Der Unternehmenswert

In den ersten beiden Schritten haben Sie erfahren, wie Sie die Qualität bei Unternehmen identifizieren. Sie sind nun in der Lage, aus einer Vielzahl von Aktiengesellschaften die Besten herauszufiltern. Das reicht aber noch nicht - Sie sollten auch möglichst wenig für diese hohe Qualität zahlen. Sie müssen deshalb den wahren, inneren Unternehmenswert bestimmen und daraus ableiten, wie viel Ihnen ein Unternehmen wohl in den nächsten Jahren als Rendite einbringen wird. Hierzu benötigen Sie eine Schätzung für den zukünftigen wahren Unternehmenswert.

Dazu sagte Warren Buffett auf der Hauptversammlung 1996 sinngemäß:

„Der innere Wert ist ein überaus wichtiges Konzept, dass als einziges einen logischen Ansatz für die relative Attraktivität von Investitionen und Unternehmen bietet. Innerer Wert kann einfach definiert werden: Es ist der abgezinste Wert der Barmittel, die dem Unternehmen während seiner verbleibenden Lebenszeit entnommen werden können."

Erst wenn der wahre, innere Wert des Unternehmens deutlich über dem aktuellen Marktwert, also dem an der Börse gehandelten Kurs liegt und auf längere Sicht eine deutlich überdurchschnittliche Rendite zu erwarten ist, gelangt dieses Unternehmen auf die Kaufliste. Wann die ermittelten Rendite-Erwartungen ein Kaufsignal darstellen und wann sie uns ein Halte- bzw. ein Ausstiegssignal liefern, wollen wir Ihnen im Folgenden aufzeigen.

Wenn wir eine begründete Erwartung über den zukünftigen wahren Unternehmenswert haben, können wir berechnen, wie stark der jetzige Unternehmenswert wachsen muss, um diesen zukünftigen Wert zu erreichen. Damit wissen wir auch, wie sich unsere Investition wahrscheinlich verzinsen wird.

Die hier vorgestellten Berechnungsmodelle helfen Ihnen, den inneren Wert eines Unternehmens einzuschätzen. Es sind relativ einfache Berechnungsmodelle.

Da nur äußerst beständige Unternehmen gut planbar sind, können Sie auch nur bei diesen eine verlässliche Zukunftsprognose wagen. Ein Unternehmen, das in den letzten 10 Jahren mit einer großen Beständigkeit seine Gewinne jährlich um beispielsweise 15% steigern konnte, wird in Zukunft aller Wahrscheinlichkeit nach kontinuierlicher wachsen als eine Gesellschaft, die sich in der Vergangenheit sehr ungleichmäßig entwickelt hat.

Marktwert

Der Marktwert eines Unternehmens berechnet sich aus der Anzahl der Aktien multipliziert mit dem Kurs der Aktie. Der Marktwert wird auch Marktkapitalisierung genannt. Wenn Sie jetzt wissen wollen, wie sich der Kurs der Aktie entwickelt, müssen Sie wissen, ob das Unternehmen seinen Marktwert steigern kann.

Wenn Sie sich Gedanken über den zukünftigen Unternehmenswert gemacht haben und zu einer Schätzgröße oder Prognose gelangt sind, können Sie daraus die Wertsteigerung Ihrer Aktie ableiten.

Es gibt letztlich keine allgemein gültige Formel für die Berechnung des inneren Wertes. Es gibt aber Methoden, die sich in der Vergangenheit als sehr gute Richtschnur erwiesen haben.

„Man muss etwas nicht zwingend zum billigstmöglichen Preis kaufen. Es muss nur zu einem Kurs angeboten werden, von dem Sie denken, dass er niedriger ist als der Wert des Unternehmens - und das muss von ehrlichen, fähigen Menschen geleitet werden. Aber wenn man sich für weniger als den derzeitigen Wert in eine Firma einkaufen kann und Vertrauen in die Leitung hat, und wenn man dann eine Gruppe von solchen Unternehmen kauft, verdient man höchstwahrscheinlich Geld."

Warren Buffett, 1994 im PBS

Berechnung des inneren Wertes

Es gibt keine allgemein gültige Formel für die Berechnung des inneren Wertes. Es gibt aber drei in der Praxis erprobte Methoden, die sich in der Vergangenheit als sehr gute Richtschnur erwiesen haben.

  • Diskontmodell
  • Unternehmenswert auf Basis der Gewinne pro Aktie und des Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV)
  • Unternehmenswert auf Basis der Eigenkapitalrendite und des Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV)

 

Diskontmodell

Das Konzept, einen zukünftigen Geldfluss (Cashflow) abzuzinsen, um zu einem Gegenwartswert zu kommen, ist ein Standardwerkzeug der Finanz- und Wirtschaftsanalyse. Sie finden diese Methode in der Literatur auch vielfach unter dem Begriff DCF-Methode (Discounted-Cashflow-Methode).

Der wesentliche Gedanke besteht darin, dass das Geld das Sie in der Zukunft erhalten, heute weniger wert ist als Geld, das Sie jetzt schon haben (denn Sie könnten Ihr Geld heute auch verzinslich anlegen und hätten dann in der Zukunft mehr Geld). Als Teilhaber eines Unternehmens interessieren Sie sich vor allem dafür, was Ihr Unternehmen zukünftig erwirtschaftet, also welchen Cashflow Ihr Unternehmen erzeugt.

Je höher der Zinssatz ist, desto schneller wächst Ihr Geld. Geld, das Sie jetzt haben, ist also bei einem hohen Zinssatz mehr wert als bei einem niedrigen. Und Geld, das Sie in der Zukunft bekommen, ist bei einem hohen Zinssatz relativ gesehen weniger wert als bei einem niedrigen.

Da Sie bei der Discounted-Cashflow-Methode immer mit dem zukünftigen Cashflow der Unternehmen rechnen, hängt der Wert des Unternehmens sehr stark von der Wahl des Diskontierungssatzes ab. Eine hohe Diskontierungsrate bringt einen niedrigeren Unternehmenswert hervor, eine niedrige Diskontierungsrate einen hohen Unternehmenswert.

Das Ergebnis dieser Berechnung ist ein innerer Unternehmenswert. Beträgt der innere Wert deutlich mehr als der Marktwert, handelt es sich um ein wichtiges Kaufsignal. Viele Value-Investoren sprechen hierbei von einer „Sicherheitsmarge".

Unternehmenswert auf Basis der Gewinne pro Aktie und KGV

Nehmen Sie die aktuellen Unternehmensgewinne und wagen eine 10-Jahres-Prognose. Dazu ermitteln Sie die durchschnittliche Wachstumsrate der Gewinne für die letzten 5 bzw. 10 Jahre. Mit dieser durchschnittlichen Wachstumsrate rechnen wir auch für die nächsten 10 Jahre. Als Ergebnis erhalten Sie eine Gewinnprognose für das 10. Jahr.

Jetzt benötigen Sie das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Es lässt sich einfach als Kurs der Aktien geteilt durch den Gewinn pro Aktie berechnen. Niedrige KGVs besagen, dass Unternehmen vergleichsweise günstig bewertet sind und hohe KGVs deuten auf eine teure Bewertung. Für das 10. Jahr schätzen Sie das Kurs-Gewinn-Verhältnis. Wenn Sie ein niedriges oder das durchschnittliche KGV der Vergangenheit nehmen, sind Sie auf der sicheren Seite.

Multiplizieren Sie den geschätzten Gewinn im 10. Jahr mit dem prognostizierten KGV, erhalten Sie eine begründete Annahme über den Wert der Aktie in 10 Jahren.

Unternehmenswert auf Basis der Eigenkapitalrendite und KGV

Die Frage ist hierbei, wie das Eigenkapital des Unternehmens im Laufe der Zeit vermutlich wachsen wird und welche Rendite das Unternehmen bisher auf sein Eigenkapital erzielt hat. Damit können Sie einen Unternehmensgewinn für das 10. Jahr berechnen und dann mit dem geschätzten KGV den Unternehmenswert bestimmen.

Mit den drei Methoden haben Sie den zukünftigen Unternehmenswert ermittelt. Sie können nun die durchschnittliche Wertsteigerung berechnen, um die der Kurs jedes Jahr steigen muss, um den zukünftigen Unternehmenswert zu erreichen.

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