Porträt: George Soros

George Soros
George Soros,
1930 in Budapest geboren
Es gibt Börsengurus, die prägen ganze Generationen von Aktionären. Warren Buffett, Peter Lynch oder auch der verstorbene André Kostolany gehören zu ihnen. Als die vielleicht schillerndste Persönlichkeit unter den Großinvestoren gilt jedoch George Soros.

Er vermochte es wie kein zweiter Investor in der Geschichte der Börse, sich Markttrends zu Nutze zu machen. Soros agiert als Hedgefondsmanager äußerst flexibel auf die Entwicklung an den Finanzmärkten und scheut dabei auch vor zum Teil halsbrecherischen Interventionen nicht zurück. Soros hat den Ruf, dass er Finanzmärkte beeinflussen kann.

Soros Investitionsgeheimnisse faszinieren Investoren auf der ganzen Welt. Wenn er über die komplexe Welt der Hochfinanz spricht findet er bei vielen Anlegern gehör.

Von der Putzkraft zum Finanzmagnat

Der Ungar wurde 1930 in Budapest als Sohn einer jüdischen Familie unter dem Namen Dzjehdzhe Shorash geboren. Dort erlebte er auch die deutsche und sowjetische Besatzung.
Soros emigrierte 1947 aus dem kommunistischen Ungarn im Alter von 17 Jahren nach England. Hier begann er an der London School of Economics das Studium der Wirtschaftswissenschaften und Philosophie, welches er 1952 abschloss. Sein Studium finanzierte er als Kellner, Anstreicher und Transportarbeiter.

Seit 1956 lebt George Soros in den Vereinigten Staaten und wurde 1961 zum amerikanischen Staatsbürger. Um sein Lebensunterhalt zu verdienen arbeitete er zunächst bei dem Reinigungsdienst der NYSE an der Wall Street. Schon nach kurzer Zeit fand er eine Anstellung bei einer kleinen Handelsbank, bei der er erste Erfahrungen im Finanzgeschäft sammelte.

Soros, der überaus ehrgeizig war und komplexe Zusammenhänge in kürzester Zeit lernte und weitergeben konnte, wurde nach wenigen Wochen in die Abteilung der Wertpapieranalyse gerufen. Hier lernte er auch seinen späteren Partner Jim Rogers kennen.

Soros Fund Management und der legendäre Quantum Fund

1973 machte sich Soros mit Rogers selbstständig. Sie kauften einen Vermögensfond der den Namen Quantum erhält - Ein Tribut an das Unbestimmtheitsprinzip der Quantenmechanik. Durch die Risikobereitschaft und die Kompetenz der Betreiber entstanden schon nach kurzer Zeit überdurchschnittliche Renditen. Der Quantum Fond rangierte schon nach wenigen Monaten an der Spitze der erfolgreichsten Investments der USA.

Soros und Rogers galten als das „Dream-Team" der Wall Street. Rogers übernahm dabei die Rolle des Analysten mit den richtigen Ideen. Soros war derjenige, der diese Ideen zum richtigen Zeitpunkt in die Tat umsetzte. Er hatte das Gespür für Marktentwicklungen und das richtige Timing.

Die Quantum Group agiert auf den Niederländischen Antillen und Virgin Islands, und unterliegt somit nicht der Aufsicht der U.S. Securities Commission. Es dürfen daher auch keine amerikanischen Staatbürger oder Ausländer mit Wohnsitz in den USA geworben werden. Der Quantum Fund wird über einen Londoner Broker gehandelt. Schließlich gab es vier Quantum Fonds mit traumhaften Erfolgen.

Wer zu Beginn in Soros und Rogers 10.000 Dollar investierte verfügte 1996 über ein Vermögen von ca. 22 Millionen Dollar. Dies entspricht einer Rendite von durchschnittlich 35% pro Jahr. Von 1970-1980 verdreissigfachten die beiden das Geld ihrer Anleger.

1981 war das Krisenjahr von George Soros. Er wurde zwar von dem amerikanische Institutional Investor Magazine zu dem „größten Finanzmanager der Welt" gewählt aber sein Quantum Fond verlor 23% an Wert. Seine Anleger zogen daraufhin ca 30% des Kapitals bei ihm ab. 1982 wurde dann aber mit einem plus von 57% eines seiner besten Jahre. Dieses Ergebnis wurde 1993 mit einem Plus von 70% übertroffen.

Die aktive Führung des Quantum Fonds gab Soros bereits 1988 an seinen Strategen Stanley Druckenmiller ab.

Über Nacht 1 Milliarde Dollar Gewinn

Bis 1992 war Soros nur den Insidern der Finanzszene bekannt. Dies änderte sich über Nacht.

Soros zweifellos größter und in dieser Größenordnung wohl auch einzigartigster Erfolg war eine 10 Milliarden US $-Spekulation auf die Abwertung des britischen Pfunds im Jahre 1992. Bei einer Wette mit seinem Chefstrategen Stanley Druckenmiller erzielte er einen Gewinn von einer Milliarde US $.

Aufgrund der immer flauer werdenden Wirtschaftslage in Großbritannien spekulierte er darauf das England zu einer Abwertung des britischen Pfunds gezwungen sein würde. Soros hatte wieder das richtige Timing als er 10 Milliarden Dollar, wovon 9 Milliarden geliehen waren, gegen das englische Pfund setzte. Am 15. September 1992 wurde das Pfund tatsächlich abgewertet und Sorros verdiente innerhalb eines Tages 1 Milliarde Dollar. Diese Transaktionen machen Soros zum bekanntesten und auch umstrittensten Spekulanten der Welt. Die Financial World listete ihn 1992 als den Bestverdiener der Wall Street.

Auch heute ist Soros eine geheimnisumwitterte Gestalt. Dies liegt auch daran, dass er glaubt Publicity sei Gift für jeden Investor.

Erfolg gepachtet?

Soros Engagements waren nicht immer so erfolgreich. Im Mai 1993 war eine Spekulation gegen die D-Mark nicht aufgegangen. 1994 erregte eine Yen/Dollar Spekulation mit 600 Millionen US $ Verlust ein einem einzigen Tag Aufsehen. Soros gesteht diesen Fehler mit dem Satz: „Der grösste Fehler ist es, anzunehmen, dass man ein Finanzgenie ist" ein.

Soros hat nicht nur Freunde. Wegen seinen Spekulationen gegen asiatische Währungen wird er für die Asienkrise im Jahre 1998 mitverantwortlich gemacht.

In seinem offenen Brief an die Financel Times, fordert er Russland 1998 zu einer Abwertung des Rubels auf. Den stellvertretenden Direktor des IWF, Stanley Fischer veranlasst dies zu der Aussage: „Wäre Soros nicht gewesen, hätten wir es in Russland geschafft"

Ein französischer Zentralbanker drückt es gar krasser aus: „Solche Leute hätte man früher geköpft!"

Durch sein weit verzweigtes Netzwerk gewinnt George Soros weltweit einen notwendigen Informationsvorsprung bei der Beobachtung und Beeinflussung neuer wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Strömungen.

Eiskalter Investor und Wohltäter

George Soros 2010Soros ist Zweifellos einer der schillerndsten und interessantesten Persönlichkeiten die das Wirtschaftsleben je hervorgebracht hat.

Georges Soros ist ein eiskalter, berechnender Investor, gibt aber auch einiges von seinem Reichtum ab. George Soros ist arm geboren möchte aber nach eigenen Aussagen nicht arm sterben. Soros Privatvermögen wird auf ca. 2,5 Milliarden Dollar geschätzt.

Soros ist der größte private Wohltäter der USA. Soros persönliche Ziel ist es, als Retter von Nationen in die Geschichte einzugehen. Regelmäßig unterstütz er soziale Einrichtungen mit mehreren hundert Millionen Dollar. Stiftungen wie die "Open Society Foundation", bestehen aus einem umfassenden Netzwerk mit eigenen Budgets.

Diese befinden sich in Ländern wie Nordamerika, Litauen, Armenien, Mazedonien, Asaibeischan, Moldavien, Mongolei, Bosnien-Herzegowina, Polen, Bulgarien, Rumänien, Kroatien, Russland, Tschechien, Slowakai, Slowenien, Südafrika, Guatemala, Hahiti, Tatschikistan, Ungarn, Urkraine, Kasastan, Usbekistan, Kirgistan, Latavia sowie sog. Institute zur Schaffung einer offenen Gesellschaft ("open society institute") in New York, Brüssel, Budapest, Paris und Washington D.C.

Die Einrichtungen beinhalten neben der Welthungerhilfe auch Themen wie die Krebs-Forschung oder die aktive Sterbehilfe.

Amount Soros Gave 1996

Philosophie und Finanzmärkte

Eine überaus wichtige Rolle bei George Soros Anlageverhalten spielen sowohl wirtschaftstheoretische als auch philosophische Gedanken.

Soros wollte in jungen Jahren immer Philosoph werden. Er beschäf-tigte sich schon sehr früh mit Fragen wie: Wie funktioniert die Welt?", oder: „Was ist der Sinn des Lebens?".

Soros schloss aus seinen Überlegungen für die Philosophie und gleichermaßen die Finanzmärkte:

• Vollkommenes Wissen und objektive Beurteilung sind absolut unmöglich - die menschliche Wahrnehmung ist stets verzerrt und fehlerhaft.

• Angebot und Nachfrage werden genauso von Marktereignissen beeinflußt wie die Marktteilnehmer.

• Das Marktgeschehen folgte zu keinem Zeitpunkt in der Geschichte analysierbarer Logik oder Rationalität.

• Nicht das Gleichgewicht, sondern das Ungleichgewicht auf den Finanzmärkten beeinflußt die Entscheidung.

Strategien von George Soros

Viele von Soros Denkmustern können auch dem Kleinanleger bei der Betrachtungsweise der Börse hilfreich sein.

• Es gibt immer mehr oder weniger starke Diskrepanzen zwischen den Wahrnehmungen der Marktteilnehmer und der Wirklichkeit.

• Oft schaffen die Erwartungen im Sinne einer sich selbsterfüllenden Prophezeiung die zukünftigen Ereignisse.

• Märkte sind instabil, weil die Anleger sowohl von Fakten als auch von Emotionen beeinflußt werden. Es ist daher sinnvoll einen Überblick über die Meinung vieler anderer Marktteilnehmer zu bekommen.

• Entscheidend ist, wie der Markt die diversen wirtschaftlichen Fundamental-daten bewertet, nicht wie sie tatsächlich sind. Voraussetzung für einen extremen Auf- und Abschwung ist ein trendfolgendes Verhalten.

• Auch Überreaktionen können starke Bewegungen auslösen. Wenn sich eine Eigendynamik entwickelt, dann sind Überreaktionen sehr wahrscheinlich.

• Aktienkurse können auch die Fundamentaldaten beeinflussen. Wenn Konzerne beispielsweise aufgrund hoher Aktienkurse neue Akquisitionen tätigen, entstehen oftmals gute Spekulationsmöglichkeiten.

• Erst investieren, dann analysieren! Das heißt: „Stellen Sie eine Hypothese auf, übernehmen Sie eine kleine Position, und warten Sie, ob Ihnen der Markt recht gibt."

• Plötzliche Bewegungen auf den Aktienmärkten sind Signale. Wenn bislang links liegengebliebene Aktien mit einem Mal massiv gekauft werden, kann ein sich selbst verstärkender Prozeß in Gang gesetzt werden.

• Beobachtung der ausländischen Märkte - wo öffnet man sich für ausländische Investitionen, wo wird eine neue Politik zur Stabilisierung der Wirtschaft eingeschlagen, wo eine Marktreform durchgeführt?

• Wenn eine Branche über kurz oder lang einen Aufschwung erleben wird, dann ist das stärkste und schwächste Unternehmen innerhalb der Branche sehr gute Investments. Kommt der Boom, werden sich die Anleger erst auf das stärkste Unternehmen stürzen und den Aktienkurs in die Höhe treiben. Danach profitiert auch das schwächste, am meisten unterbewertete Unternehmen von dem Boom, weil es aus den Strategien der Großen gelernt hat.

• Lernen Sie, mit Fehlern umzugehen. George Soros sagt: "Es ist keine Schande, sich zu irren, wohl aber, die eigenen Fehler nicht zu korrigieren, wenn man sie erkannt hat". Man sollte aus einem Investment aussteigen wenn man falsch liegt - lieber zu früh als zu spät!

• Niemals "Haus und Hof aufs Spiel setzen!" George Soros investiert nach dem Grundsatz, niemals so viel zu riskieren, daß er sich im schlimmsten Fall selbst zerstören könnte.

• Nachzudenken und zu lesen ist wichtiger als ununterbrochen im Börsengetümmel präsent zu sein.

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