Buffetts geniale Optionen

Unsere schlechte Meinung über die allgemeine Berichterstattung wurde letzte Woche wieder bestätigt.

"Warren Buffett verzockt 1,4 Mrd. $." "Buffett verspekuliert sich mit Derivaten."

So und ähnlich lauteten duzende Schlagzeilen der oberflächigen Berichterstattung. Aber was ist wirklich passiert?

Netto verdient Berkshire Hathaway in den Monaten April bis Juni knapp 2,0 Mrd. $. 1,3 Mrd. $ weniger als im Vorjahres-zeitraum. Das sind aber nur die offiziellen geprüften Zahlen nach der US-Rechnungslegungsvorschrift. Der Grund waren massive Abschreibungen auf Derivate. Und genau das führte zu den reißerischen Überschriften in den Medien. In Wirklichkeit handelt es sich aber um Derivate mit sehr geringem Risiko.

Warren BuffettBuffetts geniale Optionen

Buffett hatte im Jahr 2007 Put-Optionen auf die großen Indizes verkauft. Damit können sich die Käufer gegen fallende Kurse absichern. Buffett hat dafür sofort 4,85 Mrd. $ erhalten.

Das geniale an Buffetts Optionen ist: Sie haben eine Laufzeit von 15 bis 20 Jahren und können vorher nicht ausgeübt werden. Wenn Buffett das Geld im Schnitt nur zu 8% investiert (das ist ihm bis jetzt IMMER gelungen), hat er in 20 Jahren schon weit über 20 Mrd. $ aus der Optionsprämie gemacht. Das maximale Risiko für Berkshire beträgt 37 Mrd. $, aber die sind nur dann zu zahlen, wenn alle vier großen Weltindizes in den nächsten 17 Jahren auf Null gefallen sind.

Und es glaubt wohl keiner ernsthaft, dass dies passieren kann. Wenn aber die Märkte in anderthalb Jahrzehnten nicht schlechter dastehen als zum Verkaufszeitpunkt der Optionen in 2007, muss Berkshire Hathaway überhaupt nichts zahlen. Das Verlustrisiko ist also minimal.

Hinsichtlich der Bewertung für Derivate gilt in der amerikanischen Bilanzpraxis der Grundsatz der aktuellen Marktbewertung. Im 2. Quartal ist dadurch ein Buchverlust von 1,8 Mrd. $ entstanden, der aber höchstwahrscheinlich bei Fälligkeit in rund 17 Jahren nie realisiert wird. So ist der scheinbare Gewinneinbruch im 2. Quartal zu erklären. Ohne diese Bilanzpraxis hat Buffett wieder einmal ein Spitzenergebnis vorgelegt.

Und die Moral von der Geschichte: Bitte achten Sie auf zuverlässige Berichterstattung und lassen Sie sich von den Medien nicht zu schnell in die Irre führen.

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