Überprüfung der messbaren Qualitätskriterien

In der ersten - auch ein wenig subjektiven - allgemeinen Unternehmensbeurteilung treffen wir grundsätzliche Aussagen über die Qualität der Unternehmen. Es wird immer wieder vorkommen, dass ein sich in Ihrem Fokus befindendes Unternehmen nicht alle Qualitätskriterien zu 100% erfüllt.

Die Kriterien sollten jedoch weitestgehend erfüllt sein, und Sie sollten bei stärkeren Abweichungen nach plausiblen Gründen suchen. Wenn Sie sich Ihrer Sache nicht ganz sicher sind, dann lassen Sie das Unternehmen weg und suchen nach Alternativen.

Im nächsten Schritt entwickeln wir konkret messbare Unternehmenskennzahlen. Diese ermöglichen Ihnen ein Vergleichen mehrerer Aktien untereinander. Mit etwas Übung wird es Ihnen gelingen, schnell einen groben Überblick über den Zustand eines Unternehmens zu erlangen. Die AKTIEN-ANALYSE bietet Ihnen diese Zahlen für alle Unternehmen jeweils an der gleichen Stelle.

Eigenkapitalquote und Verschuldungsgrad

Den prozentualen Anteil des Eigenkapitals an der Bilanzsumme nennt man Eigenkapitalquote.

Formel Eigenkapitalquote

Zur Erläuterung: Wenn ein Unternehmen Wirtschaftsgüter und andere Vermögensgegenstände im Wert von 10 Mio. € und Schulden von 5 Mio. € besitzt, hat es eine Eigenkapitalquote von 50%. Wir wollen eine möglichst hohe Eigenkapitalquote. Sie sollte mindestens 30% betragen. Die Eigenkapitalquote finden Sie im Zahlenblock der einzelnen Aktien-Analysen.

Eigenkapitalrendite

Die Eigenkapitalrendite ist der Ertrag des investierten Eigenkapitals.

Formel Eigenkapitalrendite

Hierbei teilt man den Jahresgewinn durch das Eigenkapital. So erfährt man, wie sich das Eigenkapital des Unternehmens verzinst. Auch diese Kennziffer können Sie direkt im Zahlenblock der  AKTIEN-ANALYSE ablesen.

Die Eigenkapitalrendite soll etwa 25% betragen. Auch die durchschnittliche Eigenkapitalrendite der letzten Jahre sollte über 25% liegen. Am besten ist es, wenn die Eigenkapitalrendite im Laufe der Jahre ansteigt.

Gewinnwachstum

Die zukünftigen Gewinne bestimmen den Wert der Aktie. Die Gewinne des Unternehmens sollten stetig wachsen. Gute Unternehmen schaffen das. Wir gehen sogar noch weiter: Die Wachstumsrate sollte über 10% liegen - auch im Durchschnitt der letzten 10 Jahre! Außerdem sollte das Gewinnwachstum möglichst kontinuierlich sein.

Formel Gewinnwachstum

Bei dem Wachstumsdurchschnitt sollten Sie den geometrischen Wachstumsdurchschnitt verwenden, da er den Zinseszinseffekt berücksichtigt. Dazu müssen Sie die Wurzel ziehen (statt dividieren).

Beispiel:
Der Gewinn eines Unternehmens betrug 100 Mio. € im Jahre 1996 und wuchs in die den nächsten 10 Jahren auf 350 Mio. € an. Insgesamt ist das also ein Faktor von 3,5. In diesem Fall zieht man die 10. Wurzel aus 3,5 (Sie teilen also nicht durch 10, das wäre das arithmetische Mittel.) Der geometrische Wachstumsdurchschnitt beträgt in diesem Fall 13,33% p. a.

Formel Geometrisches Gewinnwachstum

Wenn Sie den Gewinn von 100 Mio. € 10 mal um 13,33% steigern, dann erhalten Sie im 10. Jahr einen Wert von 350 Mio. €.

Dividenden und einbehaltene Gewinne

Wenn ein Unternehmen einen Gewinn erwirtschaftet, steht es vor der Frage, die Gewinne an die Aktionäre in Form einer Dividende auszuschütten oder sie im Unternehmen zu belassen.

Wir suchen nach Unternehmen, die ihre Gewinne einbehalten und damit einen deutlichen Mehrwert schaffen. Wir achten darauf, dass Unternehmen 50% oder mehr ihrer Gewinne einbehalten. Das zeigt das Vertrauen des Managements, mit den einbehaltenen Gewinnen eine gute Rendite erzielen zu können.

Formel einbehaltene Gewinne

Umsatzrendite

Die Umsatzrendite gibt an, wie viel von jedem Euro (oder jedem Dollar) Umsatz als Gewinn beim Unternehmen verbleibt. Sie wird definiert als Gewinn nach Steuern in Prozent des Umsatzes. Je höher sie ist, desto stärker ist die Marktstellung der Unternehmung und desto eher können Kostenerhöhungen oder Preissenkungen verkraftet werden.

Die Umsatzrendite sollte mindestens 10% betragen und über die Jahre anwachsen.

Formel Umsatzrendite

Rendite der einbehaltenen Gewinne

Wir wollen auch wissen, wie sich die einbehaltenen Gewinne verzinst haben. Oder anders ausgedrückt: Was hat das Management aus den einbehaltenen Gewinnen an zusätzlichem Wert (Value) geschaffen? Das Management sollte nur dann Gewinne einbehalten, wenn es in der Lage ist, bei einer Re-Investition eine höhere Rendite zu erwirtschaften, als es die Aktionäre außerhalb des Unternehmens tun könnten.

Jede einbehaltene Einheit soll sich in den 10 Folgejahren mit durchschnittlich mindestens 15% verzinst haben.

Beispiel:
Im Jahr 1996 erwirtschaftete ein Unternehmen den Gewinn von 0,02 € pro Aktie. Es erzielte über den Zeitraum von 1996 bis Ende 2006 insgesamt 3,80 € Gewinn pro Aktie.

Aus diesen 3,80 € Gewinn schüttete die Gesellschaft insgesamt 0,80 € pro Aktie als Dividende aus. Über den genannten Zeitraum wurden also 3,00 € pro Aktie einbehalten und dem Eigenkapital hinzugefügt (3,80 - 0,80 = 3,00).

Das Unternehmen hat es geschafft, den Gewinn pro Aktie im Zeitraum von 1996 bis 2005 von 0,02 € auf 0,80 € anwachsen zu lassen. Wenn der Gewinn pro Aktie des Jahres 1996 (0,02) vom Gewinn je Aktie 2006 (0,80) subtrahiert wird, erhalten wir eine Differenz von 0,78 € je Aktie.

Wir können daher davon ausgehen, dass der im Zeitraum von 1996 bis einschließlich 2006 einbehaltene Gewinn je Aktie von 3,00 € im Jahr 2004 zusätzliche 0,78 € Gewinn erzielte. Das bedeutet eine Gesamtrendite von 26% (0,78 / 3,00 = 0,26). Das Kriterium wäre in diesem Beispiel erfüllt.

Cashflow-Marge

Der Cashflow bezeichnet den Zugang an flüssigen Mitteln aus dem Umsatzprozess und anderen Quellen innerhalb eines bestimmten Zeitraumes.

Durch die Cashflow-Analyse erhalten wir Aussagen über die Finanzkraft eines Unternehmens. Hierfür ist sie besser geeignet als eine Betrachtung des Gewinns, durch die bestimmte Finanzflüsse eher verschleiert als offen gelegt werden. Wir müssen also zur Betrachtung des Cashflows einige „Korrekturen" am Gewinn vornehmen.

Die Cashflow-Marge gibt an, wie viele Finanzmittel (prozentual gesehen) das Unternehmen aus seinen Umsätzen generiert.

Formel Cashflow-Marge

Die Cashflow-Marge sollte mindestens 15%, besser 20% betragen und ebenfalls anwachsend verlaufen. Das sind sehr gute Cashflow-Margen.

Es gab in den letzen Jahren auch genug Unternehmen, die Cash „auffraßen", also negative Cashflow-Margen hatten. Man nannte das in der „New Economy" die „Cash-Burn-Rate".

Sachinvestitionen

Unternehmen mit hohen Sachinvestitionen müssen einen großen Teil der Gewinne zum Beispiel in Maschinen investieren, nur um den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten. In inflationären Zeiten werden diese Unternehmen noch stärker getroffen.

Damit genügend Gewinn für weiteres Wachstum übrig bleibt, sollte der Anteil der Sachinvestitionen nicht mehr als 40% vom Cashflow betragen.

Wir achten also auf Unternehmen, die möglichst geringe Sachinvestitionen tätigen müssen. Das mag Sie überraschen, denn als Anleger investieren wir ja auch.

Bei Unternehmen ist es uns aber lieber, wenn diese ihr Wachstum mit geringen Investitionen schaffen. Das macht diese Unternehmen weniger angreifbar und weniger anfällig.

Formel Sachinvestitionen vom Cashflow

Netto-Cashflow

Das Cashflow-Wachstum ist ein gutes Mittel, um Unternehmen zu bewerten. Um aber das Problem hoher Investitionen zu berücksichtigen, werden von dem Cashflow die Sachinvestitionen abgezogen, und wir erhalten einen Netto-Cashflow (NCF).

Formel Netto-Cashflow

 

Die messbaren Qualitätskriterien der Value-Analyse im Überblick

 

  • Die Eigenkapitalrendite sollte ca. 25% oder mehr betragen.
  • Die Eigenkapitalquote sollte ca. 30% oder mehr betragen.
  • Die Gewinne sollten über 10% pro Jahr wachsen, auch im langjährigen Durchschnitt.
  • Die einbehaltenen Gewinne sollten über 50% der Gesamtgewinne ausmachen.
  • Die einbehaltenen Gewinne sollten sich in den 10 Folgejahren mit durchschnittlich mindestens 15% verzinst haben.
  • Die Cashflow-Marge sollte mindestens 15%, besser 20% betragen.
  • Die Umsatzrendite sollte mindestens 10% betragen und über die Jahre anwachsen.
  • Der prozentuale Anteil der Sachinvestitionen sollte nicht mehr als 40% vom Cashflow betragen.

 

...erfahren Sie hier wie Sie den Unternehmenswert bestimmen können

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