Andre Kostolany

Börsenlegende Kostolany wird oft zitiert und kopiert - doch nie erreicht. Bekannt durch seine zahlreichen Auftritte in Fernsehen und Zeitschriften, sowie durch seine Vorträge und Bücher ist der Name Kostolany fast jedem Menschen ein Begriff.

Vom Kunstkritiker zum Spekulanten

Geboren wurde André Bartholomew Kostolany am 09.02.1906 in Budapest in Ungarn. Als jüngstes von 4 Kindern wuchs Kostolany in einer wohklhabenden jüdischen Industriellenfamilie auf. Nach dem Schulabschluss studierte André Kostolany zunächst Philosophie und Kunstgeschichte, um sich seinen eigentlichen Berufswunsch zu erfüllen.
Sein Berufswunsch war der des Kunstkritikers, von dem er dann allerdings wieder abkam. Ebenfalls erwarb er auch in Wirtschaftswissenschaften ein Diplom, dass er allerdings mit den Worten „Volkswirtschaft ist keine Wissenschaft" in einer Schublade unter Verschluss hielt.

Sein Vater, ein wohlhabender Industrieller, sah dies allerdings anders, und brachte seinen Sohn bei dem befreundeten französischen Finanzmakler Adrien Perquel unter.

Er landete nun an der Pariser Börse, wo er die Prinzipien der Börse erlernte. Das Grundprinzip fasste er später scherzhaft in folgendem Satz zusammen:

An der Börse kommt es immer nur darauf an ob derzeitig mehr Dummköpfe als Papiere oder mehr Papiere als Dummköpfe vorhanden sind !"

Nach dem erfolgreichen Abschluss seines Volontariats wechselte er zu der Konkurrenzfirma Amerongen & Compagnie. Dies war der Beginn einer einzigartigen Börsenkarriere. Zunächst arbeitete Kostolany als Makler, dann als Berater und schließlich nur noch als Spekulant auf eigene Faust.

Stehaufmännchen und der erste Bankrott

Auch Kostolany erlebte nach eigenen Angaben schlaflose Nächte aufgrund der nervenaufreibenden Risiken der Börse. Nach dem Verlust seines ganzen Geldes und gleichzeitig entstandenen kolossalen Schulden waren ihm als junger Man kurz vor dem Krieg auch Selbstmordgedanken nicht fremd.

Zu diesem Abschnitt seines Lebens sagte er in einem Interview: „Ein wirklicher Börsianer, der zur meisten Zeit auch Spekulant und nicht nur Anleger ist, ist immer auch ein Stehaufmännchen . Er fällt, verliert alles, hat eine neue Idee, und mit dieser Idee gelingt es ihm dann. Mit diesen neuen Ideen konnte ich dann wieder aufstehen und mein Geld machen."

Flucht in die USA

1940 als die deutschen Truppen kurz vor Paris standen und der Einmarsch jede Stunde zu erwarten war, packte André Bartholomew Kostolany (zwar katholisch getauft aber jüdischer Herkunft) seine Sachen und flüchtet über San Sebastian und Madrid in die Vereinigten Staaten von Amerika.

Der damals 33-jährige hatte vorgesorgt, indem er schon 1938 sein Geld in die USA transferierte. Als er dann in die USA flüchtete hatte er es geschafft sage und schreibe 200.000 Dollar zu sichern. Dies war zum damaligen Zeitpunkt enorm viel Geld. Er erhielt die amerikanische Staatsbürgerschaft und übernahm 1941, ein Jahr nach seiner Umsiedlung, den Posten des Generaldirektors, sowie des Präsidenten der G. Ballai and Cie Financing Company. Gleichzeitig war Kostolany dort Hauptaktionär. Diese Tätigkeit übte er bis 1950 aus.

Zurück in die Heimat

Einige Jahre nach dem Krieg, zog es ihn doch wieder nach Paris zurück. Dort lernte er auch seine Frau kennen, mit der er bis zum Schluss zusammenlebte. Im Alter von 58 Jahren heiratete André Kostolany Francoise Russell welche deutlich jünger war als er selbst. Die Ehe blieb jedoch kinderlos.

Weitere Wohnsitze neben Paris schaffte sich Kostolany auch noch in München und an der Côte d`Azur. Nach dem Ausscheiden aus dem Präsidentenposten zog sich Kostolany nicht zurück. Im Gegenteil, er startete seine zweite Karriere in seinem heimlichen Traumberuf - als Schriftsteller.

Kostolany der Buchautor

Insgesamt schrieb André Bartholomew Kostolany 13 Bücher die bis heute insgesamt über 3 Millionen mal verkauft wurden.

Als 1957 sein erstes Buch mit dem Titel „Der Friede den der Dollar bringt" erschien, war seine Autorentätigkeit noch nicht von großem Erfolg gekrönt. Dies gelang ihm ab 1960, als er für die Französische Zeitschrift „La Vie francaise" schrieb.

Den meisten Menschen ist er jedoch durch seine Kolumne aufgefallen, die er von 1964 bis zu seinem Tode in der deutschen Zeitschrift „Capital" verfasste. Seine Kolumne erschien in der Zeit 414-mal.

Einer seiner besten Freunde berichtete: „Andrés Traum war es seine Kolumne in der Capital-Ausgabe von Januar 2000 zu veröffentlichen." Doch leider blieb dieser Traum für immer unerfüllt.
Am 14.09.1999 starb André Bartholomew Kostolany im Alter von 93 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung.

Sein Lebensstil

Kostolany war ein Genießer wie er im Buche steht. In den Metropolen Paris und München lebte und arbeitete er immer am Puls der Welt. Andererseits liebte er auch die Entspannung und die schönen Dinge des Lebens. In seinem Haus an der Cote d`Azur konnte er sich zurückziehen.

Er war ein begeisterter Freund der klassischen Musik und der Oper. Seine Lieblingsstücke waren Wagners „Der Meister-singer von Nürnberg" und „Der Rosenkavalier" von Richard Strauß, welchen er zu seiner großen Freude noch persönlich kennen lernen durfte.

Kostolany - der Kämpfer

Zeit seines Lebens kämpfte André Kostolany gegen verschiedenste Dinge an. Dabei schreckte er auch vor großen Institutionen nicht zurück. In den 70`ern nahm er beispielsweise den Kampf gegen die „Schwindelfonds" der IOS auf. In den 80`ern widmete er sich ebenso erfolgreich dem Kampf gegen die Goldlobby sowie Warentermin-, Öl- Abschreibungs- und Hedgefondsbetrügern.

Seinen letzten „Kreuzzug" startete André Kostolany in den 90`ern, den er bis zu seinem Tode führte - gegen die Banken, die den Anlegern Garantiefonds verkauften.
Dazu schrieb er ausführlich in der Ausgabe 8/96 der Zeitschrift Capital.
„Die Garantiefonds sind nur eine Irreführung der Anleger

...der Präsident der Union Bank Wien, Eugen von Minkus, sprach in der Inflationszeit der frühen zwanziger Jahre einen bemerkenswerten Satz über seine eigene Zunft, die Banken: "Wir sind nicht tüchtig, wir sind nicht schlau, wir sind nur fein."

Heute erinnert dieses Zitat immer noch an die großen Geldinstitute, aber ganz anders: „Die Banken von heute sind zwar tüchtig und schlau, aber bestimmt nicht fein."
...ihr oberstes Ziel ist es, an das Geld der Sparer heranzukommen, egal wie....Sie verkaufen so genannte Garantiefonds...Die Kunden können kein Geld verlieren, aber angeblich große Gewinne einstecken, wenn die Aktienkurse steigen....Ein großes Versprechen: kein Risiko, aber Riesengewinne. Wer solche Offerten macht, ist entweder Wohltäter oder Alchemist.

In Ungarn sagte man zu Recht: "Aus Holzbarren kann man keine Stahlstangen machen." Eine Aktie ist ein Risikopapier - basta. Ein amerikanischer Broker zeigte einmal einem seiner Gäste die schönen Boote im Hafen von New York: "Das sind die Yachten der Broker." - "Und wo sind die Yachten der Kunden?" fragte der Gast.

9 Gebote

  1. Eigene Ideen haben und mit Überlegung handeln: sollte man im Moment überhaupt kaufen? Und wenn ja, wo, welches Land und welche Brachen?
  2. Immer genug Geld haben um nicht unter Druck kommen zu können.
  3. Hart und zäh sein wenn man von einer getroffenen Entscheidung überzeugt ist.
  4. Flexibel sein und damit rechnen das die Vorstellung/Analyse doch nicht fehlerfrei ist.
  5. Bereit sein zu verkaufen, wenn man sich bewusst ist das sich die Konstellation (Situation des Unternehmens) geändert hat und eine neue vorhanden ist.
  6. Durchschauen des Depotbestandes von Zeit zu Zeit, und feststellen, welche werte man auch jetzt noch kaufen würde.
  7. Nur dann kaufen wenn man eine große Phantasie drin sieht.
  8. Alle Risiken , auch die kleinsten und unwahrscheinlichsten mit in das Kalkül ziehen.
  9. Ruhig bleiben , auch wenn man Recht hatte.

Das Ei des Kostolany

Andre Kostolany: Die Kusnt über Geld nachzudenkenIn dem im Februar 2000 erschienenden Buch: „Die Kunst über Geld nachzudenken" beschreibt Kostolany die Zyklik der Märkte.

In seinem letzten Buch faßt Kostolany nochmals die grundlegenden Mechanismen der Börse zusammen: Langfristig ist die wirtschaftliche Entwicklung und die Gewinnsituation der Unternehmen von entscheidender Bedeutung für die Aktienkurse. Mittelfristig dagegen ist die Geldversorgung der Wirtschaft und die Börsenpsychologie die wichtigsten Determinanten der Aktienkursbewegungen.

Der Börsenpsychologie misst Kostolany starke Auswirkungen auf die Börse zu. Das hängt seiner Ansicht größtenteils damit zusammen, dass sich die Anleger in Zittrige und Hartgesottene einteilen lassen.

Der von Kostolany geprägte Begriff der „Zittrigkeit" ist heute ein gebräuchliches Wort in der Finanzszene.
Sind die Papiere in zittrige Hände, so hat eine besonders gute Nachricht fast keine große Wirkung mehr. Dagegen endet eine schlechte Nachricht im Debakel. Haben die Hartgesottenen den größten Teil der Aktien, so wirken gute Nachrichten euphorisch, schlechte verursachen fast keine Reaktionen. Den ersten Fall nennt Kostolany einen übergekauften, den zweiten einen überverkauften Markt.

Um nun beurteilen zu können, ob ein Markt übergekauft oder überverkauft ist, muß die Anatomie einer Auf- und Abwärtsbewegung verstanden werden. Sie sind an der Börse ein unzertrennliches Gespann. Nach Kostolanys Erfahrung besteht jede Hausse und Baisse aus drei Phasen: Phase der Korrektur, Phase der Anpassung und die Phase der Übertreibung.

Weil die verschiedenen Phasen der Aufwärts- und der Abwärtsbewegung einander ablösen, stelle ich sie in einem Kreisel dar, den ich das Ei des Kostolany genannt habe"

Das Ei des Kostolany

A1: Phase der Korrektur (kleiner Umsatz, Zahl der Aktienbesitzer gering)

A2: Phase der Begleitung (Umsatz und Zahl der Aktienbesitzer steigend)

A3: Phase der Übertreibung (Umsazu wird euphorisch, Zahl der Aktienbesitzer ist hoch, bei X am höchsten)

B1: Phase der Korrektur (kleiner Umsatz, Zahl der Aktienbesitzer geht langsam zurück)

B2: Phase der Begleitung (Umsatz ist steigend, Zahl der Aktienbesitzer nimmt weiter ab)

B3: Phase der Übertreibung (ganz großer Umsatz, Zahl der Aktienbesitzer ist niedrig, bei Y am niedrigsten)

Daraus ergibt sich:
• Kaufen in der Phase A1 und B3
• Abwarten und Papiere halten in der Phase A2
• Verkaufen in den Phasen A3 und B1
• Abwarten und Bargeld halten in der Phase B2

In diesem Zusammenhang prägte Kostolany auch die Begriffe der „zittrigen" Anleger und „hartgesottenen" Anleger. Auch sein Ausspruch „Kaufen Sie Aktien und Schlaftabletten" ist weltbekannt.

Value-Analyse.de hilft Ihnen auch in turbulenten Börsenzeiten die Ruhe zu bewahren und stets zu den hartgesottenen Anlegern zu gehören.

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