Die Aussichten der Luftfahrtbranche verbessern sich

Glaubt man der EADS-Tochter Airbus, scheinen sich die Aussichten für die Luftfahrtbranche zu verbessern. Nach einer Studie, die der Flugzeughersteller anlässlich der ILA in Berlin vorstellte, wird sich die Zahl der von deutschen Luftverkehrsgesellschaften betriebenen Verkehrsflugzeuge in den kommenden 20 Jahren von derzeit 512 auf 1.220 erhöhen.

Airbus sieht in Deutschland einen Markt für 780 Standardrumpf- und mehr als 280 Großraumflugzeuge sowie 90 sehr große Flugzeuge wie den A380. Der Gesamtinvestitionsbedarf für diese Maschinen liegt nach Listenpreisen bei rund 144 Mrd $. Bei der Auslieferung neuer Passagierflugzeuge wird Deutschland weltweit auf dem dritten Platz liegen.

Flugzeughersteller noch vorsichtig

Auch der Verband der Fluggesellschaften IATA rechnet nach zwei Krisenjahren mit einer Rückkehr in die Gewinnzone. Doch die Flugzeughersteller bleiben vorsichtig. Vor dem Hintergrund schrumpfender Militärbudgets und einer nur zögerlichen Erholung der Zivilluftfahrt erwartet die Branche zwar eine Aufhellung der Lage, aber keinen fulminanten Aufschwung. So geht Boeing von einer spürbaren Nachfragebelebung bei den größeren Passagiermaschinen nicht vor 2012 aus. Der Konzern verhandelt derzeit mit einer Reihe von potenziellen Kunden über einen Verkauf seiner Langstreckenmaschinen B777 und B787. Die monatliche Produktionsrate für seinen Kassenschlager, die kleinere B737, wird Boeing angesichts der steigenden Nachfrage aber erhöhen.

Auch EADS strahlt nur verhaltenen Optimismus aus. Die Tochter Airbus zehrt noch vom hohen Auftragsbestand der fetten Jahre vor 2009, konnte aber auf der ILA lukrative Neuaufträge im Wert von mehr als 15 Mrd $ verkünden. Insgesamt erwartet Airbus für 2010 wie im Vorjahr nur rund 300 Neubestellungen. Allerdings könnten die zuletzt zurückgegangenen Stornierungen wieder zunehmen. Airbus und Boeing blicken mit Sorge nach Dubai. Angeblich prüft Dubai Aerospace die Verschiebung oder Stornierung von Flugzeugaufträgen im Gesamtwert von 28,7 Mrd $. Grund seien Finanzierungsschwierigkeiten. Vor drei Jahren hatte Dubai Aerospace insgesamt 218 Flugzeuge bei Airbus und Boeing geordert.

Sorgen bereitet EADS auch die Militärsparte. Beim Kampfhelikopter Tiger scheuern die Kabel und beim Militärhubschrauber NH-90 funktionieren die Triebwerke nicht richtig. Neue Spannungen zwischen EADS und dem Verteidigungsministerium sind damit vorprogrammiert.

Euroschwäche hilft Europas Luftfahrtbranche

Über eine Entwicklung können sich sowohl die Zivilals auch die Militärflugzeughersteller freuen: Der gesunkene Euro-Kurs erleichtert den Export. Der EADSFinanzchef geht denn auch davon aus, dass der Umsatz in diesem Jahr besser ausfallen könnte als vorausgesagt. Die bisherige Prognose des Konzerns von 43 Mrd € fußt auf einem Wechselkurs von 1,40 $ je Euro. Beim Gewinn wird sich die Euro-Abschwächung in diesem Jahr aufgrund der langsam reagierenden Wechselkursgeschäfte allerdings noch nicht niederschlagen.

MTU hebt ab

MTU Triebwerk GP7000 im Vorrüstraum des Prüfstands
MTU Triebwerk GP7000 im Vorrüstraum des
Prüfstands

Branchenfavorit bleibt der Triebwerkhersteller MTU Aero. Die anziehende Luftfahrtkonjunktur, Großaufträge und Währungseffekte verhelfen dem Konzern zu ungeahnten Höhenflügen. MTU profitiert besonders von dem Großauftrag der Fluggesellschaft Emirates über 32 Maschinen des Typs A380, den Airbus auf der ILA erhalten hat. Zusammen mit General Electric und Pratt & Whitney baut MTU das Triebwerk GP7000, mit dem schon die bisher von Emirates bestellten 58 A380-Exemplare ausgerüstet werden. MTU hat am GP7000 einen Anteil von 22,5%. Der Konzern rechnet damit, dass dieses Triebwerk auch in die neu bestellten Flugzeuge eingebaut wird. Dies bedeutet für MTU einen Umsatz von rund 350 Mio €. Rückenwind erhält MTU auch von der Währungsseite.

Der schwache Dollar wird das Ergebnis zusätzlich beflügeln. Bisher geht MTU von einem Umsatz und Gewinn auf Vorjahresniveau aus. Diese Jahresprognose basiert auf einem Dollarkurs von 1,45. Schwankt der Kurs gegenüber diesem Wert um 10 Cent, wirkt sich dies mit 10 Mio € beim operativen Ergebnis aus. Eine Anhebung der Jahresziele ist daher sehr wahrscheinlich.

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