PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Euro-Dollar Optionsscheine



jo
13.07.2002, 23:02
Hallo

Sollte zur Absicherung gegen eine weitere Schwächung des Dollars mit Optionsschein absichern?

Ich hoffe auf rege Beteiligung. Danke.

Johannes

jo
14.07.2002, 19:58
10000 € gegen einen 20% Kursverlust ab zu Sichern würde ca. 500 € Kosten.

andreasl33
14.07.2002, 21:53
Hallo Johannes,

eine Put Option auf den Dollar ist keine optimale Absicherung. Denn sie ist teurer als es sein müßte. Wenn nämlich der Dollar wider Erwarten steigt und Deine Option anschließend wertlos verfällt machst Du mehr Währungsgewinn mit den Aktien als Du mit der Option verlierst. Diesen potentiellen Gewinn mußt Du beim Kauf der Option mitbezahlen. Wenn es Dir allein um die Absicherung geht, Du also mit der Wechselkursänderung weder Gewinn noch Verlust machen möchtest, geht es viel billiger. Es gibt drei Möglichkeiten:

1. Du kaufst eine Put-Option und verkaufst gleichzeitig eine Call-Option mit demselben Basispreis und derselben Laufzeit.

2. Du verkaufst einen Dollar Future im Volumen von 10000$.

3. Du bastelst Dir selbst eine Absicherung, indem Du einen Kredit auf einem Dollarkonto aufnimmst und das Geld auf einem Euro-Tagesgeldkonto anlegst. Die Zinsen dürften sich gegenseitig etwa aufheben, da der kurzfristige Zinssatz in den USA derzeit extrem niedrig ist. Du müßtest das Volumen natürlich ständig an den sich ändernden Wert Deines Aktienportfolios anpassen. Das ganze macht viel Arbeit und verursacht Reibungsverluste (Gebühren, Zinsen, Zeit).

Alle drei Lösungen sind völlig gleichwertig (hinter den Kulissen geschieht bei 1. und 2. genau das, was ich bei 3. beschrieben habe, nur daß es dann halt eine Bank für Dich macht). Wahrscheinlich ist die erste Lösung die praktikabelste. Allerdings würde ich ein 10000$-Depot überhaupt nicht absichern. Ich glaube nicht, daß sich der Aufwand lohnt. Mein eigenes Depot habe ich nicht abgesichert, da ich denke, daß sich über die Jahre hinweg die Wechselkurseffekte etwa ausgleichen. Aber wie gesagt, die Kosten sind erheblich niedriger als 500$ für ein 10000$ Depot. Wenn Du gemäß 1. verfahren würdest, würdest Du vielleicht 1%-2% p. a. für die Absicherung zahlen, da je nach Depotvolumen die Gebühren für den Optionskauf stärker oder schwächer zu buche schlagen.

Andreas

jo
14.07.2002, 22:15
Hallo Andreas

Kurze Frage zu 1 werden die an der FOREX gehandelt ?

Zu 3 ist wohl bei einer Deutschen Bank nicht Praktikabel. Bei meinem zweit Broker ist es aber klasse ich kann in Doller kaufen und schulden machen und meine Eros weben verzinst koste 0,5% Unterschiet. Bei 10000€ würde ich mir kein Gedanken machen.

Danke

Johannes

andreasl33
14.07.2002, 22:21
Hallo Johannes,

"Kurze Frage zu 1 werden die an der FOREX gehandelt ?"

Weiß ich leider nicht, da ich es noch nie gemacht habe.

Manche Banken (Deutsche Bank/moneyshelf) bieten sogar Tagesgeldkonten an mit bis zu 5% Zinsen, wobei dann aber ein Höchstbetrag auf 10000 EUR begrenzt ist.

Andreas

jo
14.07.2002, 22:54
Hallo Andreas

Von Optionsscheinen halt ich sowieso eigentlich nichts weil da immer der Eminent der Gewinner ist. Mit Future hab ich noch nie gehandelt. Da werde ich mich mall im laufe der nächsten Woche schlau machen.

Auf der andern Seite weiß ich aber auch gar nicht ob der Doller weiter steigt. Die US Wirtschaft wird sich doch wohl schneller erholen als die Europäische. Die Zinsen werden auch in der USA ehr steigen als in den USA. Das spricht alles da für das wieder Geld gen US fliest und der doller nicht schwächer wird.

Johannes

andreasl33
14.07.2002, 23:09
"Von Optionsscheinen halt ich sowieso eigentlich nichts weil da immer der Eminent der Gewinner ist. Mit Future hab ich noch nie gehandelt. Da werde ich mich mall im laufe der nächsten Woche schlau machen."

Zwischen einer Option und einem Optionsschein ist prinzipiell kein Unterschied. Bei der Option ist Dein Kontraktpartner unbekannt, beim Optionsschein ist es eine Bank. Die Preise sind etwa dieselben, denn wenn nicht, wären Arbitragen möglich. Beim Optionsschein ist der Spread zwischen An- und Verkaufskurs evtl. etwas größer - das ist der einzige Unterschied. Es ist nicht richtig, daß immer der Emittent der Gewinner ist. Die Chancen sind gleichverteilt. Der Emittent verdient nur am Spread zwischen An- und Verkaufskurs, nicht jedoch daran, daß Du als Käufer der Option (oder des Optionsscheins) schlechtere Chancen hättest als er.

Welche Wirtschaft sich schneller erholt weiß ich nicht. Wenn Du das Wechselkursrisiko absicherst, bist Du gegen Wechselkursschwankungen in beide Richtungen immun.

Andreas

jo
14.07.2002, 23:35
<Der Emittent verdient nur am Spread zwischen An- und Verkaufskurs, nicht jedoch daran, daß Du als Kufer der Option (oder des Optionsscheins) schlechtere Chancen hättest als er.>

Das heißt aber doch das ich an eine Termin Börse Preiswerter ein oder verkaufen kann. Bei gleichen Risiko.

Johannnes

andreasl33
14.07.2002, 23:41
Ja, aber nur ein bißchen. Optionsscheine haben meist einen Spread von ca. 2% und die vergleichbaren Optionen vielleicht 1%.

Andreas

JuliaPapa
15.07.2002, 10:02
Guten Morgen,

>>"Von Optionsscheinen halt ich sowieso eigentlich nichts weil da immer der Eminent der Gewinner ist."<<

Das ist einerseits richtig, andererseits aber auch falsch.

Normalerweise werden sich die Emittenten von Optionsscheinen ihrerseits immer wieder absichern. Tun sie das nicht, haben sie eine offene Risikoposition, die mit Eigenkapital zu unterlegen ist (teuer!!!). Deswegen wird der Emittent immer, wenn Du einen Optionsschein kaufst, eine entsprechende Gegenposition eingehen, so daß der Emittent letztlich von den Kursbewegungen her völlig unabhängig ist.

Trotzdem gewinnt der Emittent immer. Denn über Spreads und ähnliches macht er immer sein Geschäft. Allerdings fressen Kosten auch wieder vieles auf, darum haben sich ja auch schon einige Banken aus diesem Geschäft zurückgezogen.

Generell frage ich mich allerdings, was der Kauf (oder Verkauf) von Optionen oder Futures mit Value-Investing zu tun hat. Ich hatte schon an anderer Stelle im Forum geschrieben, daß in einer globalisierten Welt der Währungseinfluß nicht sehr groß ist. Fällt der Dollar, so verlieren für einen Europäer die Aktien an Wert. Allerdings steigen die Gewinne für Coke und Gillette dadurch, was (zumindest theoretisch) wieder höhere Kurse bedeutet...

Bei kleineren Unternehmen, die nur in den USA tätig sind (Patterson?), könnte man über Absicherung reden. Allerdings würde ich dann statt Optionen lieber weitere Aktien kaufen, wenn das Unternehmen gut ist.


JuliaPapa

andreasl33
15.07.2002, 11:05
Reibungsverluste hat man natuerlich bei jedem Wertpapiergeschaeft. Bei Optionen sind sie ggü. Aktien sogar relativ gering, da Gebuehr, die der Broker fuer den Kauf oder den Verkauf nimmt geringer ist, da man weniger Volumen bewegt.

"Generell frage ich mich allerdings, was der Kauf (oder Verkauf) von Optionen oder Futures mit Value-Investing zu tun hat. "

Wie jedes andere Wertpapier koennen Optionen unterbewertet sein, z. B. wenn bei Unternehmen "alles oder nichts" Entscheidungen anstehen, d. h. wenn man abschaetzen kann, dass ein Unternehmen entweder in zwei Jahren pleite ist oder sich verdreifacht. Unter Umstaenden sind solch extreme Volatilitaeten im Optionspreis nicht beruecksichtigt, weil zur Optionspreisfindung die vergangene Volatilitaet herangezogen wird. Ausserdem koennen Derivate zu Hedgingzwecken, wie z. B. zur Waehrungsabsicherung durchaus sinnvoll sein. Der Valueanalyst kann sich dadurch auf seine Staerken konzentrieren, naemlich die Qualitaet eines Unternehmens zu beurteilen und muss nicht zusaetzlich die Qualitaet der Waehrung beurteilen. Ebenso kann man mit Hilfe von Derivaten gewisse Arbitragen z. B. bei Uebernahmen oder Spin-Offs besser nutzen, da man gezielt die Risiken, die man nicht fundamental-analytisch fassen kann, ausblenden kann.

Andreas