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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Pharma allgemein



su13
13.09.2002, 11:45
Hallo dak 429, bin noch eine Anwort auf die Fragen im Amgen-Brett schuldig.
Diese Diskussion ist allgemeiner Art, deshalb habe ich das jetzt mal hier reingestellt.

 Es wäre mal interessant die Werbeausgaben von sagen wir L'Oreal mit den "Werbeausgaben" von Merck oder Pfizer etc. zuvergleichen.

„Dumme“ Gegenfrage: Sind denn die Werbeausgaben von L’Oreal bekannt?
Bei Pharmafirmen läuft halt sehr viel unter anderen Bezeichnungen, was letztendlich doch Werbung ist.
Mit diesen Geldern werden ganze Industriezweige unterhalten. So hat zum Beispiel Anfang September in Berlin der Europäische Kardiologenkongress stattgefunden mit rund 20.000 Teilnehmenr stattgefunden. Diese Kongresse sind nur deshalb möglich, weil von der Pharma- und Medizingeräte-Industrie riesige Geldsummen reingepumpt werden. Dies umfasst z. B. große Ausstelllungsstände (die sehr teuer sind). Darüber hinaus veranstaltet jede „wichtige“ Firma mindestens 1 oder mehrere Satelittensymposium oder Workshops (für teures Geld). Die wiederum sind Grund und Anlass, Meinungsbildner, Journalisten und Ärzte, denen man etwas „Gutes“ tun möchte, einzuladen mit Finanzierung von Reise-, Übernachtungs- und Kongressgebühren. Die Ausgaben hierfür sind immens – nur laufen sie m. E. nicht als Werbemittel. Und in dieser Art gibt es noch andere Bereiche...

 Ein Punkt bleibt noch: Warum sollte ein Forschungsteam , ausgestattet mit genügend Geld immer neue Produkte/Medikamente erforschen können ? Gibt es keine Sättigungserscheinungen bei den "klassischen Medikamenten"?

Es gibt noch so viele Erkrankungen, für die es keine so genannte kausale Therapie gibt. Eine kausale Therapie beseitigt den Grund, den Auslöser der Erkrankung und führt damit zur Heilung. Beispiel für eine kausale Therapie sind Antibiotika. Durch sie werden die Krankheits-verursachenden Bakterien abgetötet, der Mensch kann dadurch geheilt werden. Sehr viele Arzneimittel und Therapieverfahren beseitigen nur die Symptome, helfen zwar auch bis zu einem gewissen Grad, aber heilen nicht.
Welch durchschlagender Erfolg wäre zum Beispiel einem wirksamem Schnupfenmittel beschieden! Oder ein Krebsmittel, das heilt!
Bei vielen Krankheiten kennt man auch heute noch nicht die genauen Ursachen. Ursachenforschung und Erforschung neuer Behandlungsmöglichkeiten gehen natürlich Hand in Hand.
Die Grenze zwischen gentechnischen und klassischen Medikamenten verschwimmt auch immer mehr.

Wichtige Quellen neuer Medikamente sind auch Tiere und Pflanzen. Schlangen, Quallen, Pilze, Mikroorganismen, sozusagen alles was da kreucht und fleucht, wird gescreent auf Inhaltsstoffe, die evtl als Arzneimittel eingesetzt werden können. Und hierbei war man schon oft hoch erfolgreich.


 Im Bereich Gentechnik stehen wir sicherlich erst am Anfang.
Die Gentechnik als Verfahren ist schon relativ fortgeschritten.
Im Bereich der Gentherapie stehen wir erst am Anfang, wenngleich mich selbst bei dieser Therapieform ein ungutes Gefühl beschleicht...


 Noch ein Punkt: die Krankenkassen müssen das natürlich alles auch bezahlen können, irgendwann wird in den Industrieländern auch eine Sättigung erreicht sein.

Darüber wird unter Experten heftig gestritten. Ein lesenswerter Beitrag dazu befand sich in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 10. Juni 2002, Seite 60/61.
Unter anderem wird darin dargelegt, dass die oft zitierte Kostenexplosion ein Mythos sei. Die viel zitierte Bombe tickt seit nunmehr 25 Jahren und ist immer noch nicht explodiert. Dies liegt u. a. daran, dass der Anteil der Gesundheitskosten am Bruttoinlandsprodukt nach wie vor seit Jahren unter 11 % liegt. Die Beiträge der Krankenversicherungen steigen zur Zeit vor allem deshalb, weil sich die Zahl der Einkommen verringert hat – hier ist die Politik gefordert.

Soviel für heute
Su

su13
13.09.2002, 15:25
Hier eine aktuelle Meldung von Datamonitor (Sperrfrist ist Montag, 16. September), leider in englisch:

London, 16th September 2002 - New research from independent market analysts,
Datamonitor (DTM.L) finds that a significant number of high value cancer
drugs will lose patent protection over the next decade, triggering a
dramatic influx of cheaper generic equivalents. Datamonitor's new report
estimates that, over the next ten years, cancer drugs totalling over $15bn
in value at the time of patent expiry will be genericized, including several
billion-dollar therapies. This will dramatically expand the value of the
cancer generics market while also leading to extensive savings in the cost
of cancer treatment. This is forecast to occur due to the sharp increase in
the number of cancer product approvals toward the end of the 20th century,
many of which now face patent expiry. In addition, the regulatory
environment of the pharmaceutical market is facing proposed changes that
could favor the earlier introduction of generic drugs. For research-based
pharmaceutical companies, this poses a considerable threat to their revenue
stream from the oncology market, while for generics manufacturers this is a
dramatic new opportunity. Overall, cancer patients are expected to benefit
from cheaper treatments and increased innovation.

MfG
Su