Fresenius Aktie: Krisenresistentes Kerninvestment im Gesundheitssektor
Die Fresenius SE & Co. KGaA ist ein weltweit tätiger Gesundheitskonzern mit Produkten, Therapien und Dienstleistungen für die Dialyse, das Krankenhaus und die ambulante medizinische Versorgung von Patienten.
Der Konzern gliedert sich in vier Hauptbereiche, die weltweit eigenverantwortlich wirtschaften und handeln: Den Weltmarktführer in der Dialyse Fresenius Medical Care (FMC), den Spezialisten für Infusionstherapie und klinische Ernährung Fresenius Kabi, den Krankenhausbetreiber Fresenius Helios mit seinen 64 Klinken sowie Fresenius Vamed, die weltweit im Projekt- und Managementgeschäft von Gesundheitseinrichtungen (Krankenhäuser, Gesundheitszentren sowie Thermen- und Wellnesszentren) tätig ist.
Hinzu kommt die kleine Biotech-Sparte, die Medikamente gegen Krebs und zur Stärkung des Immunsystems nach Organtransplantationen entwickelt und vermarktet. Den größten Umsatz erwirtschaftet Fresenius in Nordamerika, gefolgt von Europa, der Region Asien-Pazifik, Lateinamerika und Afrika.
Der Gesundheitskonzern erfüllt die 3-Filter-Kriterien
Fresenius hat auch 2011 die Kriterien der 3-Filter-Strategie nach James O'Shaughnessy erfüllt:
1. ein KUV von 0,7 bei einem für 2011 geschätzten Umsatz von 16,4 Mrd. €,
2. auf Jahressicht hat sich die Aktie deutlich besser entwickelt als der Vergleichsindex DAX,
3. das kontinuierliche Gewinnwachstum wurde in den vergangenen 8 Jahren lediglich 2008 im Zusammenhang mit der Akquisition von APP Pharmaceuticals unterbrochen; auf bereinigter Basis ergab sich damals jedoch ein Gewinnanstieg.
2011 war wieder ein Rekordjahr
Fresenius wird für das abgelaufene Jahr erneut Rekordergebnisse präsentieren. Darauf deuteten bereits die überzeugenden Zahlen der ersten 9 Monate hin. Der Umsatz war um 2,3% auf 12,09 Mrd. € gestiegen, was währungsbereinigt einem Plus von 5% entspricht, und der Gewinn erhöhte sich um 11,5% auf 485 Mio. €. Bereinigt waren es 14,5%.
Bei der Dialyse-Tochter Fresenius Medical Care (FMC) hatte sich die Umsatzdynamik allerdings etwas verlangsamt. Im 3. Quartal gingen die Erlöse sogar leicht zurück. Ursächlich waren die neue Pauschalvergütung für Dialyseleistungen in den USA sowie niedrigere Absatzpreise für Dialysemedikamente. Zudem hatte die Integration der jüngsten Zukäufe die Margenentwicklung etwas gebremst. Ende Oktober beschleunigte sich dann noch der Wertverlust des Euro gegenüber dem Dollar, der bis Jahresende anhielt.
Vor allem der negative Währungseffekt erforderte bei FMC im Dezember eine Korrektur der Umsatzprognose. Hinzu kam, dass auch bei der Tochter Vamed zuletzt nicht alles rund lief. Dort hatten die politischen Entwicklungen im Nahen Osten belastet. Entsprechend musste auch der Mutterkonzern Fresenius sein Umsatzziel neu formulieren.
Das geplante Wachstum von währungsbereinigt 6% dürfte Fresenius nur knapp erreicht haben. Andererseits wurde die Gewinnprognose zum wiederholten Mal angehoben. Wegen hervorragender Geschäfte bei Kabi und Helios stellte der Konzern Ende Dezember einen währungsbereinigten Anstieg von 18% in Aussicht. Zuvor galt noch eine Spanne von 15 bis 18%. Tatsächlich dürften der Umsatz um 3% und der Gewinn um 15% steigen.
Langfristig hohe Wachstumschancen
Der im laufenden Jahr erwartete weltweite Konjunkturabschwung wird Fresenius kaum treffen. Wir rechnen erneut mit profitablem Wachstum. Vor allem die Zukäufe bei Helios sollten sich positiv auf die Ergebnisentwicklung auswirken. Helios hatte zuletzt die Klinik-Gruppe Damp (487 Mio. € Umsatz und 21 Mio. € operatives Ergebnis) sowie das Katholische Klinikum Duisburg (134 Mio. € Umsatz) übernommen und ist jetzt der größte deutsche private Krankenhausbetreiber. Beide Kliniken werden 2012 erstmals konsolidiert.
Als weltweit diversifizierter Gesundheitskonzern hat Fresenius auch langfristig ausgezeichnete Wachstumsperspektiven. Der Konzern profitiert in den westlichen Industrieländern von der zunehmenden Zahl älterer und gebrechlicher Menschen. Daneben steigt in den Schwellenländern mit wachsendem Wohlstand die Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen. Zuletzt wuchs der Bedarf in Asien, Südamerika und Afrika zweistellig.
Fresenius selbst hat sich jedenfalls vorgenommen, bis 2014 den Umsatz organisch um durchschnittlich 6 bis 9% pro Jahr und den Gewinn auf 1 Mrd. € zu steigern. Diese Einschätzung beruht auf weltweit steigenden Patientenzahlen, dem Ausbau des Kliniknetzwerkes, Innovationen bei Dialyseprodukten und -dienstleistungen sowie der Erweiterung des Portfolios für Arzneimittel im Dialysesegment. Die Erstattungspolitik für Dialysedienstleistungen in den einzelnen Ländern wird dabei mit erfolgsentscheidend sein. Für einen zusätzlichen Schub sollen kleine bis mittelgroße Übernahmen sorgen. Besonders die Sparte Helios wird vom anhaltenden Privatisierungstrend im deutschen Krankenhausmarkt profitieren. Denn der Kosten- und Wettbewerbsdruck wird sich wegen des Investitionsstaus und stetig steigender Personal- und Sachkosten weiter erhöhen.
Klares Bekenntnis zu FMC
Fresenius plant den Erwerb von 3,5 Mio. FMC-Stammaktien, um sich dauerhaft einen Stimmrechtsanteil von mehr als 30% an der Dialysetochter zu sichern. Der aktuelle Anteil von 30,3% könnte nämlich durch die Ausübung von Aktienoptionen bei FMC auf bis zu 29,3% sinken. Der Plan ist zu begrüßen, da er ein klares Bekenntnis zu FMC zeigt. Positiv auch: Der zusätzliche Ergebnisanteil an FMC übersteigt die Aufwendungen für den Aktienkauf von geschätzt 180 Mio. €. Wir erwarten in diesem Jahr einen positiven Ergebniseffekt von rund 5 Mio. €. Finanziert wird der Aktienkauf aus dem laufenden Cashflow oder durch Inanspruchnahme bestehender Kreditlinien.
Fazit
Das kontinuierliche und profitable Wachstum der Vergangenheit zeigt, dass Gesundheitsdienstleistungen ein verlässlicher Wirtschaftszweig sind. Aufgrund der vielversprechenden Perspektiven sowie der geringen Konjunkturabhängigkeit ist die Aktie ein attraktives Defensivinvestment in einem schwierigen Marktumfeld. An schwachen Tagen einsteigen.
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