhrgas AG, woraus man erkennnen kann, dass 35% des Erdgases (größter Anteil) von Russland geliefert werden:

http://www.ruhrgas.de/deutsch/index.htm

dann den Link 'Erdgasquellen' aufrufen.

-------Ausschnitt

Breit diversifizierte Bezugsbasis

Im Berichtsjahr bezogen wir von ihren inländischen und ausländischen Lieferanten 51,1 Milliarden Kubikmeter (Mrd m3) Erdgas. Davon entfielen 85 Prozent auf Importe.

35 Prozent der Bezüge kamen aus Russland. Der Anteil der Lieferungen aus Norwegen betrug 25 Prozent. Aus den Niederlanden stammten 20 Prozent, und aus Dänemark 3 Prozent sowie aus Großbritannien 2 Prozent. 15 Prozent des Erdgasaufkommens der Ruhrgas AG lieferten deutsche Erdgasproduzenten aus inländischer Förderung.

Die bestehenden langfristigen Lieferverträge werden auch weiterhin diese breit diversifizierte Bezugsbasis für unser Erdgasaufkommen sicherstellen. Dabei wird der Anteil des Erdgases aus Norwegen in den kommenden Jahren zunehmen und mittelfristig die gleiche Bedeutung erhalten wie die Lieferungen aus Russland.

---------Ende Ausschnitt


Grüße
flippi